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Ribera del Duero
Ein Reisebericht
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| Weinstoecke im Ribera del Duero |
Das hügeldurchzogene Land zwischen Burgos und Valladolid empfängt seine Besucher überwiegend mit eisiger Kälte, nur etwa 16 Wochen im Jahr gibt es keinen Frost. Eine ruhige und fast verschlafene Gegend - bislang noch jenseits touristischer Trampelpfade - eine dünn besiedelte Region - doch immer mehr wird dieses Land zum Weinparadies.
Dunkel und bedrohlich hängen die Wolken am Himmel. Der kühle Wind treibt sie jedoch rasch vor sich her, so dass sie sich nicht unmittelbar hier im Tal ausregnen. Von Frühling ist nur wenig zu merken im Augenblick, es deutet alles auf eine Woche Regen mit wenig Plusgraden hin. Was für den Menschen eher unangenehm, ist für die Trauben hervorragend: sie gedeihen gut unter diesen wechselhaften Bedingungen und bringen letztendlich herrliche Aromen hervor.
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| Der Temranillo ist die führende Sorte im Ribera del Duero |
Die 6 Bodegas der Reihe nach:
07.05.: Tinto Pesquera, Alejandro Fernández, Pesquera del Duero
08.05.: Bodegas Hacienda Monasterio, Pesquera-Valbuena
09.05.: Bodegas Real Sitio de Ventosilla, Gumiel de Mercado
09.05.: Bodegas Arzuaga Navarro, Quintanilla de Onésimo
10.05.: Bodegas Félix Callejo, Sotillo de la Ribera
10.05.: Bodegas Tarsus, Anguix
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Als wunderbarer Ausgangspunkt für die einzelnen Bodegabesuche stellt sich unser Quartier, ein gepflegtes 340 Jahre altes Haus (Casa Rural, El Agapio', Calle Santa Maria, 11, Olivares de Duero) heraus. Ein sehr empfehlenswertes Haus in jeder Hinsicht - gemütlich, ruhige Lage im kleinen Ort (ca. 360 Einwohner), 7 Zimmer, zentral im Herzen des Ribera del Duero gelegen und mit einer guten Küche gesegnet! Peter Sissek von der Domäne Pingus' ist hier Stammgast und mit dem Wirt Gelo' befreundet. Er und sein Sohn Ignazio Nacho' verfügen über hervorragende Weinkenntnisse und Gelo weiß einen meist zu überzeugen, nicht nur bei der Zusammenstellung des Abendessens. Als sehr flexibel erweist er sich, da wir unser Essen oft früher einnehmen möchten als in Spanien üblich - also weit vor 22:00 Uhr. Das spanische Frühstück allerdings ist etwas gewöhnungsbedürftig mit den meist süßen Sachen, die einem das Weinprobieren am Vormittag nicht unbedingt erleichtern.
Um 11:00 Uhr am 07.05. haben wir einen Termin mit Lucía Fernández im ehrwürdigen Hause ALEJANDRO FERNÁNDEZ, Tinto Pesquera. Wir sind pünktlich und werden kühl empfangen. Für Señora Fernández bahnt sich eine routinemässige Führung an. Zunächst sind wir für sie 'ganz normale' Touristen, die ein bisschen ins Weingeschäft hereinschnuppern wollen. Doch allmählich dämmert es ihr, dass sie es wohl doch mit Weinliebhabern zu tun hat und sie wird deutlich zugänglicher. Fernández baut ausschließlich Tempranillo an bzw. kauft noch Trauben hinzu. Von veralteten Methoden mit Gärbottichen wurde Anfang 2001 in der Zeitschrift 'WeinGourmet' berichtet. "Das gehört schon längst der Vergangenheit an," sagt uns Señora Fernández. Davon überzeugen wir uns gerade selbst in dem Bereich mit moderner Kellertechnik. Wir erhalten nun Einlass in ein Verkostungszimmer mit allerlei berühmten Persönlichkeiten auf Fotografien an den Wänden. Vorbereitet sind vier Weine (je einer von den jeweiligen Bodegas - im Besitz von A. Fernández) und etwas Schafskäse. Also ran an die "Arbeit".
