Pinot Noir
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Pinot Noir
Die rote Rebsorte zählt zu den allerbesten der Welt, den so genannten Cépages nobles. Der Name Pinot wurde vom französischen Wort für Fichtenzapfen (pin) abgeleitet, weil die Traubenform diesem sehr ähnlich ist. Die unzähligen Bezeichnungen beweisen eindrucksvoll das Alter und die weite Verbreitung. Zum Teil handelt es sich sicher auch um verschiedene Spielarten bzw. Mutationen. Synonyme sind Aprofekete, Arbst, Assmannshäuser, Auvergnat, Auvernat, Auxerra, Berligout, Blauer Burgunder, Blauer Spätburgunder, Blauer Traminer, Bodenseetraube, Borgogna Nero, Burgundac Crni, Burgundske Modre, Cerna Ranka, Chpatchok, Clevner, Cortaillod, Dickblauer, Franc Noiren, Franc Pineau, Frühblau, Gribalet Noir, Gutblau, Karapino, Kékburgundi, Kisburgundi, Klävner, Klebroth, Klevner, Klevanjka, Langedet, Malterdinger, Massoutel, Modra, Möhrchen, Maurillon, Morillon Noir, Nagyburgundi, Neyran, Noble Joué, Noirien, Noirin, Nürnberger Blau, Okrugla Ranka, Orleans, Petit Bourguignon, Petit Noir, Petit Noirin, Petit Plant Dore, Petit Verot, Pignol, Pignola, Pignolet, Pignoliga, Pignolo, Pineau, Pineau de Chambertin, Pineau Noir, Pino Cernii, Pinot, Pinot d’Aÿ, Pinot Cernyi, Pinot de Gevrey, Pinot de Migraine, Pinot Droit, Pinot Fin, Pinot Franc, Pinot Negru, Pinot Nero, Pinot Salvagnin, Pinot Tinto, Plant á bon Vin, Plant de Cumieres, Plant de la Dole Noir, Plant Dore, Plant Fin, Plant Medaille, Plant Noble, Pynoz, Raisin de Bourgogne, Raucy, Roter Assmannshäuser, Roter Burgunder, Rouci, Rouci Male, Rouci Modre, Rouget, Salvagnin, Savagnin Noir, Schwarzer Süßling, Schwarzklevner, Seeclävner, Shpachok, Spacok, Spätburgunder, Süßedel, Süßschwarz und Vert Doré.
Pinot Noir gilt im europäischen Genpool als Leitsorte (Ursorte), von der viele andere abstammen. Der Ursprung ist noch nicht restlos geklärt. Als relativ wahrscheinlich gilt der Traminer als Muttersorte. Manchmal wird der Schwarzriesling (Pinot Meunier) als Vater genannt, dieser ist jedoch nur eine behaarte Chimäre des Pinot Noir und scheidet als zweiter Elter aus. Die US-Biologin Carole Meredith vermutet eine direkte Abstammung von einer Wildrebe. Eine Sorte Pinoz wurde erstmals 1394 erwähnt, ein Pinot Vermeil 1375. Wein aus Reben des „Pinaud“ wurde 1183 an der Loire ausgeschenkt. Dieser Wein wurde jedoch nicht aus Pinot Noir, sondern aus Pineau d’Aunis bzw. Chenin Noir bereitet. Pineau de la Loire bezeichnet die alte fränkische Sorte Chenin Blanc (Franc Blanc). Gesichert nachgewiesen ist der Pinot Noir als Klebroth am Bodensee seit 1318, ab 1335 im Badischen Affenthal, ab 1385 im Französischen Jura (hier bekannt als Savagnin Noir) und 1394 im Burgund. Diese Datierungen fallen in die Endphase der Mittelalterlichen Warmzeit, in der auch viele pannonische Sorten wie der Heunisch nach Mitteleuropa eingeführt wurden.
