
40 Autominuten östlich von Rom erheben sich die fruchtbaren Ausläufer der Apenninen Mittelitaliens. Hier holten sich die Römer bis vor wenigen Jahren ihren roten, süßen, perlenden Cesanese. In Korbflaschen und Plastikkanistern. Gekühlt war dieser Rote die Sommerwein-Alternative zu den Weißweinen von Frascati und den Albaner Bergen im Südosten Roms. Doch der alten Kundschaft hat der Arzt mittlerweile das Trinken verboten, und die neue trinkt statt des traditionellen Familiengetränkes Cesanese lieber Bier oder Wein aus anderen Regionen. Vor allem aber wird insgesamt weniger Wein getrunken. Statt große Korbflaschen kauft man 0,75-Liter-Flaschen. Auch der Cesanese prickelt heute nicht mehr, und trocken ist er auch geworden. Der ehemalige Schankwein Cesanese wird in Rom als teurerer Flaschenwein aber nicht akzeptiert, so dass die Produzenten gezwungen sind, sich neue Märkte zu suchen. Seit zehn Jahren ringt eine steigende Zahl von Flaschenproduzenten um Absatz und Anerkennung. Angesichts ihrer noch jungen Erfahrung als Qualitätsweinproduzenten tun sie dies noch etwas ungelenk. Aber der Cesanese ist ein bemerkenswerter Wein, der die Anstrengungen der Produzenten früher oder später belohnen wird. Raffaella Usai und Andreas März berichten von der Neuerfindung eines uralten Weins.
Man muss schon sehr vernarrt sein in die Schätze der italienischen Weinkultur, um auf den Cesanese zu stoßen. Wir von Merum lieben diese halbverschütteten Weinoriginale, es macht uns Spaß, sie aufzuspüren, ihnen vielleicht ein bisschen Bekanntheit zu geben und dadurch etwas zu ihrer Entwicklung beizutragen.
Nicht immer motiviert uns die Verkostung dazu, einem autochthonen Wein auf den Grund zu gehen, ihn in seiner Heimat zu besuchen. Der Cesanese hingegen weckte sofort unsere Neugier. Obschon vom rein önologischen Standpunkt aus gesehen an manchen dieser Weine etwas auszusetzen ist, dringt der besondere Charakter des Cesanese durch.
Als Weinliebhaber, denen etwas an der Arten- und Aromenvielfalt der Weinwelt liegt, schlossen wir den Cesanese mit seiner aromatischen, warmen Frucht spontan ins Herz. Schon nach unserer ersten Verkostung im vergangenen Jahr wussten wir, dass Piglio, Affile und Olevano früher oder später auf unserem Reiseprogramm stehen würden. (Die Cesanese verkosteten wir für die Selezione-Ausgaben 4/2009 und 3/2010).

Cesanese: dramatisch unbekannt
Solange keiner vom Cesanese spricht und niemand über ihn schreibt, solange gibt es ihn nicht. So kennt ihn außerhalb der Region Latium kaum jemand. Das ist eine schwierige Situation für die Cesanese-Winzer, denn einen Namen kann sich ein Weingebiet nur machen, wenn seine Produktion auch entferntere Ziele erreicht. Wie soll der Wein aber dorthin gelangen, wenn er dort fremd ist? Wenn der Cesanese so unbekannt ist, dann liegt das auch daran, dass er zwar schon vor bald 40 Jahren die DOC erhalten hatte – drei verschiedene sogar –, dass aber kaum etwas abgefüllt und als DOC-Wein vermarktet wurde. Im Gegensatz zu anderen Regionen, wo auf den Rückgang des Weinkonsums massiv mit Qualität und Marketing reagiert wurde, scheint man hier geschlafen zu haben. Die Weinbaufläche Latiums ging in den vergangenen 20 Jahren denn auch deutlich zurück: Von insgesamt 60 000 Hektar Anfang der 90er-Jahre verringerte sich die Anbaufläche auf heutige 24 000 Hektar.

Der Cesanese ist sozusagen ein historischer Wein, er besitzt als Qualitäts- oder DOC-Wein aber nur eine zehnjährige „Geschichte“. Man trifft im ganzen Anbaugebiet nur sehr wenige Betriebe, die bereits vor 2000 Flaschenwein erzeugt haben. In diesem Sinne ist der Cesanese eine der jüngsten Appellationen Italiens. Obschon die Sorte überaus interessant ist, lässt sich ein Run der Investoren auf die unbepflanzten Lagen von Piglio, Affile und Olevano Romano nicht erkennen. Mariano Mampieri von der regionalen Landwirtschaftsbehörde: „In der Vergangenheit haben hier immer wieder größere Weinproduzenten vorbeigeschaut und sich für den Cesanese interessiert. Aber die Tatsache, dass hier kaum zusammenhängendes Land zu erstehen ist, hat sie von Investitionen abgehalten.”
Von Damiano Ciollis Keller aus sieht man in der Ferne den großen Weinberg von Fernando Proietti. 16 Hektar an einem Stück, die größte zusammenhängende Parzelle der Gegend. Tatsächlich ist das Land hier ausgesprochen kleinparzelliert. Die Entwicklung des Cesanese wird deswegen auch künftig nur langsam vorwärts gehen können, da größere Flächen, zumindest im Hügelgebiet, nicht zur Verfügung stehen. Zudem ist Land auch nicht ausgesprochen billig: Ein Hektar in der Gemeinde Olevano kostet zwischen 60 000 und 80 000 Euro.

