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Andreas Laible mit Söhnen
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Er gehört zu den Stillen, Zurückhaltenden im Lande. Und das ist wohl auch ein wesentlicher Grund, warum Andreas Laible die Anerkennung, die er schon lange verdiente, erst relativ spät zuteil wurde. Inzwischen hat sich das geändert: Der Riesling-Star aus der Ortenau gehört zu den höchstdekorierten Winzern in Deutschland überhaupt. "Aufsteiger des Jahres 2000" und vier Trauben im Gault Millau, Winzer des Jahres 1999 und 2000 bei "Alles über Wein", Gewinner des Riesling-Erzeugerpreises von "Vinum", 19 Landesehrenpreise, 11 Bundesehrenpreise, unzählige Goldmedaillen: Das sind nur einige Stationen der Karriere des Andreas Laible. Und, als vorerst letzter Höhepunkt, wurde seine 1999er Riesling Spätlese trocken aus dem Durbacher Plauelrain zum weltbesten trockenen Riesling gekürt. Im "Internationalen Riesling Wettbewerb" schlug sie 1700 Weine aus 10 Ländern und vier Kontinenten aus dem Feld.
Wenn nicht alles täuscht, werden in Kürze weitere Auszeichnungen hinzukommen. Denn auch der Jahrgang 2000, in manche deutschen Weinregionen bestenfalls bescheiden ausgefallen, setzt bei Laible wieder Maßstäbe. "Wenn ich mir die Weine vieler Winzerkollegen anschaue, die vielfach mit Fäulnis enorme Probleme hatten, dann kann ich mit meinen Rieslingen voll zufrieden sein", sagt der Ausnahmewinzer. Das ist natürlich untertrieben: Den 2000er schätzt er höher als seinen Vorgänger ein, zumal er im Extrakt durchschnittlich drei bis vier Gramm höher liegt. Wie unsere Verkostungen ergaben (siehe Kasten), ist die Einschätzung vollauf gerechtfertigt. Kleine, gar magere Weine gibt es bei Laible nicht.
Wie er das macht? "Qualität muss im Weinberg wachsen", beteuert der Perfektionist, der mit seinen Weinen geradezu verwachsen ist. Wer in seinem Hof steht und den Plauelrain, in dessen Herzstück er sechs Hektar besitzt, vor sich steil aufsteigen sieht, der kann erahnen, welche unendlichen Mühen hier jedes Jahr erforderlich sind. Mit konsequentem Rebschnitt wird der Ertrag auf etwa 50 hl/ha begrenzt. Nur das beste Traubenmaterial kommt in seinen Keller, alles ist bei ihm Handarbeit. Ist das Lesegut eingefahren, muss es mit aller Konsequenz überwacht werden. "Ich gehe jeden Morgen und jeden Abend in den Keller, denn allein lassen kann man den gärenden Most nicht", sagt Laible, der den Wein anschließend möglichst schnell von der Hefe trennt. Er achtet darauf, dass seine Weine eine Spur Kohlensäure behalten und auch eine knackige Säure. Sie machen den Charakter der Laible-Rieslinge aus, die dank ihres generellen Ausbaus im Edelstahl Frische und Fruchtigkeit mitbringen und natürlich auch das Terroir des Plauelrains: Die Granitverwitterungsböden verleihen ihnen einen deutlich mineralischen Ton. All das sind Eigenschaften, die nicht nur den Ortenauer, sondern allen deutschen Rieslingen gut anstehen sollten: "Bei der Frische, bei der Rasse", so Laible, "sind wir weltweit unschlagbar."
Andreas Laible ist nicht nur Perfektionist, er ist auch in seinem Selbstverständnis als Winzer absoluter Traditionalist. Das wird besonders deutlich, wenn das Gespräch auf moderne Methoden der Weinbereitung kommt. "Der Wein muss angebaut werden, wie es die Natur bringt. Alle Manipulationen sind negativ". Das ist sein Credo, das, wie er befürchtet, in die heutige Zeit nicht mehr so recht passt. Er ärgert sich über die Umkehrosmose, die "unfair den Kollegen gegenüber" sei und die man nicht brauche, und über den Badischen Weinbauverband, der die modernen Techniken seiner Meinung nach viel zu sehr unterstützt. Zumindest die Deklaration auf der Flasche sei notwendig, um dem Verbraucher die Wahl zwischen traditionellen und modernen, "gemachten" Weinen zu ermöglichen.
Noch mehr in Rage gerät Laible, wenn neue Hefen ins Spiel kommen. "Durch Hefen wie Simi White, die Noten von Cassis, Holunder und Stachelbeeren mitbringen, wird der Charakter des Rieslings doch absolut verfälscht", schimpft der Winzer, der keinerlei Verständnis für die Bestrebungen einiger Kollegen aufbringt, durch die auf diesem Wege erreichte Aromatisierung neue - jüngere - Verbraucherschichten anzusprechen: "Dann können sie doch gleich Scheureben trinken". Am besten natürlich seine, denn die sind, wie Insider wissen, ganz und gar außergewöhnlich. Inzwischen, so der Durbacher, habe nahezu jeder zweite Riesling einen Touch neuer Hefen.
Für Laible käme dies alles nie in Frage. Er hat seine eigenen Hefen und lässt seine Weine zu einem guten Teil spontan vergären. Viel wichtiger ist für ihn die Arbeit mit dem Klonmaterial, einem seiner Hobbys: Er besitzt neun verschiedene Rieslingklone und baut seine Rieslinge teilweise getrennt nach Art der Klone aus. Die neuen Methoden indes bedrücken ihn: "Der Spaß am Beruf geht ein wenig verloren", meint er, "man achtet nur noch auf Technik und kaum noch auf Feinheit und Sortentypizität." Doch wenn der neue Jahrgang im Keller ist, wenn die 30 000 bis 40 000 Flaschen, die er jährlich erzeugt, wieder in wenigen Monaten verkauft sein werden und er die Hochachtung seiner Kunden genießen kann, dann wird auch ein Andreas Laible wieder Befriedigung verspüren. Richtig zufrieden freilich wird er nicht sein. Denn zufrieden ist ein Perfektionist nie.