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Rebsorte

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Suchwort: Rebsorte

Rebsorte
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Die Bezeichnung für die Pflanze, aus deren Früchten Wein gewonnen wird, ist Rebstock (oder auch Weinrebe), wobei unter diesem Stichwort die morphologische (gestaltsmäßige) Beschreibung erfolgt. Wie bei den meisten Nutzpflanzen gibt es unterschiedliche kultivierte Sorten, die man im Weinbau als Rebsorten (Cultivare) oder umgangssprachlich auch als Traubensorten bezeichnet. Die Wissenschaft über das Beschreiben und Abgrenzen der Rebsorten nennt man Ampelographie (Rebsortenkunde). Die botanische Taxonomie (hierarchische Systematik aufgrund der Verwandtschaftsverhältnisse) ist unter Reben-Systematik beschrieben. Im Laufe von Jahrtausenden sind durch spontane (natürliche) Kreuzung und Aussaat, zufällige Mutationen und vor allem ab dem 19. Jahrhundert auch durch gezielte Neuzüchtung Tausende von Rebsorten entstanden. Primär entstehen neue Rebsorten immer durch in den Boden gelangte befruchtete Kerne bzw. gezielte Kernaussaat, sind also Produkte der generativen (geschlechtlichen) Vermehrung.

Nach Kernaussaat kann aus jedem so befruchteten und im Samen der Beere entstehenden Embryo wieder ein neuer Sämling mit neu rekombinierten und deshalb spezifischen, individuellen Sorteneigenschaften auswachsen. Wird dieser vom Menschen selektiert, aufgezogen und für anbauwürdig empfunden, werden von diesem neuen Sortentypus durch vegetative Vermehrung weitere Rebstöcke abgezweigt, so dass eine neue Sorte mit spezifischen phänotypischen und genotypischen Merkmalen begründet ist. Am Anfang einer Rebsorte stand also immer ein aus der Befruchtung einer Eizelle hervorgegangener und aus dem Rebkern ausgekeimter Sämling, der zum Rebstock herangezogen wurde und wegen seiner positiven Eigenschaften als neue Rebsorte selektiert und vegetativ vermehrt wurde. Dieser stammt bei Neuzüchtungen in der Regel von zwei verschiedenen Elternsorten ab, jedoch durchlaufen Sämlinge aus Selbstung (Selbstbefruchtung) prinzipiell denselben Prozess, so dass auch die aus einer Selbstung hervorgegangenen Pflanzen neue Rebsorten begründen. Das ist in der heterozygotischen, das heißt spalterbigen Eigenschaft der Weinrebe begründet - das ist die Unfähigkeit für sortengleiche Nachkömmlinge.

Aus den einzelnen, vom Sämlingsstock vegetativ abgezweigten und zunächst vollkommen identischen Rebstockkopien können sich mit der Zeit durch sich anhäufende spontane Mutationen in den Zelllinien der L1 (Epidermis) und L2 (innere Zellschichten) somatische Chimären und Klonmutanten ausbilden, so dass die mutierten Stöcke einen langsamen Individualisierungs-Prozess durchlaufen, der sie allmählich voneinander unterscheidbar macht. Je älter eine Rebsorte ist, und je mehr Kopien (Rebstöcke) von ihr im Laufe der Jahrhunderte oder Jahrtausende durch vegetative Vermehrung abgezweigt und wiederum vervielfältigt wurden, desto wahrscheinlicher ist es, dass zahlreiche Mutationen aufgetreten sind, die sich auch auf die Morphologie der Pflanzen ausgewirkt haben.

