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 Wine Review

Weinbewertung

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Suchwort: Weinbewertung

Weinbewertung
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Die Bezeichnungen für das Prüfen und Bewerten von Weinen durch von Menschen durchgeführtes „Riechen und Schmecken“ sind zahlreich, einige wenige davon sind zum Beispiel Degustation, Verkosten, Weinprobe und Weinverkostung. Es ist dies eine sensorische (organoleptische) Prüfung eines Weines mit beschreibender Erklärung der dabei gewonnen Erkenntnisse nach festgelegten Regeln und Kriterien unter Verwendung allgemein gültiger und verständlicher Begriffe (siehe dazu unter Weinansprache). Dies erfolgt bei den diesbezüglichen Veranstaltungen nicht auf wissenschaftlich-analytische Weise mit technischen oder sonstigen Hilfsmitteln, sondern „nur“ durch die Sinnesorgane wie Auge, Nase, Gaumen und Zunge. Daraus resultiert dann gegebenenfalls die Bewertung mittels Vergabe von Punkten nach verschiedenen Systemen. Als Ergänzung dazu gibt es aber auch Möglichkeiten, durch exakte, chemische (wissenschaftliche) Analysen eine objektive Messung vorzunehmen. Dies sind zum Beispiel die Bestimmung von Alkoholgehalt, Gesamtextrakt, Restzucker, Säuren, Schwefel und anderer Stoffe im Wein.

Trotzdem kommt man ohne eine „subjektive“ Prüfung mit sensorischer Verkostung durch Menschen nicht aus, sondern die beiden Verfahren ergänzen einander und ergeben erst in Kombination eine „gerechte“ Beurteilung. Ein Mensch kann die Geschmacksrichtung „süß“ feststellen, aber niemals exakt, wie viel Gramm Zucker denn in einem Liter Wein enthalten sind. Durch analytische Prüfung wiederum kann aber nicht festgestellt werden, ob ein Wein „schmeckt“. Es gibt das Phänomen nationaler Vorlieben und Ablehnungen. Im Allgemeinen bevorzugen Österreicher und Deutsche säurebetonten, Italiener bitteren, Amerikaner süßen und Franzosen adstringierenden Geschmack, obwohl solche Verallgemeinerungen mit Vorsicht zu betrachten sind. Auch die Beleuchtung in einem Raum beeinflusst den Geschmack eines Weines: So schmeckt dieser bei rotem und blauem Licht besser als bei grünem oder weissem Licht, wie Wissenschaftler des Psychologischen Instituts der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz herausfanden. Die Studie ergab unter anderem, dass der Test-Wein unter rotem Licht ungefähr 1,5 Mal süßer schmeckte als unter weißem oder grünem Licht. Auch die Fruchtigkeit wurde bei rotem Licht am höchsten eingestuft.

Professionelle Degustatoren können aber solche Beeinflussungs-Faktoren hintan halten und einen Wein durchaus „gerecht“ und „objektiv“ beurteilen, idem sie selbstverständlich auch ihre persönlichen Vorlieben und Abneigungen möglichst außer Acht lassen. Dies kann jedoch nur durch jahrelange Übung und Erfahrung erreicht werden. Um Beeinflussungen durch äußere Umstände wie die oben erwähnte Beleuchtung auszuschalten, finden professionelle Verkostungen in einem karg eingerichteten, neutralen Umfeld statt. Der berühmte englische Degustator Michael Broadbent (geb. 1927) hat über 70.000 Weine verkostet. Gerade aber er verwendet bei seinen Bewertungen keines der weiter unten beschriebenen Punktesysteme, sondern vergibt einen bis fünf Sterne. Ebenso verwendet der bekannte Weinautor Hugh Johnson ein eigenes Schema mit 12 Stufen. Neben theoretischem Wissen bedarf es folgender Fähigkeiten: Riechschärfe, Unterscheidungs- und Erinnerungs-Vermögen, Konzentrations-Fähigkeit und größtmögliche Objektivität.