Die Unbekanntheit des Cesanese gibt vor allem Produzenten zu schaffen, die den Wein außerhalb Roms absetzen möchten. Benedetto Lombardi aus Piglio übt Selbstkritik: „Im Latium haben wir zwei schwerwiegende Fehler gemacht! Wir haben zwei wichtige Weine unserer Region nie richtig zu würdigen und zu vermarkten gewusst: Zum einen den Frascati, der einmal vor langer Zeit ein richtig guter Weißwein war, zum anderen besaßen wir eine Art Bracchetto d’Acqui, nämlich den süßen Cesanese. Leider haben wir den Ruf beider Weine kaputt gemacht. Vom alten, guten Image ist nichts mehr da.”Der Önologe Domenico Tagliente kam 1970 aus Apulien nach Piglio und verliebte sich als technischer Direktor der Cantina Sociale von Piglio in den Cesanese. Als Fachmann erkannte er sofort, dass es sich um eine ungewöhnliche Sorte handelt. Er war damals – als der Wein perlend und süß in Korbflaschen gefüllt wurde – einer der wenigen, der den Cesanese als trockenen Rotwein ernst nahm. Im Keller lotete er die Fähigkeiten der Sorte aus. Es wollte ihm aber nicht gelingen, eine über die Jahre gleichmäßige Weinqualität hervorzubringen.
Seiner Meinung nach lag das in erster Linie an den veralteten Weinbergen. Tagliente: „Zwischen 1970 und 1975 habe ich 247 Hektar Weinberge neu bepflanzt und den Cesanese erforscht. Es gibt bekanntlich zwei Cesanese-Familien, den Comune oder Nostrano und den Affile. Zusammen mit den Forschern vom Institut in Conegliano und der Universität von Viterbo haben wir die Klone untersucht.”Tagliente: „Ich bevorzuge die Klone der Affile-Familie, auch wenn sie im Rebberg schwieriger sind.” Insgesamt wurden 21 Cesanese-Klone gefunden, sieben davon scheinen besonders wertvoll zu sein. Seit 2001 pflanzte Tagliente diese sieben Cesanese-Klone aus. Tagliente: „Die Resultate sind erstaunlich!” Der Affile ist spätreifend, der Comune hingegen reift einen ganzen Monat früher. Aber auch der bevorzugte Affile hat seine Macken: Kriegt er in den beiden Monaten vor der Lese zu wenig Sonne, erbringt auch er keine befriedigende Qualität.

Auf die Frage nach der Herkunft des Namens Cesanese erklärt der nie um eine Antwort verlegene Tagliente: „Der Name Cesanese stammt von einem Wald namens Cese, der hier gerodet wurde, um Weinberge zu pflanzen.” Vermutlich gibt es aber, so wie das auch anderswo der Fall ist, ein weiteres Dutzend mehr oder weniger plausible Erklärungen für den Ursprung des Sortennamens.Früher wurde der Cesanese auch außerhalb seiner heutigen Heimat angebaut. In den Castelli Romani zum Beispiel war er die vorherrschende rote Sorte, wurde dann aber zunehmend von den weißen Sorten verdrängt.
Rom und der Rest der Welt
Der Verkauf ihres Weins war für die Winzer hier nie ein Problem. Sobald die Vinifikation abgeschlossen war, öffnete man die Kellertüren und der Wein floss förmlich ab in Richtung Rom. Die Produktion war groß, auf den heutigen Wiesen und Äckern standen bis vor wenigen Jahren noch Reben. Qualität war nicht gefragt, der Durst der Leute nicht wählerisch.

