AW: RE: Interview mit Reinhard Loewenstein
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Betreff: AW: RE: Interview mit Reinhard Loewenstein
Datum: 2006-12-18 16:30:48Absender: Jürgen Steinmeyer
> Und "Terroir" ist meiner Meinung nach durchaus etwas,
> was vom Winzer herausgekitzelt werden muß. Die
> schönsten Lagen sind witzlos, wenn der Erzeuger nicht
> fähig ist, sie zu interpretieren.
Hallo Bernd,
das ist eine schöne Interpretation, aber es ist nur
eine Werbeaussage der Terroirverkäufer.
Freilich richtet sich der Laubschnitt nach Standweite,
Bodendurchlässigkeit und Erziehungsart.
Aber es ist nichts geheimnisvolles.
Auch der gemeine Winzer kennt das Menge-Gütegesetz
und qualitätsfördernde Maßnahmen.
Terroir verliert sich in der Menge und geringer Qualität.
Wenn ein Terroir vorhanden ist, dann muß ich immer
und überall das gleiche tun. Ich muß den Anschnitt
begrenzen, die Trauben gesund halten und selektiv lesen.
Ich muß den Trauben das lassen, was sie standortmäßig
in sich tragen.
Das hat nichts mit esotherisch-philosophischer
Einflußnahme zu tun. Nicht mit der überragenden Fähigkeit,
den Weinberg ähnlich eines Fußballspiels zu lesen.
Und schon gar nicht mit überlegenen Intellekt oder
nur einer Elite offen stehendem Geheimwissen.
> "Terroir" ... hat in der Tat sehr viel mit "Philosophie"
> zu tun. Oder anders ausgedrückt: Terroir existiert
> hauptsächlich im Kopf!
Genau das ist es eben nicht.
So wie die italienische Landschaft von der Flora und dem
typischen Baustiel geprägt wird, so wird die Herkunft unverbildeter
Traubenerzeugung sensorisch durch das mögliche Terroir erkennbar.
Das hat überhaupt nicht mit Denken zu tun. Es ist ein
sensorisches Erkennen durch Erfahrung, das man nicht begreifen muß.
Aber das ist ja den meisten zu einfach.
Den untenstehenden Ausführungen von Joachim schließe ich
mich vollinhaltlich an.
Freundliche Grüße
Jürgen
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@apris.de [mailto:weinforum_owner@apris.de]Im
Auftrag von Bernd Schulz
Gesendet: Sonntag, 17. Dezember 2006 22:31
An: weinforum@wein-plus.de
Betreff: [weinforum] RE: Interview mit Reinhard Loewenstein
Hallo Joachim,
gegen die von Thomas zitierte Terroir-Definition habe
ich grundsätzlich überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil
- für falsch halte ich keinen dieser Sätze. Nur glaube
ich nicht, daß man einem komplexen Begriff gerecht
werden kann, indem man ein paar an sich nicht
verkehrte Paragraphen herunterspult. Mir der Sprache
verhält es sich nicht so simpel.
Und "Terroir" ist meiner Meinung nach durchaus etwas,
was vom Winzer herausgekitzelt werden muß. Die
schönsten Lagen sind witzlos, wenn der Erzeuger nicht
fähig ist, sie zu interpretieren. Gerade an der Mosel
finden sich dafür (leider) unzählige Beispiele.
"Aber was soll's? Hab ich Philosophie, so ist das
Terroir nicht mehr fern"
Stimmt ;-). "Terroir" ist kein "objektiver", quasi
naturwissenschaftlich exakt definierbarer Begriff, Er
hat in der Tat sehr viel mit "Philosophie" zu tun.
Oder anders ausgedrückt: Terroir existiert
hauptsächlich im Kopf!
Viele Grüße
Bernd
--- Joachim Buchta <forum@vinoscastellanos.de>
schrieb:
> Hallo Bernd,
>
> auch wenn die E-Mail von Thomas etwas im
> verschärften Deck-Stil
> geschrieben wurde, im Grunde hat er recht:
>
> Terroir ist eine zunächst auf die Parzelle mitsamt
> zugehörigem
> Kleinklima ausgelegte Definition und ist vom
> handelnden Winzer zunächst
> einmal unabhängig. Terroir ist nicht dazu da, die
> Weine von Herrn Mülle r
> von denen des Herrn Meier und denen des Herrn
> Löwenstein zu
> unterscheiden, sondern verschiedene Lagen, Parzellen
> oder ähnliche
> Einheiten.
>
> Nachdem ich das Interview gelesen hatte, musste ich
> mich schon ein wenig
> wundern. Da legt sich jemand mit gutem Namen seine
> Welt zurecht und
> nennt das dann hinterher Terroir. Natürlich kann man
> einen Wein namens
> "Schieferterrassen" machen und dann ein Terroir
> aussenherum
> konstruieren. Mit dem Konzept des Terroirs hat das
> nur leider gar nichts
> zu tun. Und die abwertenden Rundumschläge sollte man
> besser ignorieren.
> So ist zum Beispeil der Pingus von Peter Sisseck
> zehnmal mehr
> Terroirwein als manch Löwenstein-Wein.
>
> Und die Monsanto-Geschichte ist schon ein starkes
> Stück. Zu ignorieren,
> dass man seit Jahrzehnten das Thema Bodenverdichtung
> mit Raupentrktoren
> einigermassen im Griff hat - wenn er es nicht
> glaubt, soll er mal bei
> Joly oder Barral nachfragen - und dass andere in
> Steillagen auch mit der
> Hacke arbeiten, vereinfacht die Sicht der Welt
> natürlich.
>
> Aber was soll's? Hab? ich Philosophie so ist das
> Terroir nicht mehr fern
> ....
>
> Saludos!
>
> Joachim
--