Werden diese Unterschiede bewusst oder unbewusst durch vegetative Vermehrung weiter vervielfältigt, bilden sich lokale und regionale Trupps von Klonmutanten heraus, die sich vom ursprünglichen Ausgangstyp (Sämling) mehr oder weniger stark unterscheiden (Sorten-Varianten, Spielarten) und ihrerseits durch den ständigen Vermehrungsprozess eigenständige Entwicklungslinien begründen. Bei auffälligen Merkmalen wurden solche mutationsbedingten Sorten-Klone häufig wie eigenständige Sorten behandelt. So zum Beispiel bei den Rebsorten Pinot Blanc, Pinot Gris und Frühburgunder (Pinot Précoce), die in der Beerenfarbe bzw. im Reifezeitpunkt mutierte Klone des Pinot Noir darstellen und immer noch dessen Genotyp repräsentieren. Es handelt sich dabei um einen Farbverlust.

Die Zahl existierender Rebsorten beruht bis heute nur auf groben Schätzungen mit einer Bandbreite plus/minus 30%. Im VIVC (Vitis International Variety Catalogue) sind mehr als 18.000 Rebsorten registriert, inklusive von Zuchtstämmen, Hybridsorten, Wildarten und historischen Sorten. Allerdings dürften sich darunter zahlreiche unerkannte Synonyme (Pseudonyme) befinden, oder auch Rebsorten, die es gar nicht mehr gibt. Realistische Schätzungen gehen von 8.000 bis 10.000 Sorten der europäischen Spezies Vitis vinifera aus (siehe dazu auch unter Europäer-Reben und Reben-Systematik). Der Grund für die Ungenauigkeit der Schätzung liegt darin, dass eine genaue Zählung schwierig ist, denn zahlreiche Rebsorten werden in den Ländern unter verschiedenen Namen angebaut, und bis heute ist es noch niemandem gelungen, die tausende Sorten umfassenden nationalen Sortenbestände im internationalen Vergleich gegeneinander abzugleichen.

Große Unklarheit besteht vor allem über die Sorten aus dem ehemaligen Ostblock (Bulgarien, Georgien, Jugoslawien, Moldawien, Rumänien, Russland, Tschechoslowakei, Ukraine, Ungarn) oder aus Japan, Indien und China, deren Ampelographien in russisch, kyrillisch, japanisch oder chinesisch abgefasst sind. Aber auch Sorten aus Portugal, Spanien, Italien, Malta und Griechenland sind teils nur ungenügend beschrieben worden, so dass nur der direkte Vergleich der Lebendpflanzen bzw. der Genotypen Aufschluss geben könnte. Mit Hilfe der mittlerweile für die Rebe international standardisierten Methode des genetischen Fingerabdrucks ist der Sortenabgleich relativ problemlos am Schreibtisch durchzuführen. Dies erfolgt durch molekulargenetische Analysen und Vergleiche der genetischen Muster. Bedeutende Wissenschaftler bzw. Ampelographen auf dem Gebiet der DNA-Analyse sind unter anderem Dr. Jean-Michel Boursiquot (Frankreich), Javier Ibáñez (Spanien), Dr. Erika Maul (Deutschland), Dr. Carole P. Meredith (USA), Dr. Ferdinand Regner (Österreich), Anna Schneider (Italien) und Dr. José F. Vouillamoz (Schweiz).

Bereits Etrusker, Römer und Griechen, und sicher auch die früheren Hochkulturen wie Ägypter, Babylonier, Hethiter und Phöniker haben bereits gezielte Sämlings-Selektion (Auslese) betrieben. Ob sie auch bereits gezielt Pollen von einer Sorte auf die andere Sorte übertragen haben, also bewusst Kreuzungen zwischen zwei Sorten herbeigeführt haben, weiß jedoch niemand. Von den Römern sind etwa 150 lateinische Rebsortennamen überliefert. Jedoch schreibt der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) über die Rebsorten, sie seien „zahllos wie die Sandkörner in der Wüste“ (siehe dazu auch unter antike Rebsorten und antike Weine). Große Verdienste bei der Kultivierung von Rebsorten und der Verbreitung und Weiterentwicklung des Weinbaus im Allgemeinen haben sich die katholischen Mönchs-Orden der Benediktiner, Kartäuser und Zisterzienser erworben, die ab dem 6. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern entscheidende Impulse setzten.

