Hart aber Hofschuster
Weingut Dr. Bürklin-Wolf
Die
Weine von Dr. Bürklin-Wolf entsprechen im Grunde so gar nicht dem derzeit
besonders angesagten, fruchtbetonten Stil, der einen schon beim ersten
Riechen aus dem Glas heraus anspringt. In ihrer ruhigen, abgeklärten Art
werden sie gerne ein wenig unterschätzt. Dabei verfügen hier vor allem
die Lagenrieslinge zumeist über eine Komplexität, Festigkeit und Tiefe,
wie man sie in der Pfalz nicht oft findet, nur muss man sich Zeit
nehmen, um sich mit diesen Meisterwerken auseinanderzusetzen. Sie wirken
im besten Sinne traditionell und zeigen oft erst nach einigen Jahren,
was wirklich in ihnen steckt. Da sich bei den Spitzenweinen von
Bürklin-Wolf viel mehr um Herkunft, um Boden, um Persönlichkeit geht,
als um knallige Frucht, werden die Lagenunterschiede bei kaum einem
anderen Betrieb so deutlich wie hier. Unsere Kollektion des Jahres in
der Pfalz.
Zum Weingut Dr. Bürklin-Wolf im Weinführer
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Klaus Peter Keller
Weingut Keller
Die
Weine von Vater Klaus und Sohn Klaus Peter Keller gehören nun schon
seit rund 20 Jahren zur absoluten Spitze in Deutschland. Waren es
zunächst vor allem die Edelsüßen, die für Aufsehen sorgten, haben sich
unter Klaus Peter Keller die trockenen Rieslinge zu den wichtigsten
Weinen des Betriebes entwickelt. Über die Großen Gewächse sowie den
Prestigewein G-Max spricht heute die ganze Weinwelt. Das ist jedoch kein
Grund für Klaus Peter Keller, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Wer
glaubte, hier wäre die Spitze des Möglichen bereits erreicht, muss seit
den Rieslingen des Jahrgangs 2011 wohl umdenken. Nie waren die Weine
hier so fest, so komplex, so kompromisslos bereitet wie in diesem Jahr.
Das macht sie in ihrer Jugend deutlich weniger einnehmend, wie es die
Rieslinge hier in früheren Jahren stets waren. Sie benötigen Zeit und
viel Aufmerksamkeit um zu zeigen, was in ihnen steckt; ihr Stil scheint
sich inzwischen eher an den großen Weinen des Burgund zu orientieren
als am traditionellen deutschen Riesling-Ideal. Alles spricht dafür,
dass man hier gerade noch einmal einen bedeutenden Schritt nach vorne
macht - und wieder die Vorbildfunktion einnimmt, die das Gut in seiner
Geschichte in Rheinhessen schon mehrmals innehatte. Im Schatten der
Rieslinge sollte man allerdings auch die anderen Weine nicht übersehen.
Scheurebe, Burgundersorten und vor allem Silvaner können ebenfalls ganz
hervorragend ausfallen. Unsere Kollektion des Jahres in Rheinhessen.
Das Weingut Keller im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Weingut Karl HaidleHans Haidle macht wenig Brimborium um sich und seine Weine, was
vielleicht mit dazu beiträgt, dass es auch Andere kaum jemals tun. Ein
Fehler. Denn während sich ganz Württemberg in Sachen Wein in den letzten
Jahren nach vorne entwickelt hat, wie kaum ein anderes deutsches
Weinbaugebiet in dieser Zeit, wurde aus dem Weingut Karl Haidle eine
feste Größe unter den Spitzenproduzenten der Region. Es ist schon
erstaunlich, in welcher Bandbreite hier hochklassige Weine entstehen;
ganz gleich, welche Farbe oder Sorte man wählt - in ihrer Kategorie
stehen die Weine von Haidle immer ganz vorne dabei. Schon seit Jahren
leistet man sich hier keine Schwäche. Unsere Kollektion des Jahres in
Württemberg.
