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Am Freitag, dem 12. Oktober 1492, wurde um 2.00 Uhr früh vom Schiff „Pinta“ aus Land gesichtet. Es war die Bahamas-Insel Guanahani (damaliger Name in der Eingeborenen-Sprache, so heißt sie auch heute wieder), die Christoph Columbus (1451-1506) San Salvador nannte. Dies gilt bis dato als Tag der Entdeckung Amerikas bzw. der Neuen Welt. Aber bereits 500 Jahre vor Columbus hatte jemand anderer den amerikanischen Kontinent betreten. Um das Jahre 1000 fuhr der isländische Wikinger Leif Eriksson - später „Der Glückliche“ genannt (Sohn des Grönland-Entdeckers Erik des Roten) von Grönland aus nach Süden und erreichte die amerikanische Küste. Er nannte das Gebiet „Vinland“. Ob der Name tatsächlich Vinland „Weinland“ bedeutet, ist nicht eindeutig gesichert, es könnte auch „Weideplatz“ oder „Wiese“ bedeutet haben. Es gab viele Versuche, den Ort genau zu identifizieren, eine Version benennt die Insel Manhattan an der Stelle von New York.

Der amerikanische Historiker Frederick J. Pohl (1889-1991) meint nach langen Recherchen in seinem Buch „The lost discovery“ (Vergessene Entdeckung), dass es sich - etwas weiter nördlich - um die Bucht von Massachusetts an der Stelle der Stadt Boston handelte. Nach einem schriftlichen Bericht - der Grenlinga-Saga (Sage der Grönländer) - fand dort Leif Eriksson sanfte Hügel, zahlreiches Wild, Lachse, wilden Weizen und in den Wäldern massenhaft Wildreben mit Beeren riesiger Größe vor, die von den Bäumen hingen. Ein Mannschaftsmitglied ließ einige Trauben länger liegen, bis sie zu gären begannen und wurde betrunken vorgefunden. Leifs Schwager Thorfinn Karlsefni versuchte dann, eine Siedlung zu gründen, aber durch heftigen Widerstand der Eingeborenen, die Indianern oder Eskimos ähnelten, musste das nach einigen Jahren wieder aufgegeben werden.

Als die ersten Kolonisten an der Ostküste Amerikas gegen Ende des 16. Jahrhunderts landeten, machten sie dieselbe Entdeckung wie Eriksson. In den Wäldern wucherten Weintrauben mit riesigen Früchten. Aber zumeist konnte aus den Wildreben trotz vielfacher Versuche kein schmackhafter Wein hergestellt werden. Denn amerikanische Reben insbesondere der Spezies Vitis labrusca erbringen einen Wein mit einem unangenehmen Foxton bzw. penetrantem Erdbeeraroma. Deshalb versuchte man es sehr bald entlang der gesamten Atlantik-Küste von Massachusetts im Norden bis Florida tief im Süden mit von Europa eingeführten Rebsorten. Doch diese gingen nach dem Einpflanzen bald ein. Der amerikanische Boden war förmlich durchtränkt von der Reblaus und zusätzlich machte der in Europa unbekannte Mehltau, andere Krankheiten und extreme Klima-Bedingungen zu schaffen. Gegen diese Plagen waren viele der Amerikaner-Reben durch jahrmillionenlange Anpassung resistent, aber die Europäer-Reben dem schutzlos ausgeliefert. Es gab unzählige vergebliche Bemühungen, die Probleme zu lösen. Die Ursachen erkannte man über 200 Jahre lang nicht, sie wurden erst durch die nach Europa eingeschleppten Reblaus und Mehltau und deren Bekämpfung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geklärt.

