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Bibel

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Bibel
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Das als „Gelobte Land“ bezeichnete Kanaan (biblischer Name für Palästina), mussten sich die Israeliten zweimal erobern bzw. besiedeln. Dies erfolgte unter Abraham etwa 2000 bis 1900 und unter Moses nach vierzigjähriger Wüstenwanderung etwa 1300 bis 1200 v. Chr. Die moderne Geschichtsforschung geht davon aus, dass beide Personen tatsächlich gelebt haben. Moses starb aber nach dem Erreichen des Zieles, ohne es betreten zu haben. An der Grenze erhielt Moses von Jahwe den Befehl, das von ihm für die Israeliten vorgesehene Land Kanaan auskundschaften zu lassen. Dies steht im Vierten Buch Moses wie folgt (13.20): Es war gerade die Zeit der ersten Weintrauben. Als sie zum Tal Eschkol gelangten, schnitten sie dort eine Rebe mit einer Weintraube ab, die sie zu zweien an einer Stange trugen. Diese Traube muss also wahrhaft riesige Ausmaße gehabt haben.

Wein ist in der Bibel ein beliebtes und sehr häufig erwähntes Thema. Weinberg oder Weingarten kommen über 90 mal, Rebe und Weinstock über 60 mal und Weinpresse 15 mal vor. Nach dem Bibelforscher Jürgen Becker wird auf insgesamt 979 Stellen direkt oder indirekt auf Wein Bezug genommen. Zum Vergleich trifft dies für Homers (8. Jhdt. v. Chr.) Werke Ilias und Odyssee nur 49 bzw. 85 mal zu. Obwohl Bier damals ein ebenfalls weit verbreitetes und beliebtes Getränk war, hatte es nicht denselben Stellenwert. Martin Luther (1483-1546) meinte dazu: Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott. Bibelforscher fanden insgesamt acht verschiedene hebräische Wörter, die in den verschiedenen Sprachen mit der Bezeichnung „Wein“ übersetzt wurden. Nicht in allen Fällen handelt es sich um richtigen Wein, sondern teilweise um Sirup, eher dem Bier ähnliche oder sonstige alkoholhaltige Getränke aus verschiedenen Baum- und Feld-Früchten. Folgende Wein-Bezeichnungen kommen in der Bibel über 200 mal vor:

* Ásis = süßer oder Jahrgangs-Wein
* Chemer = starker Rotwein, mit Wasser vermischt
* Mimsák = gemischter oder würziger Wein
* Shékár = starkes Getränk aus Gerste, Honig oder Datteln
* Shemárim = alter Wein
* Sob’e = starkes, berauschendes Getränk, mit Wasser gemischt
* Tirósh = junger Wein
* Yáyin (Jájin) = allgemeine Bezeichnung für Wein

Wie wichtig der Weinbau für die israelitische Gemeinschaft war, verdeutlichen mehrere Aussagen im Buch Deuteronomium. Dieser Bibel-Abschnitt ist eine Sammlung von predigtartigen Reden und Gesetzen, die Moses den Israeliten vor dem Betreten des Landes Kanaan bekannt gab. Bezüglich der Teilnahme an einer bevorstehenden Schlacht (20.6) sagt er: Und wer hat einen Weinberg gepflanzt, ihn aber noch nicht zu nutzen begonnen? Er trete ab und kehre heim, damit er nicht im Kriege umkomme. Das heißt, dass der Weinbauer bis zur Jungfernlese vom Kriegsdienst befreit war und das war immerhin ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Den Israeliten war also die Sicherung des Weinbaus wichtiger, als einen Mann mehr in der Schlacht zu haben.

Die Weinbergsbesitzer bekamen klare Vorgaben bezüglich Traubenverzehr im Weingarten (23.35): Wenn du in den Weinberg deines Nächsten kommst, so darfst du Trauben essen, soviel du magst, bist du satt bist; aber in dein Gefäß darfst du nichts hinein tun. Und auch die Zeit nach der Lese war geregelt (24.21-22): Wenn du in deinem Weinberg Lese hältst, so sollst du hinterher nicht noch Nachlese halten; dem Fremdling, der Waise und der Witwe soll sie zufallen. Im Buch Leviticus 19.10 wird ebenfalls auf das Thema eingegangen: Auch in deinem Weinberg sollst du keine Nachlese halten und die abgefallenen Beeren nicht auflesen. Überlasse sie dem Armen und dem Fremden.

Im Christentum fand die mystische Verbundenheit von Wein zu Gott im Rahmen der Eucharistie, bei der Umwandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut, ihren zentralen Ausdruck. Das Judentum bejaht zwar die Genügsamkeit und verpönt jede Prasserei, nimmt aber alle Leiblichkeit als gottgegeben hin. Also auch den (mäßigen) Weingenuss als Ausdruck der Fröhlichkeit und der Lebensfreude. Der Wein ist nicht nur erlaubt, sondern er erfreut des Menschen Herz und erfüllt das Leben mit Wonne. Beim heiligen Sabbat spielt koscherer Wein zu Beginn und Ende eine bedeutende rituelle Rolle. In der Bibel wird häufig vor übermäßigem Genuss gewarnt, beispielsweise vor dem Chemer: Dieser soll mit Wasser vermischt getrunken werden, denn unverdünnt bringt er Kopf und Gehirn durcheinander. Aber zumindest ebenso oft werden der Wein und der Rebstock gepriesen und als Gottes Gaben bezeichnet. Wein oder Weinstock wird auch sehr oft in Zitaten und Aphorismen verwendet. Dazu ein paar Beispiele aus dem Alten Testament:

Im Buch Jesus Sirach 9.8 und 9.9 wird eindringlich davor gewarnt, durch übermäßigen Weingenuss bei einer verheirateten Frau schwach zu werden: Durch die Schönheit einer Frau sind schon viele irre geworden und wie ein Feuer entflammt an ihr die Leidenschaft. Mit einer Ehefrau sitze nicht zusammen und liege nicht berauscht mit ihr zu Tische, damit du ihr nicht das Herz zuneigest und du in deiner Leidenschaft zugrunde gehst.

