AW: Pierre Usseglio - Chateauneuf du Pape
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Betreff: AW: Pierre Usseglio - Chateauneuf du Pape
Datum: 2004-01-27 13:58:50Absender: "Uwe Bende"
Hallo Reiner,
die Usseglios hatten wohl auch früher schon VdP, den sie allerdings nicht
sonderlich vermarktet hatten. Nun haben sie in diesem ausgezeichneten Jahr
einer Parzelle mit Merlot mehr Aufmerksamkeit gewidmet als das wohl sonst
üblich war (so sie diese Parzelle denn auch schon früher hatten; das weiss
ich nun nicht sicher). Der Ertrag wurde reduziert und der Ausbau erfolgt
wohl zum Teil auch noch im Barrique. Offensichtlich möchte man eine weitere
Linie des Weingutes unter den Chateauneufs etablieren. Wie jetzt die
Usseglios, halten es ja schon eine ganze Weile auch viele andere.
Chateauneuf ist halt nicht beliebig zu vermehren, Parzellen stehen
üblicherweise nicht zum Verkauf und wenn dann zu solchen Preisen, dass
frühestens die Ur-Ur-Ur-Enkel wirklich daran partizipieren könnten. So
versucht man halt die Reputation des Weingutes auch auf andere Produkte zu
übertragen und weitere weininteressierte anzuziehen. Da diese Weine aus
anderen Rebsorten und nicht den klassischen Ch9-Sorten gewonnen werden wird
das wohl auch ganz gut funktionieren. Spontan fallen mir drei Weingüter mit
dem vielleicht grössten Sortiment neben Chateauneuf du Pape ein: de la
Janasse, Vieille Julienne und Clos du Caillou. Von diesen dreien habe ich
ganz hervorragende Weine anderen Stils für mehr als akzeptable Preise
getrunken. Es ist die Möglichkeit mit ordentlichen und preisgünstigeren
Weinen ein weiteres Klientel anzusprechen, dass sich vorher vielleicht auf
Grund des wuchtigen Chateauneufstils oder auch des Preises mit den Weinen
des jeweiligen Gutes eher nicht auseinandergesetzt hatte. Jedenfalls bin ich
mal sehr gespannt was aus diesem Merlot der Usseglios herauskommt,
wenngleich sich auch an meiner Liebe zu den gewaltigen, voluminösen,
kraftvollen, wunderbaren und bisweilen auch sehr feinen Chateauneufs nichts
ändern wird.
In diesem Sinne viele Grüße
Uwe
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
Auftrag von Dr.Reiner Faul
Gesendet: Montag, 26. Januar 2004 19:43
An: weinforum@wein-plus.de
Betreff: [weinforum] Pierre Usseglio - Chateauneuf du Pape 2001, 2002,
2003
Hallo Uwe,
vielen Dank für Deinen sehr guten Bericht aus Châteauneuf du Pâpe.
Eine Frage hätte ich nur zu Pierre Usséglio, nachdem ich die Weine schon
einige Jahre kenne und noch nie etwa von einem Merlot gehört habe, würd e es
mich interessieren was das für ein Wein ist.
Viele Grüße aus Freising, Reiner
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
Auftrag von Uwe Bende
Gesendet: Donnerstag, 22. Januar 2004 18:41
An: weinforum@wein-plus.de
Betreff: [weinforum] Chateauneuf du Pape 2001, 2002, 2003 (Teil
Teil 3 und Ende
Am Mittwochvormittag standen noch zwei Winzer auf dem Programm bevor es
dann
in den obligatorischen Kulturteil ging. Zuerst ging's zur:
Domaine Pierre Usseglio
wo wir von Thierry Usseglio wie verabredet und freundlicherweise mit
einigen
frühen Fassproben der 2003er empfangen wurden
2002 Domaine Pierre Usseglio Chateauneuf du Pape
100% Grenache; dunkle Frucht und etwas Alkohol zeigten sich in der Nase,
süsslich, charmante rote Frucht, Stoff und Kraft, mittleres Volumen und
eine
dominante Himbeerfrucht zeichnen diesen Wein aus (87-88+)
2003 Domaine Pierre Usseglio Fassprobe 1. Fass (wird zT. in den Tradition
und zum Teil in den Mon Aieul 2003 gehen)
kräftiges, schwarz-dunkles, sattes Rot; enorm viel schwarze dunkle Frucht,
Kräuter und Ledernoten; am Gaumen regelrecht explodierend und hammerartig,
super tief und ewig lang anhaltend, sehr viel schwarze Beerenfrucht, grosse
Struktur, ein riesen Körper, Volumen und einfach nicht enden wollen
(94-97);
da hätte ich mir auch gern ein Fässchen von abgezapft
2003 Domaine Pierre Usseglio Fassprobe Merlot 14,5% A
sehr klassische rote Merlotfrucht, charmantes, weiches, samtiges Tannin und
eine runde rote Frucht die am Gaumen den Süden Frankreichs präsentiert
(87-89)
2001, 2000 und 1999, die wir ebenfalls erneut probieren durften zeigten
sich
wie gewohnt klassisch gut, wobei für mich der 2001er nach wie vor der
beste
Tradition Ch9 ist, den ich von dieser Domaine bis heute getrunken habe. Ein
echter Hammerwein, der in jeden halbwegs gut sortierten Rhonekeller hinein
gehört. Danke auch hier für die Möglichkeit dieser sehr frühen und
sicherlich nicht üblichen 2003er Fassproben, die Thierry extra für uns im
Vorfeld abgefüllt hatte.
Weiter ging's zu unserer letzten Weinstation, zu dem stets bestens
gelaunten
und zu Scherzen aufgelegten Jean-Paul Versino
Domaine Bois de Boursan
Beim 2002er hat sich Jean-Paul Versino entschlossen die gesamte Ernte an
Negociants zu verkaufen und keine einzige Flasche selbst abzufüllen.