99er Condado de Haza, Joven (ca. 10 Euro ab Hof)
dunkelrubin, dezenter Holzton, präsente Tannine, etwas Säure Wein wirkt noch etwas verschlossen; 15 Punkte
98er Tinto Pesquera, Reserva, 13 % (ca. 18 Euro ab Hof)
dunkelrubin, etwas Kirsch, Holznote, sehr präsente Tannine, viel Säure, Pfeffer, noch etwas unausgewogen, Potential; 16 Punkte
98er Dehesa La Granja, Zamora, Toro, 13,5 % - 2 J. im Barrique
1.Jahrgang
üppige Nase, Beeren, Gewürze, rund, sehr schöner Wein; 16,5 Punkte
99er El Vínculo, Campo de Criptana, La Mancha, 13 %
riecht etwas metallisch, trifft meinen Geschmacksnerv nicht wirklich; 13 Punkte
Während unseres inzwischen sehr netten Gespräches kommt Señora Fernández so richtig in Fahrt und unsere Begegnung bereitet ihr großen Spaß. Zu erwähnen ist übrigens Julio Iglesias (ebenfalls in der Fotogalerie verewigt), der 1998 und 1999 große Teile der Produktion
aufkaufte und nach Miami liefern ließ. Allerhand! Da braucht so ein Weingut natürlich nicht um Kundschaft strampeln, wenn sich solche Verkäufe ergeben. Nachdem wir nun unsere gewünschten Etiketten ausgehändigt bekommen, packt sie uns sogar noch ein Weinpräsent bestehend aus 1 Fl. 95er Alenza sowie 1 Fl. 98er Dehesa La Granja ein.
Es sei schon sehr ungewöhnlich, dass uns eine solche Geste zuteil wurde, meint unser Wirt dazu staunend. Ich finde es auch großartig und bin ebenso erstaunt wie erfreut, dass sie uns gerade den Alenza geschenkt hat, zumal es sich um einen hochpreisigen Wein handelt!
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| Penafiel: Fluss Duero und oberhalb die Burg |
Wir machen Bekanntschaft mit der typischen kastilischen Suppe, die aber äußerst dezent gewürzt ist und einem beim Anblick ein wenig zurückschrecken lässt. Am Abend hören wir schon von unserem Wirt, dass wir wohl kein besonders gutes Restaurant aufgesucht haben. Ich glaube auch, dass ich kein zweites Mal hineingehen werde: "El Estudio", Pequeno Restaurante, Calle Ciania, 8, 47300 Peñafiel. Habe ich doch noch nie für eine nichtssagende Suppe 7 Euro! bezahlt. Soraya hingegen schmeckt es: Sie hat "Costillas de Lechazo", also gegrilltes Lammfleisch bestellt und macht sich mit gesundem Appetit darüber.
Am nächsten Tag steht der Besuch der HACIENDA MONASTERIO in Valbuena an. Der Name Peter Sissek gehört dazu. Ob er wohl anwesend ist? Mit neugieriger Vorfreude fahren wir den geschwungenen Hügel bei strömendem Regen hinauf. Empfangen werden wir von Señora Olvido Niño. Zunächst der Blick ins Wohn-/Arbeitszimmer mit Sitzgruppe und Ausblick durch eine Glaswand auf unzählige Barriquefässer. Das ist sehr beeindruckend. Dann der geführte Gang durch die gesamte Anlage - die Bodega besteht seit 1991, Monasterio baut nur Crianzas und Reservas aus. Tinto Fino wächst auf 52 ha., Cabernet Sauvignon auf 9 ha., 5,5 ha. sind mit Merlot und 3,5 ha. mit Malbec bepflanzt. Zusammen macht also der Besitz der Hacienda Monasterio 70 ha. aus. Pro Hektar sind nach D.O. Reglement 7.000 kg Trauben erlaubt, man bringt es meist auf 5.500 - 6.000 kg. Es gab auch schon mal zuviel Trauben. Bereits bei den großen Stahltanks nehmen wir die ersten Proben in Empfang.
