Artikel
01.01.2003
Kommentar von Bernhard Breuer
Tiefe Ohnmacht
In diesen Tagen hat das Offizielle Organ des Deutschen Weinbauverbandes "Der Deutsche Weinbau" in einem Leitartikel die Situation des deutschen Weinbau kommentiert und von vielen Seiten beleuchtet. Letztendlich kommt der Kommentator, Dr. Rudolf Nickenig, seines Zeichens Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes und Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Weinexporteure, zu dem Schluss, dass fast alle Gründe für das offensichtliche Am-Boden-Liegen des deutschen Weinbaus (am deutlichsten erkennbar an den inflationsbereinigt niedrigsten Fassweinpreisen seit Jahrzehnten) mit dem Unvermögen zu tun hätten, die Chancen zu nutzen, die sich durch die Renaissance des Riesling ergäben.
Schlussendlich appelliert der Autor an die Vernunft der Winzer, sucht die Schuld in Herbst- und Erzeugermärkten, schöpft Hoffnung aus dem Begriff "Classic" und wiegt sich im Glauben, dass die edelsüßen Spitzenweine das Kulturgut Deutscher Wein retten könnten.
Merken denn die, die so reden nicht, dass diese oder ähnliche Sprüche seit über 25 Jahren ständig wiederholt werden, ohne dass je wirkliche Besserung in der Breite eingetreten ist.
Aber man hat ja auch Angst vor der eigenen Courage. "Die Marktrealität lehrt uns, dass 10 Mio. hl (Ernte) zur Zeit größer als die Nachfrage nach deutschen Weinen zu angemessenen Preisen sind", so heißt es im Artikel weiter. Die Marktrealität lehrt uns aber auch, dass in Europa Deutschland als wichtiges Weinbauland die allerhöchsten Durchschnittserträge einfährt. Der gesunde Menschenverstand sollte uns sagen, dass dies ein ganz triftiger Grund für die Misere ist. Massen produzieren und Spitze sein zu wollen schließt sich aus. Preise gehen immer dann nach unten, wenn das Angebot größer als die Nachfrage ist. Ein Kernsatz der Marktwirtschaft, den zum Prinzip zu erheben aber kein Verband in der Lage zu sein scheint. Es ist so einfach: Setzen wir das Höchstertragslimit für alle Weine auf maximal 75 hl/ha in allen deutschen Weinbaugebieten (wer freiwillig drunter bleiben will, kann das tun). Wer mehr auf einer bestimmten Fläche erzeugt, wird deklassieren müssen. Dann wird ohne weiteres Zutun folgendes passieren:
Schlussendlich appelliert der Autor an die Vernunft der Winzer, sucht die Schuld in Herbst- und Erzeugermärkten, schöpft Hoffnung aus dem Begriff "Classic" und wiegt sich im Glauben, dass die edelsüßen Spitzenweine das Kulturgut Deutscher Wein retten könnten.
Merken denn die, die so reden nicht, dass diese oder ähnliche Sprüche seit über 25 Jahren ständig wiederholt werden, ohne dass je wirkliche Besserung in der Breite eingetreten ist.
Aber man hat ja auch Angst vor der eigenen Courage. "Die Marktrealität lehrt uns, dass 10 Mio. hl (Ernte) zur Zeit größer als die Nachfrage nach deutschen Weinen zu angemessenen Preisen sind", so heißt es im Artikel weiter. Die Marktrealität lehrt uns aber auch, dass in Europa Deutschland als wichtiges Weinbauland die allerhöchsten Durchschnittserträge einfährt. Der gesunde Menschenverstand sollte uns sagen, dass dies ein ganz triftiger Grund für die Misere ist. Massen produzieren und Spitze sein zu wollen schließt sich aus. Preise gehen immer dann nach unten, wenn das Angebot größer als die Nachfrage ist. Ein Kernsatz der Marktwirtschaft, den zum Prinzip zu erheben aber kein Verband in der Lage zu sein scheint. Es ist so einfach: Setzen wir das Höchstertragslimit für alle Weine auf maximal 75 hl/ha in allen deutschen Weinbaugebieten (wer freiwillig drunter bleiben will, kann das tun). Wer mehr auf einer bestimmten Fläche erzeugt, wird deklassieren müssen. Dann wird ohne weiteres Zutun folgendes passieren:
- Die Qualität der Trauben wird ohne weitere Maßnahmen besser. Die Trauben werden reifer, die Beeren bleiben gesünder und der UTA wird weitgehend verschwinden.
- Dadurch werden ebenfalls ohne weitere Maßnahmen auch die Moste und danach die Weine besser werden.
- Das Angebot ist endlich kleiner als die Nachfrage und so wird der Preis pro Liter wieder steigen. Und Wenn der Preis von DM 1,- auf DM 1,50 nur in zwei Jahren steigen würde, dann verdient der Winzer schon mehr als bei den vorherigen ungebremsten Erträgen.
- Der Verbraucher wird diese Preissteigerung gerne akzeptieren, denn die Qualität der Weine wird besser sein und er hat solche Preise bei vielen ausländischen Weinen längst akzeptiert.
- Der Handel wird sich auch freuen, sind doch bei höheren Preisen auch seine nominalen Spannen pro Flasche größer und er muss um eine ausreichende Spanne zu haben nicht hauptsächlich seine Verkäufe ausländischer Weine forcieren.
- Und der Winzer wird schließlich durch höhere Gewinne (oder in vielen Fällen vielleicht erstmals Gewinne) in der Lage sein, weitere Qualitätsmaßnahmen zu treffen. Dann kann die Spirale sich wieder weiter nach oben entwickeln. Endlich.
Bernhard Breuer
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