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Südtirol-Verkostungen 2009 Angenehme Bestätigung

Artikel
18.01.2010

Südtirol-Verkostungen 2009

Angenehme Bestätigung

Im letzten Jahr war es ein Drittel, heuer sind es gut die Hälfte der probierten Südtiroler Weine, welche die Grenze von 85 Punkten bei den Verkostungen von Wein-Plus überschritten haben. Die „Zuverlässigkeit auf hohem Niveau“, welche wir den Südtiroler Weinen im letzten Jahr bescheinigten, hat sich also nicht nur bestätigt, sondern gilt für immer mehr Weine aus Italiens nördlichstem Anbaugebiet.

St.Magdalena mit Rosengarten (Quelle: EOS - Exportorganisation Südtirol)

Der Jahrgang 2008: Viel Arbeit und viel guter Wein

„So ein Jahr möchten wir nicht allzu oft erleben“, so oder ähnlich äußerten sich fast alle Südtiroler Produzenten, wenn sie auf 2008 angesprochen wurden. Vor allem die häufigen Niederschläge in der warmen Jahreszeit und der damit verbundene Pilzdruck haben den Erzeugern ziemlich zu schaffen gemacht und bei einigen Sorten die Erntemenge ziemlich reduziert. Hinzu kam im Süden sowie in den besten Lagrein-Lagen in Gries Hagelschlag, welcher einen Großteil der Ernte vernichtete. Ein Bilderbuch-Herbst sorgte dann jedoch bei den meisten Winzern für bessere Stimmung und erbrachte doch noch eine Menge erfreulicher Weine.

Sauvignon Praesulis von Markus Prackwieser - der beste Weißwein der diesjährigen Verkostungen
Die Weißen profitierten von den vergleichsweise niedrigen Durchschnittstemperaturen und weisen größtenteils eine elegante Struktur und mineralische Komponenten auf. Dies zeigte sich vor allen beim Sauvignon Blanc, bei dem die Weine von Franz Pratzner/Falkenstein, H. Lun, Christian Plattner/Ansitz Waldgries, K. Martini, Josef Weger, Loacker, Markus Prackwieser/Gumphof sowie der Kellereien Girlan, Nals Margreid, Kurtatsch, Bozen sowie der Ersten & Neuen herausstachen. Beim Weißburgunder zeigten vor allem die dichten, intensiven Gewächse aus dem Vinschgau von Martin Aurich/Castel Juval und Franz Pratzner, welches Potential in dieser in Südtirol am weitesten verbreiteten Rebsorte steckt. Herausragend auch dieses Jahr wieder die Traminer. Da hat Südtirol aufgrund des gleichnamigen Ortes immerhin eine ‚Bringschuld’, die allerdings lässig eingelöst wird. Erstklassige Gewächse gibt es jedoch nicht nur aus den Lagen um Tramin, sondern vor allem auch im Eisacktal, wo die Weine nicht so intensiv und üppig, sondern eher mineralisch-kühl ausfallen. Die besten Exemplare unserer Verkostungen kamen von den Kellereien Girlan, Tramin, Sankt Pauls, Meran, Bozen, von Kurt Rottensteiner/Brunnenhof, Alois Ochsenreiter/Haderburg, Josef Unterfrauner/Zöhlhof sowie von Josef Niedermayr. Erwähnenswert bei den Weißen sind auch dieses Jahr wieder die bei uns eher unbekannten, in Italien aber ungemein gefragten Weißweine des Eisacktals. Hier werden die auch in Deutschland beziehungsweise in Östereich bekannten Rebsorten Sylvaner, Kerner und Veltliner angebaut. Sie zeigen neben ausgeprägtem Sortenaroma und Frische auch südliche Fülle, die, wenn sich der Alkohol in Grenzen hält, eine echte Bereicherung darstellt. Der zuverlässigste Produzent ist hier Christian Kerschbaumer/Garlider. Allerdings sind auch die Weine von Josef Unterfrauner/Zöhlhof, Johannes Baumgartner/Strasserhof, Alois Ochsenreiter/Obermairlhof sowie die Gewächse der Eisacktaler Kellerei zu empfehlen.

Der Magdalener Rielerhof - ein Klassiker vom Vernatsch-Gläubigen Josef Brigl
Bei den roten Jahrgangsweinen sorgte wie schon in den letzten Jahren der Vernatsch in seinen verschieden Spielarten für die angenehmsten Überraschungen. Der in der Vergangenheit so oft geschmähte Alltagswein aus Südtirol ist inzwischen zumindest in der Normalflasche eine Garantie für unbeschwerten Trinkgenuss auf hohem Niveau - und bei einigen Produzenten ein echter Hammer, wie die Sankt Magdalener-Weine vom sympathischen Südtiroler Urgestein Franz Gojer/Glögglhof, vom Vernatsch-Gläubigen Josef Brigl, vom Newcomer Christian Plattner und von Johannes Pfeifer/Pfannenstielhof zeigen. Das sind Weine mit Tiefe und Vielschichtigkeit, die man selten in dieser Preisklasse ( 5 bis 8 Euro) findet. Aber auch die anderen klassischen Vernatsch-Weine, wie Kalterersee, die Gewächse aus dem Burggrafenamt bei Meran und dem Unterland haben das Prädikat „ausgezeichnet“ oft mehr als verdient. Obwohl er allgemein einen höheren Stellenwert genießt, kann der Lagrein bei den einfachen Jahrgangsweinen dem Vernatsch nicht das Wasser reichen. Am besten fallen hier noch die Rosè-Varianten, in Südtirol als ‚Kretzer’ bezeichnet aus. Egger-Ramer, Niedermayr, Castelfeder, H. Lun und Josef Weger lieferten in dieser Sparte Gewächse ab, die als elegante Essenbegleiter oder als Terrassenweine in der warmen Jahreszeit viel Vergnügen bereiten.

