Anmelden
Dauerhaft anmelden
Infos über Wein-Plus
Mitgliedschaft
RSS
Hilfe
Social Networks
Stellenangebote
Impressum
Presse
Über Wein-Plus
Datenschutz
Partnerprojekte
Kontakt

Nero d’Avola Siziliens autochtone Renaissance

  1. Information
    Weine, Winzer, Wissen
  2. Forum
     (0 Beiträge)
Artikel
01.03.2005

Nero d’Avola

Siziliens autochtone Renaissance


Kaum eine Region hat in den letzten Jahren mit ihren Weinen für so viel Furore gesorgt wie Sizilien. In weniger als 10 Jahren ist die größte Mittelmeerinsel dank einer von Pionieren und Avantgardisten ins Rollen gebrachten Qualitätsrevolution vom nahezu ausschließlichen Massen-Lieferanten anonymer Verschnittweine zum aufstrebenden Stern der italienischen Weinszene avanciert. Und das nicht nur mit den auf Sizilien prächtig gedeihenden internationalen, sondern auch zunehmend mit interessanten autochthonen Rebsorten. Für letztere steht ganz besonders der Nero d’Avola Pate - der „Schwarze aus Avola”, benannt nach einem kleinen Städtchen im Südosten der Insel in der Provinz Siracusa. Von dort breitete sich die eher kleine, dünnhäutige und intensiv violettfarbene Traube fast auf der ganzen Insel aus. Der synonym verwendete Name „Calabrese” hat nichts mit Kalabrien zu tun, sondern ist eine Italienisierung des sizilianischen Dialektnamens „Calaurisi”, was so viel bedeutet wie „Traube aus Avola kommend”. Mit rund 14.000 Hektar ist sie die meist verbreitete rote Rebsorte Siziliens und erfreut sich in der jüngeren Zeit ihrer ereignisreichen Geschichte eines noch nie da gewesenen Erfolgs. Der einstige Veredler fremder Weine hat sich im Laufe der letzten 10 Jahre nicht nur zum ebenbürtigen Partner internationaler Cuvées entwickelt, er gibt mittlerweile insbesondere als „Solotänzer” eine prachtvolle Figur ab.


Die Metamorphose - vom Veredler zum König der sizilianischen Reben

Nero d´Avola Rebstock in Pachino
Lange ähnelte aber das Dasein dieser uralten und fast vergessenen Rebsorte eher dem eines Dieners. Denn der gigantische Weinstrom aus Sizilien war bis in die neunziger Jahre weitgehend namenlos. Früher stand das enologische Sizilien neben „Marsala” vor allem für „vino da taglio”, ein bis weit in die Siebziger beliebter Verschnittwein, der in großen Zisternen und Tankwagen landaufwärts in nördliche Regionen gekarrt oder verschifft wurde, um schwachbrüstige Weine aus der Toskana, dem Piemont und insbesondere aus Frankreich aufzupäppeln. Besonders geeignet und geschätzt waren die Dienste des Kraft, Struktur, Farbe und Frucht spendenden Nero d’Avola. „Jahrelang haben Verbraucher Nero d’Avola im Glas gehabt, ohne sich dessen bewusst zu sein”, schmunzelt etwa Salvatore Li Petri, Direktor des 6.500 ha und 2.377 Winzer umfassenden Genossenschafts-Riesen Settesoli. Freilich würde dies kaum ein Produzent der genannten Regionen zugeben. Besonders beliebt war dabei der Nero d’Avola aus den Gegenden von Pachino, südlich des Barock-Städtchens Noto und heute zusammen mit dem Cerasuolo-Gebiet aus der Nachbar-Provinz Ragusa eine der viel versprechenden DOC-Gegenden (Das Cerasuolo-Gebiet wird wohl die erste sizilianische Appellation mit DOCG-Status). Nicht umsonst treten dort kapitalstarke Produzenten aus dem Norden des Landes (u.a. Zonin, Mazzei, Marzotto, Mezzacorona) sowie eine Reihe sizilianischer Spitzenbetriebe zunehmend mit Groß-Investitionen in Erscheinung. Der „Pachino” war schon bei den französischen Kellermeistern sehr beliebt, so sehr, dass französische Weinbauern sich veranlasst sahen, die aus Italien ankommende Fracht der unliebsamen sizilianischen Konkurrenten aus Protest auf die Straße zu kippen. Als der Markt für Verschnittwein in den Achtzigern einbrach, fristete der einstige Liebling zeitweise ein ziemlich vernachlässigtes Schattendasein.

