Die Pfalz verfügt über mehr Produzenten, die erstklassigen trockenen Riesling produzieren, und mehr Lagen, aus denen sie erzeugt werden, als jedes andere deutsche Weinbaugebiet. So ist es kaum verwunderlich, dass aus der Pfalz Jahr für Jahr auch mit Abstand die meisten bemerkenswerten Großen Gewächse aus dieser Sorte stammen. Dabei ist nicht nur die schiere Zahl dieser Weine interessant, sondern auch die Tatsache, dass schwache Weine dieser Kategorie in der Pfalz trotz der Menge produzierter Großer Gewächse praktisch nicht mehr vorkommen. Das gleiche gilt für den Weißburgunder, von dem es zwar nur kleine Kontingente an Großen Gewächsen gibt, die aber durchweg mit an der Spitze in Deutschland stehen und sich die ersten Plätze lediglich mit den Weinen aus Baden teilen müssen – ziemlich oft als primus inter pares.
Die dritte in der Pfalz für das Große Gewächs zugelassene Sorte ist der Spätburgunder. Auch für ihn gilt: Was unter der noblen Bezeichnung abgefüllt wird, ist fast immer sehr gut. Allerdings sind für erstklassigen Spätburgunder ähnlich wie für den Weißburgunder höchster Klasse abgesehen von ein paar Inseln in der Mittelhaardt fast ausschließlich einige wenige Spitzenlagen an der Südlichen Weinstraße reserviert. Ein großer Teil des Spätburgunders steht in der Pfalz (wie in den meisten deutschen Anbaugebieten) an Standorten, die kaum in der Lage sind, den Weinen jene Tiefe, Feinheit und Komplexität mitzugeben, die für Spitzenburgunder unerlässlich sind. Daher bleibt die Zahl der Großen Gewächse aus dieser Sorte wie beim Weißburgunder wohl auf Dauer ziemlich überschaubar.
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Weinberge am Hambacher Schloss (Foto: DWI)
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Die Riesling-Serie wird heuer angeführt von zwei gänzlich unterschiedlichen Weinen. Zum einen ist dies Christmanns Königsbacher Idig, ein dichtes, reifes und kraftvolles Riesling-Monument, das bei aller Macht auch mit Biss und Feinheiten aufwarten kann. Daneben steht der Forster Jesuitengarten von Bürklin-Wolf, zwar deutlich weniger mächtig, mit seinem extrem straffen und kompakten Bau, seiner Kühle und Rasse aber ebenso zwingend. Dahinter folgen mit Forster Pechstein, Forster Kirchenstück und Deidesheimer Kieselberg gleich drei Weine des Weinguts von Winning (ehemals Dr. Deinhard).
Alle drei gaben sich bei unserer Verkostung noch ziemlich zugeknöpft und brauchten sehr viel Luft, um einigermaßen anzudeuten, was in ihnen steckt, weshalb wir ihnen sogar noch eine weitere Steigerung mit der Flaschenreife zutrauen. Glücklicherweise hat man es bei von Winning in diesem Jahr vermieden, den Weinen zu viel schmeckbaren Zucker mitzugeben. Der eigenwillige neue Stil des Hauses mit den merklichen Holznoten passt so gar nicht zu limonadiger Süße, wie sie im letzten Jahr noch des Öfteren anzutreffen war.
Ebenfalls noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten scheint uns der dichte, kraftvolle und zupackende Ruppertsberger Reiterpfad von Bergdolt zu sein, der sich als bester Riesling des Hauses seit 1999 herausstellen könnte. Ganz vorne mit dabei sind auch der charaktervolle, sehr spannende, aber noch gänzlich unentwickelte Birkweiler Kastanienbusch von Dr. Wehrheim, das kompakte, knackige und ausgesprochen kräuterwürzige Forster Ungeheuer von Reichsrat von Buhl sowie der Ungsteiner Weilberg von Pfeffingen. Letzterer ist womöglich das trockenste Große Gewächs des Jahrgangs in Deutschland, ein strahlend reintöniges, salziges, ungemein straffes Meisterwerk, das eindrucksvoll beweist, das trockene Spitzenrieslinge selbst in einem derart säurebetonten Jahrgang keinerlei Restzucker benötigen, wenn sie nur sorgfältig genug gemacht sind.
