Artikel
01.02.2003
Weinviertel DAC als positive Überraschung.
Mehr Pfeffer!
Der Rahmen war würdig. Die Weine würzig. Das Weinviertel gab ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Exakt 133 Winzer mit mehr als 200 Weinen aus dem Weinviertel waren im Wiener Museumsquartier angetreten um den ersten österreichischen "Herkunftswein" zu präsentieren. Den Weinviertlern ist es als erstes gelungen, die Gebiets-Charakteristik des Weinbaugebietes mit einem DAC (Districtus Austria Controllatus) Wein zu definieren. Auch wenn die Aussagen der einzelnen Winzer noch zeigen, dass der gemeinsame Begriff noch nicht so ganz sitzt, so zeigten die Weine, dass die Überzeugungsarbeit gelungen ist.
Strenge Kontrollen für typische Weine.
Strenge Kontrollen garantieren, dass nur typische und qualitativ entsprechende Weine die Zulassung bekommen, mehr als 50% der eingereichten Weine wurden ausgeschieden. Diese Vorverkostungen garantieren, dass der Konsument sich auf die Qualität verlassen kann und wenn er zu einem Weinviertel-DAC Wein greift, weiss er, was er bekommt: Einen klassischen Grünen Veltliner. Fruchtig und mit dem typischen "Pfefferl", klassisch ausgebaut ohne Barrique-Einsatz und mit ca. 12-13% Alkohol genau im Genussbereich. Ein süffiger Wein mit viel Trinkspass und ein guter Essensbegleiter zu den typischen Gerichten der Österreichischen Küche und zu Fisch.
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| Eine typische weinviertler Kellergasse |
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Weinviertel DAC geht auf Tour.
Wer die Erstveranstaltung verpasst hat: keine Sorge, der Weinviertel DAC geht auf Tour: Die nächsten Termine sind: 10. März 2003 Casino Linz, 11. März 2003 Casino Innsbruck, 17. März 2003 Casino Baden, 19. März 2003 Casino Salzburg Jeweils von 17:00 bis 21:00 Uhr. Ausserdem sind einige der Weinviertel-Winzer mit ihren Weinen am Hamburger Weinsalon 8.-9-März 2003 und natürlich 23. -25. März 2003 auf der ProWein in Düsseldorf.
Individuelle Weine trotz DAC.
Die gelungene Veranstaltung bewies, dass mit dem Weinviertel DAC keine Einheitsweine hervorgehen. Der individuelle Spielraum ist groß genug, leider auch noch bei der Grafik der Etiketten. Bei manchen steht in Riesenlettern DAC , die nächsten machen fast ein Geheimnis draus. Einmal gibt es Lagenbezeichnung, dann wieder nicht. Einig ist man nur beim Preis, fast alle Weine kosten um die 5 Euro, was selbst einigen Winzern zu hoch erscheint, verkauften sie einen ähnlichen Wein bisher doch um die Hälfte. Die Österreichische Weinmarketing-Gesellschaft und die Winzer sind jedenfalls von dem Appellations-System überzeugt und hoffen auf eine Verdoppelung des Exportes in 5 bis 6 Jahren.Kurzinterview mit Roman Pfaffl, dem Obmann der Weinviertler.
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| Heidi und Roman Pfaffl |
Roman Pfaffl: Es geht darum, einen unverwechselbaren Weintyp auf hohem Niveau unter einem klaren Oberbegriff auf dem Markt zu positionieren.
WT: Das heißt, die DAC steht nicht zwingend für die besten Weine der einzelnen Betriebe?
RP: Das stimmt bedingt. Hier und da kann der DAC-Veltliner durchaus der Topwein eines Winzers sein, doch ist es nicht das, worauf es uns bei der DAC ankommt. Ziel war es, den klassischen Weinvierteler Veltliner ins Rampenlicht zu stellen: mit klarer Sortencharakteristik, einer reschen Art und - logisch - dem typischen Pfefferl. Anfangs wollten wir die Apellation sogar ausschließlich auf Weine mit einem Alkoholgehalt zwischen 12 und 12,5 Prozent Alkohol beschränken. Jetzt gilt immer noch der Mindestalkohol von 12%, doch auch deutlich stärkere Weine werden zugelassen, sofern die Charakteristik stimmt.