2000er Hac. Monasterio Crianza,75 % Tempranillo (Minimum)/Cabernet Sauvignon (12 Euro ab Hof)
dunkel, Beeren, Kakao, viel Körper, angenehme Tannine, jetzt schon ein beeindruckender Wein; 17 Punkte
2000er Tempranillo Crianza (ausgebaut in amerik. Eiche) noch nicht auf dem Markt
dunkel, wenig Nase, etwas Leder, mittlerer Körper, präsente Tannine; 16 Punkte
Weiter geht es dann mit der Verkostung in dem vormals beschriebenen Zimmer. Unser Gespräch mit Señora Niño wird lustiger, sie erzählt von Peter Sissek und schließlich von sich selbst, man hat den Eindruck, dass man sich schon lange kennt und sie sehr gerne unsere Fragen beantwortet. Bei Monasterio sind 15 Mitarbeiter beschäftigt, 80 Personen helfen bei der Ernte. 2001 war ein Jahr mit wenig abgefüllten Flaschen. Monasterio liegt gut unter der vorgeschriebenen Erntemenge, das liegt zum Teil daran, dass bereits im Frühjahr einige Triebe abgeschnitten werden.
Wir verkosten noch den 2001er Tempranillo Crianza, der in französischer Eiche ausgebaut wird. An diesen Wein kommt keiner der Weine von den anderen Bodegas heran! Dunkelviolett, Heidelbeeren, Mocca, stramme Tannine, voller Körper, eine unglaubliche Länge, Kakao dazu, ganz langsam fließt der Wein in geschwungenen Bögen am Glas entlang. Toll! Für mich ein Rohdiamant! 18 Punkte*
Señora Niño verkorkt die Flasche, schaut sie noch einmal lächelnd an und schließlich übereignet sie uns diese. Wir freuen uns wie die Schneekönige!
*18 Punkte, weil er an den nächsten zwei Abenden noch genauso schmeckt bzw. im Hinblick auf das zu erwartende Potential. Ich glaube, da kommt was ganz Großartiges auf den Markt.
Ein Blick zum Himmel. Womit haben wir das verdient: kühle 13 Grad, Regen. Scheußlich - und wir müssen raus. Aber sitzen im trockenen Auto und fahren nach Gumiel de Mercado zur Bodega REAL SITIO DE VENTOSILLA (Königliches Anwesen von Ventosilla), PradoRey. Verabredet sind wir mit Señora Silvia. Man hat sich auf dieser Bodega schon mehr auf Deutsche eingestellt, es gibt sogar Handouts in Deutsch. Sehr schön. Señora Silvia führt uns sehr fachkundig und mit viel Esprit, als ob es ihre eigene Bodega wäre, durch die Anlage. Und was für eine: Das Anwesen von Ventosilla umfasst heute eine Fläche von 3.000 ha. Ein Drittel der Fläche ist mit Steineichen, Kiefern und Wacholdersträuchern bewachsen. Auf 500 ha. kargem Sandboden wächst Wein - Tempranillo - Cabernet Sauvignon - Merlot. Traubenzukauf ist überhaupt nicht nötig. 25 Personen sind dauerhaft beschäftigt, bei der Ernte helfen ca. 80 fleissige Mitarbeiter. Auch hier wird Rebschnitt angewandt, für eine bessere Besonnung und Reifung der Trauben sorgt das Entfernen der Blätter.
Alle Weine werden zum baldigen Verzehr ausgebaut, sind also von Anfang an trinkreif. Das unterscheidet dieses Haus deutlich von den bislang besuchten Bodegas.
Crianza- und Reserva-Weine werden in amerikanischen Eichenfässern verschiedenen Alters ausgebaut. Nach so viel Trockenstoff' nun zur ersehnten Probe (Alle Weine wurden übrigens dekantiert, was ihnen mit Sicherheit gut getan hat).
