Artikel
Satire
Barrique - Haushalts - doityourself - Variante
Nach vielen Jahren intensiver Eigenversuche möchte ich alle WF-barriqueholztonfaßgeschmackundnaßfaßmoddertrinker-innen an einer empfehlenswerten Haushalts-doityourself-Variante teilhaben lassen.
Alle meine Weingläser lagern in einem Vertiko aus dem 18.Jahrhundert. Daraus entwickeln sich folgende Wood-Phasen:
1.Lightwood-Phase
Frisch gespült, mit klarem u. heißem Wasser nachgespült und poliert, entwickeln die Gläser unabhängig von der Glasform und vom Hersteller nach ca. 3 Tagen einen zarten Weichholzton, eine Mischung aus Birken- und Kieferaromen.
2.Simplewood-Phase
Der zarte und feminine Lightwood-Ton verliert sich ca. nach 14 Tagen und wandelt sich in einen fuderischen Holzton, jedoch ohne jeden Muff- und Modderanklang. Insgesamt etwas underwoodiger und im Retrogeruch eine Nuance Zedernharz.
3.Woodwood-Phase
Die zweite Phase hält sich ca 5-6 Wochen bevor sich der eigentliche Barriqueton entwickelt. Mit meinem ausgeprägten Zinken vernehme ich dann zunehmend Eiche, Ahorn und in seltenen Fällen auch eine interessante Bonsainote. Hier strömt allerdings nicht nur ein Baum aus dem Glas, je nach Lagerzeit entfalten sich kleine Schonungen bis hin zu ganzen Wäldern.
Nach ca. 12 Monaten können diese Aromen auch zungal vom Glas abgeschleckt werden. Ein herrliches Vorspiel ! Schwierig wird es allerdings die Barriquearomen von der Glasinnenseite abzulecken. Einem Ried.-Glas Chianti Classico verdanke ich eine 3,5 cm lange Narbe quer über meinem Nasenrücken...
4.Megawood-Phase
Nichts für Anfänger. Hier wird Faßton neu interpretiert. Nach etwa 36 Monaten entfalten sich sauberste, terroirbetonte Unterholz-Modderaromen. Die Gläser sind in der Regel leicht milchig-trüb
und versprühen bereits bei ausgestrecktem Arm einen warmen, sumpfigen Duft. Wenn der ganze Wohnraum bereits erfüllt ist, entfalten sich im Glas die Sekundäraromen wie Moos, Moschus, Humus und Ameisenhaufen.
Für mich als Profi die Erfüllung eines jeden Weingenusses. Mein spezieller Tip: bei ungeliebten Besuch hat man relativ schnell wieder Ruhe...
Zum Schluß noch ein paar Praxistipps:
Unter jedem Glas wird ein Zettel mit dem Spüldatum gelegt, damit man einen Überblick über die Wood-Dekaden behält.
Außerdem sind die Spüldatumszettel wichtig für die W-Forschung und die alljährliche Glasinventur. Nebenbei erwähnt, bin ich so letztes Jahr meinem Schatz auf die Schliche gekommen, nachdem Sie mir zwei zerbrochene Gläser nicht gemeldet hatte. Da hat`s aber Zoff gegeben...
Je nach Anlaß und Wein wähle ich dann die entsprechenden Gläser aus.
Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich Euch folgende Kombinationen sehr ans Herz legen:
1.Lightwood-Glas
Diese Gläser eignen sich besonders für alle österreichischen Weine, z.B. für die überwiegend dünnen Riesling- und Veltliner-Smaragde aus der
Wachau. Halt alle leichten Schoppenweine die keinen allzu starken Holzton vertragen; dto. Müller-Thurgau.
2.Simplewood-Glas
Beste Erfahrungen habe ich da mit griechischen Weinen gemacht. Dabei wird der oftmals nervige Retzina-Ton durch den angenehmen Zedernharzgeschmack abgepuffert und wandelt sich nach einigen Minuten im Glas zu einem Süßholzbukett. Österreichische Rotweine überschreiten dank dem Simplewood-Glas erstmals die 70 (70/100) Punkte-Marke.
3.Woodwood-Glas
Eigentlich nur zu empfehlen für qualitativ gute Weine, welche meistens in Deutschland zu finden sind. Hier empfehle ich z.B. einen kräftigen Riesling von der Saar mit mindestens 13% Alk.
Die meistens Übersee-Chardonnays mit ihrem typischen Chipwood-Ton erleben im Woodwood-Glas einen deutlichen Qualitätssprung.
4.Megawood-Glas
Mein Favorit für rote Spanier a la Gran Reserva 1978 La Mancha. Da wird aus so manchem "Aldi-4.99EUR-Schweißfuß-Stampfgetränk" ein über 90/100 Punkte-Wein.
Es gibt ja noch soviel zu berichten, aber die Zeit...
Guido Woodway.
Alle meine Weingläser lagern in einem Vertiko aus dem 18.Jahrhundert. Daraus entwickeln sich folgende Wood-Phasen:
1.Lightwood-Phase
Frisch gespült, mit klarem u. heißem Wasser nachgespült und poliert, entwickeln die Gläser unabhängig von der Glasform und vom Hersteller nach ca. 3 Tagen einen zarten Weichholzton, eine Mischung aus Birken- und Kieferaromen.
