Endlich mal wieder ein Jahr mit ausreichenden, ja meistenorts sogar übermäßigen Niederschlägen und einem Sommer ohne Tropentemperaturen. Wer super konzentrierte Weine mag, wird mit diesem Jahrgang nicht zufrieden sein. Ein großer, kompletter Rotweinjahrgang ist der 2010er sicher nur in wenigen Weingebieten, dafür wird es vor allem in Mittel und Norditalien Weißweine und frühe rote Sorten mit ausgeprägten Aromen, guter Säure und trinkiger Struktur geben. Die Erntemengen liefern ebenso wie die Qualität keine Schlagzeilen: Italiens Weinproduktion ist dank EU-Beihilfen für Rodungen und grüne Weinlese weiterhin rückläufig. Gleichwohl bleiben die Traubenpreise auf bedenklich niedrigem Niveau, da in Italiens Kellern immer noch viel unverkaufter Wein liegt.
Raffaella Usai und Andreas März fassen die wichtigsten Merkmale des 2010ers zusammen und haben sich über den Jahrgang und die weinwirtschaftliche Situation mit Produzenten und Konsortien unterhalten.
Nur im Süden wars schön
2010er Jahrgang in den Regionen
Die ersten drei Regionen, die kurz nach Mitte August mit der Weinlese begannen, waren Sizilien, Apulien und die Lombardei (Franciacorta). Die letzten Trauben wurden Mitte November in Südtirol (Cabernet), Kampanien (Taurasi) und Valtellina geerntet.
Die 2010 erzeugte Menge Wein entspricht dem letztjährigen Ertrag und liegt laut den Schätzungen des italienischen Önologenverbandes bei 4550 Millionen Litern. Anzumerken ist zum Thema Produktionsmenge, dass vor allem in Süditalien auf Grund der massiven Rodungen bedeutend weniger Wein als früher erzeugt wird.
Das Veneto bleibt mit 818 Millionen Liter Italiens produktivste Region, zusammen mit der Emilia Romagna, Apulien und Sizilien werden 2623 Millionen Liter erzeugt, was rund 60 Prozent der gesamten italienischen Weinproduktion entspricht.
Der vergangene Jahrgang war von überdurchschnittlichen Niederschlägen geprägt. Tiefe Temperaturen mit Schnee im Winter, dann heftige und häufige Niederschläge dasganze Jahr über. Heiß war es vor allem im Süden, während in den nördlichen Regionen eher die Niederschläge Probleme brachten. Auch das Wetter vor der Weinlese ließ die Winzer nicht aufatmen. Immer wieder wurde die Weinlese von Regentagen unterbrochen.
Auf der einen Seite erzeugen die Italiener weniger Wein, auf der anderen trinken sie immer weniger: Noch 2007 lag der ProKopfKonsum bei 45 Litern, zwei Jahre später betrug er noch 43 Liter. Die italienischen Önologen befürchten, dass der Konsum im Jahr 2015 unter die 40LiterMarke sinken wird, das wäre dann exakt ein Drittel dessen, was in Italien in den 70erJahren weggetrunken wurde.
30 Prozent der italienischen Weinproduktion werden exportiert, in fünf Jahren könnten es bereits 40 Prozent sein. Der Preis für diese Expansion ist jedoch hoch: Zwar gelang es 2009, im Ausland 6,1 Prozent mehr Wein als im Vorjahr abzusetzen, allerdings fielen die Einnahmen um 6,5 Prozent zurück.
In der ersten Hälfte dieses Jahres scheint sich die Situation etwas entspannt zu haben: Einer Volumenzunahme von 6,9 Prozent steht immerhin ein Wertzuwachs von vier Prozent entgegen. Trotzdem bleibt der Fassweinmarkt in Italien träge, und die Quotierungen liegen im Mittel 30 Prozent unter jenen von 2008.
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Dank des stabilen Septembers konnten die Trauben ausreifen und der Grauschimmel kontrolliert werden. Im Vergleich zu 2009 verspätete sich die Weinlese um knapp zwei Wochen und fand damit wieder zum normalen Zeitpunkt statt. Die Erntemengen lagenrund zehn Prozent über dem Vorjahr, die Qualität ist allgemein gut, aber nicht Spitze.
Lombardei:
Zufriedenstellender Qualität sind die Grundweine in der Franciacorta und im Oltrepò. „Gute Qualität” melden auch die Kellermeister im Valtellina. Die Mengen liegenzehn Prozent über dem Vorjahr.
Trentino und Südtirol:
Ein von Schlechtwetter geprägter Herbst erlaubte lediglich, die Grundweine für die Trento DOC und die frühen Weißweinsorten unbeschadet einzubringen, während die roten Sorten von den Niederschlägen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Erntemengen liegen um die zehn Prozent unter denen des Vorjahres.
Veneto:
Im ganzen Veneto herrschte in der zweiten Augusthälfte sonniges, heißes Wetter mit kühlen Nächten: ideal für gute Ausreife, Aromen und Säure. Der niederschlagsreicheSeptember hingegen erschwerte dann die Weinlese. Die Mengen bewegen sich auf Vorjahresniveau.
