Anmelden
Dauerhaft anmelden
Infos über Wein-Plus
Mitgliedschaft
RSS
Hilfe
Social Networks
Stellenangebote
Impressum
Presse
Über Wein-Plus
Datenschutz
Partnerprojekte
Kontakt

Hamburger Weinsalon Chronologie mit Rahmenprogramm

  1. Information
    Weine, Winzer, Wissen
  2. Forum
     (0 Beiträge)
Artikel
06.03.2003

Hamburger Weinsalon

Chronologie mit Rahmenprogramm

Jeder Weinsalon beginnt mit der Anreise. heuer vermieden wir Europas grössten Parkplatz am Freitag nachmittag und buchten bei der jungen Fluglinie um wenig Geld ein.

Über den Wolken...


Der Flug nach Hamburg mit Air Berlin
Wind Nordost, Startbahn Null-Drei, die grossen Airlines müssen wohl mächtig Angst vor den neuen, rotzfrechen "Billig-Airlines" haben. Das Gefühl überkommt einen, wenn man zum allerletzten Gate im Keller des Flughafens gehen muss. Dann noch so richtig, wie früher mit dem Bus ans Ende des Rollfeldes gefahren wird. Der Wind und der Kerosin-Duft steigen in Nase und Haare. Aber da ist sie: die weinrot-weisse Boeing von Air-Berlin.

Werbung:
Und die trumpft jetzt auf, keine winzigen Flieger, wie sie die Lufthansa und Austrian zwischen Wien und Hamburg verkehren lässt, nein eine richtige 737. Auch wenn der Flug ca. 20 Minuten später abfliegt, als auf meiner Internet-Bestätigung, ist es immer noch früher als so manche Verspätung, die ich bei den grossen Carriers schon hinnehmen musste.

Beim Einstieg gibts die Financial-Times oder Die Zeit, gratis. Die Schinken- oder Käse-Weckerl sind grösser und saftiger als die der Elite-Airlines und Softdrinks kosten auch nichts. Die Turnübungen der Stewardessen entfallen hier, da es genügend Bildschirme gibt, über die das Sicherheitsvideo abläuft. Die Mannschaft ist freundlich und routiniert, die Verkaufsangebote will das werte Publikum aber nicht so richtig annehmen.

Alles in allem: Schnelles Check-in ohne Warteschlangen, freundlich, flott und angenehm. Und das zu unglaublich günstigen Preisen. Ein eindeutiges 1:0 für Air-Berlin.
Weitere Infos: www.airberlin.com/

Österreich Gala Freitag abend...


Der Frühjahrs-Weinsalon beginnt traditionell mit der Österreich-Gala
Ein typischer Viehhauser-Teller
Die Gala im Restaurant Le Canard ist jedes Jahr ein Genuss. Dafür sorgt die unglaubliche Aromenvielfalt aus Josef Viehhausers Küche, die zu Weinen von Österreichischen Winzern komponiert wird. Wenn dann aber, so wie gestern, auch noch Österreichs creativster Koch Jörg Wörther als Gast "mitspielt", dann wird aus einem Menü eine Symphonie der Sinne.

Zarte Flusskrebse im Salat von Rahmgurken und roten Beten (naja, wir sind in Hamburg, rote Rüben heisst das etwas südlicher). Kaum zu glauben, wie gut rote Rüben doch schmecken, wenn sie nicht aus einer Konservenfabrik kommen und wie gut die zu Sauvignon Blanc passen können.

Dass der Riesling Priorissa 2001 von Josef Schmid aus dem Kremstal ein perfekter Begleiter zu diesem Gang war, erschien schon auf der Karte logisch, ebenso der Grüne Veltliner Käferberg 2001 von Willi Bründlmayer, der allerdings etwas später im Burgunder-Sommelier-Riedelglas erst seine wahre Grösse ausspielen konnte. Sollten Sie den jetzt trinken wollen: Bitte dekantieren und die gossen Gläser nehmen.