2000er PradoRey 'Roble', Tinto Fino; 5 Mon. in franz. 21.500 l Fässern, anschließend 3 Mon. amerikanisches Barrique
rubinrot, etwas Vanille, rote Früchte, weich, wenig Säure, anprechend und lecker; 15,5 Punkte
(Tinto Roble: Wein mit Eiche', also nicht so lange im Barrique wie
ein Crianza)
98er Cuvée Primium, 85 % Tinto Fino, 15 % Merlot, Handlese, Traubenselektion; 7 Mon. amerik. Barrique, 13 %
dunkles rubinrot, Brombeeren, Pflaume, etwas Vanille, weich - kein Tannin; 15 Punkte
99er PradoRey Crianza, 95 % Tinto Fino, 3 % CS, 2 % Merlot, 1 Jahr amerik. Barrique, 3 Mon. 20.000 l Holfässer franz. Eiche, 12 Mon. Flaschenlagerung, 13,5 %
dunkles rubinrot, Himbeere, etwas Eukalyptus, würzig, ganz wenig Tannin, mittlerer Körper, gute Länge; 16 Punkte
98er PradoRey Reserva, 95 % Tinto Fino, 3 % CS, 2 % Merlot, 13 %, 2 Jahre amerik. Barrique, 3 Mon. 20.000 l Holfässer aus franz. Eiche, 12 Mon. Flaschenlagerung
dunkles rubinrot, etwas Vanille und Tabak, wenig Tannin, bleibt lang; 16,5 Punkte
99er Salgüero Merlot, franz. Fässer von 20.000 l, 17 Monate in amerik. Eiche (ca. 25 )
tiefdunkelviolett, dezent Pflaume, auch Eukalyptus, komplex, etwas Tannin, ändert die Aromatik bei längerer Standzeit im Glas, sodann Nuancen von Würze, sehr schöner Merlot; 16,5 Punkte
In einer großen Halle lagern und reifen in Stahlkäfigen die gefüllten Flaschen - im "Schlafzimmer", wie man scherzhaft zu diesen Vorrichtungen sagt. Einige dieser Stahlkäfige sind mit Magnum-, Doppelmagnum und 5 l-Flaschen befüllt. Bevor die Weine zum Verkauf kommen, werden die Flaschen in einer Waschanlage vom Staub befreit und getrocknet. Danach etikettiert.
Wir sehen die größte vollautomatische Straße (Flaschenwäsche, Trocknung, Kapselverschluss, Etikettierung, Verpackung) der D.O. Ribera. Allein der Verkostungsraum ist eine Schau. Bequeme Rollbürostühle, großer langer Tisch vor einer gut mit dem Sortiment bestückten Vitrine, neben jedem Platz eine Schublade zum Herausziehen, in der sich ein integrierter Spucknapf mit Wasserspülung befindet. Feudal und genial!
Señora Silvia zeigt sich sehr großzügig und packt uns drei Flaschen Wein (PradoRey Roble, Merlot und Rosado Salgüero aus Merlot) ein.
Sehr aufmerksam.
Zur Mittagszeit sitzen wir gemütlich in einem typischen Restaurant, in dem die regionale Spezialität Milchlamm (Cordero Asado) ist. Wie es der Zufall so will, dreht das Spanische Fernsehen (Tele4) gerade eine Reportage über eben diese Spezialität. So ganz nebenbei sind wir also im Fernsehen zu sehen. Das Lokal in Aranda de Duero ist sehr empfehlenswert: Restaurante Asador El Ciprés, Jardines de Don Diego, 1.
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| Bodegas Arzuaga Navarro |
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| Der Fasskeller bei Arzuaga |
Cuvées werden nicht nach Ausbau hergestellt, sondern die diversen Traubensorten vergären zusammen! Das ist bislang für mich die erste Bodega, die diesen Weg einschlägt. Für den Gran Reserva werden Trauben zugekauft. Ausbau generell in 25 % französischer und 75 % amerikanischer Eiche für Crianza, da diese Eiche poröser ist. Wir fühlen uns wie Eindringlinge und es wird auch keine sonderlich lange Führung. Zum Schluss kommt die obligatorische Frage, ob wir auch was trinken wollen. Wir wollen!
98er Arzuaga Crianza, 13,5 %, (10 Euro ab Hof); 97 % Tempranillo, 2 % CS/ 1 % Merlot
dunkles Rubin, Vanille, Holz, weich, harmonisches Verhältnis Süße/Säure, komplex, Kakao im Abgang, bleibt lang; 16 Punkte
Ein Blick auf die Preisliste zuvor verrät uns, hier haben wir es mit einer Bodega zu tun, die ihre Weine sehr teuer verkauft. 160 Euro und mehr habe ich da noch in Erinnerung. Es bleibt bei dem einen Wein und wir verabschieden uns brav.
