Die Weinkarte im „La Vierge” hat es in sich. Gleich ein halbes dutzend Schaumweine gibt es in diesem neuerdings ziemlich angesagten Restaurant glasweise - und die Hälfte davon sind Champagner. Echte, wohlgemerkt, aus Frankreich für harte Euros importiert, aber preislich nur wenig teurer als südafrikanische Spitzenschaumweine: Die in der Kap-Gastronomie üblichen Niedrigaufschläge auf den Einkaufspreis machen es möglich. Allerdings wäre es ein Jammer, hier nur Champagner zu schlürfen, wie es als chic gilt bei der am Wochenende zahlreich erscheinenden und fast ausschließlich weißen High Society. Sie genießt beim Apéro gleich noch den legendären Ausblick ins idyllische Tal namens Hemel-en-Aarde. Doch auch unter Stillwein-Gesichtspunkten ist verständlich, dass sich „La Vierge” schon kurz nach der Eröffnung zum Treffpunkt Schönen und Reichen entwickelt hat. Der hier gekelterte Sauvignon blanc - 2006 war der erste Jahrgang - zeigt unerwartete mineralische Klasse, während man den unter Regie von Winemaker Marc van Halderen neu gepflanzten Chardonnay- und Pinot-noir-Reben noch etwas Zeit gönnen sollte. Offenbar haben die Investoren nicht nur gastronomisch einiges vor
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Leichte Hanglagen
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Konzentration auf das Wesentliche
Das Klima im District Walker Bay, zu welchem das Tal gehört, ist ja auch wie geschaffen für elegante, feingliedrige Weine. Eine kühle Meeresbrise zieht über die Hügel, Chardonnay und Pinot noir geraten so elegant wie kaum anderswo in Südafrika. Peter Finlayson und Anthony Hamilton Russell wissen das zu nutzen. Vor allem Letzterer betreibt eine konsequente Selbstbeschränkung: Unter dem Namen des Weingutes Hamilton Russell werden bloss zwei Gewächse angeboten, und beide sind nicht selten ab Weingut ausverkauft. Dafür findet man Chardonnay und Pinot noir aus dem etwas über 50 Hektar Rebfläche umfassenden Betrieb auf den Weinkarten praktisch aller namhaften Restaurants des Landes - und zwar ganz am obersten Ende der Preisskala.
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Flaschendesign im Westernlook
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Dorthin stoßen, langsam, aber sicher, auch die Weine von Luddite vor. Das Boutiqueweingut befindet sich im neuen District Bot River und gehört zu den verstecktesten Erzeugern weit und breit. Man muss sich durchfragen, fährt über verstaubte Pisten und wird, endlich am abgelegenen Ziel angekommen, gleich von vier Hunden begrüßt. „Einen habe ich am Straßenrand gefunden”, erzählt die zupackende Penny Verburg, die zusammen mit ihrem Mann Niels das Weingut führt - er zuständig für den Keller, sie für die Weinberge. Porträtfotos verbittet sich Penny höflich, aber energisch, stellt lieber ihren Wein auf den Verkostungstisch in der Küche des Hauses. Nur einen, denn mit Ausnahme einer winzigen Partie Auction Reserve wird pro Jahr nur eine einzige Abfüllung angeboten. Niels Verburg arbeitete zuvor beim traditionsreicheren Nachbarn namens Beaumont, zog aber auch jahrelang durch die Weinwelt: Australien, Neuseeland und Frankreich standen auf der Agenda. Im Jahr 1999 dann ließen sich die Verburgs am Rande des verschlafenen Bot River nieder. „Wir wollten einfach einen Wein machen, wie er uns am besten gefällt”, berichtet Penny Verburg. Die Syrahtrauben wurden zunächst komplett zugekauft, doch nach und nach nehmen die Rebflächen rund ums Weingut zu - spätestens in ein paar Jahren soll die gesamte Produktion von den eigenen, nicht bewässerten Reben stammen. Begehrt sind die nummerierten Flaschen sind schon jetzt - auch deswegen, weil sie einen sehr eigenständigen Stil zeigen. Der 2005er ist noch nicht auf dem Markt, dafür begeistert der 2004er mit seidiger Struktur, Finesse und einer - trotz der fast 15 Volumenprozent Alkohol - außergewöhnlich animierenden Art. So was passt sogar zur Pizza im Bahnhofsrestaurant „Shunting Shed”, dem einzigen erwähnenswerten Lokal von Bot River. Wer die Flasche Luddite zum Abendessen mitbringt, zahlt nur paar Rand Korkgeld und hat gute Chancen, die Verburgs höchstpersönlich anzutreffen, Kinder und Hunde inklusive.
Jenseits der Wale
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Nils Verburg
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Für viele Kapstädter ist die Weinwelt jenseits des Hemel-en-Aarde-Valley zu Ende. Doch es existieren sehr wohl Reben östlich der Walbeobachtungsmetropole Hermanus, und es werden immer mehr. Wohl nicht mehr lange wird das Weingut „Springfontein” in Stanford allein auf weiter Flur bleiben. Die Besitzer, unter ihnen Anja und Johst Weber, stammen aus Deutschland - und ihr größter Wunsch dürfte wohl die Asphaltierung der katastrophalen Buckelpiste sein, welche die Höchstgeschwindigkeit auf dem Weg zur Farm auf fast null begrenzt. „Eine schwierige Anfahrt”, seufzt Christo Versfeld, der zusammen mit seiner Frau Nikki seit kurzem die Verantwortung für den Ausbau der Weine übernommen hat. Gerade werden neue Kelleranlagen gebaut, der Verkostungsraum im ersten Stock ist bereits fertig. Die Ergebnisse im neuesten Platter, dem wichtigsten Weinführer Südafrikas, sprechen für sich und den östlichen Teil der Anbauregion Walker Bay. Versfelds Chenin blanc, ein hoch eleganter, feingliedriger Vertreter dieser für die Kapregion so typischen Sorte, schrammte nur knapp an der Fünf-Sterne-Höchstnote vorbei. Gut möglich, dass sich demnächst noch mehr Besucher die holperige Straße entlang quälen werden
Hier geht es zum ersten Teil: "Ein Bruwer kommt selten allein"
Hier geht es zum zweiten Teil: "Im Land der Äpfel"