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 Riesling

Riesling

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Suchwort: Riesling

Riesling

Die weiße Rebsorte zählt unbestritten zu den allerbesten der Welt, den Cépages nobles. Man bezeichnet sie auf Grund der Langlebigkeit und Finesse der daraus gekelterten Weine auch als „weißen Cabernet Sauvignon“. Die zahlreichen Synonyme in vielen Sprachen beweisen die weltweite Verbreitung. Das sind z. B. Beregi Riesling, Beyaz Riesling, Biela Grasevina, Dinca Grasiva Biela, Donauriesling, Edelriesling, Edle Gewürztraube, Fehér Rajnai, Gentil Aromatique, Gewürzriesling, Gewürztraube, Gräfenberger, Grasevina Rajnska, Grauer Riesling, Grobriesling, Hochheimer, Johannisberger, Johannisberg Riesling, Karbacher Riesling, Kastellberger, Kis Rizling, Kleinriesler, Kleinriesling, Klingelberger, Krauses, Lipka, Moselriesling, Niederländer, Oberländer, Petit Rhin, Petit Riesling, Petracine, Pfefferl, Piros Rajnai Rizling, Rajinski Rizling, Raisin du Rhin, Rajnai Rizling, Rajnski Ruzling, Rano, Reichsriesling, Reissler, Remo, Rendu, Reno, Rezlin, Rezlink, Rheingauer, Rheinriesling, Rhiesling, Rhine Riesling, Riesler, Riesling Blanc, Riesling de Rhin, Riesling Renano, Riesling Rhenan, Rieslinger, Rislinenok, Rislinok, Rissling, Rizling Linner, Rizling Rajnski, Rizling Reinskii, Rizling Rynsky, Rohac, Rössling, Rösslinger, Rüssel, Ryzlink Rynsky, Starosvetske, Szürke Rizling, Uva Pussila, Weißer Riesler, Weißer Riesling, White Riesling. Der prestigeträchtige Name Riesling wurde weltweit oft irreführend und missbräuchlich verwendet. Es handelt sich mit einer Ausnahme um eigenständige Sorten:

* Bánáti Rizling = Kreaca (Serbien)
* Black Riesling = Schwarzriesling (USA)
* Blauer Riesling = Trousseau Noir (Österreich) - ID A. Jung
* Breisgauer Riesling = Knipperlé (Deutschland)
* Cape Riesling = Crouchen (Südafrika)
* Frankenriesling = Silvaner (Deutschland)
* Gelber Riesling = Alantermö (Ungarn)
* Grauer Riesling = Pinot Gris (Deutschland)
* Gray Riesling = Trousseau Gris (Kalifornien)
* Gros Riesling = Orléans (Frankreich)
* Großriesling = Elbling, Räuschling und Silvaner (Deutschland)
* Hunter Riesling oder Hunter River Riesling = Sémillon (Australien)
* Mainriesling = Rieslaner (Deutschland)
* Missouri Riesling = Vitis labrusca x Vitis riparia (USA)
* Okanagan Riesling = Vitis labrusca (Kanada)
* Riesling de Caldas = Dutchess (Brasilien) - ID A. Jung
* Riesling de Wuerzbourg = Sauvignon Blanc (Frankreich) - ID A. Jung
* Riesling Italico = Welschriesling (Italien)
* Riesling Jaune de la Moselle = Auxerrois (Frankreich) - ID A. Jung
* Roter Riesling = Riesling-Spielart, aber auch Synonym für Hanns und Traminer (Ö, D)
* Schwarzriesling = Pinot Meunier oder Müllerrebe (Österreich, Deutschland)

