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 Morillon

Morillon

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Suchwort: Morillon

Morillon

Die weiße Rebsorte stammt aus Frankreich, wird aber heute unter diesem Namen vor allem in der österreichischen Steiermark angebaut. Unter anderem wird dort Morillon (auch Morillon Blanc, Maurillon oder Maurillon Blanc) als Synonym für den Chardonnay genannt und mit dieser Sorte gleichgesetzt. Chardonnay ist eine Kreuzung zwischen Pinot x Gouais Blanc (Heunisch). Nach dem österreichischen Biologen Dr. Ferdinand Regner (*1963) handelt es sich bei Morillon aber um eine eigenständige Sorte aus einer Kreuzung Pinot x unbekanntem Partner. Die zwei Rebsorten sind also verwandt, aber nicht identisch. Oft wird von einer Reise steirischer Winzer nach Frankreich anlässlich der Reblaus-Katastrophe gegen Ende des 19. Jahrhunderts erzählt, die reblausresistente Rebsorten suchten und mit dem Morillon zurückkamen. Abgesehen davon, dass Morillon gar nicht reblausresistent ist, ist so eine Reise nicht bestätigt und möglicherweise nur eine Mär. Außerdem wurde nach dem Ampelographen Hermann Goethe (1837-1911) der Name Morillon Blanc für den Chardonnay schon lange vor dem Reblauseinfall in der Steiermark verwendet.

Zur Verwirrung trägt bei, dass es neben dem Chardonnay noch viele weitere Sorten mit dem Synonym Morillon gibt. Das sind Affenthaler (Morillon Aigret), Frühburgunder (Morillon Hatif, Morillon Parisien), Frühroter Veltliner (Morillon Rouge d’Italie), Négrette (Morillon), Pinot Blanc (Morillon Blanc), Pinot Noir (Morillon Noir), Tressot Panaché (Morillon Panaché), Tressot Noir (Morillon Noir) und Schwarzriesling = Pinot Meunier (Morillon Tacone). Für die häufige Verwendung von „Morillon“ im Namen verschiedener, zum Teil gar nicht verwandter Rebsorten gibt es aber eine einfache Erklärung. Die Silbe „Mor“ oder „Maur“ ist von den dunkelhäutigen Mauren (Berberstämmen) aus Nordafrika abgeleitet, die bis zum 12. Jahrhundert in Südfrankreich bzw. Iberien operierten, und deutet auf dunkle Trauben hin. Die Silbe „illon“ steht für eine „Verniedlichung“ und verweist auf „kleine Beeren“. Der Name Morillon bedeutet also nicht anderes als „Kleine(r) Schwarze(r)“ oder „Kleiner Maure“.

Im 19. Jahrhundert wurde der Morillon (so wie der Weißburgunder) in der Steiermark als Weißer Klevner bezeichnet. Und der Weißburgunder wurde früher fälschlicherweise dem Chardonnay gleichgesetzt. Auch das hat zu vielen Verwirrungen beigetragen. In diesem österreichischen Bundesland wird heute noch, wie schon erwähnt, die Bezeichnung Morillon häufig für den Chardonnay verwendet, aber Morillon zum Teil auch als eigene Sorte betrachtet. Von einigen Winzern erfolgt die unterschiedliche Bezeichnung deshalb, um einen Qualitätsunterschied zu einem „besseren“, dann als Chardonnay bezeichneten Wein zu dokumentieren. Welche Bezeichnung gewählt wird, bleibt aber dem Winzer frei überlassen. Auf jeden Fall werden in der Steiermark die zwei Sorten Chardonnay und Morillon bei Weingartenerhebungen mengenmäßig gemeinsam erfasst und damit als eine einzige Rebsorte ausgewiesen. In den anderen Bundesländern spielt Morillon keine Rolle.

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