Jean-Paul Versino gehört zu den Winzern, die, wie viele andere auch, weit
über den Tellerrand der eigenen Domaine und Appellation hinaus schauen,
probieren und beobachten, aber sehr konkrete Vorstellungen ihres eigenen
Weines haben. So sind die Versuche mit dem Entrappen der Trauben auch
weitestgehend Versuche geblieben. Für Jean-Paul ist der Wein aus
entrappten
Trauben seiner eigenen Domaine sicherlich ein guter Chateauneuf wie er
selbst sagt, aber er ist dann kein Versino mehr. Und genau das ist ihm
wichtiger. Einen klassischen, guten Versino-Chateauneuf zu machen, der halt
nicht von entrappten Trauben stammt und auch nicht einem jeden, aber den
Freunden dieser Weine ein Vergnügen sein wird und muss. Generell macht das
sein Weine sicherlich ein wenig kräftiger, maskuliner, manchmal auch
strenger und doch zaubert Jean-Paul aus seinem Lesegut Weine von ganz
hervorragendem Stil die sicherlich zu den klassischen Chateauneuf mit
langer
Lebensdauer gezählt werden dürfen.
2003 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape blanc
35% Grenache blanc, 35% Clairette, 15% Roussanne, 15% Bourboulenc; sehr
florale Noten, Flieder und etwas exotische Frucht in der Nase; Floral auch
am Gaumen, charmante süsse Frucht, Exotik und von ordentlicher Struktur
(87-89); ein unkompliziert und in seiner Jugend charmant zu trinkender
weisser Chateauneuf
2003 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape Tradition Fassprobe
65% Grenache, 15% Syrah, 15% Mourvedre und 5% sonstige; in der Nase noch
nicht so ganz auf der Höhe und seine dunklen Fruchtaromen noch ein wenig
zurückhaltend; dafür enorm viel süsse schwarze Frucht am Gaumen, Körper,
Struktur, viel Volumen und Länge (90-93)
2003 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape Cuvee Felix Fassprobe
65% Grenache, 10% Syrah, 20% Mourvedre; viel süsse Noten von Leder, Erde,
Garrigue und schwarzer Frucht; am Gaumen sehr viel Struktur, grosser
Körper,
hervorragendes Tannin und starke schwarze Brombeeren und Johannisbeeren
von dezenter Vanille begleitet (93-96)
2003 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape Fassprobe ENTRAPPT
(ein Fass hat Jean-Paul dann doch entrappt und weiss aber heute noch nicht
so genau welchem Wein es wohl zukommen wird) dezent mineralische Noten,
Leder und Erde an der Nase; viel süsse schwarze Frucht, sehr viel dunkle
Note von Tabak, Leder und Kaffee (92-94)
2003 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape Fassprobe 50% Cuvee Felix
und 50% entrappt
da ich diesen blend selbst gemacht habe und er nicht von Jean-Paul Versino
gemacht wurde, ist es wohl in dieser Form nicht ganz üblich, aber das
spielen genau damit (so auch letztes Jahr von Andreas Ansat, der im
Verhältnis der Ernte 2001er Tradition, VV und Reserve mischte; tolles
Ergebnis!) find ich so wahnsinnig faszinierend. Immer wieder neue
Mischungsverhältnisse und immer wieder Nuancen an Unterschieden und dies
im
Laufe der Reifung der Fässer immer und immer wieder machen zu dürfen und
können, das ist schon ein ganz besonderes Geschenk der Arbeit an den
Winzer.
Für mich jedenfalls war dieser Blend 50/50 die beste Partie (97-) ;-)
2001 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape Tradition
riesig schwarze Frucht, Kirsche, Brombeeren, Garrigue und Süsse dominieren
die Nase; sehr strukturiert am Gaumen, Körper, Charme, gutes Tannin, rote,
klassische Frucht (und etwas Banane??????, da war ich mir irgendwie nicht
so
ganz sicher) (91-92)
2001 Domaine Bois de Boursan Chateauneuf du Pape Cuvee Felix
zum Abschluss noch mal ein wunderschönes highlight aus Chateauneuf; dunkle
Noten, Strukturiert schon in der Nase wirkend, Erde, Leder und
Schwarzfrucht; Voluminös am Gaumen, starke Kräutertöne, Leder, Erde und
viel
schwarze Frucht, Brombeere und Kirsche, mit etwas Zeit an der Luft immer
mehr Kaffee, Schoko und Röstaromen, super konzentriert und sehr viel
Körper
(96-97+)
An dieser Stelle möchte ich noch einmal bei allen Winzer für die besondere
Aufmerksamkeit, die grosszügigen Proben und das seltene Geschenk der enorm
frühen 2003er Fassproben danken.
Darüber hinaus soll auch hier nicht unerwähnt bleiben, dass die
beanstandeten Kork-Flaschen, sowohl bei Pegau als auch bei Didiere Charavin
anstandslos und ohne jedes zucken ersetzt wurden (die Flaschen hatten wir
mit). Danke auch dafür.
Dann ging's in den kulturellen Teil und am nächsten Tag nach
Verstauungsproblemen und Franzosen, die ob der eingepackten und noch
einzupackenden Mengen, zwei "verrückte" deutsche fotografierten um es der
Nachwelt überliefern zu können, wie bescheuert Weinverrückte sein können
;-)
Kurzer stop in Tain L'Hermitage, rauf auf den Berg und vor die Chapelle de
l'Eremite und dann ab gen Heimat.
Demjenigen, der bis hier durchgehalten hat meinen Dank für die
Aufmerksamkeit und
viele Grüße aus Bochum
Uwe Bende