Schilcher
Glossar-Begriff
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Schilcher
Typisch österreichische Weinspezialität, die nur dann so genannt werden darf, wenn sie zu 100% aus von in der Steiermark geernteten Trauben der Sorte Blauer Wildbacher gekeltert und dort auch hergestellt wurde. In der Regel handelt es sich dabei um einen Rosé, aber es werden auch Rotweine gekeltert. Kleinste Mengen werden auch in den drei Weinbaugebieten Wien, Niederösterreich und Burgenland produziert, dürfen aber dort nur mit der Rebsorte bezeichnet werden. In der italienischen Region Venetien wird von der aus der Steiermark eingewanderten Familie Collalto, die Wildbacher-Reben mitnahmen, ein als „Wildbacher“ bezeichneter IGT-Rotwein gekeltert. Inzwischen gibt es in dieser Region sogar mehrere Erzeuger davon. Urkundlich nachweisbar ist der Wein seit 1580. In diesem Jahr erschien das berühmte Weinbuch des Johannes Rasch (1540-1612), in dem ein Schilcher erwähnt wird. Man nimmt an, dass damals alle rötlich schillernden Weine als Schiller oder Schilcher bezeichnet wurden. Über den Wein gibt es zahlreiche Legenden. Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) legte in einer Verordnung fest, dass für jeden in die Steiermark eingeführten Eimer Wein ein Gulden an Zoll zu zahlen sei, „weil das Land selbst genügend Wein erzeuge, der um den Wert nicht konsumiert werden könne“.
Papst Pius VI. (1717-1799) besuchte im Jahre 1782 Kaiser Joseph II. (1741-1790), um über dessen rigorose Kirchenreformen zu verhandeln. Auf seiner Reise nach Wien machte er Station in einem Kloster in Köflach. Dort setzte man ihm einen Schilcher vor, worüber er in seinem Tagebuch berichtete: „In der Steiermark saufen sie einen Essig, den sie Wein nennen“. Bei der Weltausstellung in Wien im Jahre 1873 wurden auch steirische Weine vorgestellt. Und die Verkoster stellten zu ihrer Überraschung fest, dass dieser Wein mit Sicherheit nicht wie Essig schmeckt. Das Kometenjahr 1811 war ein besonders gutes Weinjahr. Der Schilcher hatte bereits einen sehr guten Ruf, so dass man ihn Kometenwein oder „Elferwein“ nannte und ihm besondere Kräfte zuschrieb. Nach einer Erzählung konnte man die Predigt des Seckauer Fürstbischofs anlässlich der Einweihung einer Kirche durch den Genuss von Schilcher als Kommunionswein noch auf eine Entfernung von einer halben Stunde gut vernehmen. Damals setzte man dem Wein Schwarzbeerensaft zu.
Lange Zeit hatte der Wein so wie der Uhudler ein schlechtes Image und wurde abwertend als Heckenklescher, Faustschilcher oder Rabiatperle bezeichnet. In den 1950-er Jahren kam der Schilcher gänzlich aus der Mode, er wurde als „nicht salonfähig“ abgetan. In dieser Zeit engagierte sich der Stainzer Tierarzt Max Gschiel als glühender Verehrer. Er führte in seinem Weingarten Versuche zur Schädlings-Bekämpfung durch, modernisierte die Kellerwirtschaft und füllte zum ersten Mal Schilcher in Flaschen ab. Dadurch hat er entscheidend beigetragen, dass der Schilcher in den letzten Jahrzehnten zu Recht einen Aufschwung erlebt hat. Gschiel war im Jahre 1922 auch Mitbegründer des Obst- und Weinbauvereines Stainz. Der klassische Bereich ist das Weinbaugebiet Weststeiermark mit den Hauptorten Deutschlandsberg, Eibiswald, St. Florian, Schwanberg, St. Stefan, dem Schilcher-Zentrum Stainz und Wies. Dort gibt es einen „Verein zum Schutz des klassischen Schilcher aus der Weststeiermark“ mit dem Markenzeichen Weißes Pferd.
Die Bezeichnung Schilcher darf für Rosé-Landweine und Rosé-Qualitätsweine dann verwendet werden, wenn die Trauben ausschließlich der Rebsorte Blauer Wildbacher aus der Weinbauregion Steirerland oder dem Weinbaugebiet Steiermark stammen. Weiters sind auch die Wortverbindungen Schilchersturm, Schilcherperlwein, Schilcherfrizzante, Schilchersekt und Schilcherglühwein erlaubt. Der Wein hat lachsrote Farbe, ein herbes Beeren-Bouquet, rassige Säure und einen relativ niedrigen Alkoholgehalt von etwa durchschnittlich 11% vol. Man trinkt ihn gut gekühlt am besten im ersten Jahr; er eignet sich auch hervorragend als Aperitif. Die Bezeichnung Schilcher Klassik (auch S. Classic oder S. Classique) ist dann zulässig, wenn die Trauben ausschließlich aus dem Anbaugebiet Weststeiermark stammen, der Alkoholgehalt 10,5 bis 12,5% vol und der Restzucker maximal 3 g/l beträgt, der Wein eine klassische Fruchtaromatik (Erdbeere, Johannisbeere, Himbeere, Holunderblüte) aufweist, sowie kein Holzeinsatz und kein BSA erfolgte.
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