Weinverfälschung
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Weinverfälschung
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Gegen weingesetzliche Bestimmungen verstoßende, unkorrekte Manipulationen bei der Weinbereitung, die in betrügerischer Absicht durchgeführt werden. Umgangssprachlich ist im deutschen Sprachraum auch Pantschen (Panschen) gebräuchlich. Dabei sollen durch verbotene Zusätze der Geschmack bzw. die Beschaffenheit „verbessert“ und damit eine bestimmte oder bessere Qualität vorgetäuscht, die Mengen von hochwertigen Weinen durch Mischen mit einfachen, billig produzierten Weinen oder einfach auch nur mit Wasser gestreckt, sowie durch falsche Etikettierung Weine unter prestigeträchtigen Namen bzw. Jahrgängen vermarktet werden. Im Verlaufe der Geschichte hat es aber bezüglich der Definition, was genau als Weinverfälschung zu gelten hat, immer unterschiedliche und häufig wechselnde Ansichten gegeben. Was heute als Pantscherei gilt, war vielleicht noch vor wenigen Jahrzehnten weithin geübte Praxis. Auch heute sind einige Techniken in den einzelnen Ländern unterschiedlich geregelt. Drei signifikante Beispiele sind die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Anreichern, Säuerung und Süßung. Sehr positiv wirkte sich die Einführung von strengen Weingesetzen aus, die beginnend mit Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Weinbauländern eingeführt wurden. Für einzelne Weinbaugebiete gab es sie schon vorher. Ganz verhindern konnte man natürlich dadurch Manipulationen auch nicht.
Die Zugabe von Wasser zu Wein ist die älteste und häufigste Praktik der Verfälschung. Man muss aber zwischen der Herstellung (bei dem dies eindeutig Betrug darstellt) und dem Genuss von Wein unterscheiden. In der Antike war das Mischen von Wein mit Wasser allgemein üblich, um den Alkoholgehalt zu minimieren und galt bei den Griechen als Zeichen kultivierter Mäßigung (siehe dazu unter Satyricon). Bis in das späte Mittelalter konnte reines Wasser auf Grund der großteils bestehenden Verseuchung der Brunnen und Quellen durch Abwässer besonders in den Städten kaum ungekocht getrunken werden. Mit Wasser vermischter Wein war daher auch aus hygienischen Gründen ein Alltagsgetränk, das in großen Mengen getrunken wurde. Das größte Problem war die Haltbarkeit, deshalb versuchte man durch Zusatz verschiedener Ingredienzien wie Destillaten, Gewürzen, Harz und Kräuteressenzen, den Wein zu konservieren und zu aromatisieren. Bereits die Griechen kannten die Wirkung des Schwefelns, aber noch im 15. Jahrhundert wurde der Zusatz verboten und bei Zuwiderhandeln streng bestraft. Die häufigsten Manipulationstechniken waren schon immer, den Säuregehalt, die Süße und die Farbe des Weines zu „verbessern“. Dafür wurden Kalk, Bleiacetat, Beerensaft, Rinderblut, Salz und Zucker verwendet. Der Geistliche Johann Rasch (1540-1612) gab in seinem berühmten im Jahre 1580 herausgegebenen „Weinbuch: Von Baw, Pfleg und Brauch des Weins“ bereits Ratschläge, wie man Weinfälschungen wie zum Beispiel die Zugabe von Wasser feststellen könne.