Olga Bussinello, Direktorin Valpolicella-Konsortium: „Die klimatischen Bedingungenwaren dieses Jahr alles andere als günstig, doch wer dem Weinberg die nötigeAufmerksamkeit gewidmet hat, wurde mit gesunden Trauben belohnt.“
Giancarlo Vettorello, Direktor Konsortium Prosecco di Conegliano-Valdobbiadene: „Wir hatten ein sehr schwieriges Jahr. Im Frühling und auch zu Beginn des Sommers haben uns die ständigen Regenfälle zu schaffen gemacht, und wir mussten eine Reihe von Treffen mit den Winzern abhalten, um die Probleme im Weinberg in den Griff zu kriegen. Jeder Hügel, jeder Weinberg benötigt seine individuelle Behandlung, auch was die Weinlese angeht. Mitte September hatten wir Glück mit dem Wetter und haben dadurch Schlimmeres abwenden können. Dieses Jahr war nervenaufreibend bis zum letzten Tag.“
Friaul:
Die starken Temperaturunterschiede im August verlangsamten zwar den Reifeverlauf um 14 Tage im Vergleich zu 2009, kamen dafür aber der Qualität der weißen Sortenzugute. Dank trockener Winde und kühler Temperaturen konnten die heftigen Niederschläge von Mitte September keinen Schaden anrichten. Die Weine sind weniger alkoholstark und verfügen über eine gute Säure.
Emilia Romagna:
Auch in der Emilia Romagna startete die Weinlese mit einer Verspätung von gut zehn Tagen. Anfang September begann die Ernte des SorbaraLambrusco in der Emilia, in der zweiten Septemberhälfte die des Sangiovese in der Romagna. Die Regentage Ende August erschwerten die Lesearbeiten, die Traubenfäule hielt sich dank niedriger Temperaturen jedoch in Grenzen. Die Önologen loben die eleganten, aromatischen Weine mit gutem Säuregerüst. Bleibt die Erntemenge in der Emilia unverändert, werden in der Romagna Einbußen von zehn Prozent beklagt.
Toskana:
Das warme, niederschlagsreiche Wetter zog sich über das Frühjahr hinaus bis in den Sommer hinein und hatte hier und dort Pflanzenkrankheiten zur Folge. So liegt dieErntemenge rund zehn Prozent unter der des Vorjahres. Erstmals seit vielen Jahren konnten sich die Winzer nicht über Trockenstress beklagen. Auch der Herbst sah – außer in Montalcino – viel Regen, sodass oft nur eine frühere Lese vor Verlusten durch Traubenfäulnis schützte. In den meisten Weingebieten sind die Weine eher hell und sicher keine Schwergewichte.
Stefano Campatelli, Direktor Brunello-Konsortium: „Der Vegetationszyklus der Reben war aufgrund des kühlen und regnerischen Frühlings und Sommers verzögert, was uns zunächst etwas beunruhigte. Dann hat uns der August positiv überrascht, und wir haben Trauben von optimaler Reife ernten können. Selbst die Winzer haben nicht mit solch guten Trauben gerechnet. Dieser Jahrgang hat ein sehr gutes Potenzial, die Weine haben eine tolle Säurestruktur und eine intensive Farbe.“
Paolo Solini, Direktor des Konsortiums Vino Nobile di Montepulciano: „DieTraubenqualität ist durchwegs gut, insbesondere weil der Sommer relativ stabiles Wetter brachte. Wir haben dieses Jahr eine höhere Säure gemessen, da es im Vergleich zu den letzten Jahren eher kühl war. Erfahrungsgemäß werden wir frischere und traditionellere Weine erhalten, aber es ist noch zu früh, um den Jahrgang zu charakterisieren. Mengenmäßig liegen wir etwas niedriger als letztes Jahr, auch weil die Philosophie immer mehr zur Qualität als zur Quantität tendiert.“
Marken:
Weder Trockenstress noch hohe Temperaturen gab es auch in dieser Region, dafür große Temperaturunterschiede, besonders im Juli. Mit rund zehn Tagen Verspätung aufdas Vorjahr begann Anfang September die Lese des Verdicchio und dann Mitte Oktober die des Montepulciano für den Rosso Conero. Feuchtes Wetter in der Vegetationsperiode sowie im Herbst sorgten hier und dort erst für Oidium, dann für Traubenfäule. Mit der Erntemenge ist man allgemein zufrieden, sie liegt fünf Prozent über 2009.
Latium:
Zwei Monate dauerte die Weinlese in dieser Region: Die ersten ChardonnayTrauben wurden am 20. August, die letzten CesaneseTrauben am 20. Oktober vinifiziert. Während der Weinlese im September herrschte mit heißen Tagen alternierendes Schlechtwetter. Die Ausreife war daher nicht überall optimal, die ausgeprägten Temperaturunterschiede führten hingegen zu aromatischen Weiß und dunkelfarbenen Rotweinen mit guten Säurewerten. Die Menge liegt knapp über der des Vorjahres.
Abruzzen:
Ein kühles Frühjahr mit viel Regen bis in den Juni hinein und dann nochmals Ende Juli sorgte für viel Vegetation, eine späte Blüte und hier und dort für Pflanzenkrankheiten. Die Weinlese begann mit gut zehn Tagen Verspätung. Die MontepulcianoTrauben wurden von Ende September bis Ende Oktober geerntet. Trotz der anfänglich widrigen Wetterbedingungen sind die Kellermeister sehr zufrieden mit den roten Jungweinen. Die Erntemengen liegen 15 Prozent über denen des Vorjahres.
Kampanien:
Auf das regenreiche Frühjahr folgten drei heiße, trockene Juniwochen und ein kühler Juli. Anfang Oktober wurde etwas später als 2009 der Fiano di Avellino, Mitte November der Aglianico des Taurasi gelesen. Die Weine sind aromatischer, säurereicher und weisen etwas weniger Alkohol auf als üblich. Die Menge liegt leicht über Vorjahresniveau.