Ganz in der Nähe an der gleichen Landstraße wie Arzuaga Navarro liegt übrigens die Finca von VEGA SICILIA - natürlich keine Besuche möglich.
Zum Abendessen hat Gelo noch ein besonderes Highlight für uns vorbereitet. Denkt er. Er meinte am ersten Abend, ich werde von ihm so viel unterschiedlichen Wein wie möglich zum Kosten bekommen. Er rückt mit einer Flasche 98er Rosado von Protos, Peñafiel, an, dreht sie auf, schenkt ein und lässt mich riechen. Upps, Kork? Muff? Was ist das, was soll das? Blass ist er ohnehin schon, aber irgendwie auch ein bisschen tot. Ich teile es mit, Soraya übersetzt und er nickt. Räumt die Flasche weg und sagt: "Schlechter Wein - Bodega wird berühmt und legt sich schlafen!"
Naja, wie auch immer. Er eilt davon und kommt mit dem nächsten 98er Rosado zurück: Aldor' von Carlos Moro, Grupo Matarromera. Wieder das gleiche Prozedere: Gucken, Riechen, Schmecken. Auch hier bin ich enttäuscht, der Wein hat eine metallische Nase, schmeckt überaltert, auch kein großer Reißer. Wie sag' ich es ihm bloß, dass man Rosados nicht so lange liegen lässt! Wir zwingen uns zu einigen Schlucken.
Er bemerkt allerdings unsere Miene und will uns den Wein natürlich nicht berechnen. Na gut, wir haben nichts dagegen. Und ich hatte mich so auf einen jungen leckeren Rosado mit intensivem Erdbeerrot gefreut...
Na endlich, etwas Sonnenschein, 16 Grad. Viele Wolken, aber trocken. Gut soweit. Wir treffen auf Marta Hernández bei der Bodega FÉLIX CALLEJO in Sotillo de la Ribera. Eine lustige, sehr lebendige Person. Ich glaube, ich kenne sie von der Spanischen Weinpräsentation vom letzten Oktober.
Die Bodega besitzt 50 ha. Traubenzukauf ist notwendig.
Weinausbaustufen: Crianza, Reserva und Gran Reserva. 100 % Tempranillo. Die Nachfrage ist so groß, dass man keine anderen Traubensorten benötigt. Rundgang zwar interessant, aber alles wiederholt sich, wir kennen die Geschichte von der Fermentation zur Flasche, hier muss allerdings vieles per Hand erledigt werden - auch das Verpacken der Flaschen in Kartons. Etwas störend finde ich den großen schwarzen Schimmelfleck an einem tropfenden Wasserhahn in der Lagerhalle der Barriquefässer. Das müsste eigentlich nicht sein. Ansonsten blitzsaubere Anlage.
Für die Weinprobe steht der Sohn des Hauses, José Félix Callejo, zur Verfügung. Aber seine Zeit ist sehr knapp, der Önologe hat andere Termine.
99er Tempranillo Crianza
violettrot, kleine Nase, leichter Holzton, weiche Tannine, leicht rauchiger Abgang, Wein ist meiner Meinung nach zu kalt, Callejo bestätigt dies; 14,5 Punkte
96er Callejo Tempranillo Reserva
rubinrot, Holznase, etwas Kirsche und Leder, noch präsente Tannine, herb, viel Säure, bleibt lang rauchig auf der Zunge mit etwas Kakao im Nachhall; 15 Punkte
94er 'Gran Callejo', Gran Reserva (ca. 30 Euro ab Hof)
gereiftes durchschimmerndes rubinrot, Kräuter, Gewürze, Holz, mittlerer Körper, gute Länge, leicht rauchiges Finish, aber mit 30 Euro etwas überbezahlt; 15 Punkte
2001er Tempranillo Rosado, "Viña Pilar"
intensives erdbeerrot, üppige Erdbeernase, etwas Kräuter, harmonische Säure, schöner fruchtiger Abgang, absolut rund - ein herrlicher Rosado für den Sommer! Her damit! 16,5 Punkte
Leider wird dieser Wein nicht in D verkauft, sondern ausschließlich in Spanien.
