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Waldbrände zerstören Weingut auf dem Peloponnes: Die grünen Hügel der Hoffnung

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Artikel
12.12.2007

Waldbrände zerstören Weingut auf dem Peloponnes:

Die grünen Hügel der Hoffnung


Den Morgen des 27.Juli 2007 wird der griechische Önologe Panagiotis Papagiannopoulos so schnell nicht vergessen. Auf der Halbinsel Peloponnes wüten verheerende Waldbrände. Papagiannopoulos ist Teilhaber des 1999 gegründeten Weinguts Tetramythos, das hoch oben in den Bergen bei Aegialia liegt. Die Feuer fressen sich auch durch diese Region. Doch am Abend zuvor schickten die Feuerwehrleute die nervösen Gutsbesitzer nach Hause. Keine Gefahr mehr, sagten sie  – und zogen später selbst ab ins Dorf, endlich Pause machen. Am Morgen machte sich der 34-jährige Winzer früh auf den Weg zu seinem Weingut. Doch es existierte nicht mehr. Er blickte auf einen lichterloh brennenden Trümmerhaufen. Das Feuer war in der Nacht gekommen.

Das neue Gutsgebäude vor dem Feuer

„Da war nichts mehr da, was mich an unser Gut erinnert hat“, erzählt er. Obwohl alles voller Rauch war, versuchte er, in den Keller zu gelangen. Doch die erst 2004 installierten Stahltanks, die Kelteranlagen, der gelagerte Weinvorrat – das alles war nicht mehr da. Er sah Mauerreste, Scherben zerborstener Flaschen und geschmolzene Rohre. Tetramythos ist das einzige Weingut in Griechenland, das durch die Flammen zerstört wurde.

Die vier anderen Teilhaber trafen kurz darauf ein. Sie weinten. Önologe Papagiannopoulos hatte bereits die Feuerwehr gerufen. Doch sie kam nicht. Erst am Abend rückten zwei Löschzüge an. Die Feuerwehrleute hatten aber keine Atemschutzmasken dabei, die Pumpen funktionierten auch nicht. Als sie endlich das Löschen begannen, war nichts mehr zu retten. Auch einer der Teilhaber verlor sein Haus in den Flammen.

Der modern eingerichtete, neue Keller

„Zwei Tage haben wir nicht sprechen können, so geschockt und deprimiert waren alle“, berichtet Panagiotis Papagiannopoulos, dem noch heute beim Erzählen die Stimme versagt. Denn das Feuer hat nicht nur sein Weingut zerstört, sondern auch eine Erfolgsgeschichte über Nacht beendet. Das Weingut Tetramythos, benannt nach einer uralten, dort heimischen Birnensorte gehörte seit Jahren den Brüdern Aristidis und Stathis Spanos sowie Panagiotis und Yiannis Ntotas. Sie bauten auf 3,2 Hektar Roditis-Trauben an und verkauften sie an Winzer. 1999 stieß der 34-jährige, studierte Önologe Papagiannopoulos als Teilhaber hinzu.

2003 beschlossen sie, ein modernes Weingut aufzubauen. Die Weinbergsfläche erweiterten die Besitzer auf 14 Hektar und bestockten ihre Hänge zusätzlich mit Merlot, Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc sowie den autochtonen Sorten Agiorgitiko, Mavro Kalavritino und Malagousia. Die Stöcke werden ökologisch bewirtschaftet. „Biologisch zu arbeiten ist für uns eine Lebenseinstellung“, betont der junge Winzer.

Mit Fördergeld der EU entstand innerhalb eines Jahres das Weingut samt moderner Kellertechnik, einer Weinbar und einem kleinen, elegant-modern eingerichteten Hotel. Um Tetramythos finanziell abzusichern, setzten die Besitzer auf Öno-Tourismus: Die Gäste sollten in die reizvolle Gegend kommen, anspruchsvoll ausgebauten Öko-Wein probieren und kaufen, aber auch gut essen und übernachten können. Das Konzept funktionierte: Bereits im ersten Jahr kamen über 10.000 Touristen. 2006 brachte das Tetramythos-Team bereits 105 Tonnen Trauben ein, füllte 40.000 Flaschen ab und verkaufte den Rest, wie im Land üblich, vom Fass. Alles schien perfekt zu laufen. Bis zum Morgen des 27. Juli.

