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Klassifiz. Erz.: 7
Verk. Weine: 87

Die Insel im östlichen Mittelmeer bildet politisch die Republik Zypern, die völkerrechtlich die gesamte Insel mit 9.251 km² umfasst. De fakto besteht sie aber nur aus dem größeren Südteil mit 5.384 km², denn der kleinere Norden mit 3.355 km² bildet das (von fast allen Staaten nicht anerkannte) Regime Türkische Republik Zypern. Zwei britische Militärbasen mit 255 km² Landfläche unterstehen als Überbleibsel der Kolonialzeit England. Die Entfernung zur Südküste der Türkei beträgt nur rund 70, zur Ostküste der griechischen Insel Rhodos knapp 400 und zum Festland von Griechenland sogar über 800 Kilometer. Der Weinbau reicht bis in das dritte Jahrtausend v. Chr. zurück. Nach der Mythologie bevorzugte der griechische Weingott Dionysos für seine Trinkgelage Weine von dieser Insel. Die schaumgeborene Aphrodite entstieg am „Römerfelsen“ den Fluten des Meeres und ging bei nordwestlichen Halbinsel Akamas an Land. Die Phöniker und Griechen begründeten schon in der Antike die Tradition der Süßweine. Bodenmosaike mit Weinmotiven in der Hafenstadt Paphos an der Südwestküste bezeugen diese antike Weinbaukultur.

Nach dem dritten Kreuzzug gelangte im Jahre 1191 die Insel in Besitz des Johanniterordens, später des Templerordens und ab dem Jahre 1312 nach deren Auflösung wieder der Johanniter. Der Orden bewirtschaftete so genannte Kommenden (Güter mit Weinbergen). Ihr Hauptsitz war die als „Grand Commandery“ bezeichnete noch bestehende Burg Kolossi, was dem berühmten Weinbaugebiet und dem legendären Süßwein Commandaria den Namen gab. Damals wurde dieser begehrte Wein an viele europäische Herrscherhäuser geliefert. Im Zeitraum 1489 bis 1571 gehörte Zypern zur Republik Venedig. Die osmanische Herrschaft von 1571 bis 1878 und das damit verbundene Alkoholverbot bewirkten einen totalen Niedergang der Weinkultur. Unter der britischen Verwaltung von 1878 bis 1960 gab es dann wieder einen Aufschwung. Der Commandaria und ähnliche vormals als „Zypern-Sherry“ bezeichnete Weine entwickelten sich zu Exportrennern.

Ab Anfang der 1990er-Jahre wurde der zypriotische Weinbau durch junge, gut ausgebildete Abkömmlinge alteingesessener Familien und einigen Investoren der zypriotische Weinbau sozusagen neu erfunden. Diese neue Generation brach mit den alten Mythen und begann, Tradition und nahöstliche Lebensart mit westlicher Dynamik zu verbinden. In den Dörfern des Troodos-Gebirges wurden eine Reihe moderner, bestens ausgerüsteter Kellereien gebaut. Die kleinen Weinberge bilden im kargen Buschland ein perfektes Wein-Ökosystem, das weitgehend ohne künstliche Bewässerung und ohne chemische Pflanzenschutzmittel auskommen kann. Die Reblaus ist nie auf die Insel gelangt, weshalb die Reben ungepfropft in den Böden wurzeln. Erst ab den 1970er-Jahren wurden europäische Sorten auf Zypern eingeführt. Der Rebsortenspiegel 2010:

Rebsorte Farbe Synonyme bzw. zypriotischer Name Hektar
Mavro rot Cypro Nero, Mavro Kyro, Staphili-Mavro 3.575
Xynisteri weiß - 2.092
Mazuelo rot Carignan 481
Sultana weiß Sultaniye 371
Cabernet Sauvignon rot - 369
Syrah rot Shiraz 244
Cabernet Franc rot - 203
Monastrell rot Mataro, Mourvèdre 172
Maratheftiko rot - 152
Ofthalmo rot - 141
Chardonnay weiß - 128
Muscat d’Alexandrie weiß - 120
Vertzami rot Lefkada 96
Garnacha Tinta rot Grenache Noir 84
Merlot rot - 63
Spourtiko weiß Spourtico 10
Promara weiß - ?
Yiannoudi rot Yiannoudhi ?