WT: In den meisten Fällen scheint das Rezept bestens aufzugehen, doch vereinzelt haben wir heute auch Weine verkostet, die entweder überaus mächtig waren, oder offensichtlich ganz bewusst auf einen sehr grasigen, stark an Sauvignon Blanc erinnernden Stil hingetrimmt wurden.
RP: Ja, auch mir sind diese Weine schon aufgefallen. Wir werden in Zukunft noch stärker auf die Typizität der Weine achten und auch die Verkoster werden noch umfangreicher geschult, um hier eine Sichere Auswahl treffen zu können.
WT: War es schwierig, die Winzer von der Idee zu überzeugen?
RP: Die Bedenken waren anfangs groß, ob wir wirklich alle unter einen Hut bringen würden, doch am Schluss kam glücklicherweise ein einstimmiger Beschluss heraus. Inzwischen herrscht eine Aufbruchstimmung, wie ich sie noch nicht erlebt habe.
WT: In Zukunft soll der Begriff „Weinviertel” nur noch auf den DAC-Veltlinern stehen. Besteht da nicht die Gefahr, dass man alle anderen Weine abwertet?
RP: Das glaube ich kaum. Marktanalysen haben uns im Vorfeld gezeigt, dass das Weinviertel nicht nur das zweitbekannteste Anbaugebiet in Österreich ist, sondern dass der Verbraucher die Zone auch fast ausschließlich mit genau diesem Veltlinertyp verbindet. Wer Riesling oder auch Rotwein kauft, weiß, zu welchem Produzenten aus dem Weinviertel er gehen muss, um zu bekommen, was ihm schmeckt. Da muss nicht unbedingt Weinviertel draufstehen. Mit dem Veltliner aber identifiziert sich das ganze Gebiet, hier ist ja tatsächlich eine durchgängige Herkunftscharakteristik auszumachen, was bei allen anderen Sorten eher schwierig ist. Es bekommt also auch der weniger versierte Verbraucher mit der DAC genau den Weinviertler, den er sich gemeinhin vorstellt, ohne sich groß um Namen und Sorten kümmern zu müssen. Und für den echten Weinfreak brauche ich die Apellation eh’ nicht: Der woaß die Schuagröß’ von der Winzerin...
Stimmen aus dem Publikum:
Wolfgang Rausch
VINOE Die Niederösterreich Vinothek
http://www.vinoe.at
Die Präsentation war sehr gut gemacht und organisiert.Soweit verkostet, hat das Niveau den Erwartungen von DAC entsprochen.Allerdings waren einige interessante Betriebe waren nicht vertreten, weil sie nicht schnell genug die Prüfnummer erhalten haben.
Die Weine waren zwar in der Mehrzahl auf einer Linie, einige schwere GV mit 13 % und mehr sind für mich nicht das, was ich unter dem angestrebten Begriff verstehe. Man müßte entweder 2 Klassen einführen (DAC Klassisch, DAC über 12,5 % z.B. Reserve) oder was immer. Welche Weine sind bzw. werden DAC-Weine in der Wachau oder im Kamptal? Dort ist es nicht so eindeutig wie im Weinviertel.
Bis der "Normalverbraucher" das System versteht, wird es nach meiner Meinung einige Jahre und viel Erklärung brauchen. Es hängt auch sehr davon ab, welche und wieviele andere Regionen mit DAC-Weinen nachkommen und wie schnell das erfolgt. Schwierig wird die Vermarktung der Nicht-DAC-Weine (die dann nur unter "NÖ" laufen). Der normale Konsument weiß dann eigentlich nicht, ob das ein Riesling aus dem Kamptal oder dem Weinviertel ist.
Dr. Oliver Gruen
Journalist, ORF
Professionelle und großzahlige Veranstaltung, zum Schluß Platzmangel, Reihenfolge der Winzer war alphabetisch statt nach Orten geordnet - machte Vergleich schwieriger bzw. gehintensiverFür mich war das Niveau ein wenig enttäuschend, da zu viele durchschnittliche Weine, der DAC-Vergabemodus sollte überdacht werden. Nicht in der Quantität, nur in der Qualität kann die Wahrheit liegen.
Positiv: Für Vermarkter, Auslandsverkäufer und Großwinzer ist der Appellationswein sicher ein Vorteil.
Negativ: 90 % der von mir verkosteten Weine waren den Preis von 5;- aufwärts nicht Wert. Letztes Jahr kostete die Bouteille noch um die 50,- Schilling. Den Marketingaufwand zahlt jedenfalls der Kunde! Na super!