Die gereiften Weine

Bei gereiften Weinen hat sich in den letzten Jahren in Südtirol viel verbessert. Die Roten werden immer stilsicherer ausgebaut. Es wird mehr Wert auf geeignete Lagen und Klone gelegt als auf die Toastung des Holzes und das Resultat sind oft feine, animierende Tropfen auch aus Sorten wie Cabernet und Merlot, von denen man das bis dato nicht unbedingt gewohnt war. Klaus Lentsch aus Branzoll, Gert Pomella, die Kellerei Niedermayr mit ihrem Euforius und Stephan Sölva mit der Cuvée Edizione Amistar sind hier inzwischen sichere Adressen.

Von vielen guten Blauburgundern heuer der Beste - Maso delle Rose 2004 von Johannes Weger
Die elegantesten reifen Rotweine werden in Südtirol aus Blauburgunder gekeltert. Er wurde neben den autochtonen Lagrein und Vernatsch zu den roten ‚Leitsorten’ erkoren und die Winzer widmen sich dem diffizilen Burgunder mit viel Engagement und Ehrgeiz. Herausragend dieses Jahr der „Maso delle Rose“ 2004 von Josef Weger aus Girlan, der insgesamt eine der besten Kollektionen der diesjährigen Verkostung ablieferte. Aber auch die Gewächse der Kellereien Kössler, Laimburg, Tramin, H. Lun, Sankt Pauls, Erste & Neue, Meran, Girlan und K. Martini sowie von Martin Aurich/Unterortl sind von beachtlicher Qualität und widerlegen, dass es nur in den bekannten Lagen des Unterlandes wie Mazzon hochwertige Blauburgunder gibt. Wobei auch von hier – wie inzwischen jedes Jahr – die kleine Kellerei Feruccio Carlotto wieder einmal einen bemerkenswerten Wein ablieferte.

Sehr erfreulich auch die Entwicklung bei den gereiften Lagrein. Die Sorte hat ja eher rustikalen Charakter, was viele Produzenten in der Vergangenheit oft dazu verführte, mit viel Holz vordergründig

Terrassierte Weinberge im Eisacktal (Quelle: EOS Exportorganisation Südtirol)
eindrucksvolle, letztlich aber eher uninteressante Weine zu produzieren. Inzwischen sind, trotz guter Kritiken seitens der maßgeblichen Weinführer, scheinbar viele Erzeuger dieser Art von Wein überdrüssig und produzieren fruchtbetontere, feinere Weine, die trotz ihrer rustikalen Art sehr animierend sind. Die besten Exemplare kamen heuer von Josef Weger, Niedermayr, Laimburg, Christian Plattner/Ansitz Waldgries, Happacherhof, Messnerhof, Schmid-Oberrautner, Feruccio Carlotto, Johannes Pfeifer/Pfannenstielhof, Josephus Mayr, Castell Sallegg, Ritterhof, Egger-Ramer, Josef Brigl, Stefan Vaja sowie den Kellereien Kurtatsch, Tramin, Sankt Pauls, Meran und Bozen.

In Südtirol vertragen auch manche Weißweine eine gewisse Reifezeit, vor allem Sauvignon und Traminer sowie einige Cuvées. Beim Sauvignon kamen die besten Ergebnisse von den Kellereien Tramin, Girlan, St. Michael Eppan, H. Lun und Haderburg/Alois Ochsenreiter und wie nun schon seit einigen Jahren von Peter Dipoli, dessen Voglar immer wieder aufs neue begeistert.

Zeigt, dass in Südtirol auch Weiße reifen können - die Riserva Bianca der Kellerei Girlan
Bei den Traminern waren es die Riserva-Qualitäten der Kellereien Tramin (Nussbaumer 2007), Kurtatsch (Amrita 2007), Nals Margreid (Baron Salvadori) und Bozen (Kleinstein) sowie des Ritterhofs aus Kaltern (Crescendo Linie), die am eindrucksvollsten das Reifepotential dieser Sorte unter Beweis stellten.

Die Kellereien Tramin, Girlan und H. Lun demonstrierten auch mit ihren Cuvées aus Sauvignon, Weißburgunder, Chardonnay sowie ergänzenden Sorten wie Traminer und Riesling die Entwicklungsfähigkeit Südtiroler Weißweine.