Die Weinbaugebiete liegen großteils im Südwesten der Insel in den südlichen Ausläufern des Troodos-Gebirges in 250 bis 1.500 Meter Seehöhe, womit sie zu den höchstgelegenen Weinbergen in Europa zählen. Pitsilia und die nördliche Hälfte von Commandaria weisen vulkanische, die anderen Bereiche vor allem Kalkgesteinsböden auf. Es herrscht typisches mediterranes Klima mit milden Wintern und heißen Sommern sowie geringen Niederschlagsmengen vor. Im Jahre 2012 umfassten die Rebflächen 9.000 Hektar, von denen 107.000 Hektoliter Wein produziert wurden. Der überwiegende Teil der Traubenernte dient jedoch für die Produktion von Tafeltrauben und Rosinen. Die Zyprioten waren früher keine allzu großen Weingenießer, sondern haben vor allem Bier, Branntwein und Ouzo konsumiert. Es gibt jedoch eine Trendumkehr zugunsten von Wein.

Erst mit dem Beitritt Zyperns zur EU wurde ein herkunftsorientiertes Klassifikationsmodell nach französischem Vorbild eingeführt, das im Jahre 2006 wirksam wurde. Es sind insgesamt fünf Bereiche für so genannte OEOP-Weine mit Herkunftsbezeichnung definiert (OEOP = Oinos Eleghomenis Onomasias Proelefsis). Diese Weine müssen aus Rebbergen stammen, die höher als 600 Meter Seehöhe liegen. Sie müssen zu 85% aus heimischen Sorten wie Xynisteri (weiß), sowie Maratheftiko, Mavro oder Ophthalmo (alle rot) gekeltert werden. Weiters darf der Anteil der Sorte Mavro je nach Anbaugebiet maximal 60 beziehungsweise 70% betragen. Die Vinifikation und die Abfüllung müssen in den OEOP-Gebieten erfolgen. Die Ursprungsbezeichnung für die Produktion von Landweinen entspricht der politischen Unterteilung der Republik Zypern mit den vier Distrikten Larnaka, Limassol, Nikosia und Paphos. Hier ist den Winzern freie Gestaltung möglich, vor allem bezüglich der Verwendung internationaler Rebsorten. Die fünf OEOP-Bereiche sind:

Commandaria: Der Bereich umfasst 14 Gemeinden in den südlichen Ausläufern des Troodos-Gebirges nördlich von Limassol. Er wurde als erster bereits 1980 definiert.

Krasohoria Lemesou: Der Bereich umfasst 20 Gemeinden in den südlichen Ausläufern des Troodos-Gebirges nördlich von Limassol. Zwei Subbereiche sind Afames und Laona.

Laona Akamas: Der Bereich umfasst sechs Gemeinden an der Küste ganz im Nordwesten der Insel nördlich der Hafenstadt Paphos. Die mythenträchtige Halbinsel Akamas steht wegen ihres besonderen Pflanzenreichtums unter Naturschutz.

Pitsilia: Der größte Bereich umfasst 32 Dörfer am Ostrand des Troodos-Gebirges oberhalb von Commandaria und ist auch für seine Obstbäume und Rosenkulturen bekannt.

Vouni Panayia Ambelitis: Der Doppel-Bereich liegt im zentralen Westen der Insel am Westrand des Troodos-Gebirges nordöstlich von Paphos.

Der Großteil der Produktion entfällt auf die vier großen Unternehmen Etko, Keo, Loel und Sodap mit Sitz um Limassol im Süden der Insel. Diese produzieren vor allem für den Export, und zwar hauptsächlich Wein für die industrielle Weiterverarbeitung (z. B. Sangria und Wermut), Traubenmostkonzentrat bzw. RTK (z. B. für British Wine) und Likörweine. Zu ihrem Besitz zählen auch einige regionale Kellereien. Die über 50 Privatkellereien produzieren rund 15% der Menge (mit steigender Tendenz) mit zunehmend hohem Qualitätsanspruch. Das sind Aes Ambelis, Amforeas (Kolios), Ampelokipeftiki, Antoniades, Ayia Mavri, Bolita, Chrisorogiatissa, Constantinou Distillery, Costas N. Erimoudes, Ezousa, Fikardos, Gaia, Hadjiantonas, Harma, Krelan, Kyperounta, Kykkos Monastery, Lagria, Linos, Menardos, Nelion, Nicolaides, Nikolettino, Vouni Panayias, Shoufas, Tsalapatis, Tsangarides, Tsiakkas, Vardalis, Vasa, Vasilikon, Vlassides, Yiaskouris, Zambartas, Zenon.
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