AW: Frankenwein Pfalzschoppen, war Re: AW:
Zurück zum aktuellen Forum zum alten Wein-Plus.de Archiv
Betreff: AW: Frankenwein + Pfalzschoppen, war Re: AW:
Datum: 2002-01-01 05:26:27Absender: Jürgen Steinmeyer
Hallo Norbert,
ich schreibe dazwischen
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
Auftrag von Norbert.Pobbig@t-online.de
Gesendet: Mittwoch, 12. September 2007 20:28
An: JSteinmeyer@arcor.de
Betreff: [weinforum] Frankenwein + Pfalzschoppen, war Re: AW: 0-
> Hallo Jürgen,
> ist das wahr?
Ganz gewißlich, bin ich doch als Tatsachenberichterstatter
weithin und auch außerhalb bekannt. Auch würde ich nie
das hier versammelte erlauchte, belesene und gar manchmal
geschäftstüchtige Auditorium belügen.
Ich könnte dir stundenlang sowohl saukomische wie auch
unrechtliche Begebenheiten aus der Gastronomie schildern,
die noch viel wahrerer sind.
> Muß man da bezahlen?
Nö, aber dann darfst du auch nicht den Rüssel reinhängen.
> Das ist doch offensichtlicher Betrug.
In eigentlichen Sinne schon. Hier in Bayern wohl eher nicht,
weil sich die Weinkenntnisse in der Frage erschöpfen:
Rot, Weiß oder ein Pfälzer.
Der gemeine Bayer weiß, daß man bei bestelltem Hefeweizen
dem Kristallweizen keine Hefe unterm Thresen zufügen darf,
er weiß, wie man dem Nachbarn im Streit sachgemäß einen
Maßkrug aufsetzt (auf den Kopf). Aber beim Wein beißt es aus,
da ist er recht anspruchslos und unterscheidet nur zwischen
süß und sauer. Wein trinkt man zur Kirchweih, zur Kindstauf
und zum Leichenschmauß, aus.
Meine Frau und ich waren mal in unserem Viertel Tagesgespräch.
Weil wir auf der nicht einsehbaren Terasse an einem
lauen Mittwoch-Abend Lust auf einen Rebsortensekt hatten.
Wir wären abgehobene Verschwender. Und an einem Mittwoch
macht das ohne Grund nur ein Möchtegernkrösus in aller
Öffentlichkeit. Die müssen mit einer Leiter oder vielen
aufeinandergestapelten Kisten zugesehen haben.
> Also ich hätte da kein Geld freiwillig liegenlassen.
> Ich hätte eher erwartet, daß das ein Fall für die
> Weinkontrolle ist!
Ja, wenn man grad keine zuständige Weinkontrolle
zur Hand hat. Der Beweis ist auch schwierig, weil
die Dame alles abstreitet und ihre Gäste für weniger
sachkundig hält als ihre Fachkraftkenntnisse
(Prosecco ist ein italienischer Champagner;
wenn ihnen der Wein zu sauer ist, bringe ich ihnen
gerne etwas zum nachsüßen; der Franzose ist der Beste ...)
Am besten erwischte es eine Weinstube an der hessischen
Bergstraße. Ich kam mit 3 Kollegen von einem Sensorik-
Workshop. Wir bestellten 4 verschiedene Weine, um rundum
die Gläser tauschen zu können. Alles aus einer Flasche.
Wie mir der zuständige Kollege berichtete, kam es zu
einem Bußgeldverfahren. Im öffentlichen Verkauf eines
Weingutes per Flasche wäre es keine OWi, sondern Betrug.
Und wie oft habe ich in der Gastronomie eine 30seitige
ledergebundene Weinkarte gesehen, die einem Warenbestand
von 4 verschiedenen Weinsorten gegenüberstanden.
"Warum stehen auf der Weinkarte verschiedene Jahrgänge,
auf den Flaschen aber nicht?"
"Weil der Kunde gerne Jahrgangsweine trinkt.
Wo ist das Problem.
So hat jeder, was er will.
> Mit besten Grüßen aus Berlin
> Norbert Pobbig
> Medienbüro Norbert Pobbig, Verlag
> Der Berliner Weinführer
> Gounodstraße 49, 13088 Berlin
> www.berliner-weinfuehrer.de
Freundliche Grüße aus dem schönen Augsburg
Jürgen
-----Original Message-----
> Date: Tue, 01 Jan 2002 03:44:44 +0100
> Subject: [weinforum] AW: 0- 5 Grad wirklich schaedlich?
> From: JXrgen Steinmeyer <JSteinmeyer@arcor.de>
>
>..........
> Aber aber - nicht so, wie mir vor einigen Jahren passierte.
> Wir besuchten an einem warmen Sommertag eine sehr bekannte
> Augsburger "Weinschenke" nahe der Marionettenbühne.
> Beim Blick in die Getränkekarte verging mir der Durst.
> Es wurden nur 0,2 Ltr-Gläser! verschämt versteckt angeboten,
> der Frankensilvaner trocken QbA für damals knapp 9 DM,-
> das Viertele also 11 DM.
> Na ja, wenn man schon mal da ist, will man die Weinstube
> kennenlernen. Dann wurde das Einschenken zelebriert:
> Der Anbruchbocksbeutel reichte nur für ein Drittel im
> goldverzierten Römer! Dann klopfte die Bedienung auf den
> Flaschenboden, wobei der herausrieselnde Weinstein bereits
> zur Zweidrittelglasfüllung beitrug. Das letzte Drittel
> wurde aus einer Literflasche mit ockerfarbigen Gebietsetikett
> der südlichen Weinstraße beigeschenkt.
>
> Da hatte ich nicht nur den Schönheitsfehler im Glas,
> ich mußte ihn auch noch ohne Genußerlebnis bezahlen.
> Ich habe dann dem Frankenanteil 14,5 P. und dem Pfälzeranteil
> glatte 12 Punkte gegeben.
>
--
--