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8. Südtiroler Blauburgundertage Neumarkt Montan 5. Nationaler Blauburgunderwettbewerb

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23.06.2006

8. Südtiroler Blauburgundertage Neumarkt/Montan

5. Nationaler Blauburgunderwettbewerb

Am 18. Und 19. Mai fanden in Neumarkt und Montan die 8. Blauburgunder-Tage Südtirol statt. Peter Dipoli, kenntnisreicher und umtriebiger Winzer, Obstbauer und Weinhändler in Neumarkt, hat vor acht Jahren diese Veranstaltung ins Leben gerufen. Nicht von ungefähr findet sie in Südtirol statt, weil hier die ebenso schwierige wie edle Sorte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in größerem Ausmaß ausgesetzt und gepflegt wird. Heute umfassen die Blauburgunderrieden eine Fläche von 350 ha.

Die allen Weinliebhabern zugängliche Veranstaltung der Südtiroler Blauburgundertage bot die Gelegenheit, eine breit gefächerte Auswahl an Blauburgundern aus verschiedensten Weinanbaugebieten Italiens zu verkosten und diese dann mit einer kenntnisreich zusammengesetzten Auslese von Blauburgundern aus aller Welt zu vergleichen. Als Einführung hielt Professor Attilio Scienza von der Universität Mailand einen fesselnden Fachvortrag über die interessante Sorte, danach hatten Weinliebhaber und Fachleute 2 Tage Zeit, ihr Wissen über Pinot Noir mittels Verkostungen und Fachgesprächen zu vertiefen.

Vor einigen Jahren entschlossen sich die Initiatoren und Veranstalter, einen nationalen Blauburgunder-Wettbewerb für die weitere Aufwertung der Blauburgundertage ins Leben zu rufen. Als einer der Juroren kann ich den Verantwortlichen für die Professionalität hinsichtlich Verkostungsmodus und Verkostungsraum, sowie der perfekten Organisation nur gratulieren.

Für die 5. Auflage des Nationalen Wettbewerbs  wurden 224 Betriebe, 78 aus Südtirol und 146 aus dem restlichen Italien, angeschrieben, von denen sich 61 mit ihrem Wein dem strengen Verkostungsbewerb unterzogen. Eine Fachjury mit 19 national und international anerkannten Fachjournalisten, Önologen, Händlern und Winzern haben Anfang April im Versuchszentrum Laimburg, unter der organisatorischen Leitung von Dipl. Ing. Armin Kobler (Leiter der Sektion Kellerwirtschaft), die einzelnen Blauburgunder auf ihre Eigenschaften hin geprüft und bewertet. Von den 61 eingereichten Proben stammten 33 aus Südtirol, dementsprechend 28 aus den anderen Anbaugbieten Italiens. Wie schon in den vergangenen Jahren zeigte sich auch diesmal, dass im Großen und Ganzen die Südtiroler Burgunder in Italien die Nase vorne haben. Einige von ihnen können sich durchaus mit bekannten Weinen aus großen Lagen der Pinot-Welt messen.

Meine persönlichen Notizen zeigen aber auch, dass die Qualitäten schon sehr unterschiedlich waren, selbst aus einem so warmen Jahrgang wie 2003. Sicherlich, wie schon oben erwähnt, zählt die Sorte Pinot Noir (Blauburgunder, Blauer Spätburgunder, Pinot Nero etc.) zu den schwierigsten in Weingarten und Keller. Dennoch würde man eine größere Dichte in Ausbauweise und Sortencharakter erwarten. Dem ist nicht so, aber eine gewisse Tendenz zu immer besseren Qualitäten ist schon sichtbar. Da spielt auch die Tradition eine Rolle, denn bis vor nicht allzu langer Zeit waren eher „leichte” Weine gefragt, ob sie es nun wirklich waren oder nicht. Auch der Preis durfte lange Zeit ein gewisses Maß nicht überschreiten, was natürlich nur über die Erträge zu erfüllen war. Erst seit den letzten 15 Jahren ändert sich das zunehmend, dank der kompromisslosen Qualitätsarbeit einiger (immer mehr werdender) Weinbauern und, an dieser Stelle nicht zu vergessen, auch etlicher hervorragender Genossenschaften, was in dieser Form weltweit ziemlich einzigartig ist.

Südtirol - Versuchszentrum Laimburg

Mit fortschreitender Spezialisierung der Weinwelt und der rasant zunehmenden Menge von kenntnisreichen Weinliebhabern ist nun der Blauburgunder immer mehr als lagerfähiger, subtiler, dabei kräftiger und komplexer Lagenwein mit erkennbarer Herkunft gefragt. Was den Ausbau anbelangt, konnte man bei dieser Fachverkostung doch zwei große Richtungen ausmachen: die der immer geschickter und massiver eingesetzten Barrique (eigentlich sollte es ja ein Pièce sein), also die schokoladig-weiche, globalisierende Linie und die der puristischen, Herkunft und Sorte betonenden „Terroiristen”, mit manchmal wirklich schwierigen, oft hochinteressanten Weine. Und wie das eben so ist in Zeiten des Wandels, nicht wenige Weine irrten noch etwas verloren zwischen diesen Polen hin und her.