Professor Emile Peynaud (1912-2004), der zu den berühmtesten Degustatoren zählt, schreibt in seinem mehrfach aufgelegten Standardwerk „Hohe Schule für Weinkenner“ folgendes dazu: Die Aussage, dass etwas süß sei, ist eine objektive Aussage; sie charakterisiert das fragliche Produkt. Zu sagen, dass zum Beispiel eine Tasse Kaffee genügend oder nicht genügend süß sei; ist eine subjektive Äußerung; sie ist persönlich; sie hängt von den Trinkgewohnheiten und vom Geschmack eines Menschen ab. Wenn man aber sagt, dass Zucker unangenehm schmeckt; das man alles verabscheut, was süß ist, dann äußert man eine affektive Meinung. Der professionelle Verkoster muss in der Lage sein, seine Affektivität auszuschalten. Er soll nicht sagen, ob ihm ein Wein gefällt oder zusagt. Das will man von ihm gar nicht wissen. Er muss den Wein studieren, beschreiben, seine guten oder schlechten organoleptischen Eigenschaften beurteilen und Schlussfolgerungen ziehen. Diese werden zwar subjektiv sein, aber sie dürfen nicht auf persönlicher Vorliebe beruhen, jedenfalls so wenig wie möglich. Dies ist der große und entscheidende Unterschied zum ungeschulten Weintrinker, dessen Urteil rein affektiv ist.“

Einen Wein verkostet man, um seine Qualität festzustellen, wobei es dafür verschiedene Gründe und auch Verfahren gibt. Im Rahmen einer amtlichen Prüfung wird unter anderem durch professionelle Kontrollorgane ermittelt, ob der Wein den weingesetzlichen Anforderungen entspricht. Dies ist zum Beispiel bei der Vergabe der Amtlichen Prüfnummer (Deutschland) und Staatlichen Prüfnummer (Österreich) für Qualitätsweine der Fall, bei der neben der analytischen Prüfung mittels chemischer und technischer Hilfsmittel eben auch eine sensorische (organoleptische) durch die Sinnesorgane erfolgt. Ein weiterer Grund kann ein Wettbewerb sein, bei dem verschiedene Weine verkostet, bewertet und nach dem Ergebnis prämiert werden. Der dritte Grund kann rein privater Natur sein. Entweder um sich dadurch weiterzubilden, mit Freunden Wein zu genießen und sich darüber zu unterhalten oder bei einem Weinkauf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis festzustellen. Die Kriterien sind dabei jedoch sehr ähnlich, auf jeden Fall müssen sie vorher genau definiert und bekannt sein, damit alle Prüfer bzw. Verkoster von derselben Basis ausgehen.

Der beste Zeitpunkt für eine Verkostung liegt am späteren Vormittag, weil der menschliche Körper dann aufnahmefähig und „frisch“ ist. Ein Schnupfen, eingenommene Medikamente, scharfe oder stark gewürzte Speisen, Kaffee, saure Früchte, Tabak-Genussmittel, Kaugummi und Parfüm sind störend bei einer Verkostung bzw. können diese negativ beinflussen. Der Raum soll gut beleuchtet und frei von Fremdgerüchen sein. Die ideale Raumtemperatur liegt bei etwa 20 °Celsius. Ein weißer Tisch-Hintergrund für das Prüfen der Farbe ist Bedingung. Bei der Reihenfolge verschiedener Weine gilt die Faustregel: trocken vor süß, jung vor alt und geringere vor großen Weinen. Bezüglich der Weinfarbe gilt: trockene leichte Weißweine vor schweren Rotweinen, aber junge leichte Rotweine vor extraktreichen Weißweinen. Da bei professionellen Verkostungen aus guten Gründen prinzipiell nicht geschluckt wird, sollten geeignete Gefäße (Spucknäpfe) vorhanden sein.

Neben der Farbe sind beim Bewerten der Geruch und der Geschmack ganz entscheidende Kriterien. Lange Zeit galt, dass es nur vier von der Zunge wahrnehmbare Geschmacks-Empfindungen gibt, nämlich bitter, sauer, salzig und süß. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sind nun offiziell als fünfte Richtung umami (fleischig) und als sechste fettig hinzugekommen. Gerüche werden olfaktorisch im oberen Nasenhöhlenraum wahrgenommen. An der Riechwahrnehmung sind jedoch zwei sensorische Systeme beteiligt. Das ist neben dem olfaktorischen das trigeminale System. Eine starke Einschränkung ergibt sich bei einem Schnupfen. Man kann zwar den Geschmack, jedoch keine Gerüche erkennen. Beim normalen Atmen erreicht nur ein geringer Teil der Düfte die Rezeptoren. Deshalb muss man mit der Nase tief aber nicht zu fest im Glas „schnuppern“.