Hecht im Ganzen gefüllt und gebraten auf Paprikacreme und grünen Spargelspitzen Ein geniales Meisterwerk am Teller, fulminant begleitet vom Weissburgunder Alte Reben 2001 von Wimmer-Czerny und dem Sauvignon Blanc Felger Brunntal von Franz Leth, der allerdings zum ersten Gang doch viel besser gepasst hätte.

Kalbstafelspitz leicht gepökelt und geschmort mit Pilzen: Ein Traum von einem Fleisch in einer Sosse, die man mit Worten kaum mehr beschreiben kann. Dazu zwei der besten Rotweine aus dem Burgenland. Beide aus Andau, jenem Ort an der ungarischen Grenze, den vor ein paar Jahren auch Wein-Profis noch völlig unbekannt war.

Perfekt Essen mit Aussicht
Der Zweigelt Prädium von Newcomer Scheiblhofer, der sich schon relativ weich und zugänglich mit viel Frucht präsentierte und der fast schon zum Kult-Wein gewordene Schwarz-Rot von Hans Schwarz, der seine mächtigen Aromen noch versteckt hält und sehr lange Zeit und Luft braucht, um erahnen zu lassen, was für ein Genuss dieser Wein in ein paar Jahren sein wird.

Diese beiden Weine machten es den nachfolgenden R.Schlumberger Privatkeller 2000und Arachon Evolution TFXT 2000 ziemlich schwer, hier war die Reihenfolge wohl mehr als ungünstig gewählt. Zu der jungen Ente auf Gänselebersauce mit Brioche-Knödel war der Arachon zwar eine gute Wahl, ist im Moment aber sehr verschlossen.

Als Dessert gab es ein köstliches Topfensouffle mit TBA-Sabayon und Rotwein-Eis zu dem die 2000er Scheurebe Trocken-Beeren-Auslese Nr. 5 von Alois Kracher ein Furioso am Gaumen zauberte. Ich wurde einmal gefragt, nachdem ich diesem Wein 98 Punkte gegeben hatte, wozu man diesen Wein "braucht". Hier ist die Antwort: Fragen Sie Josef Viehhauser und Jörg Wörther.

Fotos von der Website des Le Canard

Restaurant Le Canard, Elbchaussee 139, 22763 Hamburg
Telefon: +49/40/880 50 57 Telefax: +49/40/88 91 32 59
Öffnungszeiten: Montag-Samstag ab 12:00 und ab 19:00 Uhr, sonntags ist Ruhetag.
E-Mail: lecanard@viehhauser.de
Web: www.viehhauser.de/lecanard

Samstag


Der Ansturm geht früher los als im Vorjahr
Reges Interesse am 16. Hamburger Weinsalon. Immer mehr Besucher strömen in die herrlichen Säle der Hamburger Börse.

Die meisten besuchen beim Süsswein-Seminar, das vom deutschen Wein-Institut und der österreichischen Weinmarketing-Gesellschaft organisiert wurde und über welches Marcus Hofschuster im Anschluss hier berichten wird.

Grosses Interesse zeigen die Besucher im Moment auch an den deutschen Rieslingen und Spätburgundern, die von Top-Betrieben, wie Van Volxem, Laible, Molitor, Schömann, Meyer-Näkel, P.J.Kühn, Dirk Würtz, Ernie Loosen, Dönnhof, Gunderloch, Künstler oder Weil, um nur einige zu nennen, präsentiert werden.

Grosser Andrang im Moment in der Halle der Österreicher, die ebenfalls prominent vertreten sind. So zeigen Angerer, Bründlmayer, Allram, Weinrieder, Leth, Wimmer-Czerny, Scheiblhofer, Prieler, Strehn, Bayer ebenso wie Arachon, Kracher und Schwarz ihre aktuellen Weine. Besonders gefragt sind die vieldiskutierten Roten aus Österreich und die Grünen Veltliner, speziell die Eichenstaude und der "unfiltred" von Angerer stehen im Mittelpunkt des Interesses.

