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Neue Weinmärkte werden entdeckt: Die Chinesen kommen!

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18.08.2008

Neue Weinmärkte werden entdeckt:

Die Chinesen kommen!


Alles schaut nach China, nun auch die Sportwelt. Doch unser Verhältnis zu diesem Land ist labil, um nicht zu sagen „gespalten”. Auf der einen Seite stille Bewunderung für den größten Staat der Welt, wo 1,3 Milliarden Menschen leben, auf der andern laute Proteste gegen die Menschenrechtsverletzungen in eben diesem Staat; auf der einen Seite ein riesiges wirtschaftliches Potential, von dem alle profitieren möchten, auf der andern die Angst vor der politischen Macht einer kommunistischen Regierung; auf der einen Seite die Vorteile eines Billiglohnlands ( „made in China”!), auf der andern Staunen und Erschrecken über die Kopierfähigkeit der Chinesen all dessen, was wir stolz als unser „wirtschaftliches und geistiges Kapital” bezeichnen.

Skyline von Shanghai - chinesische Hochburg wirtschaftlicher Beziehung zur Welt

Kaum ein Ereignis zeigt dies deutlicher als die Olympiade 2008 in eben diesem Land. Der größte aller sportlichen Anlässe wurde nach China vergeben, im Wissen um Menschenrechtsverletzungen und das Tibet-Problem. Doch just, als das „friedliche Sportfest” mit dem traditionellen Fackellauf um die Welt eröffnet wurde, da erinnerte sich die Welt plötzlich der ungelösten politischen Probleme Chinas. Die Franzosen taten sich besonders augenfällig hervor, in der Behinderung und Verhöhnung einer olympischen Tradition, die bisher jedes veranstaltende Land zur Selbstdarstellung nutzte.

Schon vor einem Jahr war in China Olympia präsent, zumindest in den Städten und bei historischen Sehenswürdigkeiten

Wenn ich gleichzeitig feststelle, wie die krisengeschüttelte größte Weinregion Frankreichs, der Süden, um die Gunst der Chinesen buhlt und in China (und Russland) eine Lösung ihrer strukturellen Weinprobleme sieht, dann zeigt sich das „gespaltene” Verhältnis zu China bersonders deutlich. Eigentlich freue ich mich, dass jetzt auch China den Wein entdeckt. Ich fühle mich rehabilitiert für meine „verrückte” Weinreise nach China (vor einem Jahr), ich bin glücklich, wenn im Languedoc Mittel gefunden werden, um den Gang vieler Winzer in die Armut zu verhindern. Zu schmerzhaft sind die Bilder der „Ausrisskampagne” im Languedoc, wo seit 2000 bereits 32‘000 Hektaren Rebland verschwunden sind, nur weil in der Welt jährlich 60 Millionen Hektoliter zu viel Wein produziert wird. Überproduktion. Dabei ist gerade das Languedoc - genereller: Südfrankreich - wohl eine der idealsten Gegenden für den Weinbau. „Wir haben Sonne, das Wissen, ein vielschichtiges Terrroir, das Klima und mehr als 2000 Jahre Wein-Geschichte”, sagt zu Recht der Leiter einer der erfolgreichsten Kooperativen im Languedoc.

Ausrissaktion von Reben im Languedoc

Das „Endspiel im Languedoc”, wie die Weinzeitschrift „Vinum” in der Juni-Ausgabe titelt, wird noch lange nicht gespielt. Es tut sich viel im Languedoc. Da tauchen eben auch russische und chinesische Wein-Händler auf, die Hoffnungen auf besseren Absatz wecken. Nicht Massenware, sondern guten Weine, zu einem guten Preis. Wer glaubt, diese neuen Märkte interessieren sich für jeden „Fusel”, der im Westen nicht mehr gefragt ist, der irrt sich gewaltig. Viele Winzer im Languedoc - zumindest die Verantwortlichen für die Vermarktung - wissen dies genau. Der Umbau des „Systems” Languedoc, bisher auf Kooperativen und Billigwein ausgerichtet, wird durch das Interesse der Chinesen und Russen eine neue Dynamik entwickeln, beschleunigt.

Nur wer alte Klischees unbesehen weiterträgt, sieht heute im Languedoc noch den qualitätsfernen Massenproduzenten. Immer mehr Genossenschaften suchen nach einer Neuorientierung, immer mehr Winzer verarbeiten ihre Reben selber und vinifizieren hervorragende Weine.

Schlagzeilen im Midi Libre vom 7. Juli 2008: russische und chinesische Einkäufer in der Region

Natürlich ist das strukturelle Problem noch lange nicht gelöst, wenn 20 russische und chinesische Wein-Importeure Languedoc-Roussillon besuchen und hier mehr als 80 Winzer, Genossenschaften, Handelsunternehmen, Vermarkter treffen.

Ich habe erlebt, wie an einem Wein-Seminar an der „Université du Vin” auf dem Schloss in Suze-la-Rouze (in der Nähe von Oranges) plötzlich die Türen aufgegangen sind und eine chinesische Delegation eine kurze Zeit dem Unterricht zuschaugeschaut hat. Natürlich war sie begleitet von einem Kameramann und einem chinesischen Fernseh-Moderator, der seine Eindrücke hier, direkt vor Ort, schilderte, während wir Kursteilnehmer mehr oder weniger aufmerksam unserer „Lehrerin” zuhörten.

Aufnahmen für die chinesischen Medien auf der „Université du Vin”

Weinuniversität, Rebberge soweit das Auge reicht, aber auch Zeugen der Kultur, wie Canal du Midi, Pont du Gard, die Katharerburgen - Eindrücke, Bilder, Erlebnisse, die China erreichen. Dies wird zweifellos einen Einfluss haben, auf das Konsumverhalten in einem Land, das den Anschluss an die Weintradition des Westens sucht und schon heute (allein aus Frankreich) mehr als 20‘000 Hektoliter Wein pro Jahr importiert (davon rund 75% aus Südfrankreich).

Vielleicht darf sogar auf ein „kleines Wein-Wunder” gehofft werden. Zwar ist Wein in China noch immer ein „Luxusgut” und wird auf dem Land kaum konsumiert. Im chinesischern Alkohol-Markt ist Wein noch schlecht vertreten: etwa mit 1.5%, während Bier 78% ausmacht. Doch die Zunahme an Weinkonsum ist in China - wie fast alles in diesem Lande - rasant, schnell und riesig. Sie passt in die gesamte marktwirtschaftliche Entwicklung seit der Öffnung Chinas. Das Languedoc hat da durchaus eine Chance daran teilzuhaben.

„Tage der offenen Türe” im Languedoc, wo man sich von der Eigenständigkeit und Qualität der Weine überzeugen kann

Languedoc-Roussillon ist längst nicht mehr (nur) Produzent von Massenweinen. Die Qualität wurde massiv gesteigert, die Absatzmärkte  erweitert. Wenn China und Russland als weiteres fast unerschöpfliches Absatzgebiete dazu kommen, dann....

Ja, die Chinesen sind gekommen, Massenprodukte aber wollen sie nicht. Das machten die 20 Vertreter auf ihrer Einkaufstour deutlich: „Nicht nur Bordeaux und Burgund sind bei uns gefragt, vor allem ist es auch das Languedoc - solange ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis besteht.”

Herzlich
Ihr/Euer
Peter (Züllig)

Peter Züllig
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