Durch von Dr. Ferdinand Regner im Klosterneuburger Weinbauinstitut (Niederösterreich) im Jahre 1998 durchgeführte DNA-Analysen wurde die wahrscheinliche Elternschaft ermittelt. Der Riesling entstammt einer Kreuzung zwischen (Vitis vinifera silvestris = Wildrebe x Traminer ?) x Weißer Heunisch. Von der Wildrebe stammen die kleinen Beeren und die Frosthärte, der Traminer steuerte die fruchtigen, würzigen Noten bei und der Heunisch brachte späte Reife, Robustheit und Säurepotential ein. Dieselbe Elterschaft gab es übrigens auch beim Weißen Elbling und eine sehr ähnliche beim Räuschling. Obwohl der Riesling heute weltweit verbreitet ist und im Elsass und in Deutschland vergleichsweise viele Klone selektiert wurden, war es doch ein langer Weg von einer oft als sauer verschrienen Sorte zu einem allgemein anerkannten Spitzengewächs. In Deutschland gibt es derzeit etwa 60 zugelassene Klone. Ein spezieller wurde auf dem Weinberg von Schloss Johannisberg entdeckt. Die reaktivierte Spielart Roter Riesling wird als Urform vermutet.

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit stammt der Riesling aus dem Rheintal. Eine erstmalige namentliche Erwähnung erfolgte Mitte des 15. Jahrhunderts. In einem Dokument aus dem Jahre 1435 in Rüsselheim (Frankfurt) scheint ein Rechnungsposten für Rieslingreben auf. In einem anderen Dokument wird im Jahre 1348 ein „Rüsseling“ im Elsass erwähnt. Ob es sich aber dabei um den Riesling handelt, ist unklar. Der bekannte deutsche Botaniker Hieronymus Bock (1498-1554) schreibt in seinem „Kreütter Buch“ der Ausgabe 1546, dass „Rissling wachsen an der Mosel/Rhein und in Wormbs“. Der Ursprung wird aber auch von Winzern der österreichischen Wachau reklamiert, weil es dort einen im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnten Weinberg namens Ritzling gibt. Das ist aber natürlich kein Beweis.

Die Sorte stand wahrscheinlich sehr häufig gemeinsam mit anderen Heunisch/Traminer-Abkömmlingen wie Elbling, Fütterer und Räuschling im gemischten Satz im Weinberg. Erst relativ spät, ab dem 19. Jahrhundert wurde er dann in reinen Sätzen angepflanzt. Eine Ausnahme war Fürstabt von Fulda, der bereits im Jahre 1716 auf dem gerade erworbenen Johannisberg ausschließlich Riesling anbauen ließ. Aber die Sorte war lange umstritten. In einem Dokument aus dem Jahre 1747 wird berichtet: „Im Rhingau haben sie: Gutedel und Elbling als beste Sorte, Heinisch als Mittelgattung und Rußling als die schlechteste der Trauben.“ Dies erklärt sich auch durch die damals üblichen, amtlich verordneten, frühen Lesetermine. Die rund dreihundertjährige Klimaphase der Kleinen Eiszeit war einfach nicht warm genug für eine späte Lese, denn man musste früh einsetzende Nachtfröste fürchten.

Die Geschichte vom Spätlesereiter sorgte wohl auch dafür, dass der Lesetermin von Mitte/Ende September zum November-Beginn verschoben wurde. Erst mit der zunehmenden Erwärmung ab Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der Riesling als Spitzensorte durchgesetzt. Riesling wird heute auf der ganzen Welt angebaut, insgesamt belegt er rund 50.000 Hektar Rebfläche - die Tendenz ist in vielen Ländern steigend. Deutschland hat mit 22.580 Hektar (2009) weltweit den größten Anteil. Hier ist er vor dem Müller-Thurgau die häufigste Sorte, gemeinsam belegen sie über ein Drittel. Im Jahre 1987 wurde in Deutschland die Bezeichnung Riesling Hochgewächs für Rieslingweine eingeführt. Die Bedeutung des Rieslings zeigt sich auch im VDP-Klassifikationsmodell.

