Rebstock-Feinde
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Rebstock-Feinde
Es gibt unzählige Feinde des Rebstocks, das sind verschiedenste Bakterien, Pilze und Viren sowie zahlreiche indirekt (durch Übertragung von Krankheiten) oder direkt (zum Beispiel Wurzelfraß) wirkende tierische Schädlinge. Außerdem werden einige Krankheiten auch durch Mangel an bestimmten Nährstoffen verursacht. Viele Krankheiten sind europäischen Ursprungs, einige wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Amerika „importiert“. Es wäre fatal, all diese Krankheiten und Schädlinge erst beim Auftreten zu bekämpfen. Deshalb erfolgt dies heute prinzipiell durch präventive Maßnahmen, und zwar richtige Rebsortenwahl, Bodenpflege (siehe unter Bodentyp und Düngung), mechanische Verfahren (zum Beispiel Schutzgitter oder Netze gegen Vögel), biotechnische Maßnahmen (zum Beispiel Veredelung) und chemische Verfahren (spezifische Biozide gegen tierische und pflanzliche Schädlinge). Diese Kombination von vorbeugenden biologischen, physikalischen, biotechnischen und chemischen Maßnahmen wird als integrierter Pflanzenschutz bezeichnet (auch KIP - für kontrolliert). Wo immer es möglich ist, wird dabei in vielen Ländern zunehmend den biologischen und biotechnischen Verfahren der Vorzug vor chemischen Mitteln gegeben (siehe dazu unter biodynamischer und Ökologischer Weinbau).
Im Verlaufe ihrer Entwicklungs-Geschichte haben viele Rebsorten eine Resistenz (Widerstandsfähigkeit) gegenüber ihren Feinden wie zum Beispiel Reblaus und Mehltau, sowie gegen extreme Umwelt-Bedingungen wie zum Beispiel Trockenheit, Dürre oder Frost entwickelt. Tierische Schädlinge - vor allem Insekten mit ihren Eiern und Larven - werden auch durch ihre natürlichen Feinde bzw. Gegenspieler eliminiert (von anderen Insekten), was in der Weingartenpflege auch bewusst forciert wird - siehe dazu unter Nützlinge. In den letzten Jahrzehnten wurden einige Testverfahren entwickelt, um Rebstock-Krankheiten - bei Importen auch in Quarantäne - erkennen und identifizieren zu können (siehe dazu auch unter ELISA, Indexing und PCR). Einige (latente) Krankeiten können auch durch infiziertes Pflanzen-Material beim Veredeln weiterverbreitet werden, zum Beispiel die Holzkrankheiten-Gruppe Rugose Wood-Complex. In Österreich wurde diesbezüglich im Jahre 1993 ein Projekt mit dem Ziel gestartet, durch entsprechende Analysen und Auswahl möglichst gesunden Rebstock-Materials (zertifizierte Klone), die Qualität langfristig zu steigern (siehe dazu unter Zertifizierung von Rebstöcken). Alle angeführten Krankheiten und Schädlinge sind mit Ursache, Symptom, Auswirkung und Bekämpfung beschrieben:
Bakterien- und Viren-Krankheiten
* Blattrollkrankheit
* Essigfäule
* Fasziation (Adernbänderung, Verbänderung, Zickzack-Wuchs)
* Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung)
* Mauke (Pflanzenkrebs)
* Nekrose (Bakterien-Nekrose)
* Panachure (zählt zum Reisigkrankheit-Komplex)
* Parasiten
* Phytoplasmen (Mykoplasmen)
* Pierce Disease (Piercesche Krankheit)
* Reisigkrankheit (Abbaukrankheit, Kurzknotigkeit)
* Rugose Wood-Complex (Gruppe von Holzkrankheiten)
* Traubenwelke
* Vergilbung (Grapevine yellows, Bois noir)
Pilz-Krankheiten
* Anthraknose
* Bitterfäule
* Botrytis (Edelfäule, Grauschimmel, Sauerfäule)
* Cylindrocarpon-Wurzelfäule (Cylindrocarpon-Krebs)
* Esca (Black Measles)
* Eutypiose (Holzhartfäule, Dead-arm-disease)
* Grünfäule (Rosafäule)
* Mehltau (Echter = Oidium, Falscher = Peronospora)
* Patulin (Claviformin, Clavacin, Clavatin, Expansin, Gigantin)
* Petri-Krankheit (Black goo, BXD, YVD)
* Pilze
* Roter Brenner (Pseudopezicula tracheiphila)
* Schimmelpilze
* Schwarzfäule (Black rot, Trockenfäule)
* Schwarzflecken-Krankheit (Excoriose, Schwarzer Brenner)
