Wie organisiert man eine Weinprobe?
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Wie organisiert man eine Weinprobe?
Eine Weinprobe in geselliger Runde ist eine wunderbare Möglichkeit, Weingenuss, Weinerfahrung und Geselligkeit miteinander zu verbinden.
Ich gehe davon aus, dass Ihre Weinprobe nicht der analytischen Bewertung von Weinen dient, sondern dass Sie einfach anhand von einigen Weinen in Gesellschaft Ihren Weinhorizont erweitern wollen.
Was benötigen Sie? (eine kleine Checkliste)
- Korkenzieher
- Gläser; zwei Gläser pro Person sind sinnvoll, weil man oft zwei Weine direkt vergleichen möchte
- Papier und Schreiber
- Gefäß, um Reste auszuleeren
- Spuckgefäß, wenn gespuckt werden soll; das ist eine Frage der
Menge der zu verkostenden Weine und ob z.B. Autofahrer unter den Gästen sind
- Brot, Salzgebäck oder Kekse für zwischendurch; ich selbst halte es bei korrekter Reihenfolge der Weine nicht für hilfreich, zwischen den Weinen den Mund z.B. mit Brot zu "neutralisieren", das es wird aber von vielen Leuten erwartet.
- Wasser zum Trinken oder zum Ausspülen der Gläser
- weiße Tischdecke (wegen der Beurteilung der Farbe)
Weine dekantieren?
Wenn Sie für Ihre Probe die Weine
dekantieren möchten, stellt sich oft das Problem der Karaffen. Wer hat
schon 10 oder 15 Dekantierkaraffen daheim? Eine einfache Lösung ist es,
die Weine zu dekantieren und anschließend wieder in die Flasche
zurückzugießen. Vor dem Zurückgießen empfiehlt es sich bei älteren
Weinen mit Depot, die Flasche auszuspülen. Auf diese Weise kann
man auch mit nur einer Karaffe im Haus mehrere Weine dekantiert servieren - wobei die Karaffe zwischen den Weinen selbstverständlich auch auszuspülen ist.
Wie viele Weine?
Das hängt von der Erfahrung der Teilnehmer ab und auch davon, wie ernsthaft die Probe angelegt ist. In gemütlicher Runde von wenig erfahrenen Verkostern würde ich nicht mehr als fünf oder sechs unterschiedliche Weine vorsehen. Das kann man steigern bis auf maximal 10 bis 15 Weine, mehr würde ich Profis vorbehalten.
Auch das Resteproblem ist bedenken. Wenn etwa eine sehr kleine Runde insgesamt zehn verschiedene Weine probiert, hat man am Ende zehn fast volle Flaschen. Dieses Problem kann man z.B. durch Umschütten in kleine Flaschen lösen.
Nicht nur deshalb ist übrigens eine Personenzahl von acht, maximal zehn Personen für eine Weinprobe optimal, weil bei dieser Personenzahl eine Flasche ausreicht.
Welche Weine?
Da sind nun wirklich der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Man kann die Probe unter ein Thema stellen, z.B. Rebsorten, Anbaugebiete, Länder. Auch Vergleiche sind immer interessant: Barrique gegen konventionellen Ausbau, Neue Welt gegen Alte Welt, deutscher Riesling gegen den Rest der Welt etc.
Aber man kann auch einfach vereinbaren, dass jeder eine "nette" Flasche mitbringt. Dann sollte man allerdings Preisobergrenzen vereinbaren, damit sich niemand verpflichtet fühlt, zu viel Geld auszugeben.
Wer will, kann sich auch bei der Gestaltung seiner Proben an folgendem
Buch orientieren:
Die Weinprobe - Ein praktisches Weineinmaleins in 12 Lektionen
Die Autorin, Judy Ridgway, hat dort zwölf lehrreiche Vorschläge
für Weinproben zusammengestellt.
Gläser
Zwischen den Weinen kann man die Gläser ausspülen. Das halte ich für unnötig, wenn zwei ähnliche Weine nacheinander probiert werden. Bei sehr unterschiedlichen Weinen oder nach einem fehlerhaften Wein und auch vor dem ersten Wein (!) sollte man das Glas in jedem Fall ausspülen.
Zum Ausspülen eignet sich Wasser oder ein einfacher, neutraler Wein, der zu diesem Zweck bereitsteht. Eine bewährte Methode ist es auch, einfach einen Schluck vom nächsten Wein in der Runde, von einem Glas ins nächste Glas weiterzugeben. Beim Umschütten in das jeweils nächste Glas, dreht man dann das Glas so, dass möglichst die gesamte Innenwand vom Wein benetzt wird.
Einmal mit Wein benetzt, sind die Gläser "aviniert" oder "weingrün", d.h. sie haben ein gewisses Wein-Grundaroma. Das lässt viele aromatische Details der einzelnen Weine, die dann probiert werden, besser hervortreten.
Die Reihenfolge der Weine
Die korrekte Reihenfolge der Weine ist wichtig. Dazu gibt es mehrere Regeln, die es sinnvoll zu kombinieren gilt:
- ähnliche Weine (z.B. gleiche Rebsorten) hintereinander
- aufsteigend nach Restzucker, also erst trockene Weine und später süße Weine
- aufsteigend nach Alkoholgrad
- weiß vor rot
Blind oder offen?
Wenn Weine ernsthaft verkostet und verglichen werden sollen, muss das natürlich blind erfolgen, d.h. das Flaschenetikett muss verdeckt sein. Dazu gibt es Hüllen, die über die Flaschen gestülpt werden können. Falls man diese nicht zur Hand hat, eignet sich Alufolie, in das man die Flaschen einwickelt. Vorher sollte man die Kapsel entfernen. Wer es genau nimmt, muss nach dem Einwickeln die Flaschen auch entkorken (der Korkbrand kann Hinweise auf die Herkunft geben).
Wer es ganz genau nimmt, muss sogar die Weine in neutrale Flaschen umfüllen, weil natürlich auch Flaschenform und ggf. Farbe auch schon ein Indiz für den Inhalt sein können.
Bitte auf jeden Fall dann die Weine nummerieren, damit man eine Referenz für das Gespräch und die Notizen hat.
In geselliger Runde ist eine Probe aber in der Regel offen. Das hat den Vorteil, dass man direkt Wein und Geschmackseindruck miteinander in Beziehung setzen kann.
Utz Graafmann
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How to organize a wine tasting?