Apulien:
Die Weinlese begann in der Provinz Taranto Anfang September mit denPrimitivoTrauben, Mitte September war der Negroamaro an der Reihe. Die sehr unterschiedlichen Sorten für den Castel del Monte wurden von Anfang September bis in die zweite Oktoberhälfte hinein gelesen. Man freut sich auf aromareiche Weine mit guter Säure. Obschon in Apulien nochmals 2000 Hektar den Rodungsprämien geopfert worden sind, erholte sich die Erntemenge im Vergleich zu 2009 um 20 Prozent.
Sizilien:
Sizilien hat dieses Jahr Ernteeinbußen von 30 Prozent zu beklagen! Nicht der Klimaverlauf ist dafür verantwortlich, sondern die tiefen Traubenpreise und die EUSubventionen: 2000 Hektar wurden gerodet, „Vendemmia verde” (Wegschneiden der grünen Trauben) wurde auf 9100 Hektar praktiziert, des Weiteren verzichteten angesichts der tiefen Traubenpreise viele Winzer auf die Bearbeitung ihrer Weinberge. Die Qualität der Jungweine ist gut bis sehr gut.
Sardinien:
Im Gegensatz zu den meisten Regionen Italiens erlebte Sardinien einen trockenen, wenn auch nicht besonders heißen Sommer. Im August und September herrschtenvergleichsweise kühle Temperaturen. Die ausgeprägten Temperaturunterschiede brachten Aromen, Säure, Polyphenole, während die Zuckerwerte etwas unter dem langjährigen Mittel lagen. Der Falsche Mehltau sorgte vor allem im Süden der Insel für Ernteausfälle, sodass die Erntemenge der Region etwa 15 Prozent geringer als letztes Jahr ausfiel.
Krise fordert weiter Opfer
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Noch immer kein Licht am Ende des Tunnels für die Mehrheit der italienischen Winzer. Sie sind und bleiben das schwächste Glied der Kette und können in vielen Gegenden ihre Produktionskosten mit dem Verkauf der Trauben nicht decken. In der Toskana stehen viele Weingüter zum Verkauf, die Keller sind voll, die Kredite können nicht zurückgezahlt werden.
Die Verkäufe scheinen sich zwar mengenmäßig zu erholen, aber die Preise garantierenden Winzern keine angemessene Entlohnung. In Sizilien stellt sich die Situation für die Bauern besonders kritisch dar: 30 Cent bekommen sie für ein Kilo Nero d’Avola-Trauben, für weiße Trauben noch 20 Cent. Für dieses Entgeld lohnt sich nicht mal die Ernte, heißt es auf der Insel. Obwohl die Weinproduktion Siziliens dank Rodungsprämien und grüner Weinlese um rund 30 Prozent gesunken ist, steigen die Traubenpreise nicht – im Gegenteil, sie fallen teilweise im Vergleich zum Vorjahr.
Zwar kommen positive Signale, vor allem aus dem Ausland, doch eine konkrete Trendwende ist nicht abzusehen. Denn gekauft wird vor allem, was billig ist, oder zumindest billiger ist als zuvor… Wer vom Verkauf der Trauben oder des Fassweins lebt, ist gezwungen, an seinen Vorräten zu knabbern, sofern denn welche da sind. Werhingegen lediglich Wein abfüllt und zukauft, was bereits geordert ist, der macht jetzt diegroße Knete. So läuft das in jeder Absatzkrise.
Chianti Classico
Die Fassweinpreise für den Chianti Classico halten sich stabil bei 2,65 Euro pro Liter, das Konsortium spricht von einem positiven Trend und hofft, im nächsten Jahr endgültig aus der Krise zu kommen.
Im ersten Halbjahr 2010 wurden zehn Prozent mehr Chianti-Classico-Flaschen verkauft, die Verkäufe liegen aber noch immer zehn Prozent unter der jährlichen Durchschnittsmenge in Erfolgsjahren. Das Konsortium hat Anfang August die Hektarhöchsterträge um 20 Prozent gesenkt, um die verfügbaren Mengen sowie dieFassweinpreise zu stabilisieren.
Brunello
Stefano Campatelli, Direktor Brunello-Konsortium: „In Montalcino stehen nicht viele Weingüter zum Verkauf, und diejenigen, die verkaufen, sind nicht unbedingt aus finanziellen Gründen dazu gezwungen. Der Brunello erholt sich gerade, die Traubenpreise steigen wieder, und auch die Umsätze sind zufriedenstellend. Junge Betriebe leiden natürlich mehr unter der Krise als alteingessene Weingüter, die eine gute Basis haben und eine schwierige Marktsituation besser verkraften können.“
Soave
Aldo Lorenzoni, Direktor Soave-Konsortium: „Die italienische Weinwirtschaft kann man nicht als Ganzes sehen, sondern muss jede Appellation, jede Gegend für sich betrachten. Das System ist stark von den großen Handelsketten abhängig. Nur am amerikanischen Exportmarkt können die Winzer wirklich etwas verdienen, in Deutschland undGroßbritannien sind die Gewinnspannen extrem klein. Nur die wenigen Weinklassiker Italiens können ihre Preise und ihre Verkaufsvolumen verteidigen. Für alle anderen heißt es, sichständig den neuen Geschmäckern und ModeErscheinungen anzupassen. Der heutige Verbraucher will gute Qualität zu einem niedrigen Preis. Und es gibt Appellationen, die damit Schwierigkeiten haben.