Das Weingut Karl Haidle im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Weingut Stadt Klingenberg - Benedikt BaltesDie Stadt Klingenberg hat einen fast schon legendären Ruf als Herkunft einiger der besten Spätburgunder Deutschlands. Bereits im 13. Jahrhundert wurde der Weinbau hier erstmals urkundlich erwähnt. Leider erlebte der Betrieb unter der Leitung der Stadt in den letzten Jahren eine Phase mit merklichen Qualitätsschwankungen.in der die Weine den hohen Erwartungen nicht immer gerecht werden konnten, die angesichts der erstklassigen Lagen angebracht wären. Das änderte sich schlagartig, als das Gut 2010 privatisiert wurde und der von der Ahr stammende Benedikt Baltes die Leitung des 13-Hektar-Guts übernahm. Schon der schwierige Jahrgang 2010 ist hier durchweg überzeugend. Die Weine verfügen über festen Bau, straffe, reintönige Frucht sowie eine Eleganz und Finesse, wie man sie sonst nur bei den Spitzenbetrieben des Landes findet. Spätburgunder “R” und Großes Gewächs gehören sogar zu den besten Rotweinen des Jahrgangs in ganz Deutschland. Vergessen wir den Portugieser nicht, den wir in dieser Qualität nicht nur hier bislang nicht erlebt haben. Angesichts dieser Leistungen haben wir keinen Zweifel daran, dass sich Benedikt Baltes sehr bald einen festen Platz unter den absoluten Spitzenproduzenten für Rotweine einrichten wird. Unsere Entdeckung des Jahres.
Zu Benedikt Baltes im WeinführerZur Homepage des Weingute
Maximin GrünhausMaximin Grünhaus ist eine Bastion des Mosel-Rieslings, anders kann man das nicht sagen. Oder doch, man kann es zumindest präzisieren: des Ruwer-Rieslings. Denn kaum ein Weingut im Gebiet macht derart unverwechselbare, vollkommen ihrer Herkunft verpflichtete Rieslinge, wie dieses im Ruwertal liegende Kleinod. Diese spezielle Art Kräuterwürze, die fast allgegenwärtigen dunklen Beeren im Aroma, die enorme Festigkeit trotz des schlanken Körpers, diese Eleganz und Rasse gibt es so nur an der Ruwer - und nirgends so ausgeprägt wie bei der Familie von Schubert, die das über 1000 Jahre alte Gut seit nunmehr rund 130 Jahren führt. Der spektakuläre Weinberg Maximin Grünhaus, der sich in zwei große und eine sehr kleine Einzellage unterteilt, bringt nicht nur einige der feinsten klassisch süßen und edelsüßen Moselrieslinge hervor, sondern auch erstklassige, erstaunlich langlebige trockene Exemplare sowie mit die besten feinherben Weine überhaupt. Letzteres macht vor allem die relativ neu eingeführte “Superior”-Linie klar, deren Spannung, Griff und Rasse von kaum einem anderen Riesling dieses Gebiets erreicht wird. Bei all den Superlativen darf man die Basis nicht vergessen: schon die einfachen Qualitätsweine besitzen hier eindeutigen Herkunftscharakter und erstaunliche Klasse, von den Kabinetten ganz zu schweigen. Mittelmaß existiert hier nicht. Das ist mehr als Grund genug für den fünften Stern - und die Kollektion des Jahres an der Mosel.
Maximin Grünhaus im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Kellerei TerlanDie Kellerei Terlan gehört zu den wenigen Betrieben in Südtirol, die bereits seit Jahrzehnten ungebrochen Erstklassigen Wein produzieren. Vor allem die Weißen vefrügen hier nicht nur über einen ganz und gar eigenständigen Charakter, sie besitzen häufig auch ein außergewöhnliches Entwicklungspotenzial, wie sich anhand jahrzehntealter Flaschen aus dem gutseigenen Archiv in erstaunlicher Breite belegen lässt. Die Terlaner stellen damit nachdrücklich unter Beweis, dass eine Genossenschaft nicht zwangsläufig anspruchsarmen Wein für ein breites Publikum produzieren muss. Das ist gerade in Südtirol freilich längst kein Einzelfall mehr, aber auf diesem Niveau hat Terlan auch in dieser inzwischen qualitätsverwöhnten Region kaum mehr Konkurrenz. Schon die preiswerten Basisweine zeigen hier oft ungewöhnliche Klasse. Die mittlere Linie, in der etwa der großartige Weißburgunder Vorberg zu Hause ist, offeriert häufig Weißwein-Qualitäten, wie man sie in der Preisklasse um 15 Euro kaum irgendwo anders finden kann, schon gar nicht mit einem vergleichbaren Reifepotenzial. In der Spitze produzieren die Terlaner Weißweine, die es mit jedem Wein ihrer Kategorie weltweit aufnehmen können - und das nachweislich über Jahrzehnte. Hier findet man auch Weine, wie den Chardonnay “Rarität”, der erst nach 10 Jahren überhaupt auf den Markt kam und dennoch so jugendlich und frisch wirkt, dass man auch ihm besser noch einige Flaschenreife angedeihen lässt, damit er sich in all seinen Facetten entfalten kann. Unsere Kollektion des Jahres in Südtirol.