Mir als Veltliner-Trinker ist die Sortenvielfalt jedenfalls lieber, als die Herkunftsvielfalt. Nur weil niemand weiß, daß im Rioja-Wein Tempranillo drin ist, heißt das nicht, daß in Österreich der GV, der Riesling,...in Vergessenheit geraten sollen.
Die Endverbraucher werden das System verstehen, denn in Italien, Frankreich etc. (DOC, AOC,...) trinken ja auch nicht nur Intelektuelle Wein. Nur klingt halt Chianti toller als Weinviertel.
Axel Schimmel
Journalist, Hotel&GV-Praxis, Salzburg
Ich fand die Präsentation gelungen, auch deshalb, weil sie eine gewisse Aufbruchstimmung vermittelte. Irgendwie war spürbar, wie sich einzelne Winzer wirklich freuten, weil man dieses eine Mal wirklich ihnen die Aufmerksamkeit widmete.Das Niveau war meines Erachtens überdurchschnittlich, wobei neben einzelnen Ausreißern nach oben genauso welche nach unten zu finden waren. Manche Weine zeigten sich durch Füllschock völlig unzugänglich (leider auch die dazugehörigen Winzer).
DAC ist der richtige Weg, wobei man erst am Anfang steht. Nächster Schritt müsste die eingehende Schulung der Winzer sein, das "Weinviertel" und nicht "DAC" herauszustreichen. Denn wenn das nächste regionale Weinkomitee startet, sind sie nicht mehr allein.
Es war zum Teil ganz lustig zu sehen, wie die DAC-Richtlinien auf den Etiketten verwirklicht wurden. Den Winzern gehört hier dringend mit ordentlichen Gestaltungsrichtlinien geholfen. Aber das wird sich noch einspielen.
DAC Fragen und Antorten:
1. Was heißt DAC?
DAC steht für Districtus Austria Controllatus, was übersetzt so viel heißt wie „Österreichische kontrollierte Herkunftsbezeichnung”. Mit DAC werden ab 2003 geprüfte, regionaltypische Qualitätsweine aus Österreich bezeichnet werden.
2. Warum wird es überhaupt in Zukunft DAC-Weine geben?
Das DAC-Konzept ist die konsequente Fortsetzung der in den letzten Jahrzehnten vorgenommenen Qualitätsbestrebungen der heimischen Weinwirtschaft. Die heimischen Winzer und der heimische Wein haben inzwischen ein auch international anerkannt hohes Qualitätsniveau erreicht. Damit ist es gelungen, vonseiten des Produktes „Österreichischer Wein” international wettbewerbsfähig zu werden. Nun galt es, einen offensiven Schritt zu setzen, um auch im Bereich des Marketings internationalen Standards gerecht werden zu können. Betrachtet man nämlich die aktuelle Wettbewerbssituation, so stellt man fest, dass vor allem klein strukturierte Weinwirtschaften (wie eben Österreich oder z. B. die Burgund) generische Appellationen brauchen, um mit konkurrenzfähigen Marken nicht nur auf sich aufmerksam zu machen, sondern sich auch langfristig zu behaupten.
3. Was ist also ein DAC-Wein?
Ein DAC-Wein ist grundsätzlich kein neuer Wein. Auf Basis des bisherigen Qualitätswein-Systems werden in Zukunft DAC-Weine solche Weine sein, die vor allem geschmacklich unverkennbar typisch für ein heimisches Weinbaugebiet sind. Diese Weine dürfen in Zukunft auch die Bezeichnung des Weinbaugebietes tragen. Damit folgt Österreich nunmehr den Appellationssystemen von renommierten Weinbaugebieten in Italien (Chianti, Soave), Frankreich (Bordeaux, Burgund, Chablis) oder Spanien (Rioja). Dort lauten die Bezeichnungen DOC/DOCG, AOC/AC oder DOC/DO.
4. Was wird einen Weinviertel-DAC kennzeichnen?
DAC-Weine werden typische Weine für ein ganz bestimmtes Weinbaugebiet sein. Für das Weinviertel hat das regionale Weinkomitee die Entscheidung getroffen, den Grünen Veltliner als Weinviertel-DAC auszuwählen. Dies deshalb, da der Grüne Veltliner nicht nur 50 % der im Weinviertel produzierten Weine ausmacht und daher das herausragende regionaltypische Produkt präsentiert, sondern weil es darüber hinaus in letzter Zeit eine regelrechte „Grüner-Veltliner-Renaissance” gegeben hat. Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass sich der Grüne Veltliner zuletzt im internationalen Umfeld als Flagschiff des heimischen Weines positioniert hat.
