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Von Cabernet, Stavroto, Limnio und Batiki Die Weinstraßen Nordgriechenlands

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Artikel
10.03.2008

Von Cabernet, Stavroto, Limnio und Batiki

Die Weinstraßen Nordgriechenlands

Obwohl die ältesten Funde, die Wein betreffen, zweifelsohne aus Mesopotamien stammen, kann man mit Fug und Recht Griechenland als die Wiege des Weines für Mitteleuropa ansehen. Ehrwürdig, aber bis vor kurzem merkwürdig glanzlos, was nicht zuletzt daran lag, dass das Land jahrhundertelang von den Türken besetzt war, die kaum Weinbau zuließen. So sehr die Weinwirtschaft früher stagnierte, so aktiv und vorwärtsstrebend präsentiert sie sich jetzt. Das liegt nicht nur an den EU Fördergeldern, die stehen anderen auch zur Verfügung, sondern zum größten Teil an einer spürbaren Lust, in der Weinwelt wieder einen dem Land gerechten Platz einzunehmen. Als vor mehr als 40 Jahren Porto Carras (Halkidiki) mit bestausgebildeten Önologen seine Arbeit aufnahm, begann damit eine bis heute ungebrochene Renaissance des griechischen Weinbaues.

Der Olymp, "göttliches Terroir"
Jahrelang waren die immer mehr werdenden Qualitätsbetriebe im nördlichen Griechenland die typischen Einzelkämpfer, bis sich 1993 13 Betriebe entschlossen, eine non-profit Organisation zu gründen: die „Wineroads of Macedonia” waren geboren, wobei auch die Regionen Rapsani, Xanthi and Rhodopi, die nicht in Makedonien liegen, integriert waren. Seit in jüngster Zeit die Region Epirus dazu aufgenommen wurde, nennt sich die Organisation „Die Weinstraßen Nordgriechenlands”. Schon von Anfang an war der Vereinigung klar, dass es nicht sinnvoll ist, wenn ausschließlich Weingüter Mitglieder wären. Sie bilden natürlich das Rückgrat, aber was wäre auch der beste Wein ohne das landestypische Essen, die Kultur und eine einladende Unterkunft. Folgerichtig sehen sich also die „Weinstraßen Nordgriechenlands” als umfassende Anlaufstelle für alle Genießer, die die ungemein abwechslungsreichen Regionen hautnah erleben wollen. Wert gelegt wird dabei auf das Authentische, Regionale, also das, was man mit Fug und Recht als „Terroir” bezeichnet. Um das zu gewährleisten, wird jeder Betrieb, ob Weinbau, Restaurant, Lebensmittel oder Hotel eingehend geprüft, ob er den Aufnahmekriterien entspricht.

Wie im Titel angedeutet, waren autochthone Sorten der Grund, sich mit einigen Gebieten näher zu beschäftigen. Einige wenige, wäre man versucht zu sagen, denn in Griechenland gibt es eine einzigartige Vielfalt davon, man munkelt von über 400.

Anestis Babatzimopoulos,© Sonja Graminski

Die Reise begann in Ossa (Weinstraße von Thessaloniki), einem kleinen Ort 60 km nördlich von Thessaloniki. Dass heißt, nicht ganz, denn weit vor dem Ort biegt man in die geschotterte Straße zum Weingut Babatzim ein. Was so exotisch klingt, entspringt der nüchternen Erkenntnis des Besitzers, dass man den Namen eines Weingutes auch aussprechen können sollte, wenn man des Griechischen nicht mächtig ist. Wiewohl die Persönlichkeit des Besitzers Anestis Babatzimopoulos so schillernd und facettenreich ist, dass man sich nach einem Besuch ohne Wimperzucken auch den ganzen Namen merken würde.