Die Kellerei Terlan im WeinführerZur Homepage der Kellerei
Peter und Cecilia JostWeingut Toni JostDas Weingut Toni Jost galt lange Zeit als führender Betrieb am Mittelrhein, doch in den letzten zwei Jahrzehnten machten ihm einige aufstrebende Weingüter den Platz an der Spitze mit einigem Erfolg streitig. Mit dem Jahrgang 2011 allerdings verdeutlicht Peter Jost, der inzwischen von seiner Tochter Cecilia unterstützt wird, mit einer souveränen Kollektion, dass mit der Familie Jost, die hier nun seit bald 200 Jahren Weinbau betreibt, auch weiterhin zu rechnen sein wird. Wir können uns nicht erinnern, hier je bessere Weine probiert zu haben. Die Serie der trockenen Rieslinge beeindruckt ebenso, wie die prächtigen edelsüßen Spitzen. Großen Anteil am Erfolg hat sicher der Bacharacher Hahn, dessen mitunter extrem steile Weinberge inzwischen fast völlständig dem Weingut gehören. Aber es scheint uns auch so, als hätte Cecilia Jost hier für frischen Wind gesorgt und vor allem den Ehrgeiz mitgebracht, wieder das beste aus diesem Kleinod unter den besten Lagen des Mittelrheins herauszuholen. Unsere Kollektion des Jahres am Mittelrhein.
Das Weingut Toni Jost im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Weingut Rudolf FürstPaul
Fürst war nicht nur einer der Ersten, die vor über 20 Jahren damit
begannen, erstklassigen, im Barrique ausgebauten Burgunder in
Deutschland zu produzieren. Man könnte ihn ohne weiteres auch heute noch
als Pionier bezeichnen. Denn auch jetzt noch weisen Fürsts
Spätburgunder aus dem Bürgstädter Centgrafenberg Rotweinproduzenten im
ganzen Land den Weg. Sie sind in den letzten Jahren nicht nur noch
einmal feiner geworden, sondern auch tiefer und vielschichtiger. Es sind
Weine auf dem Niveau erstklassiger Burgunder und doch ganz
eigenständige Vertreter ihrer Herkunft. Das gilt auch für die Pinots aus
dem Klingenberger Schloßberg, einer spektakulären Spitzenlage über dem
historischen Rotwein-Städtchen, wo Fürst sich 2004 einige der besten
Parzellen sicherte, um sie zu einem guten Teil mit besten
Burgunder-Klonen neu zu bestocken. Schon heute sind die Weine aus diesen
Flächen so großartig, dass man sich kaum auszumalen wagt, was hier
möglich ist, wenn die Stöcke erst einmal ins beste Alter kommen. Einen
sehr guten Ruf genießen hier auch die im Holz ausgebauten weißen
Burgundersorten schon ziemlich lange, doch auch die Rieslinge werden in
den letzten Jahren immer spannender. Heute gehört das Große Gewächs aus
dem Centgrafenberg zu den besten Rieslingen Frankens. Erstaunlich ist
die Entwicklung beim Silvaner. Lange Zeit hielt man den Centgrafenberg
nicht gerade für ein ideales Habitat für diese eigentlich urfränkische
Sorte, deren Weine auf den Böden aus Buntsandsteinverwitterung und Lehm
bislang überwiegend gut, aber eher unspektakulär ausfielen. Der
prächtige 2011er straft diese Annahme Lügen: Trotz seines
verhältnismäßig niedrigen Alkohols besitzt Fürsts 2011er Substanz,
Ausdruck und Tiefe, wie sie manches Große Gewächs aus den klassischen
Silvaner-Lagen des Maindreiecks mit ihren Muschelkalk-Böden nicht
vorweisen kann - von der Eleganz erst gar nicht zu reden. Paul Fürst und
Sohn Sebastian leisten sich nicht die geringsten Schwächen, dafür aber
einige der feinsten Weine des Landes. Unsere Kollektion des Jahres in
Franken.