Von Süßem, von Rotem und von Feierlichem


Kollektionen des Jahres: auch in Hamburg reichlich vertreten

Die Anwesenheit von Andreas Laible und Paul Fürst verleitete uns zur möglichst feierlichen Übergabe der Kollektion-des-Jahres-Uhrkunden, die beide mangels Gelegenheit bislang noch nicht erhalten hatten. Beide haben 2001 und 2000 großartige Serien abgeliefert, die jeder Aufmerksamkeit wert sind. Eine weitere "Kollektion des Jahres" gab es bei Meyer-Näkel zu probieren. Nachdem Werner Näkel selbst verhindert war, präsentierte seine Tochter Meike Weine der letzten drei Jahrgänge. Mit Helmut Dönnhoff, Markus Molitor und Joachim Heger waren so insgesamt 6 Preisträger aus diesem und dem letzten Jahr nach Hamburg gekommen. Dirk Würtz, unser "Newcomer des Jahres", ließ sich wegen eines schweren Krankheitsfalls in der Familie vertreten.

Lemberger
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung ist dieses Jahr Württemberg. Ich bin ja nicht gerade als leidenschaftlicher Fan des Anbaugebietes bekannt, doch muss ich sagen , dass die Entwicklung in den letzten Jahren auch mich positiv überrascht hat.

Die Gelegenheit, einmal Württemberger Lemberger und Österreichischen Blaufränkisch im Vergleich zu probieren, ist angesichts der Österreichischen Rotweinwinzerpräsenz zu verlockend. Hier nun die Eindrücke aus der deutschen Fraktion:

Natürlich spielt Maischeerhitzung immer noch eine große Rolle bei den Schwaben. Leider eignet sich der Lemberger nur sehr bedingt für dieses Verfahren - gerade wenn man den Vergleich mit traditionell bereiteten Blaufränkisch und zunehmend auch deutschen Lembergern heranzieht. Der beeindruckendste Württemberger stammt wohl von Gert Aldinger, der mt deiner Dreistern-Version aus 2001 sicher den besten Roten seiner Laufbhn zeigt: kraftvoll, reintönig, mit überaus nobler Frucht, Finesse und Länge. Doch auch Kuhnle mit seiner "Feuerwand" 2000, Martin Heinrich mit einem tollen 2000er und der mir bis dahin völlig unbekannte Markus Heid aus Fellbach überzeugten. Österreich folgt.

Das Seminar
Das Süßweinseminar, gemeinsam von DWI und ÖWM organisiert, hinterließ einen etwas zwiespältigen Eindruck. Zumindest die Kommentare der beiden Vertreter, Ernst Büscher für das deutsche Weininstitut und Gerhard Elze für die Osterreichische Weinmarketing-Gesellschaft hätten etwas leidenschaftlicher, und in manchen Fällen etwas fundierter ausfallen können. Wenn ein höherer Alkoholgehalt bei österreichischen Süßen dem Klima zugeschrieben wird, ein Spätburgunder Eiswein deshalb als Rarität gilt, weil er mit der Reife seine Farbe verliert (!) und ein Wein durch seine Säure extraktreich und konzentriert wirken soll, wird es nicht nur den Fachleuten im Pubikum mulmig.

Die Weine hingegen waren großenteils gut gewählt und stellten Highlights aus beiden Ländern. Überraschend für mich ein ungemein knackiger und rassiger Ried Schneiderberg Eiswein von Weinrieder (96), die unglaublich reintönige Muskateller TBA von Frey aus der Pfalz (94) und der nach Erbeeren und Himbeeren duftende Schilfwein "The Red One". Daneben begeisterte sowohl Bründlmayer mit einer teils im Holz vinifizierten Riesling BA aus dem Heiligenstein (94-95) als auch Gunderloch mit einer 01er Rothenberg Riesling Auslese Goldkapsel (93-94).