Glossar zum Thema
Erst Mitte der Neunziger kam die Wende: Dank einer radikalen Ertragsreduzierung, modernster Keller-Technik und eine Besinnung auf qualitätsfördernde Maßnahmen in Weinberg und Keller gelingt es dem Nero d’Avola heute, im eigenen „Trikot” in einer ganz anderen Liga zu konkurrieren. Der ehemals anonyme Weinveredler erscheint nun selbst im eigenen Glanz und braucht einen Vergleich mit den internationalen Stars am Rebsortenhimmel keineswegs zu scheuen. Das hat mittlerweile auch die ganz Großen der internationalen Weinszene auf den Plan gerufen, die dieser Rebsorte großes Potenzial attestieren. So schreibt etwa der Wine Spectator 2002: „Nero d'Avola possesses copious quantities of deep blackberry and cherry fruit, sweet, pure, floral notes, soft tannin and a luscious texture with a generous finish. This fruit driven yet spicy red reveals surprising nuances.” Und auch Italiens führende Weinbibel "Vini d’Italia" - besser bekannt als „Gambero Rosso” - konstatiert in ihrer Ausgabe 2005: „Der Nero d’Avola ist derzeit der begehrteste Rote Italiens.”

Typizität - vielseitig, geheimnisvoll und terroirbetont

Der Nero d’Avola, so ist immer wieder zu hören, erfreut bei aller Liebe nicht immer die Winzer und hat viele seiner Geheimnisse noch nicht gelüftet. Seine dünne Haut macht ihn anfällig für starke Regenfälle, und zuviel Wasser führt zu ungebremstem Wachstum und Ertrag, was zu Lasten der Qualität geht. Seine Vielseitigkeit hält die Weinmacher immer wieder auf Trab und die Erforschung seines genetischen Materials steckt noch in den Kinderschuhen. „Wir entdecken jedes Jahr neue Facetten an ihm”, sagt Carmelo Morgante vom Weingut Morgante mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Und die Brüder Santi und Alessio Planeta vom gleichnamigen Vorzeige-Weingut ergänzen: „Mit der Klonforschung stehen wir erst ganz am Anfang, hier müssen wir noch weiter an der Selektion hochwertiger Klone arbeiten.” Um so bemerkenswerter ist, dass diese Sorte auch so schon einen tiefdunklen, intensiv duftenden, beerig-würzigen Wein hervorbringen kann, der in der Nase und am Gaumen häufig mit Anklängen von roten und schwarzen Beeren (Sauerkirsche, Brombeere, Pflaume) sowie dunklen Noten von Tabak und Lakritze verführt, die oft von mediterranen Gewürzen, floralen und ätherischen Noten unterstrichen werden. Die Statur ist kräftig und von einer fleischig-dichten Struktur geprägt. In seiner samtigen Fülle vermählt sich die reife, saftige Frucht hervorragend mit der lebendigen Säure und den fast schon „süßlichen” Tanninen.

Obwohl diese Eigenschaften typischerweise oft anzutreffen sind, handelt es sich beim Nero d’Avola um eine echte „Terroirsorte”: Je nach Anbaugebiet und Lage präsentiert sie sich erstaunlich unterschiedlich ausgeprägt. Auch wenn sie fast auf der gesamten Insel - ob im frischen, ventilierten Mikroklima der Berge mit großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht oder in der trocken-heißen Ebene - bemerkenswerte Weine hervorbringt, so lassen sich je nach Herkunftsgebiet deutliche Unterschiede erschmecken. Und wie unterschiedlich diese Sorte in Abhängigkeit ihres Anbaugebietes ausfallen kann, zeigt beispielsweise Planetas reinsortiger „Santa Cecilia”. Die eine Hälfte der Trauben kommt aus dem südwestlichen Menfi, die andere aus dem südöstlichen Noto (Pachino) - der Wiege des Nero d’Avola. Obwohl beide Anbaugebiete nicht so weit voneinander entfernt sind, handele es sich önologisch um zwei völlig verschiedene Welten, bestätigt Santis Bruder, Alessio Planeta. „Der Wein aus Menfi ist weicher, runder und in der Frucht eher von roten Früchten dominiert, in dem die Sauerkirsche hervorsticht. Der Wein aus der Noto-Gegend hingegen zeigt sich frischer, hat eine präsentere Säure und ist eher von dunklen Beeren sowie erdigen Noten bestimmt. Er erbringt sicherlich den terroirgeprägteren Wein hervor, weshalb wir ab dem Jahrgang 2003 den „Santa Cecilia” nur noch mit Trauben aus Noto vinifizieren.”