Dadurch gleitet die Luft schneller durch die Nase und der Fluss zu den Rezeptoren verstärkt sich. Das wiederholte Schnüffeln bringt nichts. Der Geruchsraum ist schnell angereichert und benötigt zur „Regeneration“ zumindest zwei bis drei Minuten. Darum gilt: der erste Eindruck ist zumeist auch der Beste. Beim Ausatmen werden die primären und sekundären und beim Einatmen die tertiären Aromen durch die Nase wahrgenommen. Die Zunge (Geschmack) ist mit den nur sechs Richtungen der Nase (Geruch) mit geschätzten 10.000 wahrnehmbaren Düften weit unterlegen. Der Geruch und der Geschmack interagieren und beeinflussen sich gegenseitig; es entsteht ein komplexes Gesamtbild. Eine exakte Unterscheidung der zwei Sinne ist nicht möglich. Ein Großteil der landläufig als Geschmack eines Weines bezeichneten Eindrücke wird vom Geruchssinn wahrgenommen.

Bei professionellen amtlichen Verkostungen wird unter Kenntnis von geographischer Bezeichnung bzw. Herkunft, Jahrgang, Rebsorte (wenn bekannt), Qualitätsstufe und eventuell besonderer önologischer Verfahren (z. B. Barrique-Ausbau) ein sonst anonymer Wein unter standardisierten Bedingungen von unabhängigen geschulten Sensorikern wertneutral beurteilt. Um eine notwendige Signifikanz der Beurteilung zu erreichen, muss die Weinbeurteilung entweder durch ein ausreichend großes Prüferpaneel (zumindest fünf) oder mehrmals anonymer Wiederholungen in jeweils anderen Gruppierungen erfolgen. Eine wissenschaftliche gesicherte Aussage ist bei 97% Genauigkeit erst mit ca. 25 Prüfern/Wiederholungen zu erreichen. Dies alles kann ein Laie nicht mal im Ansatz leisten.

Für die verbale Beurteilung - die Weinansprache - wird eine zum Teil genormte Terminologie verwendet. Für die Verkostung sollten ungefärbte, langstielige Weingläser mit tulpenförmigem Kelch und stabilem Fuß verwendet werden - es gibt dafür spezielle Degustationsgläser. Das Glas wird prinzipiell am Stiel (niemals am Kelch) genommen, um eine Erwärmung durch die Hand zu vermeiden. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der erforderlichen Weinmenge pro Person. In der Regel reicht eine 0,75 Literflasche für 12 bis 14 Verkoster, das sind etwa 0,05 Liter je Person. Dann bleibt auch noch eine kleine Menge für ein eventuell notwendiges Nachverkosten. Es gibt verschiedene Bewertungssysteme, die aber grundsätzlich ähnlich sind. Die wichtigsten:

5-Punkte-Schema: Dieses System wird zum Beispiel bei der Qualitätswein-Prüfung verwendet. Siehe dazu unter Amtliche Prüfnummer und Deutsches Weinsiegel.

Symbole: In Weinführern und Wein-Zeitschriften erfolgt häufig zusätzlich eine Qualitäts-Einteilung bzw. Kategorisierung in Form von Symbolen wie zum Beispiel Flaschen, Trauben, Sternen, Gläsern, Korkenziehern usw. Die Bewertung geht von 1 bis 3, 1 bis 4 oder auch 1 bis 5. Im italienischen Weinführer Gambero Rosso werden 1 bis 3 Weingläser, im französischen Weinführer Hachette 1 bis 3 Sterne und im länderspezifischen Gault Millau 1 bis 4 Trauben vergeben. In Jahrgangs-Tabellen werden einzelne Jahre (bzw. deren Wein-Qualität - getrennt nach Ländern und Weinbau-Gebieten) häufig mit 1 bis 5 Sternen klassifiziert . Siehe dazu auch unter Jahrgang und Jahrhundertwein.

20-Punkte-Schema: Ist in Europa immer noch am meisten (in verschiedenen aber sehr ähnlichen Ausprägungen) üblich. Siehe auch dann die Tabelle weiter unten.

