Niederösterreich umfasst als größtes Bundesland Österreichs acht Weinbaugebiete. Eines der Traditionsreichsten und sicher das Berühmteste ist die Wachau, die von zwei überaus markante Punkten begrenzt wird: Im Westen das berühmte Kloster Melk vom Orden der Benediktiner (seit 1089), im Osten die über 1000 Jahre alte Stadt Krems. Der Großteil der Weingärten erstreckt sich am linken Donauufer, mehr als die Hälfte von ihnen sind an Steilhängen in Terrassen angelegt. Auch wenn die Wachau mit insgesamt 1.350 Hektar Rebfläche zu den kleinen Anbaugebieten Österreichs gehört, kommen dennoch eine relativ große Anzahl der Spitzenweine des Landes von hier. Und das nicht nur nach Ansicht der schreibenden Zunft oder der Besucher dieses berückend schönen Landstrichs: Der Erfolg lässt sich auch daran bemessen, dass eine erhebliche Anzahl von Spitzenrestaurants weltweit Weine aus der Wachau im Angebot führt.
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Dürnstein mit dem Burgberg und der Burgruine (Quelle/Copyright: © ÖWM / Egon Mark)
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Ein geologischer Grundstein der Wachau wurde in der Nacheiszeit gelegt, als sich in den Windschatten der Berge Staubschichten absetzten. Sie sind der Ursprung für die heutigen Lössböden. Die zweite geologische Besonderheit, welche die Wachau entscheidend prägt, sind die steil abfallenden Gneis- oder, wie es oft heißt, „Urgesteins“- Hänge. Neben dem Wind waren aber auch eine andere Naturkräfte an der geologischen Prägung beteiligt: Das Wasser der Donau, das Schotter, Sand und Schwemmlösse in den ebenerdigen Mooren ablagerte - und die Verwitterung. Heute sind es diese Böden und natürlich die Terrassen, die von Menschenhand zur Bewirtschaftung der besten Steillagen geschaffen wurden, die das typische Bild der Wachau prägen.
Die Geschichte des Weines in der Wachau lässt sich bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Es wird berichtet, dass der Mönch Severinus (410-482) inmitten von Weingärten bei Favianis, dem heutigen Mautern, lebte. Es muss damals also schon Wein gegeben haben. Heute liegt das Hauptaugenmerk beim Weißwein: knapp 90 Prozent der kultivierten Reben sind weiß. Grüner Veltliner ist mit 736 Hektar die mit Abstand meist angebaute Rebsorte der Wachau, gefolgt vom Riesling. Aus beiden Sorten werden hier von engagierten, oft inzwischen weltberühmten, teils aber auch weniger bekannten Produzenten Weine von unverwechselbarem Charakter und enormer Ausdruckskraft erzeugt. Um diese herausragenden Gewächse besser zu vermarkten und zu kennzeichnen gründete eine Vereinigung von Winzern 1983 den Gebietsschutzverband „Vinea Wachau“ mit eigenen, strengen Qualitätsbestimmungen und regionaltypischen Bezeichnungen für bestimmte Prädikatsstufen. Seit dem werden die trockenen Weißweine nach dem natürlichen Alkoholgehalt in drei Kategorien geteilt: Duftige, leichte Weine im unteren Alkoholbereich bis 11,5 Prozent heißen „Steinfeder“. Sie sind nach dem Federgras stipa pennata benannt, das an den sonnigen Hängen des Donautals gedeiht. Weine mit klassischem Kabinett-Profil zwischen 11,5 und 12,5 Prozent firmieren unter „Federspiel“ und die kraftvollen Reserveweine unter der Bezeichnung „Smaragd“. Alle Weine mit diesen Bezeichnungen müssen ausschließlich aus der Wachau kommen, dürfen in keinem Fall mehr als 9g (zum Teil nur 4g) Restzucker aufweisen und nicht konzentriert, fraktioniert, aromatisiert oder angereichert sein.
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Wachau, Niederösterreich (Quelle/Copyright: ÖWM / Gerhard Elze)
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Klimatisch ist die Wachau äußerst spannend. Sie wird von zwei starken Einflüssen beherrscht, die ineinander greifen: Der westlich-atlantische und der östlich-pannonische Einfluss ergeben ein sehr spezielles Kleinklima, das durch die Lichtreflektionen und die Feuchtigkeit der Donau zusätzlich geprägt ist. Wichtig sind auch die großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die ganz besonders in den Monaten vor der Ernte durch die kühlen Fallwinde aus dem nördlichen Waldviertel hervorgerufen werden. Die heißen, trockenen Sommer und die strengen Winter werden durch die große Wasseroberfläche der Donau etwas abgemildert. Dieses komplexe, in sich harmonische Klima und die speziellen Böden sind der Grund für die vielschichtige, ziemlich einzigartige Weinaromatik der Wachau. Von Spitz mit seinen fast strengen Weinen über Weißenkirchen und Joching mit meist etwas zugänglicheren und duftigen Kreszenzen bis Dürnstein und Loiben, wo man nicht selten beinahe wuchtige und schmelzige Weintypen antrifft – überall sind bedeutende Weine zu finden. Neben dem „Dreamteam“ Grüner Veltliner und Riesling, die bekannt für ihr hohes Alterungspotential sind, sollte man aber auch Sauvignon Blanc, Muskateller und Neuburger nicht stiefmütterlich behandeln, denen Boden und Klima ebenfalls eine wachautypische Charakteristik verleihen.