Glossar zum Thema
Auch der angesehene sizilianische Önologe Salvo Foti (Berater für Weingüter wie Benanti, Gulfi) betont, dass der Nero d’Avola besonders in der Gegend um Pachino seine „bevorzugtesten Bedingungen” finde: „Das beständig heiße und trockene Klima zwingt die Rebe zur schnelleren Einlagerung von Zucker und Säure, was wiederum zu einer stärkeren Konzentration des Traubeninhalts führt. Die frische Meeresbrise und Europas intensivstes Licht im südöstlichsten Zipfel Siziliens tragen neben den variationsreichen, überwiegend rot-braunen Kalk-Tonböden mit zu dessen besonderer Ausprägung bei.” Seine für Gulfi aus jeweils verschiedenen Cru-Lagen in Pachino vinifizierten Nero d’Avola-Weine zeigen, wie lagentypisch diese Sorte sogar ausfallen kann, wenn man, so Foti, „so wenig wie möglich in die Natur eingreift.”

Hans Zenner, engagierter Hobbywinzer deutschen Ursprungs, schwärmt ebenfalls von der Qualität des „Pachino”. Er selbst bewirtschaftet mit der Beratung von Foti dort etwa 7 Hektar Rebland und keltert aus alten Reben in der ursprünglichen „Alberello”-Erziehung mit hoher Pflanzdichte (7.000 Reben pro Hektar) seinen „Terra delle Sirene” - ein erfrischend ungeschminkter, nicht auf Frucht getrimmter, saftiger Nero d’Avola mit einer erdig-mineralischen Note, der, so Zenner, nach mehreren Gläsern „die Sirenen des Meeres ertönen lässt”.



Zu Teil 2:
Innovation und Tradition - Aufsteiger und Pioniere

Giuseppe Lauria
BEST OF
Cava - Schäumende Hochkultur Weiter ...
Soave - Der Unterschätzte Weiter ...
Blaufränkisch - Die herbe Verführung Weiter ...
Rioja - Erfolgreich gegen den Strom Weiter ...
Brunello di Montalcino - Die Stunde des Aristokraten Weiter ...
Rote Südtiroler - Tiroler Sorten schärfen Profil Weiter ...
Große und Erste Gewächse - die Roten aus 2009 - Triumph der Finesse Weiter ...
Alle Beiträge

Aktuelle Wein-News
16.05.2012: ProWein-Projektleitung wechselt Weiter ...
16.05.2012: 1774er Vin Jaune versteigert Weiter ...
13.05.2012: Am Ende Platz vier Weiter ...
11.05.2012: DWV für Erhalt von Förderprogrammen und Pflanzrechten Weiter ...
08.05.2012: Rheinland-Pfalz will Eisweinkontrollen verbessern Weiter ...
08.05.2012: Fußball-Europameisterschaft beginnt Weiter ...
07.05.2012: Badische Weinmesse verzeichnet Besucherrekord im Jubiläumsjahr Weiter ...
Alle Beiträge

Pressemitteilungen
23.05.2012: Österreich Wein Abonnement Weiter ...
16.05.2012: 50 Jahre Vernatsch Fass Nr. 9 Weiter ...
14.05.2012: Neue Bioweine beim Weinversand Vinexus Weiter ...
11.05.2012: Mittelalterliche Weine wiederbelebt Weiter ...
30.04.2012: La Tour Melas to champion Greek wine Weiter ...
28.04.2012: Gutsweinprobe 2012 Weiter ...
26.04.2012: Charta Kalterersee – der 2. Jahrgang Weiter ...
Alle Beiträge

Neu auf Wein-Plus
Weinversand - Weiter Premium-Paketservice von UPS für Wein-Plus Mitglieder Weiter ...
Verpackungsentsorgung - Wein-Plus verlängert Partnerschaft mit Interseroh Weiter ...
Neue Veranstaltungen - Qualitäts- und Genussinitiative für die nordgriechischen Weine Weiter ...
Alle Beiträge