Obschon die drei Cesanese-Appellationen – Piglio, Affile und Olevano Romano – bereits 1973 die DOC-Anerkennung erhielten, wurde praktisch der ganze Wein offen als Tafelwein abgesetzt. Damals betrug der Pro-Kopf-Konsum in Italien noch über 100 Liter. Ihn in Flaschen abzufüllen bedeutete ein überflüssiges, umständliches Hindernis auf dem Weg des Weins vom Keller in die Becher. Doch dann brach der Weinkonsum Italiens in den 80er-Jahren abrupt auf die Hälfte zusammen. Auch die Römer tranken immer weniger, der Cesanese verkaufte sich langsamer, die Traubenpreise sanken und die Anbaufläche ging zurück.
Noch 1970, als der Verkauf blühte, gab es allein in Olevano Romano 2000 Hektar Rebberge. Die Beliebtheit des lieblich-perlenden Cesanese vermochte sich noch bis Ende der 80er-Jahre zu halten, dann sackte der wenig qualifizierte Cesanese-Durst rasch in sich zusammen. Die Weinberge wurden mehrheitlich aufgegeben und anderer Bestimmung zugeführt. Heute stehen in Olevano noch zwischen 600 und 700 Hektar.
Wer weiterhin Wein produzieren wollte, versuchte sich in der Flaschenproduktion. Nicht alle Winzer hingegen begriffen auf Anhieb, dass Flaschenweinproduktion nicht heißen kann, einfach den Offenwein in Flaschen abzufüllen. Sie mussten erst lernen, dass die Flaschenweinkundschaft höhere Ansprüche an Wein stellt als der Korbflaschenkunde.

Diese Lern- und Umdenkphase ist noch nicht abgeschlossen, längst nicht alle Keller befinden sich auf dem nötigen technologischen Stand, manche Weine lassen dementsprechend noch zu wünschen übrig. Fernando Proietti: „Viele Winzer haben ein Problem mit der Sauberkeit der Weine. Es gibt erst wenige reintönige Weine.” Das Problem besteht, aber die Produzenten kennen es und arbeiten an seiner Lösung. Ohne Zweifel wird der Cesanese schon in fünf Jahren einen erfreulichen Schritt weitergekommen sein.
Kaum einer der von uns besuchten Produzenten, der nicht größere Erneuerungen seines Kellers planen würde oder bereits umgesetzt hätte. Die önologische Revolution, die sich in der Toskana in den 80ern abgespielt hatte, beobachtet man mit 30jähriger Verspätung nun im Cesanese-Anbaugebiet.Die traditionsbedingte kommerzielle Unbedarftheit der Produzenten, die noch junge Existenz der Flaschenproduktion und das weltwirtschaftsbedingte Desinteresse an Weinentdeckungen lässt sich an den tiefen Flaschenpreisen ablesen. Die besten Cesanese der Merum Selezione (4/2009 und 3/2010) kosten für Privatkunden ab Hof fast alle zwischen 3,50 und 6,00 Euro/Flasche.

Eigentlich sollte man meinen, dass die Nähe Roms den wenigen aufstrebenden Qualitätsproduzenten den Verkauf ihrer Flaschen erleichtert. Das Gegenteil ist der Fall! Der Name Cesanese ist in Rom Synonym für billigen Alltagswein, einen etwas teureren Qualitätswein gleichen Namens nimmt dort keiner ernst.
Rom ist in erster Linie die Hauptstadt Italiens und wird von den Bewohnern der umliegenden Gegenden nicht als Stadt Latiums wahrgenommen. Mariano Mampieri (regionale Landwirtschaftsbehörde) wohnt in Olevano Romano, ist Wochenendwinzer und täglicher Rom-Pendler: „Rom ist eine Weltstadt, die Römer fühlen sich uns nicht verbunden. Obwohl wir nur rund 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt sind, haben wir keine Vorteile durch diese Nähe. Von all den Rom-Touristen verirrt sich kaum mal einer in unsere Gegend. Die Hauptstadt ist ein hartumkämpfter Markt, auf dem alle Weinanbieter präsent sein möchten. Auch viele schlechte Weine werden dort angeboten, billige, auch vieles aus dem Ausland. Der Cesanese gilt in Rom als Schankwein, er ist von früher aus den Gasthäusern bekannt und hat keinen sehr guten Ruf. Weine aus anderen Regionen verkaufen sich wesentlich besser.”„Leider wird ein großer Teil unserer Produktion noch immer nach Rom verkauft”, klagt Flavio Buttarelli, „ich sage leider, weil die Tausenden von Gaststätten Roms mehr die Masse als die Qualität interessiert. Die Mentalität der Wirte ist diese: ‚Was interessiert es uns, den Touristen guten Wein einzuschenken, sie bleiben ja doch nur für einen Tag.’ Diese Betriebsphilosophie mag früher zum Cesanese gepasst haben. Heute bemühen wir uns ernsthaft, Qualitätswein zu machen.”Damiano Ciolli bestätigt die negative Meinung seines Kollegen über die römische Gastronomie: „In Rom Qualität zu verkaufen ist sehr schwierig. Es wird noch einige Jahre dauern, bis sich dort ein Markt für den Qualitäts-Cesanese entwickelt hat. Die Restaurants sind gewohnt, für Cesanese nicht mehr als einen Euro pro Liter zu bezahlen. Wenn wir uns mit Flaschen präsentieren, die fünf Euro kosten, haben wir wenig Chancen auf einen Platz auf der Weinkarte.
Weinverkauf ist wirklich harte Arbeit, ich nehme an vielen Degustationen in Rom teil, um meinen Wein bekannter zu machen. Wenn ich meinen Wein hingegen außerhalb der Region vorstelle, dann ist dort der Cesanese komplett unbekannt. Oft denken die Leute sogar, ‚Cesanese’ sei ein Fantasiename.”Die Weinvermarktung ist für die Cesanese-Winzer Neuland. Wollen sie sich jedoch aus der fatalen Abhängigkeit von Rom befreien, kommen sie nicht umhin, sich ins Flugzeug zu setzen. Fernando Proietti: „Es ist schwierig, mit ausländischen Importeuren in Kontakt zu treten. Bei Verkostungen, wie kürzlich in London, stelle ich aber fest, dass der Cesanese gefällt, dass er die Leute anspricht und sie interessiert. Der Cesanese ist sehr ungewöhnlich. Da er so anders ist, kann man ihn auch nicht mit anderen Weinen vergleichen. Daher ist wichtig, dass die Kunden ihn verkosten.”Junge Betriebe suchen nach Importeuren, verfügen aber noch nicht das nötige Knowhow im Auslandsmarketing. Alessandra Borgia von Pileum: „Wir wollen demnächst an mehreren Weinmessen im Ausland teilnehmen, um Importeure auf unseren Wein aufmerksam zu machen. Allerdings wissen wir, wie schwierig es ist, ausländische Händler zu finden. Aber irgendwie müssen wir ja anfangen, uns einen Markt aufzubauen.”
Benedetto Lombardi: „Ich nehme regelmäßig an Degustationen in Italien oder auch in Ausland teil, um meine Weine zu präsentieren. Leider haben sich außer Merum bisher kaum Weinmagazine für den Cesanese interessiert. In der Presse liest man sehr wenig über unsere Gegend und unsere Weine. Wir befinden uns noch ganz am Anfang mit Marketing und Werbung.”