Vom modernen Keller ließ das Feuer nichts übrig

Nachdem Papagiannopoulos und seine Kollegen den ersten Schock überwunden hatten, machten sie eine Bestandsaufnahme: Das Gut war vollständig abgebrannt, Bar und Hotel kamen mit leichten Schäden davon. Auch die beschädigten Rebflächen schienen nicht völlig verloren. In einer kleinen Lagerhalle der Weinbar lagerte noch ein Restvorrat von 7500 Flaschen – ob sie alle die Hitze ohne Schaden überstanden haben, ist noch nicht ganz klar.

„Wir sind alle zusammen hoch auf den Berg gefahren. Dort oben, auf 1050 Meter Höhe, gehört uns ein mit Sauvignon Blanc bestockter Weinberg, der höchstgelegene Weinberg Griechenlands“, erzählt Papagiannopoulos. „Wir sahen in eine aschegraue, abgebrannte Region. Aber wir sahen auch einige grüne Hügel: unsere Weinberge“, berichtet er. Dieser Blick habe ihnen „Hoffnung gegeben“. Sie beschlossen, noch einmal anzufangen. Ganz von vorne.

Auch das Gutshaus nahm schweren Schaden

Eine Welle der Solidarität von Nachbarn und Freunden bestärkte sie, es anzupacken. Der August, die Erntezeit rückte näher. Weingüter der Umgebung boten an, die Trauben kostenlos in ihren Anlagen zu keltern. Namhafte Winzerkollegen wie Skouras, Spiropoulos, Rouvalis oder Katogi & Strofilia waren unter den ersten, die ihre Hilfe anboten. „Wir haben gelesen, aber wir hatten noch keinen klaren Kopf“, sagt der Önologe. Die Ernte brachte 60 Tonnen Trauben ein – kaum mehr als die Hälfte des Vorjahres – die sie in zwei befreundeten Nachbarsgütern kelterten.

Der Staat bot bald 3000 Euro Soforthilfe für jede Familie. Die Tourismusministerin Fani Pali-Petralia besichtigte den Schaden und versprach, unbürokratisch zu helfen. Denn es war Wahlkampf in Griechenland, und Solidaritätsadressen in der Not bringen Stimmen. Sie versprach also, das Weingut mit staatlicher Hilfe wieder aufzubauen. Schließlich sei es aus touristischer Sicht für die Region von enormer Bedeutung. Doch Pali-Petralia bekam im neuen Kabinett keinen Ministerposten mehr. Tetramythos war um eine Hoffnung ärmer.

Auch die Jungfelder waren dem Feuer hilflos ausgeliefert

Derzeit ist das Weingut eine Ruine. Eine Hoffnung für die Winzer: Die EU stockte die Zuschüsse für den Wiederaufbau der Region auf, einen Teil des Schadens zahlt die Versicherung, wenn auch längst nicht alles. Die ohnehin verschuldeten Winzer müssen dennoch einen großen Teil des Wiederaufbaus selbst finanzieren. Die künftigen Einnahmen aus Hotel, Bar und Weingut sind dagegen ungewiss. In die Asche abgebrannter Dörfer verirren sich nur wenige Touristen.

Doch die fünf machen sich an die Arbeit, erste Weinmessen haben sie bereits wieder besucht. Das neue Gebäude ist in Planung, eine hochmoderne Sprinkleranlage soll es gegen Feuer sichern. Papagiannopoulos lacht bitter: „Was soll hier noch einmal Feuer fangen? Die ganze Region ist abgebrannt.“ Doch immerhin: Es geht weiter mit Tetramythos.

Uwe Kauss
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