Die deutschen Anbaugebiete mit dem größten Riesling-Anteil sind Mosel mit einem Drittel der Gesamtfläche, sowie Rheingau und Mittelrhein. Die Sorte ist aber in allen 13 Anbaugebieten vertreten. Auch in Österreich wird sie in fast allen Weinbaugebieten angebaut und belegt 1.800 Hektar Rebfläche. Der Riesling stellt hohe Anforderungen an die Lage. Besonders gut gedeiht die langsam bzw. spät reifende Sorte in relativ kühlen Anbauzonen über Schiefer und Urgestein an sonnenreichen Steilhängen. Ohne die Reifeverzögerung durch kühle Herbstnächte verliert sie schnell an Säure und entwickelt nicht die charakteristischen Fruchtaromen. Idealbedingungen gibt es im Anbaugebiet Mosel, wo nach Meinung nicht weniger Experten die besten Rieslingweine wachsen.

Den Riesling-Wein zeichnet in der Regel ein harmonischer Gleichklang von Säure, Körper und Extrakt mit eher mittlerem Alkoholgehalt aus. Die Farbe ist grünlich-gelb und wandelt sich mit dem Alter zu einem schimmernden Goldton. Das Bouquet wird häufig mit Marillen (Aprikosen), Pfirsichen und Rosen beschrieben, aber eigentlich macht die feine und edle Trauben-Fruchtigkeit die Unverwechselbarkeit aus, die kaum ein anderer Wein mit solcher Finesse aufweist. Im Alter entwickeln sich ein Mandelton und auch der so genannte Petrolton, ein von Liebhabern geschätzter Geruch. Riesling-Weine haben in der Regel eine potentiell extreme Haltbarkeit, Prädikatsweine halten 20, 30, 40 Jahre und auch länger. Ein besonders beeindruckendes Exemplar eines langlebigen Rieslings ist ein 421 Jahre alter Würzburger Stein, der noch genießbar war (weitere Beispiele sind unter älteste Weine angeführt). Die Vereinigung Pro Riesling (Mosel) und andere bemühen sich erfolgreich um die Förderung der Rebe. Im Herbst 2007 wurde in den USA in San Francisco (Kalifornien) die International Riesling Foundation mit dem Ziel gegründet, Riesling aus aller Welt zu fördern und die weltweite Kommunikation zwischen Produzenten zu verbessern.

Verschiedene Riesling-Klone werden auf Grund ihrer hervorragenden Eigenschaften sehr häufig für Neuzüchtungen herangezogen. Besonders die zwei Institute Geilweilerhof (Pfalz) und Geisenheim (Rheingau) waren sehr aktiv, aber die Sorte ist weltweit in vielen Ländern als Kreuzungspartner sehr begehrt. Bei rund 200 Sorten war der Riesling ein Elternteil, das waren zum Beispiel: Aris, Arnsburger, Aromriesling, Augustriesling, Aurelius, Bacchus, Bouquetriesling, Breidecker, Comtessa, Dalkauer, Dalmasso 12-40, Diamantmuskat, Donauriesling, Dr. Deckerrebe, Edelmuskat, Ehrenfelser, Elbriesling, Emerald Riesling, Feinmuskat, Feinriesling, Firnriesling, Frühriesling, Goldriesling (1), Grando, Hibernal, Hölder, Incrocio Manzoni 6.0.13, Johanniter, Jo Rizling, Kerner, Klosterneuburg 44-8, Kocsis Zsuzsa, Lafayette, Louisette, Marienriesling, Merzling, Misket Varnenski, Müller-Thurgau, Multaner, Muscat de la Republique, Muskatblume, Muskatriesling, Naumburg 5016-37, Negritienok, Noblessa, Optima, Osiris, Oraniensteiner, Osteiner, Perlriesling, Président Carnot, Primera, Prinzipal, Quanbai, Quanyu B, Rabaner, Rieslaner, Rieslina, Riesliner, Riesling Bulgarski, Riesling Forte, Riesling Lion, Riesling Magaracha, Romeo, Rotberger, Ruling, Scheurebe, Siegfriedrebe, Therona Riesling, Thurling, Witberger und Zähringer. Einige dieser Sorten wurden wiederum für weitere Neuzüchtungen verwendet und gaben damit die Riesling-Gene weiter. Der beliebteste Kreuzungspartner war der Müller-Thurgau.

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