Die DOC ohne Wein
Am deutlichsten zeigt sich das Problem des nicht mehr funktionierenden traditionellen Vertriebssystems am Beispiel von Affile. Den Cesanese di Affile DOC gibt es theoretisch seit 1973. 30 Jahre lang wurde aber keine Flasche davon abgefüllt. Wein wurde in den hohen Lagen von Affile immer erzeugt, aber die DOC-Zertifizierung nie in Anspruch genommen. Die Winzer haben ihre Trauben zwar vinifiziert, aber den Wein offen an die Privatkundschaft verkauft. 2003 stand die DOC Affile dann plötzlich vor dem Aus, weil die DOC 30 Jahre lang nicht beansprucht wurde. Das Landwirtschaftsministerium drohte, die Appellation zu annullieren. Auf die DOC sind die noch übriggebliebenen Winzer von Affile heute jedoch angewiesen, wenn sie ihre Weinberge retten wollen, da Offenwein sich nicht mehr verkaufen lässt und vor allem auch nicht mehr kostendeckend ist. Um die DOC im letzten Moment vor der Löschung zu bewahren, gründeten 21 Bewohner von Affile im September 2004 die Genossenschaft Colline di Affile. 2004 wurde der erste Jahrgang vinifiziert und im nächten Jahr die erste Flasche Cesanese di Affile DOC aller Zeiten auf den Markt gebracht. Riccardo Baroni ist einer der Männer, dem der Affile DOC sein knappes Überleben zu verdanken hat. Baroni ist kein Weinfachmann, aber er weiß, dass ohne seinen Einsatz für Affile etwas Wichtiges verloren ginge.

Die Trauben der drei Hektar lässt die Genossenschaft in der Cantina von Piglio vinifizieren und abfüllen. Baroni: „Keiner von uns ist Vollzeitwinzer, aber alle besitzen wir ein kleines Stück Land und wollen zur Rettung der DOC beitragen.” Präsident ist der ehemalige Direktor der Bank, Gustavo Alimontani, Vize-Präsident Riccardo Baroni, der ebenfalls in der Bank von Affile tätig ist. Da Weinproduktion – im besten Fall nur in den Anfangsjahren – einiges Geld kostet, waren die Gründungsmitglieder finanziell schon bald mal überfordert. So erweiterten die Idealisten von Affile die Genossenschaft auf 61 Partner. Mit dem frischen Geld konnten drei Hektar bepflanzt werden. Jetzt hofft man, vom Jahrgang 2010 10 000 Flaschen erzeugen zu können. Baroni: „Unsere Geschichte ist ein Beispiel der Solidarität. Die Menschen aus Affile haben gemeinsam dazu beigetragen, die DOC zu retten. Natürlich müssen wir auch die Kritik zulassen, dass dies viel zu spät kam, denn eigentlich hätte man schon vor 40 Jahren beginnen sollen, unsere Hügel und deren Bewirtschaftung ernstzunehmen. Doch besser spät als nie…”
Tatsächlich ist hier in Affile nicht mehr viel los. Landwirtschaft und Handwerk scheinen nicht mehr zu existieren, und unter der Woche prägen Hausfrauen, kleine Kinder und Rentner das Dorfbild. Wer einen Job hat, fährt frühmorgens nach Rom zur Arbeit.