Aufregendes Prickeln: Südtiroler Sekt

Zum ersten Mal dabei und gleich ein Spitzenresultat - der Comitissa von Lorenz Martini
Die Südtiroler Sekte sorgen jedes Jahr aufs neue für große Freude bei unseren Verkostungen. Heuer vor allem deshalb, weil sich mit der Kellerei Sankt Pauls und Lorenz Martini zwei weitere Produzenten beteiligten - und mit ihren Produkten herausragende Ergebnisse erzielten. Aber auch, weil wir mit dem 1999er Riserva Hausmannhof von Alois Ochsenreiter/Haderburg einen Sekt verkosten konnten, der schon aufgrund seiner Reife eine Besonderheit darstellt. Dass Josef Reiterer/Arunda-Vivaldi wieder einmal eine erstklassige Kollektion abgeliefert hat, kann niemanden mehr überraschen, soll aber natürlich nicht unerwähnt bleiben. All diese Sekte sind in traditioneller Flaschengärung bereitet und mindestens drei Jahre gereift. Normalerweise stellt das nicht unbedingt eine Garantie für außergewöhnliche Qualität dar. In Südtirol offenbar schon.

Dessertweine: Vom Feinsten

Seit Jahren auf Top-Niveau - der Rosenmuskateller von Christian Plattner
Beim Nischenprodukt Dessertwein trumpfen die Südtiroler richtig auf. Die fünf am besten bewerteten Weine unserer Verkostungen stammen aus dieser Kategorie: Der Chardonnay Passito ‚Aurum’ 2007 vom Happacherhof, der Rosenmuskateller 2007 von Christian Plattner/Ansitz Waldgries, der ‚Maso delle Rose „Rodon“’ 2004 von Josef Weger sowie der Rosenmuskateller ‚Rajas’ 2007 und der Gewürztraminer ‚Amrita’ aus dem selben Jahr von der Kellerei Kurtatsch zeigen, welche Möglichkeiten für hochwertige Süßweine in Südtirol vorhanden sind und welche geschmackliche Vielfalt sie zu bieten haben.

Fazit: Südtirol bestätigt auch mit den heuer vorgestellten Weinen seine Stellung als eines der herausragenden Weingebiete Italiens. Und das vor allem aus drei Gründen. Erstens: Absolute Zuverlässigkeit auf hohem Niveau bei den Weinen für den täglichen Genuss. Zweitens: Anregende Vielfalt sowohl was die Sorten als auch, was die Weinstile betrifft. Drittens: Sicherheit; egal, wo man einkauft, ob bei Genossenschaften, Privatkellereien oder beim Selbstvermarkter – man bekommt in der Regel überall sehr guten bis ausgezeichneten Wein.

Alle Südtiroler Produzenten mit aktuell probierten Weinen im Weinführer
Andreas Berger - Thurnhof
Arunda Vivaldi
Bessererhof - Otmar Mair
Brunnenhof Mazzon
Cantina Laimburg - Landesgut Kellerei Laimburg
Cantina Produttori San Paolo Kellerei St. Pauls
Christian Plattner - Waldgries
Eisacktaler Kellerei
Erste & Neue Kellerei-Genossenschaft
Ferruccio Carlotto
Glassierhof - Stefan Vaja
Griesbauerhof - Georg Mumelter
Johannes Pfeifer - Pfannenstielhof
Josephus Mayr - Erbhof Unterganzner
KG St. Michael-Eppan
Kellerei Andrian
Kellerei Bozen
Kellerei Girlan
Kellerei Kurtatsch - Cantina Produttori Cortaccia
Kellerei Nals Margreid
Kellerei Tramin - Cantina Tramin
Kössler
Loacker Tenute
Lorenz Martini
Markus Prackwieser - Gumphof
Maso Happacherhof
Meraner Weinkellerei
Messnerhof
Peter Dipoli
Peter Sölva & Söhne
Ritterhof - Weingut und Kellerei
Schmid - Oberrautner
Strickerhof
Weingut Castel Sallegg - Georg Graf Kuenburg
Weingut Ebnerhof - Johannes Plattner
Weingut Egger-Ramer
Weingut Falkenstein
Weingut Garlider
Weingut Glögglhof - Franz Gojer
Weingut H. Lentsch
Weingut Haderburg
Weingut Josef Niedermayr
Weingut Klaus Lentsch - Weinhof Hemberg
Weingut Milla - Gert Pomella
Weingut Obermoser - Heinrich & Thomas Rottensteiner
Weingut Strasserhof
Weingut Thalerhof
Weingut Unterhofer
Weingut Unterortl Castel Juval - Familie Aurich
Weinkellerei & Weingüter Josef Brigl
Weinkellerei & Weingüter R. Malojer - Gummerhof
Weinkellerei Castelfeder
Weinkellerei H. Lun
Weinkellerei Josef Weger
Weinkellerei K. Martini & Sohn
Zöhlhof - Josef Unterfrauner
Kandlerhof
Weingut Niklas


Roland Brunner
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