Anmelden
Dauerhaft anmelden
Infos über Wein-Plus
Mitgliedschaft
RSS
Hilfe
Social Networks
Stellenangebote
Impressum
Presse
Über Wein-Plus
Datenschutz
Partnerprojekte
Kontakt

Bierzio - Teil 3 Zwischen Fasswein und zwei Fass Wein

  1. Information
    Weine, Winzer, Wissen
  2. Forum
     (2 Beiträge)
Artikel
11.04.2008

Bierzio - Teil 3

Zwischen Fasswein und zwei Fass Wein

”Nein!”, schnaubt Manuel, als ich ihn nach dem Lohn seiner Arbeit frage, ”leben kann man von diesem Job nicht mehr.” Der hagere Winzer mit dem buschigen Schnauzbart hält inne und stützt sich an den Feigenbaum, der mitten in der Steillage des Viñademoya in Parandones steht. Aus der Tasche seiner olivgrünen Jacke kramt er den Rest eines Cigarillo hervor. ”Früher”, und bei diesem ”früher” bläst er die gesamte Wut mit dicken Rauchwolken in den ausnahmsweise grauen Junihimmel, ”früher hat man die Familie von Weinbau gut ernähren können.” Der Fassmarkt in Galicien habe ihm ein gutes Einkommen gebracht. Und selbst die Genossenschaften hätten gut gezahlt. Heute bekommt er pro Kilogramm Trauben gerade einmal 25 Peseten von der Bodega, an die er die Trauben liefert. Wenn er Glück hat, und nach Galicien verkaufen kann, dann sind das immerhin noch 30 Cent für das Kilo Mencía. Aber selbst das reiche hinten und vorne nicht. Insbesondere, weil in den steilen, verwinkelten Parzellen alles, aber auch wirklich alles reine Handarbeit ist. Zwölf Hektar besitzt Manuel, den alle in Parandones nur Manolo nennen, aber er wird sie wohl nicht mehr lange beackern. ”Ein Jahr noch, dann ist Schluss. Die Jungen sind weggezogen oder arbeiten in Ponferrada. An der Knochenarbeit in den Weinbergen haben sie kein Interesse mehr.” Der Zigarrenrest fliegt im hohen Bogen in einen Weggraben und Manolo zieht wieder mit der Spritze und dem Kupfersulfat durch die Zeilen seiner Parzellen.

Typische Weinbergsstruktur in Bierzo. Jede Parzelle ist nur wenige Reihen breit.

So wie Manolo geht es vielen in der Region. Der Generationenwechsel steht bevor und die Nachfolger wollen nicht mehr. Und was passiert mit den Weinbergen? Als ich mit Marcos García von Vinos de Valtuille durch die Weinberge wanderte, erklärte er mir, dass es drei verschiedene Lösungen gebe: ”Verkaufen, verpachten und gratis verpachten.” Meinen ungläubigen Blick bemerkend, meinte er nur: ”Ja! Viele geben dir die Parzellen. Aber du musst sie alle bestellen. Auch die, die nicht viel taugen oder einen hohen Weißweinanteil haben.” Für Leute wie ihn oder Javier Amigo von Luzdivina Amigo, ist das einerseits interessant. Denn auf diese Weise können etwa die Amigos, die im Viñademoya bislang fünf Parzellchen von zumeist gerade einmal drei oder vier Zeilen Breite hatten, einen zusammenhängenden Weinbergsbesitz schaffen. Aber andererseits ist das auch wieder schwierig, weil die Weinbauern, die nur vom einzig auf Kilo und potentiellem Alkohol basierenden Traubenverkauf leben, aus dem Weinberg herausholen, was geht. Dünger ist preiswert und so ein Stock kann auch zwölf oder fünfzehn Kilo tragen, wenn es denn unbedingt sein muss. Und bei all den Manolos, die genau davon leben, muss es sein. ”Fünf bis sechs Jahre”, so Javier Amigo, ”braucht der Weinberg, ehe eine Veränderung sicht- und schmeckbar ist.” Er muss es ja wissen. Denn bis zum Anfang dieses Jahrzehnts haben die Amigos selbst als reine Traubenlieferanten gearbeitet.