Baroni, der sich um die bürokratischen Angelegenheiten und um die finanziellen Dinge der Genossenschaft kümmert, lässt sich von der für uns Fremde deprimierenden Situation seines Heimatortes nicht beirren und glaubt an die gloriose Weinzukunft von Affile: „Das Mikroklima in Affile ist speziell, und die Weine unterscheiden sich sehr von denen aus Piglio oder Olevano Romano. Wir sind von Bergen umgeben, unsere Rebberge liegen zwischen 500 und 600 Metern über dem Meeresspiegel.”
In der Tat könnte der Cesanese von Affile etwas Besonderes sein, wenn es ihn denn gäbe… Baroni verspricht, dass sich in den kommenden Jahren einige Winzer mit ihren Flaschen zu Wort melden werden und nennt neben seiner Genossenschaft – die Colline di Affile/Vigne Nuove – als winzerische Hoffnungsträger Formigoni, Perez, Mossetti und Morigoni. Wir hoffen mit Baroni darauf, dass der Wein Affile wieder Leben einzuhauchen vermöge.

Identitäts- und Qualitätsfindung
Nicht nur die Weinliebhaber sollten diesen Wein kennenlernen, auch die Winzer selbst sind noch auf der Suche nach dem wahren Cesanese. Flavio Buttarelli: „Nach erst zehn Jahren Qualitätswein-Erfahrung sind die meisten von uns sich nicht im Klaren darüber, wie dieser Wein eigentlich sein sollte, was seine Identität ist und wie man sie zur Entfaltung bringt. Der Cesanese ist auch für uns noch immer ein Unbekannter.”
Da mit dem Anwachsen der Konkurrenz dummerweise auch der Konsum schwindet, sind die Winzer auf gute Ideen angewiesen, wenn sie ihre übriggebliebenen Weinberge nicht auch noch unterpflügen wollen. Damiano Ciolli: „Mit dem Preisargument alleine kommen wir nicht weiter, damit haben wir gegenüber der internationalen Konkurrenz keine Chance. Heute müssen wir auf Typizität und Authentizität setzen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, den Cesanese sortenrein zu vinifizieren. Wenn Weintrinker eine Flasche Cesanese kaufen, erwarten sie einen typischen und speziellen Wein, keinen Modewein mit internationalem Charakter.”

Die Winzer, mit denen wir uns unterhalten haben, schätzen ihre Situation schon richtig ein. Sie wissen, dass sie einerseits eine hohe Qualität ihrer Weine sicherstellen müssen, andererseits aber auch die Identität des Cesanese definieren und diese früher oder später auch kommunizieren müssen. Eine wichtige Voraussetzung für konstante Qualität ist eine ausgewogene Belastung der Rebstöcke. Bei Erträgen an der oberen Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gibts bei nicht-optimalem Witterungsverlauf Rückschläge auf die Traubenqualität. Qualitätsbestrebte Winzer sind heute gezwungen, ihre Hektarerträge zu senken.
Auch das neue Produktionsreglement, derzeit im Wartezimmer des Landwirtschaftsministeriums, trägt dieser Entwicklung Rechnung. Flavio Buttarelli: „Das alte Produktionsreglement sah einen Hektarertrag von 12 500 Kilo pro Hektar vor. Im neuen wurde der Höchstertrag für den Superiore auf 10 000 Kilo heruntergesetzt. Für meinen Cesanese ernte ich zwischen 6500 und 8000 Kilo pro Hektar.”Heute wittern zahlreiche Besitzer kleiner Weinberge, dass die Rebstöcke des Großvaters nicht nur eine Last sind, sondern möglicherweise sogar etwas abwerfen könnten. So steigt denn die Zahl der Cesanese-Etiketten kontinuierlich, vor allem in Piglio. Als Sprungbrett dient vielen Neuproduzenten die Cantina Sociale von Piglio. Von den 700 000 Flaschen, die die Cantina erzeugt, sind mehr als die Hälfte für Kunden.
Domenico Tagliente, früher Önologe der Cantina Sociale von Piglio, heute Berater in eigener Regie: „Die Kellereigenossenschaft ist die Mutter dieser kleinen Betriebe. Alle profitieren davon, die Kellereigenossenschaft kann weiterhin Investitionen tätigen, um die Kellertechnologie auf dem neuesten Stand zu halten, die Neuwinzer brauchen nicht gleich zu Anfang ihrer Karriere einen eigenen Keller zu bauen.”