Aussagekräftiger als der Traubenpreis ist meiner Meinung nach der Hektarverdienst. Ein Weinbauer im Soave verdient etwa 15.000 Euro, das ist viel im Vergleich zu den 2000 bis 4000 Euro, die Bauern andernorts bekommen.“
Prosecco di Conegliano Valdobbiadene
Giancarlo Vettorello, Direktor Konsortium Prosecco di Conegliano-Valdobbiadene: „Unsere Appellation macht das Beste aus der Krise und verteidigt sowohl die Preise als auch den Flaschenverkauf. Die Traubenpreise sind wieder leicht gestiegen, aber noch lange nicht auf dem Niveau von 2007.
Unsere Winzer sind nicht in finanziellen Schwierigkeiten, wie es vielleicht in anderen Gegenden Italiens der Fall sein mag, aber wir müssen gemeinsame Maßnahmen ergreifen, damit das auch so bleibt. In Italien basiert die Weinwirtschaft auf vielen kleinen Betrieben, die nur gemeinsam aus der Krise kommen können.
Die Konsortien müssen die Appellationen besser lenken und ihnen eine Verkaufstrategie sowohl für das In als auch für das Ausland geben. Außerdem müssen wir mitverbindlichen Absprachen dafür sorgen, dass die Traubenpreise nicht zu sehr schwanken.”
Valpolicella/Amarone
Olga Bussinello, Direktorin Consorzio della Valpolicella: „Wir müssen zweifellos einen schwierigen Moment überstehen, aber unsere Appellation kann sich eigentlich nicht beschweren. Die Traubenpreise sind stabil, und auch die Weine positionieren sich weiterhin gut im In und Ausland.
Unser Ziel ist es, die Preise und die Marktanteile zu sichern, indem wir die Produktionsmenge stufenweise drosseln. Das Konsortium hat zwei Maßnahmen eingeleitet: Zum einen haben wir durchgesetzt, dass von der Ernte 2010 nur 50 statt70 Prozent des zugelassenen Valpolicella-Hektarertrags (6.000 statt 8.400 kg) zum Appassimento verwendet werden dürfen, das betrifft vorwiegend die Produktion von Amarone, aber auch von Recioto und Ripasso.
Zusätzlich hat das Konsortium einen Pflanzstopp für die nächsten drei Jahre durchgefochten, um die Rebflächen nicht noch weiter explodieren zu lassen.“
Vino Nobile di Montepulciano
Paolo Solini, Direktor des Konsortiums Vino Nobile di Montepulciano: „Die Weingüter, die vor der Krise extrem viel in ihren Betrieb investiert haben, sind zum Teil in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil sie nicht damit gerechnet hatten. Wir schauen jedoch positiv in die Zukunft, die Verkäufe erholen sich, und die Lagerbestände haben sich spürbar verringert.
Mehr als zwei Drittel der Produktion gehen ins Ausland, die wichtigsten Absatzmärkte bleiben für uns Deutschland und die Schweiz, aber auch die USA und der asiatische Markt zeigen wieder mehr Interesse.“
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Enzo Brezza, Brezza, Piemont
„Den Gürtel einfach etwas enger schnallen“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr?
Enzo Brezza: Wir hatten keine großen Probleme mit Peronospora und Oidium. Es war zwar ein sehr regenreiches und kühles Jahr, aber wir sind trotz allem sehr zufrieden. Der diesjährige Jahrgang hat eine gute Säure, ist weniger alkoholreich und hat großes Potenzial. Wir erwarten einen Barolo, der genau den Nerv der Zeit trifft.
Merum: Wie hat sich die Krise auf Ihren Betrieb ausgewirkt?
Enzo Brezza: Die Krise hat unseren Betrieb natürlich getroffen, aber keineswegs aus der Bahn geworfen. Ein schwieriger Moment hilft auch immer, sich zu sammeln, die Betriebspolitik zu überdenken und zu analysieren. Im Piemont gibt es viele kleine Familienbetriebe mit einer soliden Basis, die in den letzten zwei Jahren den Gürtel einfach etwas enger schnallen mussten, um die fehlenden Umsätze auszugleichen.
Aber alles in allem haben wir die Krise gut überstanden. Wir setzen viel über den Direktverkauf ab, treue Kunden aus dem europäischen Ausland kommen regelmäßig zu uns. Ehrlichkeit und Transparenz bei der Preispolitik wissen sie zu schätzen, und die Umsätze sind trotz Krise nicht weniger geworden. Unsere Preise werden auch im kommenden Jahr stabil sein, eine Erhöhung kommt nicht infrage.
Merum: Wie hat sich der Export entwickelt?
Enzo Brezza: Man kann nicht sagen, dass die Märkte eingebrochen sind, aber sie schwanken sehr im Vergleich zu früher. Die USA waren und sind noch immer einwichtiger Markt, der sich langsam erholt. Viele Betriebe haben sich in Richtung Asienorientiert, insbesondere China und Japan sind interessante Schauplätze. Die neueWinzergeneration reist viel, ist wesentlich aktiver und sucht neue Absatzmöglichkeitenin Ländern, an die unsere Väter nicht einmal gedacht hätten.
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Gianni Cantele, Cantele, Apulien
„Mit Dumpingpreisen verliert man die Glaubwürdigkeit“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr?