Der Phoenix
Zuletzt eine kurze Stippvisite bei Gunter Künstler: die 2001er trockenen Auslesen aus Kirchenstück und Hölle zeigen langsam, was in ihnen steckt und in 2002 brillieren schon die einfachsten Weine, wie in Gunters allerbesten Zeiten. Wer diesen Ausnahmewinzer nach seinem Ausrutscher mit dem Jahrgang 2000 (der nach neuesten Informationen wohl eher einer gezielten Sabotage zum Opfer fiel) schon abgeschrieben hatte, wird sein weißes Wunder erleben. Gunter hat das Heft wieder fest in der Hand und ich kann nur raten, sich die besten 2001er und den kompletten Jahrgang 2002 genau anzusehen und schon mal ein ordentliches Eck im Keller freizumachen.

Alte Hasen und hungrige Wölfe


Die zweite Abendveranstaltung drehte sich um Württemberg
Der VDP Württemberg und die Gruppe "Junges Schwaben" präsentierten Samstag abends im Restaurant Allegria traditionelle und moderne Weine aus ihrem Programm. Dazu kochte Alexander Tschebull ein creatives Menü, das altbekannte schwäbische Spezialitäten auf neue Art interpretierte.

Geschmorte Spanferkelbäckchen auf bunten Linsen mit Apfel-Blutwurststrudel zu Beurer's und Schnaitmann's Riesling Spätlese trocken 2001. Sehr gelungene Kombination, erstaunlich dichte und komplexe Rieslinge.

Brunnenkressemaultaschen mit knusprig gebratenen Forellenfilet
auf karamelisierten Zwiebelschaum
Ein geniales Gericht, zu dem sich die begleitenden Weine aber doch schwer taten. Der weissgekelterte Spätburgunder 2001 von Kistenmacher-Hengerer schmeckte vor dem Essen noch ordentlich, zu den kräftigen Aromen verblasste er dann doch. Besser hielt sich da der Weissburgunder Barrique von Neipperg, der mit seiner opulenten Struktur und Frucht gut mitspielte, aber einfach noch viel zu jung war. Wunderbar harmonisch und mit viel Druck und Spass im Glas, der Grauburgunder Hades von Jürgen Ellwanger, den ich mir nach dem Menü noch glücklich zum Abschluss an der Bar im grossen Bordeaux-Glas gönnte. Da passt dann auch die Zigarre dazu. Grossartiger Wein.

Mario Scheuermann mit Eiswein-Trophy-Sieger Aldinger und Yvonne Tschebull
Rosa gebratener Kalbstafelspitz aus dem Niedertemperaturofen mit Rahmspargel und Schupfnudeln, ein Rezept, das mir irgendwie bekannt vorkam, vielleicht weil der Tschebull einstens beim Viehhauser war? Egal, die Hamburger werden sowieso bestens von den Österreichern bekocht... Aber zurück zum Wein. Bei den beiden Weinen, die hiezu gereicht wurden, fehlt mir allerdings jedes Verständnis. Das war eine Attacke auf den Genuss-Abend. Niemand an unserem Tisch wollte diese Weine zum Essen trinken. Das kann man auch nicht mit der Aussage, das sei nun mal eine regionale Spielart verteidigen, denn auch solche sollten fehlerfrei sein, die beiden waren es nicht: 2001 Trollinger Steillage von Zipf und 2001 Samtrot von Wachtstetter. Aber das, was auf dem Teller war, war vom Feinsten. Ebenso der nächste Gang:

Geschmorte Rehschulter auf Wirsing-Spätzle mit Schafspilzen dazu eine , Lemberger und Dornfelder 22 Monate im Barrique - leider viel zu viel Holz, trocken, ausgezehrt, die Tannine durch Pilze noch verstärkt, unharmonisch und bitter. Sehr gut, nur leider viel zu jung, die nächsten beiden Weine. 2001 Kreation Nero von Bernhard Ellwanger aus Lemberger, Spätburgunder und Dornfelder, 8 Monate in gebrauchten Barriques ausgebaut, schön balanciert, viel Frucht und Spiel, braucht noch Zeit. Cuvee C von Aldinger eine Cuvee aus Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Cabernet Cubin, feste Struktur, wunderbare Aromen und viel Potential, aber eben viel zu früh getrunken. Dieser Jahrgang 2001 sollte nicht vor 2005 geöffnet werden, dann hätte ich ihn gerne nochmals mit diesem grandiosen Reh-Gericht.

