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Biowein auf der Biofach 2006 Marktanteile und Vielfalt wie nie zuvor

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Artikel
24.02.2006

Biowein auf der Biofach 2006

Marktanteile und Vielfalt wie nie zuvor

„Bio” boomt mehr denn je: Im Jahr 2005 - dem bislang erfolgreichsten Jahr der Biobranche - produzierten, verarbeiteten oder importierten knapp 21.000 deutsche Unternehmen biologische Lebensmittel. Zeitungen von TAZ bis Frankfurter Rundschau berichten aktuell, dass die Branche „unter Lieferengpässen leidet”; der Fachdienst bio-markt.info vermeldet den Zuwachs von 60 neuen Bio-Supermärkten im vergangenen Jahr in Deutschland ( „Expansionsrausch”) und die Gründung der neuen Ladenkette „McBio-Discount” in Berlin.

Nachfrage und Angebot, Erfolgsmeldungen und Existenzgründungen ohne Ende: Da erstaunt es nicht, dass sich auf der Biofach 2006 in Nürnberg - der nach eigener Einschätzung weltweit größten Messe für Bioprodukte- ca. 37.000 Besucher über die Angebote von 2.089 Ausstellern (+12 % gegenüber dem Vorjahr), über Trends und neue Produkte informierten. Der ständig steigende Zuspruch spricht für ein zunehmendes Qualitätsbewusstsein, aber auch für die berechtigte Einschätzung der diversen Bio-Labels als unverzichtbare Marketinginstrumente.

Bio boomt: nicht nur bei den Besuchern - auch bei der Zahl der Aussteller

Am Bioboom erfreut sich auch die Biowein-Branche. Bioweine werden nicht mehr belächelt: Die Zeit der in Literflaschen abgefüllten „flüssigen Sauerampfer”, präsentiert neben welken Karotten und Kartoffeln mit originaler Ackerkrume, ist längst vorbei. Seit Jahren wächst ihr Anteil in Bio- und konventionellen Supermärkten; ausgerechnet von Aldi, Lidl, Minimal & Co verspürt der Biowein-Einzelhandel heftigen Gegenwind.

In den großzügigen Regalen der Einzelhandelsketten präsentieren sich die zumeist hochwertigen Weine nicht mehr im früher dilettantischen, bestenfalls gutgemeinten Alternativdesign, sondern in überwiegend eleganter Aufmachung: Visueller Kaufanreiz und anspruchsvoller Inhalt aus dem professionellen Bioweinsegment - das längst keine Nischen-Ökoszene mehr ist - verbinden sich zum vinophilen Glück zu einer überzeugenden Einheit. Die Top-Produzenten der Angebotsseite zieht längst nach: Immer mehr renommierte Weingüter gehen dazu über, umweltfreundlich zu produzieren und verzichten dabei auf Herbizide, Insektizide und Fungizide - und zwar international: Palacios in Spanien, Joly an der Loire, Kreydenweiss im Elsaß, um nur einige wenige der großen Namen zu nennen.

Während in Europa Italien mit ca. 30.000 ha ökologisch bewirtschafteter Fläche deutlich vorne liegt und in Deutschland nur auf knapp 2.000 ha Biowein-Anbau stattfindet, hat er in Übersee deutlich rasanter zugenommen: Kalifornien liegt in Führung mit 3.000 Ha, auch Chile, Argentinien, Australien und Südafrika setzen verstärkt auf dieses Segment.

73 von 777 Weinen bekamen Auszeichnungen in Gold
Das hohe Qualitätsniveau der Bioweine konnten die Besucher der Biofach 2006 bei der Verkostung der Siegerweine der mittlerweile 9. Internationalen Bioweinpreis-Verleihung genussvoll erleben. Wurden bei der ersten Biofach-Weinpräsentation noch 120 und 2005 schon 480 Weine für den Internationalen Biopreis angestellt, waren es in diesem Jahr bereits 777 Weine von ca. 250 Erzeugern. Dieser Anstieg zum Vorjahr um fast 70% verdankt sich wesentlich einem großflächigen Generationswechsel in den Winzerbetrieben: Die Modernisierung und Professionalisierung des Weinbaus findet in den Köpfen der vielen jungen, gutausgebildeten Winzer und somit auch im Weinberg und im Weinkeller statt. Die Zunahme ist auch darin begründet, dass mit dem Bio-Boom auch der Bio-Wein von Bioland, Ecovin und Demeter von der zunehmenden Nachfrage nach ökologisch erzeugten, hochwertigen Lebensmitteln profitiert.