Das so genannte Offenbarungszelt war der Mittelpunkt israelitischer Anbetung während des Auszugs der Israeliten aus Ägypten. Es handelte sich um einen tragbaren Tempel, der zerlegt und wieder zusammengebaut werden konnte. Die Kinder Israel benutzten ein Offenbarungszelt, bis sie den Tempel Salomos erbauten. In diesem Zelt war Weingenuss bei Todesandrohung verboten, was im Buch Leviticus 10.8 und 10.9 wie folgt steht: Jahwe sprach zu Aaron also: Wein und berauschendes Getränk dürft ihr, du und deine Söhne, nicht trinken, wenn ihr in das Offenbarungszelt geht. Sonst müsst ihr sterben. Das ist eine für alle Zeiten von Geschlecht zu Geschlecht geltende Vorschrift.

Zur Fracht von Noahs Arche müssen zweifelsfrei auch Rebstöcke gehört haben, obwohl sie nicht explizit erwähnt werden. Denn nachdem er mit der Landung am Berg Ararat (im Westen der heutigen Türkei an der Grenze zu Armenien) die Sintflut überstanden und die Tiere aus der Arche an Land gelassen hatte, wird er zum Weinbauern. Im Buch Genesis 9.21 wird das wie folgt berichtet: Noah, der Landmann, begann die Weinrebe zu pflanzen. Als er vom Weine (Yayin) trank, wurde er berauscht und lag entblößt im Inneren seines Zeltes. Als sein Sohn Ham die Blöße seines Vaters sah, bedeckte er sie nicht, sondern holte seine zwei Brüder Sem und Japhpeth herbei, lachte und spottete darüber. Diese deckten dann erst den Vater zu. Extrem Gläubige interpretieren den Vorfall als den „zweiten großen Sündenfall nach Adam und Eva”. Aber damit ist keinesfalls der Weingenuss des Noah gemeint (das wird ihm verziehen), sondern das Verhalten des Ham. Papst Julius II. (1443-1513) befahl Michelangelo (der ein großer Weinliebhaber war), aus abschreckenden Gründen die „Verfehlung” an die Decke der Sixtinischen Kapelle zu malen.

Im Buch Genesis 49.11 ruft auf dem Sterbebett der Patriarch Jakob seine zwölf Söhne (die zwölf Stämme Israels) zu sich, gibt ihnen seinen Segen und hat für jeden eine Botschaft, was diese erwarten wird. Zu seinem Sohn Juda sagt er: An den Weinstock bindet er seine Füllen und an die Rebe das Junge einer Eselin. Er wäscht im Weine sein Gewand, sein Kleid im Blute der Reben. Seine Augen sind dunkel wie Wein, seine Zähne weiß wie Milch.

Im Buch Deuteronium (5. Buch Moses, 7.13) wird Wein zu den sieben gesegneten Früchten gezählt, die die Juden erhalten, wenn sie sich streng an die Gesetze Gottes halten: Er (Jahwe) wird segnen die Frucht deines Leibes, den Ertrag deines Ackers, dein Getreide, Wein und Öl, sowie das Jungvieh deiner Kühe und Zuwachs deines Kleinviehs.

Die Bedeutung der Weinrebe wird durch das Verbot im 5. Buch Moses 22.9 verdeutlicht, wobei dies auch als eine der vielen Vorschriften für die Herstellung koscheren Weines gültig ist: Du sollst deinen Weinberg nicht mit Zweierlei bepflanzen, damit dem Heiligtum nicht das Ganze verfalle: der Same, den du gesät hast, und der Ertrag des Weinbergs.

Im Buch Jeremia 2.20 und 2.21 wettert Jahwe über das Volk Israel, das von ihm abgefallen war und vergleicht dies wie folgt: Auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen triebst du Hurerei. Ich aber hatte dich als Edelrebe gepflanzt, als ganz echten Steckling. Wie hast du dich zum Wildling verwandelt, du entarteter Weinstock?

Aber auch im Neuen Testament gibt es viele Zitate bzw. Gleichnisse in Zusammenhang mit Wein und Rebstock. Zum Beispiel das von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus-Evangelium 20.1) oder das von den bösen Winzern (Matthäus-Evangelium 21.33). Am bekanntesten ist wohl das Wunder bei der Hochzeit von Kanaan (Johannes-Evangelium 2.6), bei der Jesus Wasser in sechs steinernen Krügen auf wunderbare Weise in Wein verwandelt. Zum Sprichwort ist eine Stelle aus dem Matthäus-Evangelium 9.16 bis 9.17 geworden. Auf die Frage der Johannisjünger: Warum fasten wir und die Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?, antwortete Jesus mit dem Gleichnis: Niemand setzt doch einen Flicken ungewalkten Tuchs auf ein altes Kleid. Denn der Flicken reißt vom Kleid ab, und der Riss wird noch schlimmer. Auch gießt man nicht neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißen die Schläuche, der Wein wird verschüttet, und die Schläuche sind verdorben. Sondern neuen Wein gießt man in neue Schläuche. Dann bleiben beide erhalten.

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