Der „Weinviertel-DAC” wird also ein Grüner Veltliner sein, der fruchtig, würzig, pfeffrig ist, eine hellgelbe oder grüngelbe Farbe sowie keinen Barrique- oder Holzgeschmack aufweist und trocken ausgebaut ist. Der Alkoholgehalt muss mindestens 12 vol% betragen. Selbstverständlich darf er - so wie alle anderen heimischen Qualitätsweine auch - lediglich in der Glasflasche (mind. 0,75 Liter oder ein Vielfaches davon) angeboten werden.
5. Was ist nunmehr der Unterschied zu anderen Weinen?
Der Unterschied zu anderen Weinen liegt lediglich darin, dass ein DAC-Wein in Zukunft als gebietstypischer Qualitätswein - im Falle des Weinviertels eben der Grüne Veltliner - ausgewiesen und auch vermarktet werden wird. Die heimischen Weine mit Topqualität werden weiterhin selbstverständlich die Bezeichnung „Qualitätswein” tragen.
Der einzige Unterschied besteht also darin, dass DAC nicht nur ein Qualitätswein wie alle anderen heimischen Qualitätsweine sein wird, sondern darüber hinaus noch eine gebietstypische Sortencharakteristik (im Falle des Weinviertels die des Grünen Veltliners) aufweist.
6. Sind DAC-Weine nun besser als normale Qualitätsweine?
Nein, beide Weine sind Qualitätsweine nach dem bewährten heimischem Qualitätssystem. Der DAC-Wein zeichnet sich neben der hohen Qualität aber auch dadurch aus, dass er ein aus dem Weinbaugebiet typischer Wein mit spezieller Sortencharakteristik ist. Deshalb wird er auch mit dem Namen des Weinbaugebietes (z. B. Weinviertel-DAC) bezeichnet werden. Für diesen speziellen Weintyp steht dann das Weinbaugebiet in der Vermarktung.
Beim DAC-Konzept geht es also nicht primär darum, eine neue Qualitätskategorie einzuführen, sondern vielmehr um die Überleitung der bestehenden Qualitäten in ein neues, vor allem international Erfolg versprechendes Marketingkonzept. Die Qualitätsinitiativen der vergangenen Jahrzehnte haben den heimischen Wein in eine internationale Spitzenposition gehoben. Nun gilt es, mit dieser Spitzenqualität auch entsprechend erfolgreich am Markt zu reüssieren. Dazu ist es notwendig, sich internationalen Vermarktungsstrukturen anzugleichen. Gerade für eine klein strukturierte Weinwirtschaft wie die österreichische ist es daher wichtig, nach internationalen Vorbildern generische Appellationen zu entwickeln, um konkurrenzfähige Marken anbieten zu können. Genau das sieht das DAC-Konzept vor.
7. Was erhofft man sich von dem DAC-Konzept?
Das DAC-Konzept richtet sich vor allem an den nationalen und internationalen Konsumenten. Ihm soll damit Wiedererkennbarkeit und ein klares Geschmacksprofil angeboten werden. National wie international wissen die Konsumenten, wie ein Chianti, ein Rioja, ein Chablis oder ein Sauternes schmeckt bzw. was sie sich von einem Wein aus diesen Herkunftsgebieten erwarten können. Diese Weinbaugebiete haben es also geschafft, sich und ihre Weine als unverwechselbare „Marken” in den Köpfen der Konsumenten zu verankern. Und genau dies ist auch das Ziel des DAC-Konzeptes. DAC soll dem Konsumenten beim Weinkauf eine klar nachvollziehbare Botschaft vermitteln: Einen regionaltypischen Wein mit einer klar ausgeprägten Sortencharakteristik. Und wie bei einem Markenprodukt notwendig, ist die Qualität auf einem möglichst gleich bleibend hohen Niveau.
