Sieht man einmal von Wien mit seiner Sonderstellung ab, ist die Steiermark das kleinste - wenn auch ziemlich schnell wachsende - Weinland Österreichs. Obwohl seine drei Unterzonen Weststeiermark, Südsteiermark und Südoststeiermark von außen zumeist als weniger eigenständig wahrgenommen werden, wie etwa die einzelnen Weingebiete Niederösterreichs, unterscheiden sie sich in gewisser Hinsicht deutlicher voneinander, als dies zum Beispiel das Kamptal und das Kremstal tun.
Südsteiermark
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Weingärten in Zieregg in Berghausen in der Südsteiermark (Quelle: ÖWM/Gerhard Elze)
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Das zentrale und größte Weinbaugebiet des Bundeslandes ist die Südsteiermark, die sich südlich von Graz etwa ab Wildon bis zur Staatsgrenze zu Slowenien bei Spielfeld sowie weitgehend westlich der Mur erstreckt. Sie unterteilt sich im Wesentlichen in zwei Hauptgebiete: die sehr reizvolle, hügelige Landschaft an der Grenze zu Slowenien, wo man von nicht wenigen der überwiegend steilen Südlagen ins südliche Nachbarland schauen kann, sowie,
nördlich davon und westlich von Leibnitz, der Sausal mit seinen meist höher angesiedelten Lagen, vor allem um Kitzeck herum, dem höchstgelegenen Weinbauort Österreichs. Die Südsteiermark ist Weißweinland; rote Sorten - hier vor allem Zweigelt - spielen nur eine untergeordnete Rolle, obwohl die Qualitäten oft beachtlich sind. Die am meisten verbreitete Sorte ist der Welschriesling, der in der ganzen Steiermark lebhafte, knackige, jung zu trinkende Weine ergibt, die sich schon deshalb großer Beliebtheit erfreuen, wel sie ideale Zechweine zur klassischen steirischen Brettljause sind, die einem hier in jeder der unzähligen Buschenschanken angeboten wird. Erheblich größere Bedeutung für den exzellenten Ruf der Weinregion haben jedoch die Burgundersorten und mehr noch der Gelbe Muskateller, der hier vermutlich einen höheren Anteil am Sortenspiegel hat, als irgendwo sonst auf der Welt. Über allem thront der Sauvignon Blanc, der nach dem Welschriesling die größte Fläche einnimmt und der in der Steiermark vermutlich seinen wichtigsten Standort außerhalb Frankreichs gefunden hat. Aus all diesen Sorten werden hier geradlinige, in Bestform strahlende und ungeheuer animierende Klassik-Versionen gekeltert, aber auch deutlich tiefgründigere und komplexere Lagenversionen, von denen die Besten oft viele Jahre reifen können. Früher fand man in dieser Kategorie vorwiegend wuchtige, holzbetonte Tropfen, doch inzwischen wird auch hier in vielen Fällen wesentlich mehr Wert auf Eleganz und Schliff gesetzt, als noch vor wenigen Jahren.
Weststeiermark
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Schloss Stainz in der Weststeiermark (Quelle: ÖWM/Armin Faber)
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Auch in der Weststeiermark zieht sich der Weinbau in die Höhe. Obwohl in seinen Abmessungen deutlich größer als die Südtsteiermark - es erstreckt sich von der slowenischen Grenze bis nach Peggau nördlich von Graz - verfügt das Gebiet im Vergleich lediglich über gut ein fünftel der Rebfläche. Die Lagen sind hier weit verstreut, oft in engen Tälern der im Norden und Westen recht gebirgigen Landschaft. Zwar spielt der Rotwein
auch hier nur eine Nebenrolle, aber dennoch sind rund 70% der Rebflächen mit einer roten Sorte bestockt: dem Blauen Wildbacher. Allerdings wird hieraus im wesentlichen Schilcher erzeugt, ein zumeist heller, alkoholarmer und deutlich säurebetonter Rosé. Er ist der ganze Stolz der weststeirischen Produzenten, die durchaus zurecht darauf hinweisen, mit diesem völlig unverwechselbaren, kompromisslos herben Regionalgetränk einen echten Terroirwein anbieten zu können - der im übrigen auch exzellente Schaumweine ergeben kann! Die Rotweine aus dem Blauen Wildbacher werden nach wie vor kaum ernst genommen, aber es gibt durchaus beachtliche Vertreter; die Weißen Sorten - vor allem Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon und Welschriesling - kommen insgesamt auf kaum mehr als 120 Hektar. Sie können ebenfalls sehr animierend ausfallen und sollten meist eher jung getrunken werden, während Versuche, aus ihnen kraftvolle Lagenweine wie in der Südsteiermark zu machen, nur bedingt erfolgreich sind.
Südoststeiermark
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Südoststeiermark im Frühling (Quelle: ÖWM/Egon Mark)
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Die Südossteiermark zieht sich entlang der slowenischen Grenze fast bis nach Ungarn im Osten und im Norden bis an die Grenze zum Burgendland. Flächenmäßig überflügelt auch sie die Südsteiermark, doch wird hier Weinbau nur auf rund 1400 Hektar betrieben, während es beim
Nachbarn etwas über 2300 sind. Die Weinbauinseln sind über die sanft hügelige Landschaft verteilt; nur ganz im Nordosten, bei Hartberg, geht es hoch hinaus: hier liegen auf 650 Meter Seehöhe die höchsten Weinberge Österreichs. Die Sortenverteilung ähnelt jener der Südsteiermark, allerdings spielt der Zweigelt eine erheblich größere, Sauvignon und Muskateller dagegen eine geringere Rolle. Auch der Müller-Thurgau ist relativ prominent vertreten, doch die Sorte erscheint - wie in der Südsteiermark - selten auf den Flaschenetiketten. Mengenmäßig eher unbedeutend, aber von ausgezeichnetem Ruf sind die Weine aus den Traminersorten Gewürztraminer, Roter Traminer und Weißer Traminer. Der größte Teil des hier produzierten Weins wird in den Buschenschanken der Region ausgeschenkt, nur wenige Produzenten leben auch von einer überregionalen Vermarktung von Flaschenweinen. Dabei können sowohl die eleganten Klassik-Versionen, als auch die kraftvollen Lagenweine hier ebenso großartig ausfallen wie in der Südsteiermark, und bei einigen Erzeugern entstehen zudem immer wieder Rote, die man aufgrund ihrer exzellenten Qualität eher im Burgenland verorten würde. Neben dem Zweigelt kommen hier auch eine ganze Reihe weitere einheimische wie französische Sorten zum Einsatz.
Die Steiermark und ihre Unterzonen im Weinführer
Die Produzenten der Steiermark und ihre Weine
Die im letzten Jahr verkosteten steirischen Weißweine
Die im letzten Jahr verkosteten steirischen Rotweine