Süßer Ofenschlupfer mit Aprikosen auf Rieslingschaum und weißem Schokolade-Eis
Dazu gab es eine Riesling Auslese von Beurer, die mit ihrer Steinobst-Aromatik wunderbar mit den Marillen harmonierte und einen Lemberger Weissherbst Eiswein aus 1999, der das süsse Spiel am Gaumen gut ausklingen liess.

Viel zu spülen gab es hinterher
Alles in allem ein genussreicher Abend mit einem fulminanten Aromenspiel aus der Küche von Alexander Tschebull, ein flinkes und freundliches Service-Team, das die Glaskolonnen von über 120 Personen grandios bewältigte, unter der Leitung seiner umsichtigen Frau Yvonne und Württembergische Winzer, die ein kräftiges Lebenszeichen von sich gaben, wenn auch hie und da noch nachjustiert werden muss.

Restaurant Allegria (bei der kleinen Komödie)
22299 Hamburg, Hudtwalkerstrasse 13,
Reservierung: +49/40/46 07 28 28 www.allegria-restaurant.de

Sonntag


Der zweite Tag brachte noch mehr Besucher.
Nach einer Odysee mit dem Taxi, einer Diskussion über den richtigen Weg zur Börse("kann hier nix durch, ist sich Baustelle"), einer am Ende im Vergleich zu Gestern fast ums Dreifache höheren Taxirechnung und einer weiteren Diskussion um meine eingeschränkte Zahlungsbereitschaft, sollte der Livebericht weitergehen. Leider verhinderten technische Probleme eine schnelle Berichterstattung.

Blaufränkisch
In Österreich hat die Produktion ernstzunehmender Rotweine aus der Sorte Lemberger/Blaufränkisch eine bedeutend längere Tradition als in Deutschland. Daher ist es sicher nicht nur dem Klima zuzuschreiben, wenn die Burgenländer zumeist mit deutlich konzentrierteren und oft kompromissloser bereiteten Weinen aufwarten können.

Unter den reinsortigen Blaufränkisch, die in Hamburg gezeigt wurden, fielen zwei gänzlich unterschiedliche 2000er Weine besonders auf: der Grande Reserve mit unglaublich saftiger Frucht und toller Struktur, sowie der Goldberg von Engelbert Prieler, weit weniger fruchtig, mit Blaufränkisch-typischer Rustikalität, aber enormer Dichte, Tiefe und Komplexität. Hier sollten noch einige Jahre ins Land gehen, bevor man die erste Flasche aus dem Keller holt. Ausgezeichnet waren zudem der 99er Blaufränkisch Barrique von Bretterebner, dem etwas Reife ebenfalls nicht schaden kann, sowie der 2000er Himmelstrhron des Winzerkellers Neckenmarkt, der den Terra Cognita aus gleichem Haus dank seiner wunderbar reintönigen Frucht um Längen schlägt. Bei den Cuvées konnte wieder Erich Giefing überzeugen, dessen grandioser 2000er Cardinal seit der Verkostung aus dem Fass im letzten Sommer noch einmal deutlich zulegen konnte. Das gilt auch für Heribert Bayers In Signo Leonis, dessen Fassprobe wir am Rotweingipfel in Mayerling noch aussortieren mussten und der nun mit satter Frucht, viel Kraft und fester Struktur aufwartet. Von Bayer stammt auch ein klares Statement zum Thema Mostkonzentration: „Dös is wia mitm Barrik, wea net damit umgehn kann, solls besser bleibm lassn.!”