Die meisten westeuropäischen Kultursorten gehen auf eine relativ kleine Gruppe von Leitsorten und deren spontane Kreuzungen zurück. Die wichtigste ist wohl Gouais Blanc (Weißer Heunisch), von der rund 80 Sorten wie der Riesling (Deutschland), Chardonnay (Frankreich), Blaufränkisch und Silvaner (Österreich), sowie Furmint (Ungarn) abstammen. Auch Savagnin Blanc (Traminer) mit Chenin Blanc, Sauvignon Blanc und Grüner Veltliner, sowie Pinot (siehe dazu unter Burgundersorten) haben zahlreiche Spuren hinterlassen. Weitere mit vielen Nachkommmen sind Cabernet Franc, Cayetana Blanca, Chasselas, Rèze, Garganega, Luglienga Bianca, Muscat Blanc, Nebbiolo, Primitivo und Teroldego. Es wäre natürlich wünschenswert, die Abstammungen aller Kultursorten in Form eines Rebenstammbaumes darstellen zu können; das ist aber leider ein Ding der Unmöglichkeit.

Das Forschungszentrum Domaine de Vassal bei Montpellier im Languedoc-Roussillon in Frankreich pflegt das größte lebende Rebsortiment der Welt mit mehreren tausend Exemplaren. Darunter sind 2.300 europäische Rebsorten der Spezies Vitis vinifera, 800 interspezifische Kreuzungen bzw. Hybriden, 230 Unterlagen und 28 Wildreben-Spezies. Die Sammlung beinhaltet auch nicht mehr in der Praxis verwendete Sorten. Heute sind nach den jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen der Länder etwa 2.500 Qualitätswein-Rebsorten zugelassen, viele davon spielen aber nur eine lokale Rolle. Von tatsächlicher Bedeutung sind nur ein paar Hundert. Als bedeutende Ampelographen der Neuzeit gelten die beiden Franzosen Pierre Galet (*1921), der in seinen zahlreichen Publikationen rund 10.000 Sorten beschrieben, und Paul Truel (*1924), der die Identität vieler Sorten aufgeklärt hat.

Die Rebsorte hat neben Gestein, Bodentyp, Klima, Lage und Vinifikationsmethode entscheidenden Einfluss auf den Charakter und die Qualität eines Weines. Jedes Land, Weinbauregion, Weinbaugebiet und sogar oft kleinste Teilgebiete haben ihre typischen Rebsorten, die auch die typischen Eigenschaften des daraus gewonnen Weines prägen. Durch die weltweite Ausbreitung der aus Amerika eingeschleppten Reblaus müssen europäische Rebsorten fast überall auf der Welt veredelt werden, um Reblausschäden an den Wurzeln vorzubeugen. Die weltweite Rebfläche betrug im Jahre 2007 insgesamt 7,792 Millionen Hektar, das sind 77.920 km², was etwa der Größe von Österreich entspricht (83.856 km²). In Europa liegen mit knapp 4,7 Millionen Hektar rund zwei Drittel davon. Die großen Weine dieser Welt stammen hauptsächlich von einer sehr begrenzten Zahl (~10 bis 15) Rebsorten, den so genannten Cépages nobles. Gemäß EU-Verordnung müssen für Qualitätsweine dafür zugelassene Qualitätswein-Rebsorten verwendet werden.

