Sekt
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Sekt
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Vor allem im deutschsprachigen Raum übliche Bezeichnung für einen nach bestimmten Qualitäts-Kriterien hergestellten Schaumwein, einen so genannten Qualitätsschaumwein. Die Arbeitsschritte bei der Herstellung sind unter Champagner beschrieben. Im Gegensatz zu Champagner erfolgt die zweite Gärung beim Sekt häufig in Stahltanks im so genannten Drucktank-Verfahren, der nach dem Erfinder benannten Méthode charmat. Dabei wird der Wein in einem Drucktank nach Zusatz von Zucker und Hefe gegoren und auch eine bestimmte Zeit auf der Hefe belassen. Von dort wird ebenfalls unter Druck (um die natürliche Kohlensäure zu behalten) der fertige Sekt filtriert und anschließend auf Flaschen gefüllt. Dieses Verfahren erspart die aufwändige Remuage (Rütteln) und das Dégorgement (Entfernen des Hefesatzes). Der zweite große Unterschied zum Champagner ist die Verschnittmethode. Ein klassischer Champagner ist oft (aber nicht ausschließlich) eine Cuvée aus verschiedenen Lagen, Jahrgängen und fix definierten Rebsorten, großteils Pinot Noir und Chardonnay. Ein Sekt hingegen wird zumeist sortenrein aus Trauben derselben Lage und desselben Jahrganges hergestellt. In Deutschland vorwiegend aus Riesling und in Österreich aus Welschriesling, Grünem Veltliner und Chardonnay.
Es gibt aber auch viele Sektmarken, die zwar nach der klassischen Methode, also mit Flaschengärung hergestellt werden, sich aber keinesfalls Champagner nennen dürfen. In diesem Fall ist auf dem Etikett je nach dem Herstellerland die in Frankreich, Deutschland und Österreich gebräuchliche Bezeichnung „Méthode traditionelle“ oder „Méthode classique“ und in Italien „Metodo tradizionale“ oder „Metodo classico“ angegeben. Nach dem deutschen Weingesetz aus dem Jahre 1971 dürfen nur solche Schaumweine als Sekt bezeichnet werden, die bei der sensorischen Prüfung zumindest 12 von 20 Punkten erreichen, mindestens 3,5 bar Kohlendioxid-Überdruck, mindestens 10% vol Alkoholgehalt und einen Anteil von maximal 200 mg/l Gesamtschwefel haben. Der Name „Sekt“ ist nicht geschützt, obwohl Deutschland sich über Jahrzehnte darum bemühte, den Namen nur in Ländern mit deutscher Staatssprache zuzulassen. Nach langen Rechtsstreitigkeiten wurde schließlich im Jahre 1975 durch einen EU-Beschluss bekräftigt, dass diese sprachliche Einschränkung diskriminierend sei. Qualitäts-Schaumwein darf somit weltweit unter dem Namen Sekt produziert werden. Wie ist aber nun dieser Name tatsächlich entstanden?
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hieß jeder schäumende Wein in vielen Ländern - ohne Rücksicht auf seine Herkunft - Champagner. Der Ursprung der Bezeichnung Sekt liegt im lateinischen Wort „siccus“, was trocken bedeutet. Der bevorzugte Wein im Mittelalter in den südlichen Gefilden war ein süßer, schwerer Dessertwein. Als Bezeichnung für herben Wein setzte sich schließlich „secco“ (spanisch „seco“) durch. Später bezeichnete man jeden Südwein (vor allem den spanischen), egal ob süß oder herb, als „Vino seco“, in Frankreich nannte man ihn einfach „le sec“. England bezog aus Spanien den Sherry und nannte ihn „Wyne seck“, wovon Sack übrig blieb und als Synonym für gespriteten, spanischen Wein galt. Daran erinnert heute noch die Sherry-Marke „Dry Sack“ der Firma Williams & Humbert. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) tauchte dann die Bezeichnung „Seck“ auf und mutierte zu „Seckt“, dann zu „Sect“ und letztendlich zu „Sekt“. Aber immer noch war damit kein Schaumwein, sondern einfach spanischer Wein gemeint.