Was die Bewertungen angeht, so fällt jedem Betrachter der Liste die äußerst restriktive Punktewertung ins Auge. Wann gab es das letzte Mal einen deutlichen Sieger mit 82 Punkten? Das aber ist das Ergebnis der Verkostung durch die 19 Juroren. Ich hätte nicht gedacht, dass schon so viele Kollegen zu realistischen Wertungsnoten zurückgekehrt sind, angesichts der immer gigantomanischeren Zahlen in so manchen bekannten Publikationen. Sicher, es ist etwas anderes ob man praktisch anonym in einer Kostkommission bewerten kann, oder ob man die Auflage einer Zeitschrift hochhalten muss. Das Volk will Blut, sprich möglichst viele Weine an die 100 Punkte, und auch für viele Winzer gibt es scheinbar kein Leben mehr unter 90 Points. Insofern setzte dieser Bewerb ein deutliches Signal in Richtung Realität und Wahrhaftigkeit gegenüber dem Amateur, also dem Kunden, auch wenn ich selbst durchaus den einen oder anderen Wein etwas höher sah. Die kritische und auch manchmal kritisierte realistische Bewertung in unseren Wein-Plus Weinführern wurde durch diesen Wettbewerb einmal mehr bestätigt.

Dem Interesse des Publikums bei den Südtiroler Blauburgundertagen taten die für Einige ungewöhnlichen Bewertungen keinen Abbruch, im Gegenteil. Reges Interesse und viele interessante Diskussionen zeugten von der Vitalität der Veranstaltung, was sie für nächstes Jahr schon jetzt zu einem Fixpunkt im Weinkalender machen sollte.

Zuvor aber sollte man sich noch zwischen dem 11. bis 18. November Zeit nehmen. Da finden nämlich, ebenfalls in Südtirol - genauer in Naturns im Vinschgau, die 2. Rieslingtage (http://www.rieslingtage.it/) statt, worüber Marcus Hofschuster als einer der Juroren ebenfalls gerne berichten wird.

 

Die Ergebnisse des 5. Südtiroler Blauburgunder - Wettbewerbes:

Rang  Punkte            Betrieb und Weinbezeichnung
1          82    Kellerei Terlan Südt. Blauburgunder
                   DOC Montigl Riserva
2          79    Weingut Gottardi Südt. Blauburgunder
                   DOC Mazzon
2          79    Tiefenbrunner Südt. Blauburgunder
                   DOC Linticlarus Riserva
2          79    Stroblhof Südt. Blauburgunder
                   DOC Riserva
3          78    Elena Walch Südt. Blauburgunder
                   DOC Ludwig
3          78    Weingut Unterortl Südt. Blauburgunder
                   DOC Castel Juval
3          78    Kellerei Kettmair Südt. Blauburgunder
                   DOC Reinerhof
3          78    Ansitz Pfitscher Südt. Blauburgunder
                   DOC Matan
4          77    Castelfeder Südt. Blauburgunder
                   DOC Burgum Novum
5          76    Klosterkellerei Muri Gries Südt. Blauburgunder
                   DOC Riserva
5          76    Niedermayr Girlan Südt. Blauburgunder
                   DOC Riserva
6          75    Fattoria Mancini Pinot Nero
                   DOC Colli Pesaresi Focara
6          75    Haderburg Südt. Blauburgunder
                   DOC Hausmannhof
6          75    H. Lun Weink. Südt. Blauburgunder
                   DOC Sandbichler Riserva
6          75    Ferruccio Carlotto Südt. Blauburgunder
                   DOC Filari di Mazzón
6          75    K.G. St. Pauls Südt. Blauburgunder
                   DOC DiVinus
6          75    Laimburg Südt. Blauburgunder
                   DOC Selyét
7          74    Valle di Cembra Pinot Nero
                   DOC Trentino Vigna di Saosent
7          74    Grosjean Pinot Nero
                   DOC Vallée d’Aoste
7          74    Manincor Südt. Blauburgunder
                   DOC Mason
7          74    Cave des onze communes Pinot Nero
                   DOC Vallée d’Aoste
8          73    Cantina Toblino Pinot Nero
                   DOC Trentino
8          73    Kellerei Tramin Südt. Blauburgunder
                   DOC Schiessstand
8          73    Kellerei St. Michael Eppan Südt. Bl.burg.
                   DOC Sanct Valentin
8          73    Fontana Graziano Pinot Nero
                   DOC Trentino
9          72    Franz Haas Südt. Blauburgunder
                   DOC Schweizer
9          72    Kellerei Schreckbichl Südt. Bl.burg.
                   DOC St. Daniel Riserva
9          72    Le due Terre Pinot Nero
                   DOC Colli orientali del Friuli
9          72    Maso Poli Pinot Nero
                   DOC Trentino Superiore
9          72    Dalzocchio Elisabetta Pinot Nero
                   DOC Trentino Riserva
9          72    Kellerei Kössler Südt. Blauburgunder
                   DOC
10        71    Weingut Brunnenhof Mazzon Südt. Blauburgunder
                   DOC Riserva
10        71    Hofkellerei W. & G. Walch Tramin Südt. Blauburg.
                   DOC


Karl Bajano
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