Ungarn
Auf einen Wink von Mario Scheuermann hin probierte ich die Sortimente der drei anwesenden Ungarischen Weingüter, darunter auch den aktuellen „Winzer des Jahres” in Ungarn, Nayakas. Dessen Weißweine präsentierten sich durch die Bank sehr reintönig und überaus sorgfältig gemacht. Der Sauvignon Blank wäre, käme er aus Südtirol, sehr wahrscheinlich ein aussichtsreicher Kandidat für die 3 Gläser des Gambero Rosso. Auf der letzten Südtirol-Präsentation vor wenigen Wochen konnte ich jedenfalls keinen besseren Sauvignon ausfindig machen. Bei den Chardonnays gefiel mir das sehr geradlinige, recht fest gewirkte und nachhaltige Exemplar von Szöke Màtyàs fast noch besser als jener des diesjährigen Preisträgers, dessen Version mit seinem Hülsenfruchtaroma zwar recht typisch, aber vielleicht auch etwas uninspiriert daherkam. Alle drei Produzenten hatten Grauburgunder dabei, die jedoch unterschiedlicher nicht sein konnten. Während jener von Szöke Màtyàs mir etwas zu viel Holz und leichte Wachsnoten aufwies, war der von Nyakas wieder sehr klar und schön zu trinken. Besser noch fand ich den Szürkebaràt von Szent Orban Pince, der, zum Teil im Eichenholz ausgebaut, mit exzellenter Balance, sehr reintöniger Frucht und guter Länge auffiel.

Dem Besitzer dieses 95-Hektar-Gutes gelang es regelmäßig, große Menschentrauben um seinen Tisch zu scharen, den er mit unüberhörbarem Stolz Dessertweine präsentierte. Die Weine waren es zweifellos wert, vom „normalen” Zeus mit seiner kandierten Apfelfrucht und feinen Würze nach Honig und Karamell über den Zeus Reserve Eiswein, der, noch erheblich süßer und weniger entwickelt, das Publikum spaltete, bis zum Welschriesling Eiswein mit weit über 200 Gramm Restzucker und einem betörenden Aroma nach Dörrobst und jeder Menge Honig.

Was es noch so gab
Schon wurde die Zeit wieder knapp und es blieb mir nur noch übrig, wild durcheinander einige wenige Stationen anzulaufen, die mich selbst interessierten.

Zunächst war da Vasco Sassetti, dessen Handelsvertretung gleich mehrere Jahrgänge Brunello im Gepäck hatte. Begonnen wurde mit dem 98er: noch sehr unentwickelt, leicht tabakig und mit ausgezeichneter Struktur. Aus 1997 standen zwei Weine zur Auswahl. Der Colombaiolo mit einem kompakten Duft nach Rindfleisch und schwarzen Beeren, sehr schöner Fruchtsüße und wiederum sehr fester Struktur gefiel mir fast noch besser als die Riserva Bellavista, die im Duft zunächst deutlich rotbeerige Aromen preisgab und dessen animalische Komponente (die bei Sassetti nicht wegzudenken ist) sich in Leder- und Dörrfleischaromen bemerkbar machte. Beide sollten unbedingt noch einige Jahre Reifen. Auch der 95er Brunello hatte Leder in der Nase, dominiert jedoch von einem süß-würzigen Maronenduft, hinter dem sich auch die dunklen Fruchtnoten ein wenig versteckten. Auch im Mund trat die Frucht in den Hintergrund und machte für den Augenblick den Kräutern und der herben Würze platz. Die Riserva war hingegen schon in der Nase ungewöhnlich rassig, mit Noten von schwarzen Beeren, Kirschen und Kräutern. Am Gaumen war auch er herb und noch spürbar unentwickelt, jedoch mit Tiefe und Struktur ausgestattet, die der Frucht, wenn sie in 4 bis 5 Jahren in den Vordergrund tritt, zu einem langen Leben verhelfen werden.

Mit dem Jahrgang 2002 ist Kurt Angerer offensichtlich wieder ein erstklassiger Jahrgang gelungen, dessen durchgängige Qualität hier wohl seit 1999 nicht mehr erreicht wurde. Dabei überzeugen die Weine zumeist nicht nur durch Kraft und Fett, sondern auch durch viel Spiel und eine vielschichtige, lebendige Fruchtigkeit. Absolute Neuheit ist der in Zusammenarbeit mit Alois Kracher entstandene „Unfiltered”, ein im Barrique vergorener Veltliner der ganz mächtigen Sorte vom Urgesteinsboden. Auf das Duell „Unfiltered” gegen „Ried Lamm” von Bründlmayer - ein Gedanke, auf den man auch ohne ausgeprägt martialische Phantasiebegabung unweigerlich kommen muss - bin ich jetzt schon gespannt.