2.Simplewood-Phase
Der zarte und feminine Lightwood-Ton verliert sich ca. nach 14 Tagen und wandelt sich in einen fuderischen Holzton, jedoch ohne jeden Muff- und Modderanklang. Insgesamt etwas underwoodiger und im Retrogeruch eine Nuance Zedernharz.
3.Woodwood-Phase
Die zweite Phase hält sich ca 5-6 Wochen bevor sich der eigentliche Barriqueton entwickelt. Mit meinem ausgeprägten Zinken vernehme ich dann zunehmend Eiche, Ahorn und in seltenen Fällen auch eine interessante Bonsainote. Hier strömt allerdings nicht nur ein Baum aus dem Glas, je nach Lagerzeit entfalten sich kleine Schonungen bis hin zu ganzen Wäldern.
Nach ca. 12 Monaten können diese Aromen auch zungal vom Glas abgeschleckt werden. Ein herrliches Vorspiel ! Schwierig wird es allerdings die Barriquearomen von der Glasinnenseite abzulecken. Einem Ried.-Glas Chianti Classico verdanke ich eine 3,5 cm lange Narbe quer über meinem Nasenrücken...
ACHTUNG! Der berüchtigte Korkkick (so von mir getauft) und erst nach Jahren sensoneurotisch erkannt; leider erst nach dem schon etliche Flaschen (z.B. Laibles Achat, Cims de Porrera, Viagra Sicilia etc.) im Ausguß oder in Soßen gelandet waren.
Anfangs dachte ich der Wein selbst würde korken und habe den Inhalt umgehend entsorgt, ohne den Rebensaft aus einem nicht vertikowoodigen Glas zu vergleichen. Bis ich eines Tages bei einem Saufgelage mit meinem Bruder eine wunderschöne, saubere, spontanverlorene und wiedergefundene Riesling Spätlese trocken 1998 Monzinger Frühlingsplätzchen von E.Schönleber (welch entzückender Name) zunächst aus der Flasche trank. Zweifellos ein Klassewein, aber mir stellte sich die Frage, wie dieser Tropfen aus einem Woodwood-Glas schmecken würde ? Und da war er, der Korkkick, entdeckt und geboren. Direkt aus der Flasche verkostet (und im Blindflight aus einem neutralen Glas kontrolliert) ein lupenreiner Riesling und aus dem Woodwood ein Korkkicker. Nicht brutal, eher an schleichenden Kork erinnernd und im Nachhall mit einem muffigen Filztouch. Korkkick tritt jedoch nur in Phase 3 in Erscheinung !
4.Megawood-Phase
Nichts für Anfänger. Hier wird Faßton neu interpretiert. Nach etwa 36 Monaten entfalten sich sauberste, terroirbetonte Unterholz-Modderaromen. Die Gläser sind in der Regel leicht milchig-trüb
und versprühen bereits bei ausgestrecktem Arm einen warmen, sumpfigen Duft. Wenn der ganze Wohnraum bereits erfüllt ist, entfalten sich im Glas die Sekundäraromen wie Moos, Moschus, Humus und Ameisenhaufen.
Für mich als Profi die Erfüllung eines jeden Weingenusses. Mein spezieller Tip: bei ungeliebten Besuch hat man relativ schnell wieder Ruhe...
Zum Schluß noch ein paar Praxistipps:
Unter jedem Glas wird ein Zettel mit dem Spüldatum gelegt, damit man einen Überblick über die Wood-Dekaden behält.
Außerdem sind die Spüldatumszettel wichtig für die W-Forschung und die alljährliche Glasinventur. Nebenbei erwähnt, bin ich so letztes Jahr meinem Schatz auf die Schliche gekommen, nachdem Sie mir zwei zerbrochene Gläser nicht gemeldet hatte. Da hat`s aber Zoff gegeben...
Je nach Anlaß und Wein wähle ich dann die entsprechenden Gläser aus.
Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich Euch folgende Kombinationen sehr ans Herz legen:
1.Lightwood-Glas
Diese Gläser eignen sich besonders für alle österreichischen Weine, z.B. für die überwiegend dünnen Riesling- und Veltliner-Smaragde aus der
Wachau. Halt alle leichten Schoppenweine die keinen allzu starken Holzton vertragen; dto. Müller-Thurgau.
2.Simplewood-Glas
Beste Erfahrungen habe ich da mit griechischen Weinen gemacht. Dabei wird der oftmals nervige Retzina-Ton durch den angenehmen Zedernharzgeschmack abgepuffert und wandelt sich nach einigen Minuten im Glas zu einem Süßholzbukett. Österreichische Rotweine überschreiten dank dem Simplewood-Glas erstmals die 70 (70/100) Punkte-Marke.
3.Woodwood-Glas
Eigentlich nur zu empfehlen für qualitativ gute Weine, welche meistens in Deutschland zu finden sind. Hier empfehle ich z.B. einen kräftigen Riesling von der Saar mit mindestens 13% Alk.
Die meistens Übersee-Chardonnays mit ihrem typischen Chipwood-Ton erleben im Woodwood-Glas einen deutlichen Qualitätssprung.
4.Megawood-Glas
Mein Favorit für rote Spanier a la Gran Reserva 1978 La Mancha. Da wird aus so manchem "Aldi-4.99EUR-Schweißfuß-Stampfgetränk" ein über 90/100 Punkte-Wein.
Es gibt ja noch soviel zu berichten, aber die Zeit...
Guido Woodway.
Guido Michel
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