AW: Chateau Lichten: Petite Arvine
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Betreff: AW: Chateau Lichten: Petite Arvine
Datum: 2007-03-05 20:30:03Absender: Peter Züllig
Grüezi Andreas
Tatsächlich beschäftigt sich die Schweizer-Ausgabe
von "Vinum" - erst heute in meinem Briefkasten
vorgefunden - schwerpunktmässig mit Schweizer-
Weinen. Und da stehen - wie könnte es auch anders sein -
die vielbesprochenen und besungenen "Autochthonen"
aus dem Wallis immer wieder im Mittelpunkt. Petit Arvin,
den Du beschrieben hast, gehört dazu. Vinum bezeichnet
ihn - auf Grund einer Probe - als den "heimlichen Star".
Nun, das ist hier in Weinkreisen längst bekannt und die
Aufbruchstimmung im früher weinmässig recht eintönigen
Wallis (Fendant und Dôle) ist nicht zu übersehen.
So hat sich die Anbaufläche für den Petit Arvin in
den letzten Jahren mehr als verdoppelt - ist aber
noch immer verhältnismässig klein (ca. 70 Hektaren).
Auch wenn das Wallis der grösste Weinanbau-Kanton
der Schweiz ist, so sind die Weinregionen da trotzdem
ordentlich beschränkt (langgezogenes Tal, bald einmal
grosse Höhe!). Doch der gepflegte "Kleinanbau"
von Sorten, die im - gegen Norden und Süden abgeschirmten
(Berge, Alpen) - Wallis überlebt haben, ist hier
wie kaum in einer andern Gegend im Vormarsch.
Bei den Weissen gibt es da auch den Amigne, der -
wenn perfekt gereift - eine eigenartige, fast
orangenartige Süsse entwickeln kann. Es lohnt sich
einmal zu probieren.
Dann der etwas herbe, trockene Humagne blanc,
der im Alter - so sagen die Degustatoren - an
Tannen-Harz erinnert.
Nicht zu vergessen den Haida Wein, auch Paien
genannt, der im Oberwallis früher nur auf mehr als
1000 Metern Höhe (Oberwallis) angebaut wurde,
inzwischen aber im ganzen Wallis vereinzelt anzu-
treffen ist.
Auch bei den Roten haben wir im Wallis ein paar
Spezialitäten: der Cornalin, eine der ältesten
Rebsorten Europas, die noch angepflanzt wird.
Sie liefern einen kräftigen, terroirgeprägten
Wein.
Oder der Spätreife Humagne rouge (nicht
mit dem Humagne blanc verwandt), ein Lagerwein,
der sich im Alter immer mehr verfeinert und
veredelt.
Es wäre aber falsch, nur das Wallis beim Schweizer
Qualitätswein zu erwähnen. Der Pinot noir, oder
eben der Blauburgunder, erreicht vorwiegend in
der Ostschweiz (Bündner Herrschaft, aber auch
in anderen Gegenden) eine schon fast sensationelle
Qualität. Gantenbein ist das weltweite "Aushänge-
schild", doch es gibt eine ganze Reihe durchaus
ebenbürtiger Winzer, die Jahr für Jahr eigenständige,
meist terroirgeprägte, Qualitätsweine keltern.
Ich beginne gar nicht mit dem Aufzählen, wir haben
in den vergangenen Jahren im Forum oft
darüber gesprochen.
Und noch etwas darf nicht vergessen werden -
auch es gehört zu der Weinschweiz: der Tessin.
Hier entstehen Spitzen-Merlot, die zu den besten
Merlots überhaupt gehören und - noch vor den Wallisern -
die Qualitätsdiskussion in der Schweiz erst in Gang gebracht
haben: Stucky, Kaufmann, Huber, Klausner etc.
Sie alle liefern Jahr für Jahr Zeugnisse ab, der
beachtlichen Schweizer Wein"kunst".
Sicher ist nicht alles so rosig und "gehoben"
im Bereich "Schweizer Wein". So hat der traditionelle
Westschweizer zwar in einer wunderschönen Lage
über dem Genfersee seine Stammheimat und trotzdem
hat er einen schweren Stand. Der Chasselas mag -
vor allem im Ausland - so gar nicht recht Anklang
finden und auch in der Schweiz verliert er
ständig an Beachtung. In der Waadt - bis hinunter
nach Genf - finden wir unzweifelhaft die schönsten
Weingegenden, Weindörfer, Rebberge und Rebterrassen.
Der Wein sei auch der "schweizerischste" sagen
meine welschen Weinfreunde, im Alltag prostet man
einander damit zu, aber bei Degustationen und in
der gehobenen Küche, da tritt er immer mehr in
den Hintergrund. Ich habe den Eindruck, da muss
in den nächsten Jahren einiges geschehen, denn
der "internationale" Stil oder Geschmack wendet
sich immer mehr von diesem "Schweizer"-Wein weg,
Richtung feinerer, weniger säurehaltigeren,
differenzierteren Weissen. Der Riesling ist nur ein
Beispiel, wie selbst in der Schweiz der bei uns
als sehr deutsch empfundener Riesling - Chasselas-
Liebhaber sagen, er sei viel zu süss, auch der
trockene - an Achtung und Ansehen gewinnt.
So, jetzt geh ich in den Keller und hole mir:
einen Pino blanc aus der Bündner Herrschaft.
Zum Wohl!
Herzlich
Peter
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
Auftrag von Andreas Jordan
Gesendet: Samstag, 3. März 2007 12:38
An: zuelligpe@bluewin.ch
Betreff: [weinforum] Chateau Lichten: Petite Arvine
Hallo zusammen,
nach langer Zeit mal wieder eine kleine Verkostungsnotiz von mir:
Da ich derzeit ein Projekt in Bern habe, nutze ich die Gelegenheit mich
einmal mit Schweizer Wein zu beschäftigen.
Da in der dem letzten Wein-Plus-Paket beiliegenden Vinum auch Schweizer
Weine beschrieben wurden, habe ich gleich mal einen ersten Versuch
gestartet:
Chateau Lichten: Petite Arvine (Jahrgang 2005)
Beginnen möchte ich mit dem "Ohr-Eindruck", denn der Wein macht noch
Geräusche ... fachmännisch ausgedrückt würde das wohl ein wenig
Gärkohlensäure sein (oder zugesetzte? egal). Nicht viel, nur ein ganz
wenig - sehr passend. Der Wein ist sehr frisch und durchaus fruchtig
(erinnert hierbei etwas an den Riesling, den ich sonst viel trinke). Auf
der anderen Seite ist dieser Wein aber auch cremig (buttrig?) und hat
Nussaromen (was ich sonst eher von hellen Burgundern kenne). Diese
Vielschichtigkeit und das sehr angenehme Mundgefühl haben dazu geführt,
dass ich diese Woche zwei weitere Flaschen über die Grenze gefahren habe -
es ist einfach ein Wein, den ich in dieser Form noch nicht getrunken habe.
Preis: 22 CHF. Wenn man 2:1 umrechnet, passt der Preis. Bei 11 Euro hat er
ein sehr gute Preis-Genuss-Verhältnis. Der Rest ist halt der
Schweiz-Zuschlag...
Weitere Tipps für Schweizer Wein werden natürlich gerne entgegen genommen.
Viele Grüße,
Andreas
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