Die ersten deutschen Weine aus 2002 lassen zumindest bei den Spitzenbetrieben auf Erstklassiges hoffen. Neben den bereits angesprochenen Rieslingen von Künstler, dessen trockener 2002er Kabinett aus dem Kirschenstück den meisten Ersten Gewächsen aus 2001 spielend das Leben schwer macht, begeisterten mich vor allem ein paar Proben vom Sankt-Urbans-Hof aus Leiwen. Schon der einfache Gutswein betört mit herrlicher Frucht und tollem Spiel. Die Spätlese aus dem Laurentiushof setzt da noch gewaltig einen drauf und geht mir dank ihrer unglaublichen Dichte und Länge bis jetzt nicht aus dem Kopf.

Leider fand ein Winzer kaum Gelegenheit, seine Weine zu präsentieren: mit einem Österreichischen Rotweinwinzer wollte ich Dirk Würtz' Spätburgunder probieren. Fehlanzeige. Man hat ihm die Flaschen über Nacht geklaut, genauso, wie einen Teil der Rieslinge, von denen Gestern schon ein paar Flaschen verschwunden sind. Nicht lustig, das.

Sicher gäbe es noch einiges mehr zu erzählen und vor allem gab es wohl auch noch jede Menge zu entdecken, doch die Zeit reichte wie immer nicht aus. Erfreulich war in jedem Fall der große Besucherandrang, den ich so hier schon länger nicht mehr erlebt habe und der nach dem etwas mageren Herbstsalon auch nicht zu erwarten war. Offensichtlich gibt es aber immer noch genügend Leute, die sich von der allgegenwärtigen Miss-Stimmung nur bedingt anstecken lassen und sich den Genuss am Dasein nicht ganz verleiden lassen.

Dafür meinen und unseren Glückwunsch.

Weitere Infos: www.weinsalon.info

Marcus Hofschuster und Helmut Knall
BEST OF
Cava - Schäumende Hochkultur Weiter ...
Soave - Der Unterschätzte Weiter ...
Blaufränkisch - Die herbe Verführung Weiter ...
Rioja - Erfolgreich gegen den Strom Weiter ...
Brunello di Montalcino - Die Stunde des Aristokraten Weiter ...
Rote Südtiroler - Tiroler Sorten schärfen Profil Weiter ...
Große und Erste Gewächse - die Roten aus 2009 - Triumph der Finesse Weiter ...
Alle Beiträge

Aktuelle Wein-News
16.05.2012: ProWein-Projektleitung wechselt Weiter ...
16.05.2012: 1774er Vin Jaune versteigert Weiter ...
13.05.2012: Am Ende Platz vier Weiter ...
11.05.2012: DWV für Erhalt von Förderprogrammen und Pflanzrechten Weiter ...
08.05.2012: Rheinland-Pfalz will Eisweinkontrollen verbessern Weiter ...
08.05.2012: Fußball-Europameisterschaft beginnt Weiter ...
07.05.2012: Badische Weinmesse verzeichnet Besucherrekord im Jubiläumsjahr Weiter ...
Alle Beiträge

Pressemitteilungen
23.05.2012: Österreich Wein Abonnement Weiter ...
16.05.2012: 50 Jahre Vernatsch Fass Nr. 9 Weiter ...
14.05.2012: Neue Bioweine beim Weinversand Vinexus Weiter ...
11.05.2012: Mittelalterliche Weine wiederbelebt Weiter ...
30.04.2012: La Tour Melas to champion Greek wine Weiter ...
28.04.2012: Gutsweinprobe 2012 Weiter ...
26.04.2012: Charta Kalterersee – der 2. Jahrgang Weiter ...
Alle Beiträge

Neu auf Wein-Plus
Weinversand - Weiter Premium-Paketservice von UPS für Wein-Plus Mitglieder Weiter ...
Verpackungsentsorgung - Wein-Plus verlängert Partnerschaft mit Interseroh Weiter ...
Neue Veranstaltungen - Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine Weiter ...
Alle Beiträge