Die späteren US-Präsidenten George Washington (1732-1799) und Thomas Jefferson (1743-1826) waren große Förderer der Weinkultur. Jefferson war überzeugt, dass man nur durch entsprechende Weinkultur und genügend Weinmengen die Amerikaner abhalten könne, stärkere Alkoholika wie Whisky zu konsumieren. Dies wurde durch ein Gesetz im Jahre 1791 unterstützt, alle alkoholischen Getränke wurden mit einer Verbrauchssteuer belegt und davon ausgenommen war nur in Amerika hergestellter Wein. Er führte auch auf seinem Weingut Monticello in Virginia jahrzehntelange Versuche mit europäischen und amerikanischen Reben durch. Sein Traum, die Vereinigten Staaten zu einer Top-Weinbaunation zu machen, erfüllte sich aber während seines Lebens nicht mehr.

Ab Anfang des 19. Jahrhunderts machte man schließlich aus der Not eine Tugend und versuchte, die Eigenart der amerikanischen Rebsorten zu akzeptieren. Man züchtete im ganzen Land Hybriden oder probierte auch aus den vorhandenen amerikanischen Sorten Wein zu erzeugen. Bereits 1562 wurden von französischen Hugenotten in der Nähe von Jacksonville in Florida Weingärten angelegt. Sie verwendeten dafür einen wilden Vorfahren der heute noch angepflanzten weißen Sorte Scuppernong, den sie nach und nach kultivierten und auch Wein daraus gewannen. Ephraim Wales Bull (1806-1895) setzte im Jahre 1843 bei Concord im Bundesstaat Massachusetts Kerne einer Wildrebe der Spezies Vitis labrusca, selektionierte eine rote Sorte und benannte sie nach dem Ort. Auch diese ist heute noch in großem Umfang - besonders im Nordosten - in Verwendung.

Im Jahre 1798 wurde im Jessamine-County in Kentucky vom eingewanderten Schweizer Winzer Jean Jacques Dufour (1763-1827) ein Weinberg angelegt und unter anderem die historische Sorte Alexander angepflanzt. Dieses Weingut gilt als erster kommerziell betriebener Weinbaubetrieb Amerikas. Später ging er nach Indiana und gründete am Ohio River ebenfalls ein Weingut - auch durch ein von ihm verfasstes Weinbuch ist er einer der wichtigsten amerikanischen Weinbau-Pioniere. Ein großer Wurf gelang dem Landvermesser John Adlum (1759-1836), der im Jahre 1820 in Georgetown im jungen Bundesstaat Ohio eine aus North Carolina stammende Sorte in größerem Umfang anbaute. Er nannte sie zuerst Tokay und dann nach einem Fluss in North Carolina Catawba. Im Jahre 1823 schickte er Thomas Jefferson eine daraus gekelterte Flasche Wein.

Als zweite Geburtsstätte des kommerziellen amerikanischen Weinbaus gilt Cincinnati-Ohio, wo der Rechtsanwalt Nicholas Longworth (1783-1863) im Jahre 1823 am Ufer des Ohio River vorerst erfolglos versuchte, europäische Rebstöcke anzupflanzen. Dann erhielt er 1825 von Adlum Catawba-Stecklinge und stellte damit den ersten amerikanischen Schaumwein „Sparkling Catawba“ her. Der Erfolg hing auch damit zusammen, dass der Foxton in einem Schaumwein nicht so stark zur Geltung kommt. Der Ohio wurde damals als „Rhein Amerikas“ bezeichnet und der Schaumwein wurde schnell berühmt und Longworth reich. Aber der amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865), Rebkrankheiten und Longworths Tod beendeten diese ersten Erfolge. Doch der Grundstein war damit gelegt.

Das amerikanische Weinwunder in großem Umfang begann aber erst in Kalifornien. Im Jahre 1769 hatte hier der Franziskanermönch Junipero Serra (1713-1784) bei der Gründung der Mission „San Diego“ den ersten Weinberg mit der europäischen Rebsorte Mission angelegt - es war die erste erfolgreiche Vitis vinifera in Amerika. Einen entscheidenden Anstoß zur Vormachtstellung Kaliforniens in Amerika gab dann der Österreich-Ungar Agoston Haraszthy (1812-1869) in den 1860er-Jahren, indem er zehntausende europäische Setzlinge importierte. Doch durch die Prohibition (1920-1933) gab es einen totalen Niedergang der Weinkultur. Viele Betriebe gingen zugrunde, viele Rebflächen wurden gerodet und außerdem gingen Infrastruktur und Wissen weitgehend verloren. Davon erholte sich Amerika erst nach einer Generation ganz langsam wieder.

