Neue Welt
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Dazu zählen im Weinbau USA, Südamerika, Australien, Neuseeland und Südafrika (man könnte auch noch Kanada hinzurechnen). Diese Gebiete wurden ab Anfang des 16. Jahrhunderts durch die großen Entdeckungs-Reisen für den Weinbau erschlossen. Die Kolonisten hatten vor allem eine religiöse Motivation für den Weinbau, nämlich um Messwein zu erzeugen. Auf dem nordamerikanischen Kontinent (besonders an der Ostküste) gab es zahlreiche, in den Wäldern wuchernde Wildreben, eine gezielte Kultivierung und Weinbereitung war jedoch bei den Ureinwohnern unbekannt. Die Kolonisten konnten auf Grund der Eigenart der Amerikaner-Reben keinen trinkbaren Wein daraus gewinnen. Deshalb begann man überall europäische Sorten anzupflanzen. Aber zumeist blieb dies ohne Erfolg, denn die Reblaus, Pilzkrankheiten wie Mehltau, andere Rebstock-Krankheiten und extreme klimatische Bedingungen ließen die meisten der unzähligen Versuche scheitern. Die Ursachen blieben Jahrhunderte unbekannt.
Besser funktionierte es im Süden, wo es diese Krankheiten und Schädlinge nicht in diesem Umfang gab. Im heutigen Virginia legten englische Kolonisten im Jahre 1619 Weingärten mit Europäer-Reben an. Erst viel später folgte Kalifornien, wo der Franziskanermönch Junipero Serra (1713-1784) im Jahre 1769 den ersten Weinberg anlegte. In Mittelamerika gab es ebenfalls einheimische Reben, aber auch hier war kultivierter Weinbau unbekannt. Das erste Land mit Kultivierung europäischen Reben war hier Mexiko, wo Hernando Cortez (1485-1547) schon 1522 die Mission (Criolla) anpflanzen ließ. In der Folge wurde dies dann in Argentinien, Chile, Peru und anderen südamerikanischen Ländern fortgesetzt.
Der Holländer Jan van Riebeeck (1619-1677) pflanzte im Jahre 1655 in der Nähe von Kapstadt die ersten Rebstöcke, das war der Beginn in Südafrika. Als Vater des südafrikanischen Weinbaus gilt aber der Gouverneur Simon van der Stel (1639-1712), der 1685 das berühmte Weingut Constantia gründete. Ab 1788 wurde Australien für den Weinbau erschlossen, als ein englisches Sträflingsschiff unter Captain Arthur Phillip im Hafen von Sydney landete. Und im Jahre 1819 folgte dann Neuseeland, wo aus Australien stammende Rebstöcke auf der Nordinsel gepflanzt wurden. Der Weinbau in den Ländern der Neuen Welt erreichte schon vor 200 Jahren die ersten Höhepunkte. Weine aus Südafrika wurden im 18. Jahrhundert an den russischen Zarenhof (siehe unter Constantia) und Weine aus Chile an den spanischen Hof geliefert. Im 19. Jahrhundert belegten Weine aus Argentinien bei Weltausstellungen Spitzenplätze und eroberten viele Goldmedaillen.
Doch dann wurde es ab Anfang des 20. Jahrhunderts etwas still, ein Neubeginn erfolgte erst wieder ab den 1960er-Jahren. Besonders hervorzuheben als bahnbrechende Weinbau-Pioniere sind unter anderem Robert Mondavi (1913-2008) und Joe Heitz (1919-2000) im kalifornischen Napa Valley, die Gebrüder Gallo im kalifornischen Central Valley, Max Schubert (1915-1994) in Australien, sowie James Busby (1802-1871) in Neuseeland. All diese Männer wandten neue Weinbau-Techniken an und setzten entscheidende Impulse. Sie stützten sich dabei auf die langjährigen Erfahrungen der traditionellen Weinbau-Länder Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland und führten europäische Rebsorten ein.
Es gibt zum Teil große Unterschiede im Weinbau zwischen Alter und Neuer Welt, man kann aber nicht von allgemeinen und für immer gültigen Gepflogenheiten sprechen. Eine Gemeinsamkeit der Länder der Neuen Welt ist, dass man vielleicht mehr bereit ist, Experimente einzugehen und neue Techniken zu versuchen. Außerdem erlauben die nicht so eng gefassten Weingesetze oft dem Produzenten wesentlich mehr Spielraum. Besonders in den Ländern der südlichen Halbkugel (wo die Lese schon zwischen Februar und April erfolgt) sind die Temperaturen durchwegs höher als in Europa, was vor allem den Rotweinen zugute kommt. Die Gerbstoffe in den Weinen fallen zumeist weicher und reifer aus. Die klimatischen Bedingungen sind nicht so großen Schwankungen wie in Europa unterworfen, was die Unterschiede in den Jahrgängen geringer macht.
Automatisierungs-Methoden im Weinbau wie maschinelle Weinlese und sogar Rebschnitt, sowie der Begriff Präzisionsweinbau wurden in den USA entwickelt. Die geographische Herkunft hat (noch) nicht dieselbe Bedeutung wie in Europa. Die Weine werden eher sortenrein und fruchtbetont produziert. Dem Holzton (siehe unter Barrique-Ausbau) wird in der Neuen Welt häufig hohe Bedeutung zugemessen. Ein wesentlicher Unterschied besteht auch in der Gärung, die Temperaturen sind in der Neuen Welt häufig viel niedriger. Bei den Rebsorten erfolgte in den letzten Jahrzehnten immer mehr eine Angleichung und die Veredelung von Rebstöcken ist ebenfalls zum Standard geworden. Siehe auch unter Afrika, Asien, Europa, Südamerika und Tropen, sowie auch unter Wein-Produktionsmengen.
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