Der Betrieb selbst hat eine lange Tradition als Brennerei, auf den Wein kam Anestis erst vor etwas mehr als 30 Jahren. Eine gute Entscheidung, denn auf 650 m Meereshöhe sind die Temperaturunterschiede von Tag und Nacht viel größer als in der Ebene. Abgesehen davon laden unterschiedliche Böden wie Schiefer, kalkiger Schotter und Lehm förmlich ein, Weinreben zu setzen. Dies geschah hier ausgiebig in dem Sinne, als nicht weniger als 26 Sorten kultiviert werden, ob nun als Qualitätssorte im Gebiet erlaubt oder nicht. „Wie soll ich sonst wissen, welche von den vielen autochthonen und internationalen Sorten sich bei mir wirklich bewähren” kommentiert das Anestis achselzuckend mit griechischem Schalk im Nacken. Ein kleiner Auszug: Agiorgitiko, Xynomavro, Negoska, Mavroudi, Asyrtiko, Athiri, Moschofilero, Moscato Aspro, Malagouzia, aber auch Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und  Merlot. Weil man schon bald vergessen hat, wie die Dinge wirklich schmecken, baut er auch gerade eine sogenanntes „Genusslabor” in Form eines großen Hauses mitten in den Weingärten, in dem Natürliches gekocht und Wein dazu getrunken werden wird, Kinder in Kursen unverfälschte Gerüche und Geschmäcker wieder kennenlernen können und alle Sinne auf ihre Kosten kommen sollen. Der Ausblick auf den fernen Olymp trägt das Seine dazu bei. Einen Publikumsobstgarten gibt es auch, ein natürliches Amphitheater mitten im Gelände bald. Die Weine zeigen sich durch die Bank als zugänglich, unkompliziert, aber mit Charakter und perfekt zum Essen passend.

Blick auf den Olymp während der Dämmerung, © Sonja Graminski

Am späten Abend ging es dann schon in Richtung Rapsani, zur „Weinstraße der olympischen Götter”. Die späte Ankunft war schuld, dass niemand den Olymp auch sah. Aber der nächste Morgen machte klar, warum diese Weinstraße so heißt. Der Blick vom Hotel „Castello” auf das Meer und die Festung, andererseits auf das mächtige, blendend weiß verschneite Massiv des Olymp war beeindruckend.

Dr. Katsaros
Nicht minder eindrucksvoll war dann die Anfahrt zum Weingut Katsaros in Krania. In unzähligen Windungen schraubt sich die Straße den Berg hinauf, man fragt sich nach einer halben Stunde, wo denn hier noch Wein wachsen soll. Und doch, vereinzelt sieht man kleine Weingärten an den Hängen, schwer zu bearbeiten, aber allesamt gepflegt. Endlich steht man dann vor dem Weingut und bewundert das herrliche „Alpen”panorama des 2000m hohen Berges Kissavos, unglaublich und unerwartet, dabei keine 30km vom Meer entfernt. Gut 750 m hoch ist es hier, und es wächst Wein. 10 Hektar kultiviert Dr. Dimitrios Katsaros an den Hängen des Berges Kato Olympos, hauptsächlich Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay. 1978 begann er, als Hobby, mit dem Weinmachen; das architektonisch ansprechende Gebäude ist heute wie damals das Ferienhaus der Familie. Nach jahrelangen Versuchen erkannte Katsaros, dass die einheimischen Sorten in dieser Höhe nicht genügend ausreiften und pflanzte als einer der Ersten den Cabernet Sauvignon in Griechenland. Ab 1985 konnte man den Wein auch kaufen, es war der Beginn einer erfolgreichen Weinmacherkarriere. Von Anfang an orientierte sich der eher introvertierte HNO-Arzt an Bordeaux, sowohl im Ausbau als auch im Anspruch. „Ich mache den Wein, der mir persönlich schmeckt”, so die Aussage des Bordeauxkenners. Diesen Geschmack teilen seit Jahren sichtlich viele, denn die 15 000 Flaschen seines hochpreisigen Cuvées Domaine Katsaros aus Cabernet und Merlot sind regelmäßig vergriffen. Trotzdem ist Dimitrios Katsaros immer auf der Suche, gibt sich nicht zufrieden mit dem, was er bisher geleistet hat. Er steht in regem Kontakt mit den wenigen Kollegen und Önologen, die ebenfalls so spezielle Weine keltern und versucht sich ständig seinem Ideal weiter zu nähern. Obwohl das Hauptaugenmerk auf den Rotweinen liegt, ist auch der teilweise in Barrique ausgebaute Chardonnay sehr bemerkenswert. Insgesamt sind die Weine interessant und eigenständig, manche Jahrgänge auch erstaunlich lagerfähig.