Gianni Cantele: Der regenreiche Winter und die niedrigen Frühlingstemperaturen haben die gesamte Entwicklung im Weinberg um rund zwei Wochen verzögert. Trotz des unbeständigen Wetters konnten wir die Rebkrankheiten gut in den Griff bekommen. Die Sommermonate waren trocken und heiß, was den Trauben letztendlich zur perfekten Reife verholfen hat. Die Weinlese hat für die wichtigsten Sorten Ende August/Anfang September begonnen, die Negroamaro und PrimitivoTrauben waren von besserer Qualität als letztes Jahr.
Merum: Wie hat sich die Krise auf Ihren Betrieb ausgewirkt?
Gianni Cantele: Unsere Firmen und Preispolitik setzt ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis unserer Weine voraus. Wir sind ständig dabei, unsere Qualität zu verbessern und versuchen gleichzeitig, die Preise unverändert zu lassen. Außerdem haben wir unsere Kommunikation ausgebaut und mehr auf die neuen Medien gesetzt.
Merum: Wie hat sich der Export entwickelt?
Gianni Cantele: Wir haben viele kleinere Kunden und legen keinen großen Wert auf große Abnehmer. Somit können wir das Risiko besser verteilen und sind nicht von wenigen abhängig. Trotz allem durchleben wir einen schwierigen Moment, den man nicht schönreden kann. Die Kunden im In und Ausland versuchen ständig, den Preis zu drücken.
Wir als Privatkellerei können bei solchen Spielchen aber nur bedingt mitmachen, da wir gegenüber den Kellereigenossenschaften und großen Kellereien sowieso nicht wettbewerbsfähig sind. Dumpingpreise führen nur dazu, dass wir unsere Glaubwürdigkeit und unser Image verlieren. Der Einzelhandel ist für uns nicht interessant, da wir uns eben auf gewisse Preise nicht einlassen wollen. Wir suchen immer nach neuen Märkten, aus Osteuropa zum Beispiel kommen für uns positive Signale.
Merum: Wie ist die Lage der Weinbauern in Apulien?
Gianni Cantele: Leider hat auch diese Weinlese den Weinbauern nicht die erhoffte Preiserhöhung gebracht. Die Traubenpreise sind nach wie vor sehr niedrig und decken in den meisten Fällen die Produktionskosten nicht. Die Tatsache, dass viele Bauern ihre Weinberge roden und an ihrer Stelle PhotovoltaikAnlagen setzen, erklärt eigentlich schon alles. Man kann es ihnen nicht verübeln. Wir Kellereien sollten dafür Sorge tragen, dass es den Traubenproduzenten gut geht, sie haben die schwächste Position im System, aber sie sind dessen Basis.
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Francesco Liantonio, Torrevento, Apulien
„Die Situation ist nicht rosig“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr? Wie ist dieTraubenqualität?
Francesco Liantonio: Wir sind mit diesem Jahrgang absolut zufrieden. Die Niederschläge in den Winter und Frühlingsmonaten haben den Vegetationszykluspositiv beeinflusst, die heißen Sommermonate haben wenig Spritzungen gegen Rebkrankheiten erforderlich gemacht. Zu unserem Glück haben frische Winde aus dem Norden dazu beigetragen, die optimale Reife der Trauben zu unterstützen. Sowohl im Anbaugebiet Castel del Monte, aber auch im Salento und in der Gegend um Taranto sind wir von der Traubenqualität sehr angetan, auch wenn wir leicht unter der Menge des Vorjahres liegen. Besonders die Rebsorte Nero di Troia verspricht dieses Jahr große Weine hervorzubringen.
Merum: Wie hat sich die Krise auf Ihren Betrieb ausgewirkt? Wie hat der Export reagiert?
Francesco Liantonio: Die Krise hat dazu geführt, dass wir zusätzlich neue Absatzmärkte schaffen mussten, zum Beispiel in Asien. Außerdem haben wir für den Export neue Produktlinien speziell für den Einzelhandel ins Leben gerufen. Die Margen sind auch für uns kleiner geworden, aber mit der richtigen Strategie haben wir nur geringe Einbußen verzeichnen müssen. Im Mittelpunkt unserer Firmenphilosophie steht die Qualität, gepaart mit der Typizität der apulischen Rebsorten. Wir bieten unseren Kunden nicht nur Weine aus einem Anbaugebiet unserer Region, sondern aus ganz Apulien. Weinliebhaber bekommen hohe Qualität zu einem angemessenen Preis. Das ist am Ende das, was zählt und was unseren Erfolg ausmacht.
Merum: Wie geht es den Weinbauern?
Francesco Liantonio: Die Situation ist nicht rosig. Die Traubenpreise ermöglichen den Bauern nicht, davon zu leben. Sie sind weit davon entfernt. Die Kellereien müssten dafür sorgen, dass die Trauben ordentlich bezahlt werden, doch das System dahinter ist sehr komplex. Jeder, der dazu beiträgt, eine Flasche Wein zu produzieren, sollte seinen gerechten Anteil bekommen. Leider ist das nicht immer der Fall.
Katia Gabrielli, Velenosi, Marken
„Wir sind sozusagen krisenerprobt“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr?
Katia Gabrielli: Dieses Jahr mussten wir im Weinberg Überstunden machen, um gesunde Trauben zu erhalten. Die reichlichen Niederschläge haben uns gezwungen, regelmäßig und vermehrt gegen Rebkrankheiten vorzugehen. Letztendlich haben diese aber keinen Schaden anrichten können. Die Weinlese hat fast zwei Wochen später als im Vorjahr begonnen und hat aufgrund von starken Regenfällen länger als sonst gedauert. Erfreulicherweise hatten wir keine Ernteausfälle dadurch, sondern haben im Vergleich zu 2009 mengenmäßig sogar fünf Prozent zugelegt. Insbesondere die Weißweine haben ein gutes Säuregerüst und versprechen sehr frisch und fruchtig zu werden, während die Roten eine gute Farbintensität und Tanninstruktur aufweisen.