Editorial
Europa-Relaunch - Aus Wein-Plus.de wird Wein-Plus.eu Weiter ...
Zum Tod eines schweizerischen Spitzenwinzers - Thomas Mattmann Weiter ...
Alle Beiträge

Reportagen
Katalonien - Der Tradition verpflichtet Weiter ...
Soave - Revolution in den Hügeln Weiter ...
Unbekannte Sorten - vielfältige Weinszene - Entdeckungen in den Marken Weiter ...
Spaniens unbekannte Rebsorten - Entdeckungen in Kastilien-León Weiter ...
EU-Weinmarktreform - Teil 4 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Frankreich Weiter ...
Südfrankreich - Roussillon - das katalanische Erbe Weiter ...
EU-Weinmarktordnung - Teil 3 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Italien Weiter ...
Alle Beiträge

Verkostung
Großes Gewächs - Pfalz Weiter ...
Großes Gewächs - Württemberg Weiter ...
Südtirols rote Sorten - 25 Jahre Qualitätsrevolution Weiter ...
Großes Gewächs - Mosel Weiter ...
Erstes Gewächs - Rheingau Weiter ...
Großes Gewächs - Rheinhessen Weiter ...
Großes Gewächs - Nahe Weiter ...
Alle Beiträge

Interview
Im Gespräch: Manuel Louzada, Numathia - Kühle Eleganz aus schwarzen Perlen Weiter ...
Alle Beiträge

Rezensionen
Wein-Reisen - Genießen in Venedig und ganz Italien Weiter ...
Eine Reise ins Land des Goldrieslings - Rudolf Knoll, Britta Binzer: Winzer & Weine im sächsischen Elbland Weiter ...
Logik, Erkenntnis und Genuss - Bernd Müller-Kaller: Wein-Philosophie Weiter ...
Sehnsucht Italien - Steffen Maus: Italiens Weinwelten Weiter ...
Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten - Bioparadies Toskana Weiter ...
Alle Beiträge

Essen und Trinken
Rezept des Monats - Fisch mit Limetten-Rucola-Kruste Weiter ...
Rezept des Monats - Scherben und Striebele Weiter ...
Restaurant "Falco" in Leipzig - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Rezept des Monats - Wildschweinsauerbraten Weiter ...
Rezept des Monats: - Rosa gebratenes Lendchen auf Apfelvariationen und Bratkartoffeln Weiter ...
Restaurant Obauer in Werfen - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Gourmetrestaurant Lerbach in Bergisch-Gladbach - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Alle Beiträge

Kolumne
Wo die Zeit still gestanden ist - Canal du Midi Weiter ...
Nachhaltigkeit (be)im Wein - Naturweine Weiter ...
Spargel und Wein - Verträglichkeit Weiter ...
Reisevergnügen - Le Train Bleu Weiter ...
Zuhause geblieben - Große und kleine Weinwelt Weiter ...
Weine, die zum Winter passen - Gefühlsweine Weiter ...
Zwei Deutsche in der Schweiz - Riesling, Pinot Noir & Co. Weiter ...
Alle Beiträge

TV-Tipps
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Mai 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für April 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für März 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Februar 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Januar 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Dezember 2011 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für November 2011 Weiter ...
Alle Beiträge

Stammtisch
Verkostungspaket - II/2012: Rioja Weiter ...
Verkostungspaket - I/2012: Brunello di Montalcino Weiter ...
Verkostungspaket - Weihnachten 2011 Weiter ...
Verkostungspaket - Herbst 2011 Weiter ...
Verkostungspaket - Sommer 2011 Weiter ...
Alle Beiträge

Promotion
Interview mit Angelos Iatridis, Alpha Estate - "Griechische Weine sind besser als die griechische Gastronomie in Deutschland" Weiter ...
Bordeaux 2010 - „Jahrgang der Sensationen“ (Falstaff) Weiter ...
Alle Beiträge



Werbung