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Der englische Weinbau wurde wahrscheinlich von den Römern in größerem Umfang eingeführt, die 43 v. Chr. auf die Insel gekommen waren. Pollen-Funde von Reben beweisen, dass es aber schon vorher Weinbau gegeben hat. Urkundlich erwähnt ist Weinbau in einem Dokument aus dem Jahre 731. Im Jahre 1152 kam der spätere König Heinrich II. (1133-1189) durch Heirat mit Eleonora von Aquitanien (1122-1204) in Besitz der Gascogne und großer Teile Westfrankreichs, unter anderem auch des Bordeaux (fielen 1453 wieder an Frankreich). Fast 300 Jahre lang wurde in großem Umfang französischer Wein importiert. Das war auch die große Zeit des roséfarbenen Clairet. Aber auch speziell Süßweine aus Südeuropa waren ab Mitte des 14. Jahrhunderts sehr beliebt, zum Beispiel der Vernage (Vernacchia) aus Italien und Malmsey von den Inseln Zypern und Kreta, der vom griechischen Hafen Monemvasia (Peloponnes) aus verschifft wurde. Aus diesem Grund kam ein eigenständiger englischer Weinbau für viele Jahrhunderte zum Erliegen.

England und die zahlreichen britischen Kolonien in aller Welt sind für die große Popularität zweier heute berühmter Dessertweine verantwortlich. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde, ausgelöst durch vom sozusagen staatlich konzessionierten Freibeuter und Weltumsegler Sir Francis Drake (1540-1596) erbeutete 2.900 Fässer (Pipes), in England der Sherry populär, der in großen Mengen aus Spanien eingeführt wurde. Der Grundstein für den ab Beginn des 18. Jahrhunderts beginnenden Portwein-Boom in England wurde durch den im Jahre 1703 abgeschlossenen und als Methuen Treaty bezeichneten Vertrag gelegt, der besondere Zollvergünstigungen für die Einfuhr portugiesischer Weine in England vorsah. Das führte zu einem britischen Monopol im Portweinhandel und zur Gründung vieler Portweinhäuser in Portugal. Eine besondete Rolle spielte dabei auch das 1790 eröffnte Factory House in Porto, in dem die britischen Faktoren ihre Geschäfte abschlossen.

Im 17. Jahrhundert wurden von Sir Kenelm Digby (1603-1665) erstmals Flaschen für Wein erfunden und längere Zeit vor allem in England hergestellt. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts entstand verursacht durch den Handelskrieg zwischen Frankreich und England ein exklusiver Markt für Bordeauxweine. Englische Weinhändler gründeten zum Teil heute noch bestehende Handelshäuser in Bordeaux und begründeten den Bordeaux-Weinhandel. Nach dem Zweiten Weltkrieg ermittelte der Wissenschaftler Ray Barrington Brock (1907-1999) die am besten geeigneten Rebsorten und ab dem Jahre 1952 wurde von Sir Guy Salisbury-Jones (1896-1985) in der Grafschaft Hampshire der erste Weingarten angelegt und damit der englische Weinbau wiederbelebt. Im Jahre 1953 wurde das Institut Masters of Wine gegründet, um die Qualität zu heben. Dann folgte im Jahre 1967 die „United Kingdom Vineyard Association“, die alle Interessen des englischen Weinbaus vertritt.

Im Jahre 2007 umfassten die Rebflächen 800 Hektar, von denen 20.000 Hektoliter Wein produziert wurden. Die Weinberge befinden sich in Südengland, Wales und den Kanalinseln auf meist kargen Lehm-, Sand- und Lössböden. In Schottland und Nordirland gibt es keinen Weinbau. Das Klima ist durch den Atlantik und den Golfstrom mild. Ein Problem sind die nassen Sommer und regnerischen Herbste, was Pilzkrankheiten begünstigt. Es gibt sechs Weinbauregionen: Weald and Downland (Kent, East Sussex, West Sussex), Wessex (Dorset, Wiltshire, Hampshire, Isle of Wight), Southwest und Wales (Hereford, Worcester, Südwales), Thames and Chiltern (Oxford, Norden von London), East Anglia (Nordosten von London bis Nordküste von Norfolk) und Mercia (Midlands, Norden). Die häufigsten Rebsorten sind (in dieser Reihenfolge) Seyval Blanc, Reichensteiner, Müller-Thurgau, Bacchus, Schönburger, Madeleine Angevine, Huxelrebe und Chardonnay. Aus diesen werden vor allem leichte, blumige und spritzige Weißweine gekeltert. Es werden aber auch Rotweine aus Pinot Noir, Rondo, Dornfelder und Teinturiersorten produziert.

Das Anreichern des Mostes mit Zucker ist üblich. Sehr beliebt sind Schaumweine (Sparkling) mit Flaschengärung von Chardonnay und Pinot Noir. Eine Besonderheit sind die British Wines, die aus importiertem Traubenmost-Konzentrat erzeugt werden. Die echten Weine werden als United Kingdom Tablewine, English (oder Welsh) Vineyards Quality Wine PSR oder bei Verwendung von Hybridreben als English (Welsh) Counties Regional Wine vermarktet. Erwähnenswert ist, dass England immer eine bedeutende Rolle im Weinhandel bzw. bei Auktionen, sowie auch im Weinjournalismus gespielt hat. Berühmte Vertreter sind zum Beispiel Michael Broadbent, Hugh Johnson, Jancis Robinson und Harry Waugh (1904-2001). Bekannte Produzenten sind Barkham Hanor, Breaky Bottom, Chapel Down, Denbies (größtes Weingut), Halfpenny Green, Hidden Spring, Llanerch (Wales), Nortbrokk Spring, Nyetimber, Penshurst, Pilton Manor, Sandhurst, Sharpham, Thames Valley und Three Choirs. Der weltweit größte Spirituosen-Konzern und Weinmulti Diageo mit Hauptsitz in London hat zahlreiche Beteiligungen an Weingütern und Firmen im Ausland.