Zum Weingut Rudolf Fürst im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Weingut Dr. Heger
Schon als Joachim Heger den Betrieb 1992 übernahm, gehörte das Weingut Heger zu den führenden Betrieben in der Region - und das gilt im Prinzip bis Heute. Gleichwohl gab es nach der Jahrtausendwende eine Zeit, in der die Weine nicht immer das hielten, was man angesichts der Bedeutung des Weinguts erwarten durfte. Sie waren mitunter etwas glatt und entwickelten sich nur bedingt zu ihrem Vorteil. In den letzten Jahren ging es jedoch wieder merklich aufwärts. Die Weine wurden an breiter Front fester, tiefer und eigenständiger. Heute gibt es nicht viele Betriebe in Baden, die eine ähnlich gleichmäßig hohe Qualität vorzuweisen haben. Das fällt besonders bei den letzten beiden Jahrgängen auf, die vielen Kollegen auch in Baden gewisse Schwierigkeiten bereiteten, in denen sich Heger jedoch nicht die geringsten Schwächen leistete. Das gilt für die durchweg überzeugenden Weißen, die von einem der besten Chardonnay angeführt werden, den wir aus Deutschland kennen. Das gilt aber auch und vor allem für die ausgesprochen fest gewirkten roten Spätburgunder, die vermutlich noch nie so gut waren, wie im Jahrgang 2010. Unsere Kollektion des Jahres 2013 in Baden.
Das Weingut Dr. Heger im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Weingut Kreuzberg
Der Stilwandel hin zu feineren, strafferen Weinen und behutsamerem
Holzeinsatz zahlt sich bei Kreuzberg auch 2010 aus. Der Jahrgang gilt
besonders an der Ahr als schwierig, was man den Früh- und Spätburgundern
allerdings kaum anmerkt, obwohl auch hier, wie fast überall an der Ahr,
keine Großen Gewächse abgefüllt wurden und deshalb auch nirgends der
Name einer Spitzenlage auf den Etiketten erscheint. Die Weine wirken
beinahe duchweg kühl, sind fest gewirkt und besitzen ziemlich
eindeutigen Herkunftscharakter. Selbst die einfacheren Tropfen machen in
der Regel noch einen überaus jugendlichen Eindruck und sollten sich
über die nächsten Jahre gut entwickeln. Das gilt besonders für die
beeindruckenden, vielschichtigen Goldkapsel-Versionen sowie den
Devonschiefer “R”, der zwar schon heute trotz seiner Kraft erstaunlich
animierend wirkt, aber dennoch einige Jahre reifen sollte und wohl auch
das nächste Jahrzehnt noch bei bester Gesundheit erreichen dürfte.
Unsere Kollektion des Jahres an der Ahr 2013.
Das Weingut Kreuzberg im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Schlossgut Diel
Die Stellschrauben mögen klein sein, an denen hier beständig justiert wird,
aber ihre Wirkung ist nicht zu übersehen. Seit einigen Jahren werden
die Weine des Schlossguts Diel immer feiner und scheinen gleichzeitig
noch an Tiefe und Ausdruck zu gewinnen. Eine Entwicklung, die man wohl
auch dem Wirken von Armin Diels Tochter Caroline zuschreiben darf, die
2006 in den Betrieb eingetreten ist und sich die Verantwortung für
Weinberge und Keller seither mit dem langjährigen Kellermeister des
Gutes, Christoph Friedrich teilt. Die trockenen Rieslinge haben sich
inzwischen weit vom ehemals typisch Deutschen, fruchtbetonten, meist
leicht süßlichen Stil entfernt. Sie wirken erheblich zurückhaltender,
herber und ernster, als man des vom Gros der einheimischen Rieslinge
gewohnt ist, weshalb man sie auf den ersten Blick womöglich
unterschätzt. Ihre ganze Tiefe und Komplexität, ihre überaus noble
Persönlichkeit offenbaren sie nur, wenn man bereit ist, sich auf sie
einzulassen. Doch nicht nur die trockenen Rieslinge gehören heute zu den
besten ihrer Art in Deutschland, auch die süßen und edelsüßen Exemplare
sowie die roten und weißen Burgundersorten fallen regelmäßig
erstklassig aus. Kaum ein Weingut in Deutschland kann in einer solchen
Bandbreite ähnlich zuverlässig Spitzenergebnisse vorweisen; an der Nahe
gibt es davon kein Zweites. Die letztjährige Kollektion belegt das
eindrucksvoll: Spätburgunder “Caroline” und Burgundercuvée “Victor” sind
eindeutig die feinsten Weine ihrer Kategorie an der Nahe. Die großen
Gewächse zählen sogar zu den größten trockenen Rieslingen, die 2011
überhaupt entstanden sind. Diese Vorstellung bringt dem Schlossgut Diel
nicht nur den fünften Stern ein, sondern auch die Kollektion des Jahres
2013 an der Nahe.Zum Schlossgut Diel im WeinführerZur Homepage des Weinguts
Frizzante oder auf deutsch Perlwein ist eine Getränkekategorie, die bei sich aufgeklärt wähnenden Weinfreunden auf wenig Gegenliebe stößt. Eigentlich ist das kein Wunder, kamen doch mit der
Prosecco-Schwemme seit den 90er Jahren und den daraufhin auch in Deutschland überall aus dem Boden sprießenden Nachahmungen (stets mit dem unvermeidlichen Anhängsel "secco" am Phantasienamen) Massen an eher unlustigen Weinchen auf den deutschen Markt. Sie versteckten ihren stumpfen Kartonagengeschmack eher erfolglos hinter Kohlensäure und Zucker, was bis heute die Frage aufwirft, was - neben der obligatorischen, intelligenzbenachteiligten Botox-Schickeria - selbst Damen im Allgemeinen und sexuell Normunabhängige Personen im Besonderen, also Bevölkerungsgruppen, denen man ein gewisses Maß an kultureller und sensorischer Empfindlichkeit im Gegensatz zu heterosexuellen Männern auch dann zutraut, wenn sie keine Feinschmecker im engeren Sinne sind, dazu brachte, diesem Getränk ungehemmt zuzusprechen. Der Ruf, um aufs Wesentliche zurückzukommen, ist ruiniert.