Nur auf diesem Wege kann sich die heimische Weinwirtschaft im internationalen Wettbewerb langfristig erfolgreich behaupten. Denn die Entwicklung des internationalen Weinmarktes in den vergangenen zehn bis 15 Jahren (z. B. mit dem Markteintritt kalifornischer, chilenischer oder australischer Weine) hat dazu geführt, dass der internationale Druck auf den Weinmärkten vor allem auf klein strukturierte Weinbaugebiete immer größer wird. Wer kein klares Markenkonzept, wer keine klar wieder erkennbare Markenidentität, wer keine klar vermarktbaren Herkunftsgebiete aufzuweisen hat, der wird langfristig eine untergeordnete Rolle spielen. Aus Sicht der regionalen Weinkomitees bzw. der Österreichischen Weinmarketing ist es daher also ein logischer und notwendiger Schritt, das DAC-Konzept so rasch wie möglich umzusetzen.
8. Was ist ein regionales Weinkomitee?
Basis der Idee der regionalen Weinkomitees ist die Überlegung, dass Weinproduzenten und Weinhandel in den jeweiligen Weinbauregionen am besten wissen, was für ihre Region notwendig und gut ist - und zwar gleichsam für Aspekte der Produktion wie der nationalen und internationalen Vermarktung. Die lokale Weinwirtschaft weiß am besten um die Vor- und Nachteile der Region Bescheid, kennt die Anforderungen und Notwendigkeiten am besten und kann daher die Erfolg versprechendsten Konzepte entwickeln und realisieren.
In der Zwischenzeit hat beinahe jedes heimische Weinbaugebiet sein eigenes regionales Weinkomitee. Um alle Aspekte der modernen Weinwirtschaft abzudecken, sind in den regionalen Weinkomitees sowohl Produzenten als auch Vertreter des Weinhandels integriert. Die Aufgabe der regionalen Weinkomitees ist es (so wie auch in anderen Ländern), die Produktion und die Vermarktung der Weine „ihres” Weinbaugebietes zu verwalten und positiv zu beeinflussen. Dazu gehört natürlich auch die Erarbeitung von Gebietsprofilen oder typischen Weincharakteren und deren Vermarktung. Für die Marketingmaßnahmen und zur Bewerbung der Herkunft arbeitet das regionale Weinkomitee eng mit der ÖWM (Österreichische Weinmarketingserviceges.mbH) zusammen.
9. Wird jedes regionale Weinkomitee einen DAC-Wein festlegen?
Ja, daran ist gedacht. So wie das regionale Weinkomitee Weinviertel den Weinviertel-DAC als Grünen Veltliner festgelegt hat, so werden in näherer Zukunft auch die anderen regionalen Weinkomitees regionaltypische Weine als DAC-Weine festlegen. Ein Gebiet kann sich dabei aber auch für mehrere DAC-Weine entscheiden, wobei aus marketingstrategischer Sicht ein DAC-Wein pro Herkunft optimal wäre.
10. Kopiert man mit dem DAC-Konzept nicht einfach altbewährte Konzepte? Sollte man nicht vielmehr eigenständige österreichische Konzepte entwickeln?
Es ist richtig, dass die Konzepte der Appellationssysteme altbewährt sind. Das ist aber auch gleichzeitig ein Beweis dafür, dass es funktionierende Konzepte sind, die vor allem von der internationalen Weinwirtschaft eingefordert werden. Das DAC-Konzept ist durchaus eine österreichische Ausprägung dieses Appellationssystems und stellt daher sehr wohl eine auf die heimischen Bedürfnisse abgestellte Konzeption dar, wobei die positiven Aspekte anderer Appellationssysteme durchwegs eingearbeitet wurden.
11. Ab wann wird es die DAC-Weine geben?
Der erste DAC-Wein Österreichs wird der „Weinviertel-DAC” sein. Er wird ab 1. März 2003 erhältlich sein. Dieser Stichtag soll auch für die nächsten Jahrgänge gelten. Die anderen regionalen Weinkomitees werden ab dem Jahr 2004 sukzessive mit ihren DAC-Weinen folgen.
12. Das Jahr 2002 war für die heimische Weinwirtschaft - vor allem was die Exportentwicklung betrifft - ein ausgezeichnetes Jahr. Warum riskiert man mit dem DAC-Konzept gravierende Veränderungen in so einer guten Situation?
Gerade weil die heimische Weinwirtschaft und die heimischen Weine derzeit national wie international einen so hohen Standard erreicht haben, ist es der beste Zeitpunkt, um offensive Schritte für eine mittel- bis langfristige Absicherung der erreichten Qualitäts- und Mengenniveaus zu setzen. Die österreichische Weinwirtschaft und der heimische Wein haben sich in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf erworben. Diese hervorragende Ausgangssituation gilt es nunmehr zu nutzen. Einen besseren Zeitpunkt als jetzt kann es aus Sicht der ÖWM daher gar nicht geben.