50-Punkte-Schema: Eine selten verwendete Variante des 100-Punktesystems, bei der mit der Bewertung nicht bei 51, sondern eben bei 1 begonnen wird.

100-Punkte-Schema: Ist durch den US-Weinjournalisten Robert Parker jr. (*1947) ab Anfang der 1980er-Jahre populär geworden. Vor allem ist es in Übersee üblich und anerkannt, hat sich aber auch international durchgesetzt. Die Akzeptanz in den USA ist auch darauf zurückzuführen, weil es dem Notensystem der Highschools entspricht. Jeder Wein bekommt von vornherein 50 Punkte. Die Vergabe der Punkte wird von den einzelnen Weinkritikern etwas unterschiedlich angewendet. Parker legt im 100er-System sehr strenge Maßstäbe an - hier sind zwei Varianten dargestellt (Parker und andere):


Umrechnung: Die unterste Grenze für einen noch trinkbaren Wein liegt beim 100-Punkte-System bei 70 Punkten und beim 20-Punkte-System bei 10 Punkten. Dies bedeutet, dass die Stufen 11 bis 20 den Stufen 71 bis 100 entsprechen. Jeder Punkt im 20er-System oberhalb von 10 entspricht somit 3 Punkten oberhalb von 70 im 100er-System. Beispiel bei 17 Punkten: 70 + (7 x 3) = 91. Dies gilt sinngemäß natürlich auch umgekehrt.

Die Bewertung selbst erfolgt nach bestimmten - zumindest drei bis sechs Kriterien (siehe dazu auch unter COS und Handmethode). Eine häufige Form ist nach den fünf Kriterien Aussehen (getrennt in Farbe und Klarheit), Geruch, Geschmack und Gesamt-Eindruck. Die Tabelle am Ende zeigt ein Bewertungs-Blatt im 20er-System, wobei die Kriterien auch für alle anderen Systeme herangezogen werden können bzw. gültig sind. Es können auch Halb- oder Zehntel-Punkte vergeben werden. Empfehlenswert ist, die einzelnen Ergebnisse und Kommentare ständig in das Formular einzutragen. Dies ergibt dann eine Gesamtpunkte-Anzahl gemäß dem angewandten Punkte-System.

Farbe - Klarheit (max. je 2 Punkte)
Die meisten Experten messen der Farbe wenig Bedeutung zu, da ein tiefdunkler Rotwein zwar „schön“ ist, aber noch keine Aussage über die Qualität bedeutet - Laien bewerten dies oft zu hoch. Es ist aber eine Tatsache, dass bei vielen Konsumenten die Farbe eine entscheidende Rolle spielt. Eine ansprechende Färbung eines Rotweines führt dazu, dass man bezüglich des Geschmackes weniger kritisch ist. An der Farbe lässt sich jedoch das Alter erkennen; die äußere Kante ist entscheidend. Alte Rotweine haben einen Braunton. Bei der Alterung bzw. Flaschenreifung werden Rotweine heller, bei Weißweinen ist es umgekehrt. Eine der Ursachen bei Rotwein ist, dass die Anthocyane (roten Farbstoffe) ausgefällt werden. Viel wichtiger wie eine schöne Farbe aber ist die Klarheit und Reinheit. Eine Trübung kann auf einen Weinfehler hindeuten. Die Oberfläche muss sauber spiegeln und darf nicht fleckig oder matt erscheinen. Ein Depot bei einem Rotwein ist aber nichts Negatives. Für das Prüfen neigt man das Glas so, dass der Flüssigkeits-Spiegel ein „Ei“ bildet. Nun hält man das Glas gegen ein Licht mit einem hellen (bestenfalls weißen) Hintergrund. Ein fehlerfreier Wein muss klar und ein Weißwein außerdem transparent sein.

In der Regel wird die Farbe organoleptisch mit dem Auge, also ohne jegliche Hilfsmittel festgestellt. Eher seltener wird dies auch durch Vergleich mit Farbstandards wie zum Beispiel dem Farbspektrum des französischen Chemikers Michel Eugène Chevreul (1786-1889) durchgeführt, der die Farben in 72 Grundfarben mit jeweils 20 Schattierungen eingeteilt hat. Dieser hat sich zwar nie mit Wein (sondern mit der Färbung von Gobelins) beschäftigt, seine Farbtabelle wurde aber dann später auch für die Farbbeschreibung von Rotweinen verwendet. Eine dritte Möglichkeit ist das Messen mittels Spektrometer im Labor mit entsprechender Apparatur, was die objektivste und genaueste Form ist.