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Weinberge bei Birkweiler (Foto: DWI)
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Knapp dahinter folgt der ebenfalls noch entwicklungsfähige Deidesheimer Langenmorgen von Christmann, den man zunächst aufgrund seiner leicht wachsigen und rosinigen Botrytisnoten womöglich unterschätzt, der aber an der Luft enorm zulegt und immer straffer und zwingender wird. Daneben steht der kompakte, tief mineralische und wiederum zwingende Ruppertsberger Gaisböhl von Bürklin-Wolf, bei dem wir ebenfalls nicht sicher sind, ob er sich mit einiger Flaschenreife nicht noch weiter steigern kann. Auf ähnlichem Niveau bewegen sich der Pechstein aus gleichem Haus, Pechstein und Kirchenstück von Reichsrat von Buhl, von Winnings Jesuitengarten sowie der ebenfalls noch entwicklungsfähige, saftige und kraftvolle Deidesheimer Kalkofen von Bassermann-Jordan. Dazu kommt noch ein weiteres Dutzend erstklassiger Rieslinge, und auch wenn nicht alle "üblichen Verdächtigen" heuer in der absoluten Spitzengruppe vertreten sind, findet man wirklich schwache Große Gewächse, wie bereits erwähnt, in der Pfalz auch 2011 nicht.
Die Zahl der vorgestellten Weißburgunder ist sehr klein. An der Spitze der insgesamt fünf probierten Weine steht erneut das Weingut Bergdolt mit einem kühlen, kraftvollen und saftigen Kirrweiler Mandelberg, das sich den Spitzenplatz unter allen deutschen Weißburgundern dieses Jahrgangs mit einem ebenfalls altbekannten Nachbarn aus Godramstein teilt: Münzbergs Schlangenpfiff wirkt ebenfalls ziemlich kühl, dabei sehr fest und geschliffen. Er könnte sich vielleicht noch länger und besser entwickeln als das ohnehin schon beeindruckende Exemplar von Bergdolt. Nicht weit dahinter rangieren der ungeheuer straff gewirkte Birkweiler Mandelberg von Dr. Wehrheim sowie mit etwas Abstand der Siebeldinger Im Sonnenschein von Rebholz, der uns in diesem Jahr besser gefällt als die meist etwas rustikalen Rieslinge des Hauses. Den Abschluss macht der Schweigener Sonnenberg von Bernhart, der, obwohl er hier den letzten Platz einnimmt, immer noch zu den mit Abstend besten Weißburgundern des Jahrgangs gehört.
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Winzerhof in Forst (Foto: DWI)
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Bei den Spätburgundern macht das Weingut Friedrich Becker mit seiner 2008er "Kammer" aus dem Schweigener Sonnenberg wieder einmal deutlich, warum man ihn zu den besten Rotweinproduzenten des Landes rechnet. Trotz des schwierigeren Jahrgangs übertrifft der Wein die Konkurrenz der 2009er Großen Gewächse aus der Pfalz noch, zumal er so wirkt, als könnte er mit der Reife weiter zulegen. Ähnlich gut schneidet allerdings ein weiterer 2008er ab: der sehr geschliffene Kastanienbusch von Dr. Wehrheim gefällt uns deutlich besser als die arg holzige Version von 2009 aus gleichem Haus. Mit seinem Sonnenberg "Sankt Paul" steht das Weingut Becker auch an der Spitze der bisher vorgestellten 2009er Rotweine aus der Pfalz, er teilt sich den Platz allerdings mit dem gewohnt mächtigen und auch holzwürzigen Laumersheimer Steinbuckel von Philipp Kuhn. Mit etwas Abstand folgen Bergdolts Duttweiler Kalkberg und ein Laumersheimer Kirschgarten, wiederum von Philipp Kuhn.
Alle bislang verkosteten Großen Gewächse der aktuellen Jahrgänge:
Riesling
Weißburgunder
Spätburgunder
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