Damiano Ciolli: “Mein Vater rodete in den 80er-Jahren alle Cesanese-Rebberge und pflanzte weiße Rebsorten mit Pergelsystem. Natürlich konnte mit Erträgen von 15 000 bis 20 000 Kilo pro Hektar keine hohe Qualität entstehen. Ab 2001 haben wir dann nach und nach alles auf Cesanese und niedrige Hektarerträge umgestellt.”Die steile Abwärtskurve des Cesanese-Weinbaus scheint in den letzten Jahren erstmals wieder einen Knick nach oben aufzuweisen. Tagliente: “Die Rebbergsfläche ist stark zurückgegangen in den vergangenen 40 Jahren. Von ursprünglich 345 Hektar im Jahr 1973 sind wir heute auf 145 Hektar Cesanese del Piglio geschrumpft. Doch in den letzten vier, fünf Jahren wurden wieder neue Weinberge gepflanzt.”
Olevano Romano, Piglio und Affile…
Die Städtchen Olevano, Piglio und Affile sehen aus der Weite imposant aus. Wie künstlerisch angeordnete, wackelige Steinhaufen oben auf grünen Hügeln wirken sie. Die ersten dieser „Steine” müssen dort vor langer Zeit, wohl schon vor den Römern, aufgerichtet worden sein. Päpste und mächtige Geschlechter erbauten dann im Mittelalter Kirchen und Burgen, errichteten Schutzmauern, traten die Orte ab oder eroberten sie, je nach Epoche wehte ein anderer Wind, gabs andere Herren. Begeistert hat uns vor allem Olevano Romano. Der historische Stadtteil ist erstaunlich groß und mit dem Auto nicht befahrbar. Gassen, kleine Plätze, Treppen, blumenbeschmückte Hauseingänge, überraschende Durchblicke, Straßenaltäre, Kirchen, Wohnhäuser, so ziemlich alles direkt vom Mittelalter ins Heute gerettet. Wir verbrachten einen ganzen Abend mit dem treppensteigenden Erkunden des historischen Städtchens. Eine Erfahrung, die wir unseren Lesern nur empfehlen können.Olevano verbindet übrigens eine besondere Freundschaft zu Deutschland. Bekannte romantische Künstler haben hier Anfang des 19. Jahrhunderts gelebt und gemalt. Auch heute noch leben zahlreiche deutsche und dänische Künstler im Städtchen. (Siehe Kasten.)
Schade nur, dass die Landschaft rund um die historischen Städtchen wie von einer Art Zementakne von spießigen Vorstadtvillen verunstaltet ist. Unter Orts- und Landschaftsplanung scheint man hier zu verstehen, an möglichst jeder panoramischen Ecke tonnenweise Zement zu möglichst abgedroschenen, bewohnbaren Strukturen zu gießen. Nur in den Stadtkernen selbst ist die architektonische Welt noch in Ordnung. Und das wohl auch nur deshalb, weil die Zementsäcke auf dem Rücken durch die engen Gassen zum Bestimmungsort getragen werden müssten. Überall dort nämlich, wo der Zementlaster hinkommt, da war er auch schon!
…und ihre Weine
Die drei Orte bilden den Kern des Produktionsgebietes des Cesanese. Affile liegt am höchsten, die Weinberge liegen hier auf über 500 Metern Höhe. Dadurch reifen die Trauben in Affile später als in Piglio und in Olevano (bis knapp 400 Meter).
Flavio Buttarelli erzählt uns, wie die Winzer früher diese Zeitverschiebung nutzten: „In Olevano wurde Mitte Oktober geerntet und aus den Trauben ein trockener Wein bereitet. In den ersten Novembertagen gingen die Bauern mit ihren Eseln nach Affile, um dort Trauben zu kaufen. In jedes Fass kippten sie einen Bottich mit Trauben aus Affile. Dank einer zweiten Gärung erhielten die Winzer dann einen perlenden Wein mit Restzucker. Zwischen Dezember und März wurde dieser Cesanese dann in Rom rasch weggetrunken.
Heute wird nur noch wenig süßer Wein produziert. Das ist übrigens der große Unterschied zwischen Olevano und Piglio. Während in Olevano hauptsächlich süßer Wein erzeugt wurde, kelterten sie in Piglio schon immer auch trockenen Wein. In Affile hingegen gab es sowohl süßen als auch trockenen Cesanese.”
Weshalb es für weniger als 200 Hektar Cesanese drei DOC braucht, versteht niemand so richtig. Manche versuchen die Dreiteilung mit den unterschiedlichen Böden, Anbaubedingungen und Weinen zu rechtfertigen, andere sind realistischer und erklären sie mit lokalpolitischen Ursachen. Die Schaffung der drei DOC hat zwar bereits im Jahr 1973 stattgefunden, aber der Kirchturm hat in der Zwischenzeit kein bisschen an politischer Bedeutung verloren. Denn wie sonst wäre es zu erklären, dass der Cesanese del Piglio die DOCG für sich allein beansprucht und erhalten hat? Mit der Qualität der Weine hat das nichts zu tun. Vermutlich liegt es daran, dass die Region Latium bisher keine DOCG-Appellation besaß. So wollte man das mit dem Cesanese del Piglio DOCG wohl nachholen.