Merum: Wie hat sich die Krise auf Ihren Betrieb ausgewirkt? Wie hat sich der Export entwickelt?
Katia Gabrielli: Unsere Gegend war früher nicht bekannt für Qualitätsweine, sondern eher für Billig und Verschnittweine, die in den Norden flossen. Wir hingegen haben von Anfang an auf Qualität gesetzt. Unsere Marktanteile waren schon immer sehr hart umkämpft, es war für uns nie leicht sie zu verteidigen. Daher sind wir sozusagen krisenerprobt und haben die letzten zwei Jahre gut gemeistert. Der Großteil unserer Produktion geht ins Ausland, und die Verkäufe sind dort verhältnismäßig stabil geblieben. Der italienische Markt hat uns mehr Sorgen bereitet, daher haben wir eine neue Linie mit dem Namen "Terra" für den Supermarkt lanciert, die sich großen Erfolgs erfreut.
Merum: Wie geht es den Weinbauern?
Katia Gabrielli: Den Bauern geht es leider am schlechtesten von allen. Und dabei ist ihr Überleben eine Grundvoraussetzung für die gesamte Weinwirtschaft. Von den Kellereigenossenschaften werden die Bauern meistens schlecht bezahlt, und ich frage mich, wie ein Bauer für die Arbeit in seinem Weinberg überhaupt noch Geld ausgeben kann. Die Kellereien wollen zwar eine hohe Traubenqualität, unterstützen die Bauern aber nicht dabei.
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| (Foto: Merum) |
Marco Calcaterra, Avide, Sizilien
„Die Krise spüren wir ganz besonders bei der Zahlungsmoral unserer Kunden“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr?
Marco Calcaterra: Das Klima zu Beginn der Weinlese war vorwiegend stabil, teilweise sogar sehr warm. Wir haben Trauben von optimaler Qualität ernten können. In der zweiten Hälfte hatten wir mit starken Regenfällen zu kämpfen, glücklicherweise sind wir aber von Hagel verschont geblieben.
Wer im Weinberg sauber gearbeitet und den Rebkrankheiten früh genug vorbeugt hat, konnte gute bis sehr gute Qualität ernten. Die Mengen liegen auf dem Niveau der letzten Jahre, da wir den Hektarertrag seit Jahren senken, um bessere und konzentrierte Trauben zu erhalten. Die internationalen und frühreifen Rebsorten haben eine sehr gute Säurestruktur, die mit dem Alkohol in optimalem Verhältnis steht. Noch ist es allerdings zu früh zu sagen, wie sich der Jahrgang entwickelt. Wir sind aber sehr optimistisch.
Merum: Wie hat Ihr Betrieb auf die Krise reagiert?
Marco Calcaterra: Wir haben in den letzten Jahren versucht, unsere Kosten zu senken und uns auf die Weine zu konzentrieren, bei denen wir die größte Gewinnmarge haben. Über Investitionen haben wir lange diskutiert und am Ende entschieden, das Geld in die Kellerei zu stecken, um auf lange Sicht auf den wichtigsten Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben.
Merum: Wie hat sich der Export entwickelt? Haben Sie die Firmenpolitik geändert?
Marco Calcaterra: Der einzige Markt, der uns große Sorgen macht, ist der japanische, da er um 20 Prozent zurückgegangen ist. Und leider scheint er sich nicht zu erholen. Die anderen Länder, vor allem Deutschland, die Niederlande und die USA sind relativ stabil geblieben.
Natürlich haben wir die Krise gespürt, und sie ist auch noch nicht vorbei. Wir merken das ganz besonders bei der Zahlungsmoral unserer Kunden. Wir haben unsere Preise nicht verändert, aber unsere Rabattpolitik überdacht. Unser Markt ist nach wie vor die Gastronomie, und wir werden uns auch nicht dem Einzelhandel zuwenden. Wir wollen unsere Weine auf keinen Fall im Supermarkt positionieren.
Merum: Wie ist die Lage der Weinbauern in Sizilien?
Marco Calcaterra: Es ist mit Sicherheit eine schwierige Situation. Die meisten Weingüter Siziliens kaufen Trauben zu, und daher sind wir alle gemeinsam für das Wohl der Traubenproduzenten mitverantwortlich. Wir müssen dafür sorgen, dass sich Qualität wieder lohnt, dass die Bauern die nötigen Investitionen machen können, um ihre Produktionskosten nicht nur zu decken, sondern auch etwas dabei verdienen. Die großen Betriebe müssen einen angemessenen Preis zahlen, der deutlich über 35 Cent pro Kilo liegt. Leider sind wir davon weit entfernt.
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| (Foto: Merum) |
Giovanni Busi, Präsident Chianti-Konsortium, Toskana
„Der Stabilitätspakt hat sich in Schall und Rauch aufgelöst“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr?