In den verschiedenen Königsdramen von William Shakespeare (1564-1616) kommt öfters das Wort „Sack“ für Sherry vor. Der deutsche Shakespeare-Übersetzer August Wilhelm Schlegel (1767-1845) übersetzte den in Heinrich IV. vorkommenden Begriff „Sack“ fälschlicherweise mit „ein guter, spanischer Sekt“. Es wird berichtet, dass im November 1825 der berühmte Shakespeare-Mime Ludwig Devrient (1784-1832), völlig gefangen im Banne seiner Rolle als liederlich-versoffener Falstaff in Heinrich IV., nach der Vorstellung in die (heute noch bestehende) Berliner Weinstube „Lutter & Wegner“ am Gendarmenmarkt stürmte und den Kellner anschnaubte: Bring er mir Sekt, Schurke! Ist keine Tugend mehr auf Erden? Der Kellner wusste aber, dass Devrient nach jeder Vorstellung ein, zwei Glas Champagner hinunterstürzte, also brachte er ihm nicht einen „Secco“ (Sherry), sondern eben das schäumende Getränk. Die eigenartige Bestellung sprach sich schnell herum und wurde Mode. Immer mehr Leute bestellten Sekt, meinten damit aber Champagner.
In der Fachliteratur wurde der Begriff aber nicht verwendet und er war auch nicht im berühmten Grimm’schen Wörterbuch enthalten. Als allgemeiner Begriff für Schaumwein hat sich Sekt erst bis Ende des 19. Jahrhunderts durchgesetzt und wurde im Jahre 1894 durch Gründung des „Verbandes deutscher Sektkellereien“ auch offiziell anerkannt. In Meyers Konversations-Lexikon wird Sekt aber erst im Jahre 1902 in einem Nebensatz kurz erwähnt. Die Bezeichnung Champagner durfte nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr verwendet werden, was sogar im 1919 abgeschlossenen Versailler Vertrag Eingang fand.
In Deutschland gibt es verschiedene Bezeichnungen. Im Sekt ohne Zusatzbezeichnung dürfen Grundweine aus verschiedenen Ländern verwendet werden (also auch Weine außerhalb Deutschlands). Als Deutscher Sekt dürfen nur Produkte bezeichnet werden, die aus deutschen Grundweinen produziert wurden; das können auch Verschnitte aus Weinen unterschiedlicher Anbaugebiete sein. Ein Sekt b. A. darf ausschließlich aus Weinen gekeltert werden, die aus dem am Etikett angegebenen Anbaugebiet stammen. Der Winzersekt darf von Betrieben hergestellt werden, die im Sinne des Weingesetzes als Erzeuger gelten. Dieser muss im Flaschengärverfahren aus Grundweinen produziert werden, die einem Qualitätswein b. A entsprechen. Die Sonderform Prädikatssekt musste aus zumindest 60% deutschen Grundweinen bestehen; diese Bezeichnung wurde jedoch 1975 durch den Europäischen Gerichtshof untersagt. Das österreichische Pendant zum Winzersekt ist Hauersekt. Bekannte Sektmarken sind in Deutschland Deinhard, Fürst von Metternich, Henkell, Kupferberg, MM, Rotkäppchen-Mumm, Rüdesheimer Sektkellerei Ohlig, Söhnlein und Wilhelmshof, sowie in Österreich Inführ, Kattus und Schlumberger.
Eine oft gestellte Frage ist, ob denn Sekt (Champagner) für lange Lagerung geeignet ist und so wie ein qualitativ hochwertiger Stillwein reift und sich weiterentwickelt. In der Regel hat er seinen Höhepunkt ab der Vermarktung bereits erreicht (siehe dazu unter Schaumwein). Rund um den Genuss von Sekt (Champagner) hat sich eine vielfältige Kultur entwickelt. Siehe dazu unter Champagner-Cocktail, Champagner-Glas, Champagner-Kübel, Champagner-Pyramide, Champagner-Zange und Sabrieren (Champagner-Köpfen).
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