Anstrengungen, die drei Mini-Appellationen zusammenzufassen gab es jedoch. Mariano Mampieri: „Im Jahr 2003 machte ich den Vorschlag, eine einzige DOC mit drei Teilappellationen zu gründen. Damals war ich noch Präsident der Kellereigenossenschaft von Olevano. Leider wurde dieser Vorschlag abgelehnt. Die verschiedenen Gemeinden konnten sich nicht einigen. Das war damals ein ziemlicher Schlag, denn wir hatten wirklich an ein gemeinsames Projekt geglaubt.”
Armando Terenzi: „Der Cesanese del Piglio ist bekannter als die aus Olevano und Affile. Da der Cesanese di Olevano Romano in der Vergangenheit ein süßer Wein war, kämpfen die Winzer dort immer noch mit diesem Image. Wir haben es einfacher, da in Piglio schon immer trockener Wein gekeltert wurde. Die Produzenten sind aber nicht verfeindet, im Gegenteil, wir verstehen uns alle gut und tauschen uns aus. Nicht wir Produzenten, sondern unsere Politiker wollen keine gemeinsame DOC oder DOCG!”
Fernando Proietti: „Zumindest ein gemeinsames Schutzkonsortium für alle drei Cesanese hätte man einrichten sollen. Aber die Politiker haben auch hier keine Einigung zugelassen. Die Bürgermeister stehen sich selbst im Weg und denken weder an die Winzer noch daran, dass mit vereinten Kräften und einem gemeinsamen Auftreten viel mehr erreicht werden könnte.”
Eine DOCG für fünfeinhalb Winzer
Seit einem Jahr besitzt der Cesanese del Piglio die DOCG. Eigentlich versteht diese Beförderung keiner. Irgendein aus unverständlichen Gründen mit Befugnissen ausgestatteter Sachunkundiger gab dem Amtsschimmel die Sporen und ritt diesen Unsinn ungehindert durch die Instanzen. Nun müssen eine Handvoll Weinproduzenten aus Piglio die ungewollte DOCG-Suppe auslöffeln, ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie heiß diese ist: Die Zertifizierung eines DOCG-Weins ist nämlich nicht nur enorm umständlich und zeitaufwendig, sondern auch kostspielig. Es ist zu erwarten, dass sich die Piglio-Winzer nicht lange über ihr G freuen werden.
Wir konnten uns ohnehin nie mit diesem DOC„G“ („garantierte“ DOC) anfreunden, das alle DOC ohne G zu „nicht-garantierten“ degradiert. Wenn nun ein Wein wie der Cesanese del Piglio, den keiner kennt, dessen Winzer noch nicht bewiesen haben, dass sie ihr Handwerk verstehen und von dem kein einziger wirklich exzellenter Wein im Handel ist, in den Stand der DOCG erhoben wird, dann zeigt das einmal mehr, welche Bedeutung dieser Kategorie in Wirklichkeit zuzumessen ist.