Glossar zum Thema
Die, die auf der Sonnenseite stehen, sind, wie überall auf der Welt, in der Minderheit. Und sie eint, dass sie einen Namen mitbringen, sei es nun Alvaro Palacios als Stichwortgeber für Ricardo Pérez oder aber Mariano García für Luna Beberide respektive Paixar. Allerdings ist Paixar gerade bei Luna ausgezogen und in die kleine Höhle von Lobato Folgueral gewechselt. Das Prinzip von Ricardo Pérez ist so einfach wie genial: Schaffe Knappheit bei hoher Qualität. La Faraona: 2 Barricas, Las Lamas etwa sechs, Moncerbal und Sanmartín auch nicht mehr. Aber Ricardo ist nicht nur ein guter Vermarkter, er ist auch der unumstrittene Vordenker der Biodynamiker in Spanien. Leute wie Daniel Jiménez-Landi oder Bertrand Sourdais kommen nach Villafranca, um gemeinsam mit Ricardo die für biodynamischen Weinbau unerlässlichen Produkte 501 bis 508 herzustellen. Und Ricardo hat das Buch von Nicolas Joly ins Spanische übersetzt, die Bibel der Biodynamiker. Ob die Präparate nun wirklich etwas bringen, sei einmal dahingestellt. Wichtig ist, sich intensiv mit Böden und Klima, mit Terroir und dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen.

In Parandones und in Corullón stehen die Stöcke auf rotem Schiefer. (Mencía 14 Tage vor der Lese)

Terroir, biodynamisches Arbeiten, Lagenweine und ertragsbeschränkende Maßnahmen, all das interessiert die, die im wirklichen Bierzo das Sagen haben, nicht die Bohne. Addiert man die Kapazität der sechs größten Betriebe - Handelskellereien oder Genossenschaften - zusammen, Cepas del Bierzo, Vinícola del Bierzo, Señorío de Peñalba, Vilafranquina, Vinos del Bierzo sowie Viñas del Bierzo - wobei die beiden letztgenannten eine Kapazität von jeweils etwa 14.000.000 Litern haben - so summiert sich das auf etwa 60 Millionen Liter, das sind vier Ernten der Region. Was die sechs nun wirklich verarbeiten, abfüllen und vermarkten, ist nicht so einfach zu durchschauen, da der eine an den anderen verkauft, Fasswein je nach Bedarf weitergeschoben wird - und neben D.O. Bierzo auch noch jede Menge Tafelwein abgefüllt wird.  So richtig nachvollziehen kann oder will das niemand. Vielleicht auch deswegen, weil es im nationalen Rahmen irrelevant ist. Jede der 50 größten Bodegas der Mancha verarbeitet mehr Trauben als die D.O. Bierzo insgesamt und Pagos del Rey, die größte Bodega in Ribera del Duero, schmeißt Jahr für Jahr mehr Flaschen auf den Markt als alle Bercianos zusammen.

Valtuille und Corullón (im Hintergrund am Berg). Die Qualitätszentren der Region.

Bleiben zwei Fragen: Ist es wichtig und nötig, sich überhaupt mir Bierzo zu beschäftigen? Und: Wo wird Bierzo in fünf oder zehn Jahren stehen? Ersteres ist klar zu bejahen. Denn in einer Weinwelt, die immer mehr von globalen Trands lebt, die immer mehr von global agierenden Weinmachern á la Rolland dominiert werden, ist es wichtig, einen Contrapunkt zu setzen. Das kann Bierzo. Mit der Mencía, die nirgends auf der Welt so elegante und vielschichtige Weine bietet (zumindest derzeit). Mit dem interessanten Bodenmix, der das Thema Terroir zu einer hochspannenden Sache werden lässt. Und mit dem Willen der Bercianos, etwas wirklich eigenständiges schaffen zu wollen.

Die zweite Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Der Boom in den USA ist vorbei. Zwar ist das Land noch immer das wichtigste Exportziel, jedoch wird bei einem stetig stärkeren Euro die Luft schnell dünn. Exporte nach China und Japan hingegen sind eine aktuelle Mode, die sich noch nicht richtig in Zahlen niedergeschlagen hat.

Zum ersten Teil: "Bierzo - Ein schlafender Riese?"

Zum zweiten Teil: "Bierzo - Rey muerto, rey puesto."


Joachim Buchta
BEST OF
Cava - Schäumende Hochkultur Weiter ...
Soave - Der Unterschätzte Weiter ...
Blaufränkisch - Die herbe Verführung Weiter ...
Rioja - Erfolgreich gegen den Strom Weiter ...
Brunello di Montalcino - Die Stunde des Aristokraten Weiter ...
Rote Südtiroler - Tiroler Sorten schärfen Profil Weiter ...
Große und Erste Gewächse - die Roten aus 2009 - Triumph der Finesse Weiter ...
Alle Beiträge

Aktuelle Wein-News
16.05.2012: ProWein-Projektleitung wechselt Weiter ...
16.05.2012: 1774er Vin Jaune versteigert Weiter ...
13.05.2012: Am Ende Platz vier Weiter ...
11.05.2012: DWV für Erhalt von Förderprogrammen und Pflanzrechten Weiter ...
08.05.2012: Rheinland-Pfalz will Eisweinkontrollen verbessern Weiter ...
08.05.2012: Fußball-Europameisterschaft beginnt Weiter ...
07.05.2012: Badische Weinmesse verzeichnet Besucherrekord im Jubiläumsjahr Weiter ...
Alle Beiträge

