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Südtirol wird grün Teil 3: Auch die Stars werden grün

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28.10.2007

Südtirol wird grün

Teil 3: Auch die Stars werden grün

Lageder, Hofstätter und andere

Das Weingut Lageder
In der ersten halben Stunde meines Besuchs bei Alois Lageder erfuhr ich erst einmal wenig über Wein. Dafür um so mehr über Heizungs- und Klimatechnik, Baubiologie und vor allem über Kunst. Seine 1996 neben den historischen Gebäuden des Ansitzes Löwengang neugebauten Kellerei- und Bürogebäude sind durchweg nach ökologischen und baubiologischen Grundsätzen gebaut. Die Energieversorgung erfolgt CO2-neutral mittels Sonnenkollektoren, Solarzellen und dem Einsatz von Wärmepumpen. Im Innenhof des Verwaltungstraktes befindet sich ein Kunstobjekt bestehend aus drei circa einen Meter hohen Glaskästen, die mit Bodenschichten und Spontanvegetation aus den Rebbergen Römigberg, Löwengang und Lindenburg gefüllt sind. Im gesamten Innen- und Außenbereich des Weinguts sind 53 in schwarze Granittafeln eingeritzte Sternkarten angebracht, die den Einfluß der Gestirne und des Mondes auf das Wachstum der Rebe und den Kelterungsprozess symbolisieren sollen. Und im Barrique-Keller reifen die Weine unter dem musikalischen Einfluß des „Wiegenliedes für Barrique-Fässer und Streicher”, einer Klanginstallation des Mailänder Künstlers Mario Airò. All diese Kunstwerke sollen das Gleichgewicht zwischen Natur und Technologie ausdrücken, das Alois Lageder mit der Neugestaltung des "Ansitz Löwengang" erreichen will.

Die bio-dynamische Bewirtschaftung der Weinberge ist die logische Fortsetzung dieser Philosophie. „Wir müssen (wieder) lernen in größeren Gesamtzusammenhängen zu denken. Wenn ich mich nicht um einen gesunden, schadstofffreien und vitalen Boden kümmere, haben die Reben keine Grundlage, sich harmonisch zu entwickeln. Sie werden anfälliger gegen Krankheit, reifen unharmonisch und besitzen keine wirkliche Kraft. Wenn Menschen in ungesunden, langweiligen Gebäuden arbeiten, in denen sie sich nicht wohl fühlen, wird ihre Arbeit und damit das entstehende Produkt schlechter. Eigentlich sind das ganz einfache Grundsätze. Aber ihre Verwirklichung braucht Mut etwas Neues zu wagen. Aber mit den alten Methoden sind wir inzwischen in einer Sackgasse. Beispiel Klimaveränderung.” Da hat Alois Lageder mit Sicherheit recht. Den Klimawandel hatte ich an jedem Tag meines Besuchs in Südtirol deutlich vor Augen. Es war Ende August und überall war man mitten in oder kurz vor der Ernte. Da ist die Gefahr groß, unharmonische Weine zu bekommen, weil die Zuckerproduktion und die physiologische Reife auseinander fallen. Also entweder normaler Alkoholgehalt, aber wenig echte Substanz. Oder reifer Geschmack, aber zu hohe Gradationen. Auch bei Alois Lageder war die Ernte zu diesem Zeitpunkt in vollem Gange. Auch wenn ihn der Klimawandel besorgt, um den harmonischen Zustand seiner Trauben machte sich Alois Lageder heuer keine Sorgen. „Wir haben voll ausgereifte Trauben bei normalen und zum Teil sogar geringeren als sonst üblichen Zuckerwerten.” Dieses Phänomen erwähnten auch viele andere bio-dynamisch arbeitende Winzer, nicht nur in Südtirol. Fast alle führten es auf die bio-dynamische Wirtschaftsweise zurück.

Kunst ist überall präsent im Weingut Lageder: Der Barrique-Keller

Martin Foradori vom Weingut Hofstätter ist da allerdings anderer Meinung. Auch er bewirtschaftet zur Zeit fünf Hektar seiner Weinberge biologisch und vor zwei Jahren hat er in diese Bewirtschaftung einige Methoden der Biodynamie mit einbezogen. „Die physiologische Reife haben wir heuer überall. Auch auf unseren nicht bio-dynamisch bewirtschafteten Flächen.” Das ist bei Hofstätter also kein Grund für die Anwendung bio-dynamischer Methoden. Aber es gibt für Martin Foradori andere gute Gründe für eine alternative Bewirtschaftung. Es sind dies unter anderem die bekannten Probleme der zunehmenden Verarmung der Artenvielfalt, welche mit einer konventionellen Bewirtschaftung verbunden sind. So trat in seinen Weinbergen nach der Behandlung mit Botrytiziden Essigfäule auf und wo Herbizide eingesetzt wurden, wuchs mit der Zeit Moos statt Gras. "Das braucht man nicht länger kommentieren, denn Moos ist eine Pionierpflanze und wo die einmal wächst, gedeihen andere Pflanzen lange Zeit nicht mehr, geschweige denn auch die Bodenfauna." Herbizide werden deshalb auch auf den noch konventionellen Flächen bei Hofstätter nicht mehr eingesetzt und in allen Weinbergen wird die Bodenbearbeitung wieder praktiziert.