Glossar zum Thema
777 Weine auf der Biofach - das übersteigt leider alle sensorischen Ressourcen. So musste sich das Degustationsinteresse überwiegend auf die Sieger des Bioweinpreises konzentrieren: Die 73 auf der Bioweinmesse mit Gold und großem Gold prämierten, aus aller Welt stammenden Weine in den Sparten Rotwein, Weißwein und Dessertwein überzeugten durchweg mit Dichte, Eleganz und aromatischer Fülle; hinter den „konventionell” erzeugten Weinen müssen sie sich längst nicht mehr verstecken: Die Cuvée des südafrikanischen Gutes Laibach (Rotwein International Barrique) 2004 beeindruckte mit Extraktreichtum und auffälligen Gewürznoten ebenso wie die badische Cabernet Carol Auslese 2003 von Weingut Zähringer mit konzentriertem, samtig-weichem Körper, der würzige, Beeren- und Herbstnoten geradezu verströmende Pinotage der Stellar Winery ebenso wie der wuchtig-herausragende, mit feinsten Aromen und feiner Tanninstruktur aufwartenden Spätburgunder 2003 des Kaiserstühler Flagschiffes Schambachhof.

Zu den wichtigen Biowein-Trends gehört auch das zunehmende Interesse für den biologisch-dynamischen Weinanbau nach den Vorgaben des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner. Die sensorischen Eindrücke der biodynamisch erzeugten Weine bestätigen den Eindruck, den offensichtlich auch viele Facheinkäufer und Kunden der nach den strengsten ökologischen Vorschriften arbeitenden Winzer haben:

Auch aus dem Bordeaux findet man Weine aus biodynamischen Anbau
Die sortentypische Aromatik tritt noch deutlicher hervor; die Weine wirken häufig extraktreicher und frischer, sie sind tatsächlich, wie der Fachverband Demeter programmatisch betont, „Spiegel ihres typischen Klimas und Bodens” - mit anderen Worten: Sie entsprechen einem zentralen önologischen Leitmotiv der letzten Jahre, dem Gedanken des Terroirs, das sich allerdings in ökologischer wie konventioneller Ausbauweise nur bei hochwertigen Weinen ausdrückt. Bei anspruchslosen Weinen bleibt die Anforderung eines erkennbaren Terroirs sachfremdes Wunschdenken.

Legitimer Wunsch bleibt es aber, dass Weinfreunde, Weinproduzenten und Weinhändler neuen önologischen Wegen, die letztlich altem Wissen entspringen, unvoreingenommen, mit Respekt und Neugier begegnen. Oder mit den etwas deftigeren Worten von Wolfram Siebeck (ZEIT 40/2004): „Es ist Zeit, dass die Spötter das Maul halten und die Zweifler bereuen. Die Bedeutung des biodynamischen Weinbaus ist erwiesen, und sie ist groß.” Ob nun Bioland, Ecovin oder Demeter - die Biofach 2006 hat einmal mehr bewiesen, dass die gesamte Bioweinbranche an Bedeutung gewonnen hat und für den konventionellen Weinbau eine Herausforderung darstellt.


Interessante Links zum Thema:

www.biofach.de/presse

www.bioweinpreis.de
(listet alle Siegerweine in vorbildlicher Genauigkeit auf)

www.bio-markt.info
(neuer Branchen-Informationsdienst seit 01.02.2006)

www.demeter.de

www.bioland.de

www.ecovin.de

Die nächste Biofach in Nürnberg: 15.02.-18.02.2007


Manfred Wirbals
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