Vermutlich ist der Pinot Noir mit der rasanten Ausdehnung des Weinbaus im 11. und 12. Jahrhundert von Benediktinermönchen nach Deutschland eingeführt worden. Er zählt zu den klassischen fränkischen Sorten und dürfte mit dem Savagnin Blanc (Spielart des Traminer) während der Zeit des Frankenreichs nach Sachsen, Bayern und Franken und von da zu den Klöstern am Bodensee, in die Schweiz und entlang des Hochrheins nach Ostfrankreich gelangt sein. Jedenfalls war er bereits als Clevner, Gutblau und Klebroth in Deutschland etabliert, bevor Burgunder-und Pineau-Sorten im großen Stil im 18. Jahrhundert aus dem Burgund und der Champagne nach Baden eingeführt wurden. Als Kind von Traminer könnte sein Ursprung in den südwestlichen Karpaten (Mähren, Slowakei, Nordungarn) liegen. Als „Noir de Franconie“ (Schwarzer Franke) war er auch in Sirmien (Wojwodina-Serbien) und im Banat (Grenzgebiet Rumänien-Serbien-Ungarn) bekannt.
Pinot Noir hat eine große Klonvielfalt entwickelt. Der Grund ist aber nicht eine besondere Anfälligkeit für Mutationen, sondern einfach das hohe Alter dieser Rebsorte. Jedenfalls ist aus dem Pinot Noir der Pinot Gris (Grauburgunder) und aus diesem der Pinot Blanc (Weißburgunder) spontan mutiert. Diese drei Pinot-Sorten unterscheiden sich nur in der Beerenfarbe und sind sonst genetisch nahezu identisch. Gelegentlich kann man diese Farbsprünge sogar an einzelnen Trieben im Weinberg beobachten. Streng genommen handelt es sich bei den drei Sorten gar nicht um eigenständige Varietäten. Weitere Mutanten von Pinot Noir sind Blauer Arbst, Frühburgunder, Schwarzriesling und Servagnin. Hervorzuhebende Klonmutanten sind Pinot Liébault, Pinot Mariafeld, Pinot Teinturier und Pinot Tete de Negre. Aus spontanen Kreuzungen zwischen Pinot (Noir, Gris oder Blanc) x Gouais Blanc (Weißer Heunisch) entstanden viele weitere Sorten (siehe dazu unter Burgundersorten). Auf Grund der hervorragenden Eigenschaften ist Pinot Noir ein beliebter Partner für Neuzüchtungen wie z. B. Belek, Bermet, Bouket, Carmina, Carminoir, Diolinoir, Domina, Hebros, Jagodinka, Ketrosy, Kolor, Mol Kara, Orfej, Palestina, Petra, Pinotage, Prior, Rainha, Ravat Noir, Roter Milan, Schönburger, Skif, Vignoles und Zupljanka.
Der Pinot Noir war in Frankreich lange Zeit nicht geachtet. Man kelterte daraus gerne Rosé, was auch heute noch an der Loire und im Elsass beim Oeil de perdrix gebräuchlich ist. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte er sich als Basis für die großen Burgunderweine. Der berühmteste Rotwein ist wohl jener der Domaine de la Romanée-Conti aus dem besten burgundischen Bereich Côte d’Or. Die Sorte treibt früh aus und ist daher empfindlich für Spätfröste und Verrieseln. Die qualitativ besten Ergebnisse werden auf Kalksteinböden und bei relativ kühlem Klima erzielt. Diese Rebsorte ist ganz besonders dafür geeignet, das spezifische und typische Terroir einer Weinbergslage in den Wein einzubringen. Charakteristisch für den Rotwein ist eine intensive, leuchtend rubinrote Farbe mit violetten Nuancen, ein vollmundiger, kräftiger Geschmack mit harmonischen Säure- und Tannin-Gehalten, sowie ein sortentypisches Aroma nach Beeren und zart-herben Bittermandeln.
Die Sorte ist nahezu auf der ganzen Welt verbreitet und belegt 87.000 Hektar Rebfläche. In der Champagne bedeckt der Pinot Noir rund 30% der Rebfläche. Dort wird er weiß gekeltert (dies nennt man Blanc de noirs) und ist neben den zwei Sorten Pinot Meunier und Chardonnay wichtigster Bestandteil feinster Champagner. In Deutschland belegte er 2009 unter dem Namen Blauer Spätburgunder mit 11.733 Hektar Rebfläche den ersten Platz unter den Rotweinsorten und ist besonders in den Anbaugebieten Ahr, Baden, Pfalz, Rheinhessen und Württemberg verbreitet. In der Schweiz ist er die häufigste Rebsorte und belegt 4.500 Hektar Rebfläche, das sind über 30%. In Österreich ist er mit steigender Tendenz auf 649 Hektar Rebfläche vertreten. In der Schweizer Stadt Sierre (Wallis) wird jährlich der internationale Weinwettbewerb Mondial du Pinot Noir veranstaltet.
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