Geruch (max. 4 Punkte)
Das Glas wird in Form einer 6 oder 9 so geschwenkt, dass der Wein bis knapp unter den Rand schwingt. Mit der Nase tief im Glas wird der Geruch geprüft und dies mehrmals wiederholt. Dabei kann auch schon (zumindest bei sortenreinen und typischen Weinen) die Rebsorte festgestellt werden. Weiters kann man darauf schließen, ob der Wein jung, reif, säurebetont oder mit Restzucker ausgestattet ist.

Geschmack (max. 7 Punkte)
Es wird ein kleiner Schluck genommen, dabei gleichzeitig eingeatmet und der Wein über die Zunge rollen gelassen. Der Geschmack bestätigt normalerweise die Geruchs-Empfindung. Jetzt kann der Gesamtextrakt des Weines in seiner ganzen Bandbreite analysiert werden. Die menschliche Zunge nimmt an verschiedenen Stellen ganz bestimmte Empfindungen auf (siehe dazu auch unter Weingenuss und Wein zu Speisen):

* Zungenspitze: Restzucker (trocken bis süß)
* vordere Zungenränder: Salzigkeit
* mittlere Zungenränder: Säuren (frisch, mild, säurebetont, sauer)
* hinterer, mittlerer Bereich: Tannine (herb bis bitter)

Gesamteindruck (max. 5 Punkte)
Zusammenfassend wird beurteilt, welchen Gesamteindruck (Charakter) der Wein unter Berücksichtigung aller Komponenten hinterlassen hat. Die Skala liegt zwischen Enttäuschung bis Jahrhundertwein. Das betrifft die allgemeine Qualität, die Ausgewogenheit (Balance, Harmonie), die Typizität, die Finesse, den Abgang, sowie das Entwicklungs-Stadium (Reife) des Weines (siehe auch unter Alterung und Flaschenreifung).


Welche Verkostungsart mit welchen Regeln angewendet wird, ergibt sich aus der Zielsetzung. Man kann in drei Aufgabenstellungen unterscheiden. Das sind 1. vergleichen und identifizieren zwecks Ermittlung eines bestimmten Weines oder prüfen bestimmter Faktoren, 2. bewerten und klassifizieren zwecks amtlicher Prüfungen, sowie 3. ermitteln und bestimmen von Sinneswahrnehmungen zwecks Weinansprache (Beschreibung). Um die Objektivität und Aufmerksamkeit der Verkoster zu prüfen, sind auch Doppelproben (derselbe Wein zweimal) üblich, bzw. werden auch so genannte Piraten eingeschleust (zum Beispiel ein Weißburgunder unter zehn Rieslingen). Als Orientierungs-Hilfen für die Degustatoren gibt es den Referenzwein (Wein-Typ) und den Pegelwein (Bewertungs-Maßstab). Es gibt folgende zum Teil in Kombination angewandte Regeln bzw. Techniken:

Konterprobe: Um bei professionellen Weinverkostungen das Phänomen der sogenannten Flaschenvarianz oder eine ungerechte Beurteilung durch einzelne verdorbene Flaschen auszuschließen, werden Gegenproben mittels Konterflaschen durchgeführt.

Wiederverkostung: Jede auch noch so professionelle Weinverkostung kann nur eine Momentaufnahme des gegenwärtigen Entwicklungszustands sein. Da sich ein Wein im Verlaufe seines Lebenszyklus entwickelt bzw. verändert, ist eine nochmalige oder auch mehrmalige Verkostung notwendig. Siehe dazu ausführlich unter Wiederverkostung.