Das Hofstätter-Weingut Crozzol

Die offiziell zertifizierten Flächen des Weinguts Crozzol werden schon seit 1978 biologisch bewirtschaftet. Damals noch unter Leitung der Vorbesitzerin Hilde Grübl Sessner. Die Kellerei Hofstätter wurde von ihr mit der Abfüllung des Weins beauftragt. Seit 1995 werden die Flächen von Hofstätter selbst bearbeitet und vor zwei Jahren von bio-organisch auf bio-dynamisch umgestellt. Die Umstellung auf Biodynamie in weiteren, bisher konventionell bewirtschafteten Parzellen „war deshalb bei uns gar nicht so problematisch, denn wir hatten bereits langjährige Erfahrung auf dem Weingut Crozzol. Die Reben haben gut reagiert. Wobei zwei Jahre eine kurze Zeit sind und man noch weitere Erfahrungen abwarten muss.” Die bisherigen Erfahrungen mit der Biodynamie sind auf dem Weingut Hofstätter jedoch so gut, daß schon im nächsten Jahr eine Ausweitung der Flächen geplant ist. Wichtig sind für Martin Foradori dabei vor allem die Kompostpräparate und die Bodenbearbeitung. Andere Mittel wie Tees und Brennnesselbrühen spielen für ihn im Moment eine untergeordnete Rolle.

Zur Zeit gibt es von Hofstätter einen zertifiziert biologischen Wein, den Spätburgunder aus dem Weingut Crozzol in Buchholz bei Salurn. Außerdem werden auf den anderen umgestellten Flächen Spätburgunder und Gewürztraminer angebaut, die zwar separat ausgebaut und beobachtet, letztlich aber mit anderen Weinen verschnitten werden. Denn im Moment interessiert Martin Foradori „mehr die ‚Reaktion‘ des Weinbergs als die in der Flasche. Denn wenn die Trauben optimal in den Keller kommen, reduziert sich die Kellerarbeit sowieso auf ein Minimum und es geht dem zukünftigen Wein auch gut.”


Arunda: Bio-Sekt nur für die Öko-Szene?

Glossar zum Thema
Ein weiterer bekannter Name in Südtirols Weinszene ist Josef Reiterer - zumindest für Sektliebhaber. Er produziert in Mölten bei Terlan in seiner Sektkellerei mit dem Namen Arunda-Vivaldi einige der besten flaschenvergorenen Schaumweine Italiens. Es sind durchwegs feine, vielschichtige und sehr animierende Gewächse, über deren Qualität bei allen Weinkritikern und bei vielen Konsumenten eine seltene Einigkeit besteht. In Josef Reiterers Angebot befindet sich auch ein Sekt, der aus bio-organisch angebauten Weißburgunder- und Chardonnaytrauben vom Hof Gandberg bei Eppan hergestellt wird. Laut Josef Reiterer besitzt dieser durchaus dasselbe hohe Qualitätsniveau wie seine beiden konventionellen Basisversionen.

Sektspezialist Josef Reiterer
Die Flaschenreifung und die damit verbundene Verfeinerung auf der Hefe dauert mindestens 36 Monate. Das geht nur mit wirklich guten Ausgangsmaterial. Allerdings hat Josef Reiterer ein Problem: Er verkauft nicht allzu viel Bio-Spumante, denn „die Bio-Leute feiern einfach keine Feste”. Zumindest tun sie dies offenbar nicht mit hochwertigem Sekt. Ich würde Josef Reiterer empfehlen, die Bio-Leute ihre Feste weiterhin ruhig ohne Arunda-Sekt feiern zu lassen und die Bio-Variante in seinem Angebot bei den wirklichen Genießern bekannter zu machen. Obwohl ich fast alle Südtirol-Präsentationen besuche und dort immer wieder mit großem Genuß die Arunda-Sekte probiere (von denen spuck ich auch nie was aus), habe ich auf diesen Veranstaltungen nie den Bio-Sekt gesehen. Und auch auf der Arunda-Homepage sucht man ihn vergeblich. Würde er nicht so versteckt werden, dürfte er mit Sicherheit auch seine Liebhaber finden. Die Qualität dazu hat er durchaus.

Der vierte und letze Teil "Grün und frei" erscheint am 2. November 2007.


Roland Brunner
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