Ab dem Jahre 1939 leitete der Weinbau-Pionier und Schriftsteller Philip Wagner (1904-1996) von seinem Weingut Boordy Vineyards in Maryland aus eine neue Richtung im amerikanischen Weinbau ein. Er importierte in großer Anzahl französische Hybriden und Unterlagen aus Frankreich (von Baco, Seibel und Seyve-Villard) die sich in der Folge dann in den Staaten an der gesamten Ostküste verbreiteten. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich von Kalifornien aus der amerikanische Weinbau von neuem. Als Meilenstein und Wendepunkt bezüglich des Ansehens des amerikanischen Weinbaus wird oft das Ergebnis des legendären Paris Wine Tasting im Jahre 1976 genannt. Dabei ging es um einen „Weinländerkampf“ zwischen Frankreich und Kalifornien. Von den rund 2.200 Weinbaubetrieben der USA sind über 1.100 in Kalifornien angesiedelt, hier wird heute rund 90% des USA-Weines produziert. Andere Staaten wie Oregon holen aber rasch auf.

In allen 50 US-Bundesstaaten wird heute Wein erzeugt, sogar in Alaska (wo es allerdings keine Weinberge gibt) und auf Hawaii. Als letzter Staat folgte im Jahre 2002 North Dakota mit zwei Betrieben. Der Umfang ist aber sehr unterschiedlich - grundsätzlich mehr im Westen als im Osten und mehr im Norden als im Süden. Wein gilt in den USA eher als Luxus- denn als Alltagsprodukt. Als Nachwirkung der Prohibition wird in vielen US-Staaten Wein immer noch als Droge betrachtet. Nach der Prohibition wurde das Three-tier-system eingeführt. Dieses schreibt bezüglich Alkoholvertrieb vor, dass Produzent, Großhandel und Einzelhandel komplett getrennt sein müssen. Im Jahre 1983 erklärte die Behörde BATF (heute TTB) das Appellations-System AVA (American Viticultural Area) für allgemein gültig. Anfang 2007 gab es insgesamt 189 AVA-Bereiche, davon alleine 107 in Kalifornien. Die Rebfläche umfasste in diesem Jahr 397.000 Hektar, davon wurden 19,87 Millionen Hektoliter Wein gewonnen. Die fünf erfolgreichsten US-Weinmarken werden mit dem Akronym GAMIT bezeichnet. In vielen Staaten werden auch große Mengen Obstwein (Äpfel, Beeren etc.), Tafeltrauben, Traubensaft und Traubengelee (Marmelade) produziert.

Einflussreiche US-Weinautoren bzw. Weinkritiker sind Eric Asimov, Antonio Galloni, Steve Heimoff, James Laube, Peter Liem, Robert M. Parker, Frank J. Prial, David Schildknecht, Frank Schoonmaker, Mark Squires, James Suckling, Stephen Tanzer und Gay Vaynerchuk. Sie schreiben für verschiedene Weinmagazine bzw. Weinführer, zum Beispiel International Wine Review, Wine Advocate, Wine Enthusiast, Wine Spectator und Wine & Spirits.

Im gegenständlichen Werk sind 40 Bundesstaaten in einem eigenen Stichwort beschrieben. Dies sind Alaska, Arizona, Arkansas, Colorado, Connecticut, Florida, Georgia, Hawaii, Idaho, Illinois, Indiana, Iowa, Kalifornien, Kentucky, Louisiana, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, Mississippi, Missouri, Montana, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West Virginia und Wisconsin.

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