Dabei gibt es durchaus sehr erfreuliche Vertreter, gerade unter den italienischen Frizzante - darunter selbstredend auch Prosecco. Denn während ein Perlwein in Deutschland in den meisten Fällen eher ein Apfallprodukt ist, aus dem man mittels "Irgendwas-Secco"-Camouflage noch ein ordentliches Geschäft zu machen versucht, gibt es in Norditalien, vor allem im Veneto, in der Lombardei und im Piemont eine lange Tradition dieses Weinstils. Hier ist ein Frizzante in den meisten Fällen richtiger Wein und keine Resteverwertung. Leider ist Frizzante, der nicht auf "secco" endet, in Deutschland völlig unverkäuflich, weshalb selbst den geneigten Weinfreunden die Freuden eines leichten, klaren, eleganten, saftigen und dabei moderat sprudelnden Getränks im kommenden Sommer auf dem eigenen Balkon wohl nicht vergönnt sein werden.
Doch schon um gegen den elend grauen Winter anzuschreiben, der sich uns allen langsam schwer aufs Gemüt legt, werde ich in der nächsten Zeit trotzdem immer wieder eines der leicht perlenden Getränke hier vorstellen, sowie sie mir in der Verkostung positiv auffallen - nicht nur aus Italien. Es wäre doch blöd, käme der Frühling doch noch irgendwann und wir hätten nichts für die Willkommensfeier parat.
Den Anfang
mach der "Nai" von Frecciarossa aus dem Lombardischen Casteggio. Schon
wegen des Etiketts würden ihn Viele vermutlich stehen lassen. Es wäre
ein Fehler, so kühl, feinperlig, animierend saftig und zartwürzig diese
Cuvée aus Riesling und Pinot Nero ist. Und morgen soll die Sonne
scheinen!
"Nai" Frizzante, Provincia die Pavie IGT, Frecciarossa
Wenige Regionen haben in Deutschland in Sachen Wein Qualitativ einen ähnlich großen Sprung gemacht in den letzten Jahren, wie
Württemberg. Das macht sich gerade auch in den Basis-Rotweinen vieler Betriebe bemerkbar. Die Zeit der dünnen, banalen, oft marmeladig-gekochten Weinchen scheint abzulaufen. Immer öfter bekommt man eigenständige und höchst animierende Tropfen für ziemlich wenig Geld - und das nicht selten von Betrieben, die schon im Gebiet nicht besonders bekannt sind, ganz zu schweigen vom Rest des Landes. Einer von ihnen ist Johannes Häge in Illingen-Schützingen. Sein Spätburgunder "M. Balthasar Sprenger" ist klar, feinsaftig und mit einer ganz eigenen Würze ausgestattet, die man eigentlich nur in Württemberger Rotweinen findet - und kostet gerade mal 5,70€ ab Hof. Auch sein einfacher Lemberger fürs gleiche Geld macht in seiner straffen und kühlen Art ein Riesenvergnügen.
2011 Spätburgunder trocken "M. Balthasar Sprenger"2011 Lemberger trocken
Statistik:
Im Weinführer finden Sie aktuell 121964 Weine und 20187 Erzeuger, davon 5767 empfohlene Erzeuger.
Wein-Plus hat 189282 angemeldete Nutzer und besteht aus mehr als einer halben Million Seiten, das ist ausgedruckt ein über 50 Meter hoher Stapel Papier.