* Texas Root Rot
* Traubenfäule
* Weißfäule (White rot, Hagel-Krankheit)
* Welke (Verticillium-Welke)
* Wurzelfäule (Umfall-Krankheit)
* Wurzelschimmel
Tierische Schädlinge
* Asiatischer Marienkäfer (Vielfarbiger Marienkäfer, Harlekin-Marienkäfer)
* Bienen
* Blattläuse (Aphiden)
* Blattwickler (Blattroller, Rebstecher, Zigarrenwickler)
* Bohrkäfer (Nagekäfer, Klopfkäfer, Pochkäfer)
* Dickmaulrüssler (Lappenrüssler)
* Drossel (Amsel)
* Engerling (Junikäfer, Maikäfer)
* Essigfliege (Drosophila, Fruchtfliege, Taufliege)
* Eulenraupen (Erdraupen)
* Gallmücken (Blattgallmücke, Rebblütengallmücke)
* Gallwespen
* Heuschrecken
* Käfer
* Margaroden
* Marienkäfer
* Milben (Kräuselmilbe, Pockenmilbe, Rote Spinne)
* Nematoden (Älchen, Fadenwürner)
* Ohrwürmer
* Raupen
* Rebenthrips (Blasenfüßer, Fransenflügler, Thrips)
* Rebenwanze (Schilcherwanze, Wanzenkräusel)
* Reblaus
* Rhombenspanner (Kreppelwurm)
* Rüsselkäfer
* Schadvögel
* Schildläuse (Rebenschildlaus)
* Schmetterlinge
* Schmierlaus
* Schnecken
* Springwurmwickler (Laubwurm)
* Star
* Termiten
* Tiere
* Traubenmotte
* Traubenwickler (Heuwurm, Sauerwurm, Süßwurm)
* Wespen
* Western Grapeleaf (Western Grapeleaf Skeletonizer)
* Wildschäden
* Wildverbiss
* Wühlmaus (Erdratte)
* Zikaden (Rebenzikaden)
Nährstoffmangel/Überschuss & Versorgung der Rebe
* Bor
* Chlor
* Eisen
* Kalium
* Kalzium
* Kohlendioxid
* Kupfer
* Magnesium
* Mangan
* Molybdän
* Nährstoffe
* Natrium
* Phosphor
* Photosynthese
* Respiration
* Schwefel
* Stickstoff
* Wasser
* Zink
Umwelt & Sonstiges
* Akarinose (Kräuselkrankheit)
* Apoplexie
* Chlorose (Gelbsucht)
* Dürre
* Filzkrankheit (Erineum vitis) durch Milben verursacht
* Frost (Frühfrost, Spätfrost, Strahlungsfrost)
* Gewitter (Blitzschlag)
* Hagel
* Hitzestress
* Huhnkrankheit (Kükenkrankheit)
* Kleinbeerigkeit (Millerandage)
* Nekrose
* Nützlinge (Bakterien, Pilze, Insekten)
* Sonnenbrand
* Stiellähme (Desséchement de la rafle, Lahmstieligkeit, Water Berry)
* Unkraut
* Wasserstress (Trockenstress)
Als hauptsächliche Quelle für den komplexen Themenkreis wurde mit freundlicher Genehmigung des Verlages das äußerst informative und sehr empfehlenswerte Buch „Weinbau“ von Ernst Vogt und Günter Schruft genutzt (Ernst Vogt, Günter Schruft: Weinbau © 2000, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart). Die achte völlig überarbeitete Auflage entstand unter Mitarbeit namhafter Weinbaufachleute des Staatlichen Weinbauinstitutes Freiburg und beinhaltet je über 100 Farbfotos, Schwarz-Weiß-Abbildungen und Tabellen. Das Werk enthält neben dem Teil „Schadorganismen und Rebschutz“ des weiteren die Kapitel Weinbau in der Welt, Weinbau in Deutschland, Bau und Leben der Weinrebe, Rebarten und Rebsorten, Die Rebe in ihrer Umwelt, Bodenkunde, Ernährung der Reben, Der praktische Weinbau, Düngung der Rebe, Weinbau-Gerätetechnik, Rebenveredlung, Rebenzüchtung, Betriebs- und Arbeitswirtschaft, EDV im Weinbau und Weinbaurecht.
Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (Baden-Württemberg) hat eine Website „Der virtuelle Rebendoktor“ eingerichtet, die unter der Adresse www.rebendoktor.de/ zu erreichen ist. Auf der Startseite werden die Symptome abgefragt, wodurch eine Eingrenzung möglich ist. In der Datenbank sind die Schadbilder der häufigsten Krankheiten, Schädlinge, Mangelerscheinungen der Rebe und sonstigen Beeinträchtigungen des Rebwachstums enthalten. Zusammen mit erläuternden Texten gibt der Rebendoktor eine Hilfestellung zur Klärung von Krankheits- und Schadensursachen. Links führen zu weitergehenden Infos und Hinweisen zur Behebung der aufgetretenen Schäden sowie zur Vermeidung der Krankheits- und Schadensursachen.
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