Das Burgenland ist mit 13.840 Hektar die zweitgrößte Weinbauregion Österreichs und gilt als die wärmste. Speziell das nördliche Burgenland steht stark unter Einfluss des kontinental-heißen pannonischen Klimas, hier werden viele der körperreichsten Rotweine Österreichs gekeltert. Innerhalb des Bundeslandes gibt es nicht zu unterschätzende Unterschiede, denn obwohl die beiden südlicheren Gebiete Mittelburgenland und Südburgenland dem pannonischen Klima unterliegen, bringen sie doch andere Weincharaktere hervor.
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Burgenland-Weingarten im Frühling (Foto: ÖWM/Lukan)
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Der Weinbau im Burgenland ist in geschichtlicher Hinsicht sowohl von langer Tradition als auch von der jüngsten Zeit geprägt. Einerseits können Teile des Hügellandes auf eine über tausendjährige, Teile des Mittel- und Südburgenlandes auf eine mehrhundertjährige Weinbaugeschichte zurückblicken. Andererseits gab es vor noch gut 50 Jahren im Gebiet Neusiedlersee (und nicht nur dort) sehr wenig Weinbau, sondern hauptsächlich Rinder- und Gänseweiden. Hier die klassische Tradition mit Ausbruch und kernigen Rotweinen, dort die neue Konkurrenz mit sich schnell vergrößernden Flächen, die natürlich zur Innovation tendiert. Was woanders vielleicht zu kleinen Kriegen geführt hätte, lief im Burgenland zwar auch nicht immer friktions- und pannenfrei, aber letztendlich haben sich die „Neuen“ und die „Alten“ rasch ergänzt, dann intensiv Erfahrungen ausgetauscht und sind so schließlich zu einer nach innen und außen hin vielfältigen Einheit geworden.
Vier Gebiete teilen sich den Weinbau im Bundesland, und es wäre nicht das Burgenland, gäbe es nicht auch da eine Besonderheit: Die noch neue Leithaberg DAC ist gebietsübergreifend und umfasst neben dem Neusiedlersee-Hügelland auch Teile des Gebietes Neusiedlersee. Obwohl die DAC in diesen Grenzen sehr wohl logisch ist, zeigt sie vor allem, dass man für Qualität und sinnvolle Einheit auch bereit war, nicht unerhebliche Traditions- und Gedankenhürden zu überwinden. Dabei kann sich das Gebiet Neusiedlersee ansonsten noch nicht so recht mit dem DAC-Gedanken anfreunden. Vielleicht liegt das an der extremen Unterschiedlichkeit der hier produzierten Weine, am Verständnis liegt es sicher nicht.
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Neusiedlersee- Podersdorf (Foto: ÖWM/Armin Faber)
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Nachdem in den DAC-Richtlinien klare Bestimmungen nicht nur hinsichtlich der Sortenwahl, sondern auch der Holzprägung verankert sind, müssen Weine aus nicht für die jeweilige DAC vorgesehenen Sorten oder unerwünscht deutlichen Holzaromen unter dem Namen der jeweiligen Sorte oder unter Phantasiebezeichnungen vermarktet werden, ganz unabhängig, wie gut diese Weine tatsächlich sind. So ist die DAC nicht dazu da, sich qualitativ von anderen Weinen abzuheben, sondern einen klar definierten Geschmackstyp zu kennzeichnen.
Leithaberg DAC
Der Ostabhang des Leithagebirges mit seinen Kalk- und Schieferböden und eingestreuten Granitinseln ist prädestiniert für komplexe Weißweine ebenso wie für fest gewirkte, herbe und sehr mineralische Blaufränkisch. Um diese Bodentöne nicht zu verwaschen, dürfen die Weine keine oder nur verhaltene Holzaromen aufweisen.
Mittelburgenland DAC
Auf den schwereren Lehmböden des Mittelburgenlandes gedeihen Blaufränkischtrauben, aus denen Weine mit spezieller Fruchttiefe, Mineralität, Spiel und Länge vinifiziert werden. Manche der Weinberge verfügen zudem über mehr als 60 Jahre alte Rebstöcke, aus denen einige der besten Weine des Gebietes vinifizier werden. Die DAC schreibt für die Klassik-Versionen eher klare, von Holz kaum beeinflusste Weine vor, während die Reserven sehr wohl im kleinen Holzfass ausgebaut sein und deutliche Holzaromen aufweisen dürfen.
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Südburgenland - Eisenberg Winzerhaus (Foto: ÖWM/Gerhard Trumler)
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Eisenberg DAC
Das Südburgenland unterscheidet sich von den nördlicheren Weinbaugebieten vor allem durch höhere Niederschlagsmengen, dazu kommen die aus eisenhaltigem, tonigem Lehm bestehenden Böden. Beides ergibt eine unverkennbare Charakteristik, die sich in der Jugend fast hart und unnahbar, doch auf längere Sicht meist sehr mineralisch und kühl zeigt. Auch hier sind wegen der prägnanten Bodentöne keine oder nur schwach merkbare Holznoten erlaubt.
Fehlt noch das Weinbaugebiet Neusiedlersee, das sich von der Enklave der DAC Leithaberg abgesehen bislang nicht am DAC-System beteiligt. Die Böden sind teils sandig, aber auch etwas schottrig und in den Spitzenlagen kalkig mit Verwitterungsböden. Gols als größte Weinbaugemeinde Österreichs ist, was die Dichte der Spitzenweinbauern anlangt, eine Sache für sich, doch auch außerhalb von Gols sind etliche erstklassige Weinbauern zu Hause, die das Image des Gebietes nachhaltig prägen. Schwere Rotweine, mineralisch und nachhaltig, sowie großartige Süßweine, die die internationale Weinwelt beeindrucken, machen den sogenannten Seewinkel aus.