(Da José F. Callejo wie erwähnt unter Zeitdruck steht, können wir den Reserva bzw. den Gran Reserva nicht vor Ort verkosten - dies habe ich in München übernommen.)
Die letzte Besichtigung findet statt im Hause TARSUS, Angiux. Auch hier erwartet uns eine junge Frau, Natalia Calleja. Sie zeigt uns zuerst die Rebstöcke auf Lehm- und Sandboden im kalten Wind und mit einem kaum zu bremsenden Redeschwall erzählt sie munter drauf los.
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| Tarsus gehört einer Fürstenfamilie |
Cabernet Sauvignon. Eine hochmoderne, computergesteuerte Anlage.
Ausbau der Weine in 60 % französischer, 40 % amerik. Eiche. Alle drei Jahre Austausch der Fässer. Export vom gleichnamigen Weingut im Rioja aus.
Noch kein Gran Reserva auf dem Markt, da Bodega noch sehr jung (1998). 98er Quinta de Tarsus, 100 % Tempranillo, (Crianza), (10,50 Euro ab Hof)
durchschimmerndes rubinrot, Herzkirschen, dez. Holz, Bisquit, präsente Säure, wuchtig, alkoholisch, stramme Tannine, kirschiger Abgang; 15,5 Punkte
98er Tarsus, 98 % Tempranillo/2 % CS, (Reserva), (17,50 Euro ab Hof)
dunkles gedecktes rubinrot, Röstaromen, stramme Tannine, eindimensional, schöne Kirchenfenster, Potential 10 - 15 Jahre; 16 Punkte (aufgrund des Potentials)
Das war also nun die letzte Verkostung. Nicht ganz, denn an unserem letzten Abend nach einem wunderbaren Tag in Burgos (die Kathedrale ist wirklich äußerst sehenswert) hält Gelo noch eine Überraschung bereit. Er dekantiert uns einen 95er Tinto Reserva aus dem kleinen Dorf Olivares de Duero, Laveguilla' von Viñedos y Bodegas La Cepa alta. Dieser Wein zeigt sich in dunklem purpurrot mit dezenter Kirschnase, etwas Holzton, wirkt leicht rauchig, Lakritz, gereift, vollmundig, durchaus lang, ein schöner Wein! Der Sauerstoff tut ihm gut, er entwickelt sich prächtig. Nach 1,5 Stunden hat er sogar noch etwas Mokka im Abgang, der Lakritzton verschwindet. Sehr schön. Gelo, gut gemacht! Dazu passt mein Straußensteak auf heissem Stein ("Somillo al Agapio") hervorragend. Muy bien!
Übrigens, in vielen Lokalen, in denen wir zu Mittag gegessen haben, haben sehr viele Leute um uns herum PradoRey Joven', Roble' bzw. PradoRey Crianza zu ihrem Essen bestellt. Warum wohl? Genau, weil er schon angenehm zu trinken ist und keine Kellerlagerung mehr benötigt.
Schlussbemerkungen
Ich hoffe, wir haben überall gut zugehört und alles korrekt wiedergegeben. Wir möchten uns sehr herzlich bei allen Bodegas bedanken, dass wir empfangen und herumgeführt wurden und dass man sich für uns Zeit genommen hat.
Herzlichen Dank besonders für die Weinpräsente.
Es war eine sehr interessante Weinreise, eine solche Tour durch Spanien kann ich nur jedem Weinfreund empfehlen. Nun sieht man die Weine mit ganz anderen Augen, wenn man den Betrieb und die Menschen, die dahinter stehen, kennt. Wir haben viel Neues erfahren, einen tiefen Einblick in die Materie erhalten und tolle Weine kennen gelernt.
Vielen Dank auch an Maria del Carmen Pérez y Pérez von 'Wein & Sein', Gießen, die unsere Tour organisierte.
Und vielen Dank an alle, die bis hier tapfer gelesen haben: Ihr habt's geschafft!
Ilona Benke
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