Giovanni Busi: Das vergangene Jahr war ein besonders regenreiches und hat den Weinbauern im Chianti viele Probleme bereitet. Vor allem der Falsche Mehltau war schwierig in den Griff zu bekommen, es waren viele Spritzungen nötig, um ihn zu bekämpfen. Wir können davon ausgehen, dass wir rund zehn Prozent weniger Trauben geerntet haben als 2009. In der jetzigen Situation ist das nicht das Schlimmste, es könnte dazu beitragen, das Gleichgewicht der Appellation wieder herzustellen. Vielmehr beunruhigt uns die Tatsache, dass die Rebkrankheiten so viel Schaden anrichten konnten. Viele Weinbauern, vor allem Mitglieder der Kellereigenossenschaften, haben bei den Maßnahmen mit Pflanzenschutzmitteln gegen den Falschen Mehltau gespart oder sie nur halbherzig durchgeführt, um die Produktionskosten niedrig zu halten. Das hat weniger die Qualität als die Quantität beeinflusst, doch es zeigt uns, dass den Weinbauern das Wasser bis zum Hals steht.
Merum: Den Weinbauern geht es also schlecht?
Giovanni Busi: Den Weinbauern im Chianti geht es seit rund zwei Jahren sehr schlecht, sie versuchen sich so gut wie es geht über Wasser zu halten, doch die Qualität leidet natürlich. Sie haben nicht das Geld, um den Weinberg vorschriftsgemäß zu bewirtschaften und legen bei der Produktion drauf.
Merum: Wie haben sich die Trauben und Fassweinpreise entwickelt?
Giovanni Busi: Der Traubenmarkt im Chianti ist dieses Jahr relativ klein. Die Preise für die Trauben stehen so kurz nach der Weinlese noch nicht genau fest, die Genossenschaften zahlen den Weinbauern erst Monate später das Geld, da sie den Markt zunächst beobachten. Meinen Informationen zufolge sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr stabil und in einigen Fällen leicht gestiegen. Auch für die Fassweinpreise ist es noch zu früh, um Genaues zu sagen. Es gibt sowohl Kellereien, die den Abfüllern den Liter für 80 Cent verkaufen als auch solche, die einen Euro pro Liter bekommen. Der realistische Preis beläuft sich momentan auf rund 90 Cent pro Liter.
Natürlich gibt es immer kleine Betriebe, die gezwungen sind, ihre Keller leer zu machen, weil sie keine Lagerkapazität mehr haben. Dann kann der Preis auch schon mal niedriger sein.
Merum: Vor einigen Jahren hat das Chianti-Konsortium den sogenannten Stabilitätspakt ins Leben gerufen. Was ist aus diesem Versuch geworden, den Preis für den Chianti zu stabilisieren? In Merum 05/2005 hatten wir ausführlich darüber berichtet.
Giovanni Busi: Diese Idee ist zu einem Zeitpunkt entstanden, als es dem Chianti relativ gut ging und ein Preis von 1,15/1,20 pro Liter realistisch war. Als die Krise kam, hat sich der Pakt in Schall und Rauch aufgelöst. Die Verkäufe sind zurückgegangen, und viele Abfüller hatten zu viel Wein aufgestaut, der nicht mehr abfließen konnte. Die Preise sind gefallen, und der Pakt wurde hinfällig. Viele Abfüller haben versucht, ihre Abnehmer im In- und Ausland um jeden Preis zu halten – teilweise zu unmoralisch tiefpreisigen Konditionen. Dieser Pakt hätte nur funktionieren können, wenn es auch bindende kommerzielle Absprachen gegeben hätte. Die Abfüller haben so etwas nie unterzeichnet.
Merum: Es stehen derzeit viele Betriebe in der Toskana zum Verkauf. Welche Art Betriebe sind davon betroffen?
Giovanni Busi: Viele Weingüter haben in den letzten Jahren große Investitionen getätigt, den Betrieb ausgebaut und modernisiert. Die globale Krise hat die Winzer vollkommen unerwartet getroffen, und sie konnten ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Jetzt sind viele gezwungen, zu verkaufen. Es sind vor allem junge Betriebe, die schnelles Geld mit dem Chianti machen wollten und sich verkalkuliert haben.
Merum: Was wird das Konsortium unternehmen, um die Situation des Chianti zu verbessern?
Giovanni Busi: Wir werden versuchen, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen und die Schwächsten zu unterstützen. Die Qualität kommt von der Basis, und die Weinbauern müssen fair entlohnt werden. Nur so können sie eine gute Qualität produzieren, die den Chianti ausmacht. Wir müssen die Lagerbestände so schnell wie möglich reduzieren und langsam den Fassweinpreis steigern. Zumindest die Produktionskosten müssen gedeckt sein.
Wir raten insbesondere den kleinen Betrieben, sich zusammenzuschließen, um die Kosten zu verringern. Zusammen können sie mehr bewegen. Betriebe, die eine kleine Flaschenproduktion haben, können in der nächsten Zeit nicht darauf hoffen, angemessen zu verdienen. Daher müssen sie ihre Kräfte bündeln. Zu guter Letzt muss das Konsortium ein verstärktes Marketing betreiben, um die Nachfrage zu stärken und das Image zu fördern.
In den letzten Wochen haben wir wieder mehr Flaschen verkauft. Das heißt, die Nachfrage steigt wieder. Was allerdings ein großes Problem ist, sind die Preise, die momentan wie eingefroren sind. Diesbezüglich wird das Konsortium versuchen, mit dem Einzelhandel bessere Konditionen auszuhandeln, damit die Qualität an der Basis garantiert bleibt. Wir können den Chianti nur mit einem optimalen Preis-Leistungs-Verhältnis vermarkten.
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| (Foto: Merum) |
Pietro Quadrumolo, Terre da Vino, Piemont
„Das größte Sorgenkind ist und bleibt der Barbera“
Merum: Wie waren die klimatischen Bedingungen dieses Jahr?