Editorial
Europa-Relaunch - Aus Wein-Plus.de wird Wein-Plus.eu Weiter ...
Zum Tod eines schweizerischen Spitzenwinzers - Thomas Mattmann Weiter ...
Alle Beiträge

Reportagen
Katalonien - Der Tradition verpflichtet Weiter ...
Soave - Revolution in den Hügeln Weiter ...
Unbekannte Sorten - vielfältige Weinszene - Entdeckungen in den Marken Weiter ...
Spaniens unbekannte Rebsorten - Entdeckungen in Kastilien-León Weiter ...
EU-Weinmarktreform - Teil 4 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Frankreich Weiter ...
Südfrankreich - Roussillon - das katalanische Erbe Weiter ...
EU-Weinmarktordnung - Teil 3 - Das neue Weinbezeichnungsrecht in Italien Weiter ...
Alle Beiträge

Verkostung
Großes Gewächs - Pfalz Weiter ...
Großes Gewächs - Württemberg Weiter ...
Südtirols rote Sorten - 25 Jahre Qualitätsrevolution Weiter ...
Großes Gewächs - Mosel Weiter ...
Erstes Gewächs - Rheingau Weiter ...
Großes Gewächs - Rheinhessen Weiter ...
Großes Gewächs - Nahe Weiter ...
Alle Beiträge

Interview
Im Gespräch: Manuel Louzada, Numathia - Kühle Eleganz aus schwarzen Perlen Weiter ...
Alle Beiträge

Rezensionen
Wein-Reisen - Genießen in Venedig und ganz Italien Weiter ...
Eine Reise ins Land des Goldrieslings - Rudolf Knoll, Britta Binzer: Winzer & Weine im sächsischen Elbland Weiter ...
Logik, Erkenntnis und Genuss - Bernd Müller-Kaller: Wein-Philosophie Weiter ...
Sehnsucht Italien - Steffen Maus: Italiens Weinwelten Weiter ...
Zu Gast bei 100 Bio-Produzenten - Bioparadies Toskana Weiter ...
Alle Beiträge

Essen und Trinken
Rezept des Monats - Fisch mit Limetten-Rucola-Kruste Weiter ...
Rezept des Monats - Scherben und Striebele Weiter ...
Restaurant "Falco" in Leipzig - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Rezept des Monats - Wildschweinsauerbraten Weiter ...
Rezept des Monats: - Rosa gebratenes Lendchen auf Apfelvariationen und Bratkartoffeln Weiter ...
Restaurant Obauer in Werfen - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Gourmetrestaurant Lerbach in Bergisch-Gladbach - Gourmet-Menü für Wein-Plus-Mitglieder Weiter ...
Alle Beiträge

Kolumne
Wo die Zeit still gestanden ist - Canal du Midi Weiter ...
Nachhaltigkeit (be)im Wein - Naturweine Weiter ...
Spargel und Wein - Verträglichkeit Weiter ...
Reisevergnügen - Le Train Bleu Weiter ...
Zuhause geblieben - Große und kleine Weinwelt Weiter ...
Weine, die zum Winter passen - Gefühlsweine Weiter ...
Zwei Deutsche in der Schweiz - Riesling, Pinot Noir & Co. Weiter ...
Alle Beiträge

TV-Tipps
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Mai 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für April 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für März 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Februar 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Januar 2012 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für Dezember 2011 Weiter ...
Das Weinfernsehprogramm - Die Übersicht für November 2011 Weiter ...
Alle Beiträge

Stammtisch
Verkostungspaket - II/2012: Rioja Weiter ...
Verkostungspaket - I/2012: Brunello di Montalcino Weiter ...
Verkostungspaket - Weihnachten 2011 Weiter ...
Verkostungspaket - Herbst 2011 Weiter ...
Verkostungspaket - Sommer 2011 Weiter ...
Alle Beiträge

Promotion
Interview mit Angelos Iatridis, Alpha Estate - "Griechische Weine sind besser als die griechische Gastronomie in Deutschland" Weiter ...
Bordeaux 2010 - „Jahrgang der Sensationen“ (Falstaff) Weiter ...
Alle Beiträge



Werbung