Die folgende Rangliste der nach ihrer Rebfläche weltweit 32 häufigsten Kelter-Rebsorten entspricht dem Status 2005. Der Rhythmus der Erhebungen ist aber in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich, sodass nicht alle Werte tatsächlich diesem Jahr entsprechen. Die Tabelle ist somit ein grobes Ranking mit einer Genauigkeit von etwa plus/minus 10%. Die Rebsortenwelt ist in ständiger Bewegung, besonders ab den 1990er-Jahren gab es in vielen Ländern zum Teil gewaltige Veränderungen. Einzelne Sorten werden stark forciert, andere auf Grund steigender Qualitäts-Ansprüche, wechselnder Weinmoden oder Gesetzes-Vorgaben wie dem Verbot der Hybriden in der EU gerodet. Die spanische Airén belegte 1998 noch rund 420.000 Hektar und ist seitdem um 25% geschrumpft. Der Cabernet Sauvignon wiederum hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Noch weit vor der Airén ist mit 350.000 Hektar die Tafeltraube Sultana die häufigste Sorte der Welt. Siehe auch unter Rebstock, Reben-Systematik und Wein-Produktionsmengen.

Rebsorte Fb Synonyme - Spielarten Haupt-Anbaugebiete Hektar
Airén weiß Burra Blanca, Valdepeñas Spanien 305.000
Cabernet Sauvignon rot Bidure, Sauvignon Frankreich, USA, Austr 262.000
Merlot rot Merlot Noir, Médoc Noir Frankreich, Italien 260.000
Garnacha Tinta rot Grenache Noir, Cannonau Spanien, Frankreich 210.000
Chardonnay weiß Arnoison, Beaunois USA, Frankr, Austr 180.000
Syrah und Shiraz rot Scyras, Sirac Fra, Aus, Arg, Südafr 142.000
Ugni Blanc weiß Trebbiano (viele Spielarten) Frankreich, Italien 136.000
Tempranillo rot Cencibel, Tinta Roriz Spanien, Portugal 125.000
Mazuelo rot Carignan Noir, Cariñena Frankreich, Spanien 111.000
Sangiovese rot Brunello, Prugnolo Gentile Italien, Korsika 96.000
Bobal rot Espagnol, Provechón Spanien 92.000
Pinot Noir rot Blauburgunder, Spätburg. Frankreich, BRD, USA 87.000
Sauvignon Blanc weiß Muskat-Sylvaner Frankreich, Moldawien 80.000
Monastrell rot Mourvèdre, Mataro Spanien, Frankreich 74.500
Cabernet Franc rot Bouchet, Cabernet Frank Frankreich, Italien 55.000
País rot Criolla Chica/Grande, Mission Chile, Mexiko, Kalifornien 52.000
Cayetana Blanca weiß Jaén Blanco, Pardina Spanien 51.000
Catarratto Bianco weiß C. Comune, C. Lucido Italien (Sizilien) 51.000
Riesling weiß Rheinriesling, Weißer R. BRD, Australien, UdSSR 50.000
Macabeo weiß Macabeu, Viura Spanien, Frankreich 50.000
Welschriesling weiß Laski Rizling, Olasz Rizling Jugoslawien, Ungarn 50.000
Muscat d’Alexandrie weiß Gordo, Hanepoot Span, Italien, Südafr 49.000
Aligoté weiß Aligotay, Mukhranuli Russland, Ukraine 45.000
Rkatsiteli weiß Baiyu, Dedali, Topolioc UdSSR, Bulgarien, China 45.000
Cinsaut rot Cinsault Frankreich, Südafrika 44.000
Chenin Blanc weiß Cruchinet, Steen SA, USA, Frankreich 40.000
Gamay rot Gamay Noir à Jus Blanc Frankreich, Schweiz 40.000
Müller-Thurgau weiß Rivaner, Riesling-Sylvaner Deutschl, Ost/Mitteleur 40.000
Chasselas weiß Gutedel, Fendant Rumän, Ungarn, Schweiz 35.000
Palomino weiß Listán Blanco, Malvasia Rei Spanien, Mexiko 35.000
Sémillon weiß Blanc Sémillon, Madeira Frankreich, Australien 34.000
Concord rot Dalmadin, Furmin Noir USA, Kanada 31.000



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