Pietro Quadrumolo: Das Jahr 2010 war klimatisch gesehen weder besonders günstig noch besonders dramatisch. Die niedrigen Temperaturen und die reichlichen Niederschläge haben alles etwas verzögert. Die weißen Trauben haben von dieser Entwicklung profitiert, die roten haben etwas mehr Probleme bereitet. Alles in allem sind wir zufrieden, wir hatten uns bereits auf ein schwaches Jahr eingestellt, doch am Ende haben wir eine gute bis sehr gute Qualität ernten können. Für den Barbera zum Beispiel ist es kein allzu guter Jahrgang, für den Nebbiolo hingegen ist es ein sehr gutes Jahr. Die Menge ist im Piemont relativ stabil, auch weil es im Piemont keine IGT-Weine gibt und die Hektarerträge der DOC-Weine streng vorgeschrieben sind.
Merum: Wie haben sich die Trauben und Fassweinpreise entwickelt?
Pietro Quadrumolo: Die Fassweinpreise sind immer eine prekäre Angelegenheit und vielen Spekulationen unterworfen. Es gibt immer Stimmen, die von tiefen Preisen reden, aber den genauen Mittelwert kann man nicht genau festlegen. Es gibt vielleicht gewisse Abfüller, die ein Fass Barolo für drei Euro pro Liter gekauft haben, das heißt aber nicht, dass dies der Durchschnittspreis ist.
Manche haben vielleicht aus Platzmangel im Keller zu diesem tiefen Preis verkaufen müssen. Was die Trauben betrifft, gibt es im Piemont keinen großen Markt, wir sprechen von maximal 25 Prozent des gesamten Traubengutes. Natürlich sind die Preise durch die Krise gefallen.
Nehmen wir das Beispiel des Nebbiolo. Im Jahr 2008 wurde die Rekordsumme von drei Euro pro Kilo bezahlt, während wir dieses Jahr von 1,50 Euro sprechen. Wir haben mit unseren Traubenlieferanten eine Preisabsprache abgemacht, um die Qualität sicherzustellen und den Weinbauern eine angemessene Entlohnung zu zahlen. Wir tragen am Ende die Preisschwankungen, können aber sicher gehen, dass die Traubenqualität stimmt.
Merum: Was bereitet Ihnen die meisten Sorgen?
Pietro Quadrumolo: Großes Sorgenkind ist und bleibt der Barbera. Das Piemont hat eine potenzielle Produktion von 80 Millionen Flaschen Barbera. Verkauft werden heute 14 Millionen Flaschen des Barbera d’Asti DOCG. Ein großer Teil wird deklassiert oder offen verkauft. Es fehlen eine einheitliche Qualitätspolitik und ein gemeinsames Marketing.
Der Fassweinpreis des Barbera ist in den letzten Jahren zusammengebrochen. Die Weinbauern legen bei der Produktion drauf. Ein Kilo Barbera kostet gerade mal 30 Cent pro Kilo. Keiner kann davon leben. Entweder sind die Bauern bereits in Rente, oder sie betreiben den Weinbau nebenberuflich.
Im Piemont muss ein Weinbauer mindestens 7.000 bis 8.000 Euro pro Hektar verdienen, um über die Runden zu kommen. Heute liegt der Hektarverdienst bei rund 3.000 Euro.
Die Verkäufe des Barolo liegen momentan 20 Prozent unterhalb der erzeugten Menge. Vor 15 Jahren wurden sechs Millionen Flaschen Barolo produziert und auch verkauft. Heute werden neun Millionen Flaschen verkauft, aber zwölf Millionen produziert. Man kann also nicht wirklich von einer Krise des Barolo sprechen, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre anschaut. Man müsste lediglich die Hektarerträge etwas senken und der Markt würde wieder ins Gleichgewicht gebracht. Leider stehe ich mit meiner Ansicht relativ allein, die meisten Winzer sind gegen diesen Vorschlag. Im Gavi zum Beispiel haben die Winzer dieses Jahr entschieden, die Menge um fünf Prozent zu reduzieren, um eine gewisse Stabilität zu garantieren.
Merum: Wie hat sich die Krise auf Ihren Betrieb ausgewirkt?
Pietro Quadrumolo: Die globale Krise, die wir in den letzten Monaten durchleben, war für uns nicht leicht, und wir erholen uns erst langsam wieder davon. Viele Märkte haben wir zurückgewonnen, aber nur was die Mengen, nicht was den Umsatz betrifft. Die Preise sind immer noch sehr tief, und es wird schwierig, den Verlust überhaupt wieder wettzumachen. Wir arbeiten hart, um unsere Absatzmärkte zu verteidigen, insbesondere die Gastronomie, die rund 20 Prozent ausmacht. Der Einzelhandel ist wesentlich einfacher und bequemer, die Weine für die Gastronomie sind schwieriger zu positionieren.
Wir haben die Preise nicht nach unten korrigiert, sondern vielmehr in Marketing und Kommunikation investiert. Unsere Preispolitik ist immer sehr fair gewesen, wir haben stets großen Wert auf ein gutes PreisLeistungsVerhältnis gelegt, ohne die Weine überteuert auf den Markt zu werfen. Das hat sich ausgezahlt. Aber es wird noch einige Zeit dauern, bis wir wieder auf das Niveau von 2008 kommen.
Die Interviews führte Raffaella Usai.
Raffaella Usai und Andreas März (Merum)
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