Pressemitteilungen
23.05.2012: Österreich Wein Abonnement Weiter ...
16.05.2012: 50 Jahre Vernatsch Fass Nr. 9 Weiter ...
14.05.2012: Neue Bioweine beim Weinversand Vinexus Weiter ...
11.05.2012: Mittelalterliche Weine wiederbelebt Weiter ...
30.04.2012: La Tour Melas to champion Greek wine Weiter ...
28.04.2012: Gutsweinprobe 2012 Weiter ...
26.04.2012: Charta Kalterersee – der 2. Jahrgang Weiter ...
Alle Beiträge

Neu auf Wein-Plus
Weinversand - Weiter Premium-Paketservice von UPS für Wein-Plus Mitglieder Weiter ...
Verpackungsentsorgung - Wein-Plus verlängert Partnerschaft mit Interseroh Weiter ...
Neue Veranstaltungen - Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine Weiter ...
Alle Beiträge

Editorial
Europa-Relaunch - Aus Wein-Plus.de wird Wein-Plus.eu Weiter ...
Zum Tod eines schweizerischen Spitzenwinzers - Thomas Mattmann Weiter ...
Alle Beiträge

Reportagen
Katalonien - Der Tradition verpflichtet Weiter ...
Soave - Revolution in den Hügeln Weiter ...
Unbekannte Sorten - vielfältige Weinszene - Entdeckungen in den Marken Weiter ...
Spaniens unbekannte Rebsorten - Entdeckungen in Kastilien-León Weiter ...
EU-Weinmarktreform - Teil 4 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Frankreich Weiter ...
Südfrankreich - Roussillon - das katalanische Erbe Weiter ...
EU-Weinmarktordnung - Teil 3 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Italien Weiter ...
Alle Beiträge

Verkostung
Großes Gewächs - Pfalz Weiter ...
Großes Gewächs - Württemberg Weiter ...
Südtirols rote Sorten - 25 Jahre Qualitätsrevolution Weiter ...
Großes Gewächs - Mosel Weiter ...
Erstes Gewächs - Rheingau Weiter ...
Großes Gewächs - Rheinhessen Weiter ...
Großes Gewächs - Nahe Weiter ...
Alle Beiträge

Interview
Im Gespräch: Manuel Louzada, Numathia - Kühle Eleganz aus schwarzen Perlen Weiter ...
Alle Beiträge

Rezensionen
Wein-Reisen - Genießen in Venedig und ganz Italien Weiter ...
Eine Reise ins Land des Goldrieslings - Rudolf Knoll, Britta Binzer: Winzer & Weine im sächsischen Elbland Weiter ...
Logik, Erkenntnis und Genuss - Bernd Müller-Kaller: Wein-Philosophie Weiter ...
Sehnsucht Italien - Steffen Maus: Italiens Weinwelten Weiter ...
Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten - Bioparadies Toskana Weiter ...
Alle Beiträge

Essen und Trinken
Rezept des Monats - Fisch mit Limetten-Rucola-Kruste Weiter ...
Rezept des Monats - Scherben und Striebele Weiter ...
Restaurant "Falco" in Leipzig - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Rezept des Monats - Wildschweinsauerbraten Weiter ...
Rezept des Monats: - Rosa gebratenes Lendchen auf Apfelvariationen und Bratkartoffeln Weiter ...
Restaurant Obauer in Werfen - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Gourmetrestaurant Lerbach in Bergisch-Gladbach - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Alle Beiträge

Kolumne
Wo die Zeit still gestanden ist - Canal du Midi Weiter ...
Nachhaltigkeit (be)im Wein - Naturweine Weiter ...
Spargel und Wein - Verträglichkeit Weiter ...
Reisevergnügen - Le Train Bleu Weiter ...
Zuhause geblieben - Große und kleine Weinwelt Weiter ...
Weine, die zum Winter passen - Gefühlsweine Weiter ...
Zwei Deutsche in der Schweiz - Riesling, Pinot Noir & Co. Weiter ...
Alle Beiträge

TV-Tipps
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Mai 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für April 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für März 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Februar 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Januar 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Dezember 2011 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für November 2011 Weiter ...
Alle Beiträge

Stammtisch
Verkostungspaket - II/2012: Rioja Weiter ...
Verkostungspaket - I/2012: Brunello di Montalcino Weiter ...
Verkostungspaket - Weihnachten 2011 Weiter ...
Verkostungspaket - Herbst 2011 Weiter ...
Verkostungspaket - Sommer 2011 Weiter ...
Alle Beiträge

Promotion
Interview mit Angelos Iatridis, Alpha Estate - "Griechische Weine sind besser als die griechische Gastronomie in Deutschland" Weiter ...
Bordeaux 2010 - „Jahrgang der Sensationen“ (Falstaff) Weiter ...
Alle Beiträge



Werbung