Besonders das 18. gilt als „Jahrhundert der Weinskandale“. Die enorme Nachfrage in England nach Portwein führte ab 1730 zu Engpässen. Deshalb wurden am Douro einfachere Weine mit Alkohol, Holundersaft, Ingwer, Pfeffer, Zimt und Zucker versetzt. Der positive Effekt war, dass 1756 das Portweingebiet zu einem der ersten ursprungsgeschützten Bereiche deklariert und strenge Gesetze beschlossen wurden. Im Bordeaux war in großem Umfang üblich, die Weine für den englischen Markt mit alkoholstarken, einfachen Weinen aus anderen Gebieten (Rhône, Spanien) zu verschneiden. Als in Frankreich durch die Reblaus- und Mehltauplage großer Weinmangel herrschte, wurde ab 1880 in großen Mengen Rosinenwein hergestellt. Im 19. Jahrhundert gab es in großem Umfang in vielen Ländern Fälschungen des ungarischen Tokajers, in öffentlichen Büchern gab es dafür sogar detaillierte Rezepte. Der große Durchbruch im Kampf gegen Fälschung begann mit der Definierung von kontrollierten Ursprungs-Bezeichnungen. Diese sind ausgehend von Frankreich mit dem Appellationssystem ab Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Weinverfälschungen und Pantschereien gab es aber selbstverständlich weiterhin mit immer raffinierteren Methoden. Denn auch die Fälscher profitieren natürlich von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Einen Weinskandal gab es in Mitteleuropa in der 1980er-Jahren, wo Diäthylenglykol als Süßungsmittel zugesetzt wurde. Eine besondere Form des Betruges ist es, Weine fälschlicherweise unter einem prestigeträchtigen Namen bzw. Weingut und/oder besonderem Jahrgang zu vermarkten. Ein Motiv für Fälscher ist, dass sehr teure Weine zunehmend auch zur Kapitalanlage verwendet werden, wofür es besonders in Japan und Russland einen Markt gibt. Solche Käufer sind bereit, bei Auktionen Liebhaberpreise zu bezahlen. Schon im antiken Rom war es üblich, einfachen Wein anderer Gegenden als Falerner auszugeben. Heute werden Weine perfide in Originalflaschen mit Originaletiketten abgefüllt. Anfang 2002 wurde aufgedeckt, dass in Hongkong mittelpreisige Rotweine mit gefälschten Etiketten und Kapseln in einen Château Lafite-Rothschild des Jahrganges 1982 verwandelt wurden, einen mit 100 Punkten bewerteten und extrem teuren Jahrhundertwein. Die Flaschen waren rund 25 € wert und erzielten dann als „Lafite 1982er” einen bis 25-fachen Preis. Siehe zu diesem Thema auch unter Rodenstock.
Bei solchem Etikettenschwindel hilft auch eine neu entwickelte Methode nicht, das Alter von Flaschenglas zu ermitteln. Allerdings sehr wohl, wenn keine Originalflasche, sondern nur Originaletiketten verwendet wurden. In Frankreich wurde nämlich ein Verfahren entwickelt, um die Authentizität alter Weinflaschen zu überprüfen. Wissenschaftler vom „Régional de Caractérisation par Analyse Nucléaire Elémentaire“ (Partner der Universität Bordeaux) gaben im Herbst 2008 bekannt, dass mittels hochenergetischer Ionen Herkunft und Alter von Flaschenglas bestimmt werden kann. Es wurden 160 ältere Raritäten des bekannten Londoner Handelshauses Antique Wine Company analysiert. Diese Firma bietet inzwischen in Zusammenarbeit mit der Universität die Prüfung alter Flaschen als Service an.
Für die Aufdeckung unerlaubter Praktiken werden zunehmend DNA-Analysen entwickelt. Forschern der INRA gelang im Jahre 2002 ein Durchbruch, indem sie das Analyseverfahren Nuclear Magnetic Resonance entwickelten. Damit kann zum Beispiel festgestellt werden, ob einem Wein Aromastoffe zugesetzt wurden. Als neueste Maßnahme gegen Manipulation wurde von Ornellaia erstmals das RFID-System eingesetzt. Eine ganz neue Anlaysemethode namens Metabolomik wurde am Max-Planck-Institut getestet. Bei der Vergabe der Amtlichen Prüfnummer (Deutschland) und Staatlichen Prüfnummer (Österreich) spielt bezüglich allfälliger Weinmanipulation die relative Dichtemessung eine wichtige Rolle. Die Frage, welche Methoden als Weinverfälschung zu gelten haben, gewann durch das ab 2006 gültige Weinhandels-Abkommen USA-EU an Aktualität; siehe dazu unter Weingesetz.
Wine adulteration