Der Keller des Weingutes Katsaros,© Sonja Graminski

Der Kontrast konnte kaum größer sein, als wir gleich nach dem kleinen, individuellen Weingut die überregional und international agierende Kellerei Tsantali in Rapsani besuchten. Mit einer Einschränkung: die zentrale Kellerei befindet sich auf Halkidiki, in Rapsani befindet sich nur das für die hiesigen Trauben nötige Gebäude. Tsantali begann 1945 als Brennerei in Thessaloniki, der Ouzo wurde rasch zum meistverkauften Griechenlands. Ab 1970 wurde in Naoussa mit der Weinproduktion begonnen, heute verarbeitet der Betrieb Trauben aus 7 Regionen und ist mit einem Ausstoß von 20 Millionen Flaschen der größte Griechenlands. Trotz dieser Größe  finden sich interessante, recht individuelle und auch lagerfähige Weine im Sortiment. Sie sind nicht zuletzt das Ergebnis erstklassiger Weingartenarbeit in einem Stil, den man eigentlich nur bei kleineren Betrieben erwarten würde. Das kann man in Rapsani erkennen, wo sich die einzelnen Weingärten (insgesamt über 50ha) weit verstreut in unterschiedlichen Expositionen und Höhenlagen befinden. In der traditionsreichen Gemeinde, schon seit 1970 als einer der ersten Region mit geschützter Herkunftsbezeichnung O.P.A.P. ausgezeichnet, fallen Weine aus den Lagen mit eisenhaltigem Schiefer (Verwitterung) eher straff, die von den tiefer liegenden Sandböden eher weich aus. Die einzelnen Weingärten sind kaum größer als ein Hektar. Vielfach sieht man hier noch Stockkulturen, ansonsten werden die Stöcke eher niedrig gezogen. Anhand von einigen Weinen aus der Vinothek konnte man sich ein gutes Bild über die Lagerfähigkeit der Cuvées aus den Sorten Xynomavro, Krassato und Stavroto machen, auch über 10jährige Weine machten eine gute Figur.

Rapsani Weinberg mit dem Berg Kissavos im Hintergrund
 
Als drittes Weingut der Region besuchten wir die Dougos Winery, die im malerischen Tempital gelegen ist. Rund um das klar gegliederte, in die Landschaft passende Gebäude kann man seine ampelografischen Kenntnisse an 29 verschiedenen Sorten, die hier zu Demonstrationszwecken gepflanzt wurden, überprüfen. Die Familie Dougos begann 1992 mit dem Weinbau, bei dem sowohl die Qualität als auch die möglichst naturnahe Bearbeitung der Weingärten im Mittelpunkt stehen. Hier findet man einen entspannten Mix aus autochthonen und „neuen” Sorten, was sich am besten im Meth'Imon widerspiegelt, einer Cuvée aus Syrah, Merlot, Cabernet Franc, Limniona, Batiki, Grenache und Cabernet Sauvignon.

Louisa & Thanos Dougos, © Sonja Graminski

Der Keller ist modern und blitzsauber, aber ohne Hightech eingerichtet; die Kellermeisterin Louisa ist die Schwester von Thanos Dougos, sie studierte in Frankreich Önologie, er ist Agraringenieur. Wenn die beiden ihre Weine vorstellen, die Arbeit in den Weinbergen erklären und den Ausbau der Weine minutiös schildern, merkt man ihre Leidenschaft für die Natur und das Weinmachen. Alles scheint hier leicht zu sein „bei uns ist biologischer Landbau einfach, wir brauchen nichts tun”, oder „die Weine bauen sich dann von alleine aus”, man möchte kaum glauben, dass dahinter in Wirklichkeit so viel Arbeit steckt, vom Wissen ganz abgesehen. Momentan bewegt die Frage, ob nicht doch Akazienholz für den letzten Schliff beim Weisswein besser sei, die Gemüter beider. Die fast spielerische Art der Geschwister scheinen die meisten Weine von ihnen übernommen zu haben, bis auf einen Syrah mit über 15% Alkohol, der etwas einem Amarone ähnelt.

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