Auf ein weiteres Problem macht Benedetto Lombardi aufmerksam: „In den letzten Jahren ist hier einiges falsch gelaufen. 2009 erhielt die Appellation Cesanese del Piglio die DOCG. Meiner Meinung nach zu Unrecht, da die Qualität der meisten Weine nicht DOCG-würdig ist.
Aber das größere Problem ist, dass es keine darunterliegende Auffang-DOC gibt, in die nicht DOCG-taugliche Weine runtergestuft werden können. Das bedeutet für uns, dass ein Cesanese, der den hohen DOCG-Anforderungen nicht entspricht, als IGT etikettiert werden muss. Das ist nicht besonders sinnvoll, denn am Ende riskiert der Hauptteil des Cesanese del Piglio als IGT Lazio verkauft werden zu müssen.” Und dann der Preis… Von einem roten DOCG-Wein darf man nicht nur eine besondere Qualität erwarten, man rechnet auch damit, dafür mehr bezahlen zu müssen als für einen einfachen Tafelwein. Mangel an Trittsicherheit herrscht also nicht nur im Keller, sondern auch bei den Preisen. Neben Phantasiepreisen mit Barriqueaufschlag findet man Cesanese del Piglio DOCG auch für wenig mehr als drei Euro. Das sind keine guten Voraussetzungen für die Schaffung eines kommunizierbaren Auftritts der Appellation und schon gar nicht für eine DOCG.
Optimistischer sieht Antonio Di Cosimo, Besitzer des wohl modernsten – und kapitalintensivsten – Weingutes der Gegend, Corte dei Papi (früher Colletonno), die Situation des Piglio DOCG: „Mit der DOCG einhergehend haben wir das Schutzkonsortium für den Cesanese del Piglio gegründet. Das Konsortium ist dafür zuständig, dass die strengen Produktionsregeln sowohl im Keller als auch im Weinberg eingehalten werden.
Wir sind nur eine kleine Appellation, und die wichtigsten fünf, sechs Weingüter sind in der Lage, die Bedingungen der DOCG zu erfüllen. Natürlich gibt es kleinere Betriebe, die noch an der Qualität arbeiten müssen, aber sie sind auf einem guten Weg. Wir haben versucht, die anderen Appellationen mit ins Konsortium zu holen, um gemeinsame Verkaufs- und Marketingstrategien zu verfolgen. Leider ist das aus dorfpolitischen Gründen gescheitert.”

Rom-Pilger: Rastet in Olevano!
Der Cesanese ist ein ganz besonderer Wein, der in seiner aromatischen Frucht an den Ruchè di Castagnole Monferrato (Piemont) und den Lacrima di Morro d’Alba (Marken) erinnert und beste Chancen hat, Liebhaber auch im Ausland zu finden. Das Cesanese-Gebiet befindet sich in einer Phase positiven Umbruchs, die Produzenten sind bestrebt, rasch den Anschluss zu finden und den modernen Anforderungen des internationalen Marktes gerecht zu werden. Für den Weinreisenden attraktiv ist sicher auch die Tatsache, dass selbst sehr gute Cesanese bei den Winzern für weniger als fünf Euro die Flasche zu haben sind und die Winzer sich über Besucher freuen.
Das Begeisterndste jedoch ist die Stimmung unter den Produzenten. Junge Winzer wie Fernando Proietti, Damiano Ciolli, Flavio Buttarelli, Mariano Mampieri und andere sehen sich nicht als Konkurrenten, sondern als Gruppe. Sie halten zusammen. Eine bessere Voraussetzung für erfolgreiche Zeiten gibt es nicht!
Unseren Lesern empfehlen wir, bei ihrem nächsten Rom-Besuch zwei, drei Tage für den Cesanese zu reservieren. Wer mit dem Auto unterwegs ist, aber keine Lust auf das römische Verkehrschaos verspürt, tut gut daran, sich auf dem Land in einem ruhigen Hotel einzuquartieren und die Stadt mit dem Zug zu besuchen. Abends dann ländliche Ruhe nach dem Rummel und der Hitze der Stadt und ein gepflegtes Abendessen abseits der Touristenströme ...
Aus Weinberg und Keller geplaudert ... Damiano Ciolli: „Ein Teil der Böden hier in Olevano besteht aus Vulkangestein und ist sehr fruchtbar. Das andere sind Lehmböden.” |
Oase der Kreativität Eine ganz besondere, jahrhundertealte Freundschaft verbindet Olevano Romano mit Deutschland, begründet auf einer künstlerischen Oase, die sich deutsche sowie österreichische Landschafts- und Genremaler wie Joseph Anton Koch, Johann Christian Reinhart, Viktor von Scheffel und der früh verstorbene Franz Horny Anfang des 19. Jahrhunderts dort errichtet haben. Angezogen von der unberührten Natur, den engen, verwinkelten Gässchen und der großen Gastfreundschaft der Einheimischen machten die deutschen Romantiker ihre Wahlheimat Olevano Romano das ganze 19. Jahrhundert hindurch zu einem Anlaufpunkt für Künstler aus Nord- und Mitteleuropa. Der Dresdner Kunsthistoriker und Mäzen Carl Friedrich von Rumohr, ein großer Kenner der italienischen Kunst, lud immer wieder Künstler nach Olevano ein, die dort überall sichtbar ihre Spuren hinterlassen haben. Auch heute noch wird diese Freundschaft gepflegt. Die damalige Künstlerherberge Casa Baldi, errichtet 1778, gehört mittlerweile der Bundesrepublik, und auch der Eichenwald Serpentara, mit der 1906 von Heinrich Gerhard gebauten gleichnamigen Villa, ist Eigentum der Akademie der Künste in Berlin. Junge deutsche Künstler nehmen das dreimonatige Villa-Serpentara-Stipendium regelmäßig in Anspruch und führen den künstlerischen Austausch fort. Raffaella Usai |
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