13. Was geschieht, wenn das DAC-Konzept nicht wie geplant funktioniert?
Ohne überheblich wirken zu wollen, geht die heimische Wirtschaft und auch die ÖWM davon aus, dass das DAC-System mit Sicherheit ein Erfolg werden wird. Die spürbaren Effekte werden sich zwar noch nicht unmittelbar in den nächsten ein bis drei Jahren einstellen, denn das DAC-Konzept ist auf eine mittel- bis langfristige Sicht ausgerichtet. Es wird deshalb funktionieren, weil damit alles in allem die Qualität des heimischen Weins weiter angehoben werden wird und die nationale wie internationale Vermarktung heimischen Qualitätsweines leichter gemacht wird. Vor allem im internationalen Umfeld wird es damit möglich, heimische „Markenweine” den bereits etablierten internationalen Weinmarken gegenüberzustellen.
14. Von welchen Mengen geht man im DAC-Konzept derzeit aus?
Das DAC-Konzept versteht sich als mittel- bis langfristig orientiertes Konzept für die heimische Weinwirtschaft. Zunächst gehen wir davon aus, dass im Jahr 2003 rund eine Million Bouteillen DAC-Wein (dies ist im Jahr 2003 ausschließlich der Weinviertel-DAC) vermarktet werden wird. Bereits für das Jahr 2005 gehen wir von drei Millionen Bouteillen aus. Ein besonderes Augenmerk legen wir im Zusammenhang mit den Erwartungshaltungen rund um das DAC-Konzept natürlich auf den Export. Langfristig, also rund bis zum Jahr 2010, gehen wir aus heutiger Sicht davon aus, dass es durch das DAC-Konzept zu einer Vervielfachung des Bouteillen-Exportes kommen wird.
15. Wie erfolgt die DAC-Prüfung in Zukunft? Gibt es hier Unterschiede zur Qualitätsweinprüfung?
Die Basis der Prüfungen für Qualitätswein und DAC-Wein ist ident. Denn auch der DAC-Wein muss alle Kriterien eines Qualitätsweines erfüllen. Alle Qualitätsweine müssen eine Qualitätsprüfung durchlaufen, die von mehreren Verkostern durchgeführt wird. Nur wenn diese mehrheitlich positiv urteilen, erhält ein Wein die entsprechende Qualitätsauszeichnung/Prüfnummer. Bei DAC-Weinen ist die Vorgangsweise zunächst dieselbe. Nach ihrer Beurteilung als Qualitätswein erfolgt allerdings eine Extraverkostung, in deren Rahmen anhand eines regionaltypischen Referenzweines (im Falle des Regionalkomitees Weinviertel ist dies eben ein regionaltypischer Grüner Veltliner) festgestellt wird, ob der geprüfte Wein diesem Geschmacksbild entspricht. Tut er dies, ist es ein DAC-Wein. Entspricht er diesem regionaltypischen Geschmacksbild nicht oder nicht zur Gänze, so bleibt er aber selbstverständlich - wie derzeit - ein Qualitätswein. Die Prüfung als DAC-Wein muss - wie ja auch die Prüfung zum Qualitätswein - selbstverständlich jedes Jahr vorgenommen werden.
16. Wie wird sich der DAC-Wein preislich präsentieren?
Die Preise für die Qualitätswein-Bouteille Grüner Veltliner aus dem Weinviertel beginnen derzeit ab Euro 2,--. In Zukunft soll der Weinviertel-DAC auf Grund seines hohen Qualitätsstandards bei einem Preis von Euro 5,- und darüber liegen.
17. Was machen in Zukunft jene Winzer, die keinen DAC-Wein produzieren?
Für diese Winzer ändert sich gar nichts. Denn das bislang existierende Qualitätsweinkonzept bleibt ja unverändert aufrecht und wird natürlich auch in der Vermarktung weiter betont werden. Lediglich in der Herkunftsbezeichnung werden sich Änderungen ergeben, die jedoch nach Ansicht von Marketing- und Kommunikationsexperten zu keinen Änderungen in der Akzeptanz auf Konsumentenseite führen werden.
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Marcus Hofschuster und Helmut Knall
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