Zweierprobe: Bei dieser häufigen Verkostungsart (auch paarweise Verkostung) werden zwei Weine in zwei Gläsern zusammen präsentiert und zwecks Vergleich und Bewertung verkostet. Es gibt die Varianten, dass nur ein Wein, beide Weine oder keiner der Weine bekannt sind. Ziel dabei ist es, die Unterschiede zwischen zwei Weinen festzustellen. Dies kann auf die Fragen „welcher Wein ist süßer“, „welcher Wein ist säurereicher“, „welcher Wein ist aromatischer“ oder „welcher Wein gefällt besser“ konkretisiert werden. Eine andere Form ist der „Duo-Trio-Test“, bei dem bei drei Gläsern in zweien davon derselbe Wein enthalten und zu identifizieren ist. Siehe dazu auch unter Dreieckstest.

Offene Verkostung: Es ist genau bekannt, um welche Weine es sich handelt, bzw. da sie in unverdeckter Flasche serviert bzw. darüber alle Informationen gegeben werden.

Halbblinde Verkostung: Es ist genau bekannt, um welche Weine es sich handelt, nicht jedoch, in welcher Karaffe bzw. in welchem Glas sie sich befinden. Diese Form wird häufig bei Weinseminaren angewendet und eignet sich auch für private Verkostungsrunden.

Blinde Verkostung: Bei dieser zumeist üblichen Form gibt es abhängig des Verkostungs- oder Vergleichsziels bestimmte Informationen. Dies können zwar gemeinsame Parameter wie Rebsorte, Jahrgang oder Herkunft, keinesfalls aber auf die Produzenten hinweisende Informationen wie Markennamen sein. Um höchste Objektivität zu gewährleisten, sind entsprechende Vorkehrungen notwendig; siehe dazu im Detail unter Blindverkostung.

Horizontal-Verkostung: Horizontal bedeutet, dass Weine von verschiedenen Produzenten oder Anbaugebieten, aber desselben Jahrganges in Form einer Blindverkostung verglichen werden. Siehe dazu im Detail unter horizontale Verkostung.

Vertikal-Verkostung: Vertikal bedeutet, dass verschiedene Jahrgänge möglichst desselben Weines bzw. Weingutes (deshalb auch Châteauvertikale) in Form einer Blindverkostung verglichen werden. Siehe dazu im Detail unter vertikale Verkostung.

Sonderformen: Abhängig der Zielsetzung gibt es auch spezielle Arten der Verkostung. Bei der Prüfung zum Master of Wine müssen zum Beispiel die Rebsorte, die Herkunft und der Jahrgang herausgefunden werden. Auf den ersten Blick scheint die Rebsorte am einfachsten zu sein, doch ist das gemäß an der University of California erfolgten Tests mit professionellen Verkostern nicht immer der Fall. Bestimmte Rebsorten wie Muskateller wurden auf Grund des sortentypischen Muskattons mit 60% recht gut erkannt, jedoch war die Erfolgsquote beim Cabernet Sauvignon mit 40% relativ gering. Bei der Herkunft gab es bessere Ergebnisse, wobei bestimmte Anbaugebiete besonders charakteristisch sind. Beim Jahrgang sind Farbe und Reife des Weines die wichtigsten Erkennungsfaktoren.

In der Regel haben Weinbewertungen keine wissenschaftliche Gültigkeit. Würde man am nächsten Tag mit denselben Richtern und denselben Weinen den Bewerb wiederholen, kämen zwar nicht völlig andere, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit zum großen Teil unterschiedliche Bewertungszahlen heraus. Im Sinne eines wissenschaftlich anerkannten Ergebnisses müssten sie aber wiederholbar, das heißt bestenfalls völlig identisch sein. Man kann annehmen, dass die Unterschiede zwischen zwei Bewertungsrunden umso geringer ausfallen, desto höher Kenntnisse, Erfahrungen und Professionalität der Verkoster sind. Siehe diesbezüglich auch das Ergebnis eines bereits legendären Wein-Länderkampfes im Zeitraum von 30 Jahren zwischen Frankreich und Kalifornien unter Paris Wine Tasting.

In den letzten Jahren wird zunehmend eine neue Analysemethode für die sensorische Bewertung von Weinen verwendet. Die schon länger in der Lebensmittelindustrie übliche „Quantitative Deskriptive Analyse“ oder auch als „Profilanalyse“ bezeichnete Methode ermöglicht eine objektivere Bewertung nach genau festgelegten Kriterien. Das Ergebnis wird graphisch mit einem sogenannten Polardiagramm dargestellt. Siehe dazu unter QDA.

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