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AW: Re: Italien und Sangiovese

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     (1227 Beiträge)

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Betreff: AW: Re: Italien und Sangiovese

Datum: 2010-02-28 12:20:22
Absender:  Peter Züllig



Grüezi Michaela

Doch, Du hast viel versäumt, wenn Du nicht mehr - aus welchen Gründen auch
immer -
"dabei" gewesen bist. Der Kontroversen sind eigentlich wenig, vielleicht
sogar zu wenig. Und es gibt immer wieder tolle Aussagen über tolle (und
weniger
tolle) Weine und Weingebiete. In unmittelbarer Erinnerung sind mir
geblieben:
"Von den glücklichen Momenten des Weindaseins" von Marcus Hofschuster, die
Antwort
von Bruno Schuler auf meine Suche nach italienischen Weinen, "Burgunder der
Jahre
1919-1953" von Norbert Kreutzer, "Probe dänischer Weine" von Wolfgang
Funk....und,
und, und....
Dies sind nur einige wenige Beiträge, die in nachhaltiger Erinnerung
geblieben sind -
und die mich auf meinem Weg "zur nicht angestrebten Weinwahrheit" begleitet
und
auch auf neue Wege gebracht haben.

Da lohnt es sich, mitunter nicht nur mitzulesen, sondern auch mitzutun.
Denn vieles von dem ist in all den Weinzeitschriften mit und ohne Hochglanz
so nicht zu lesen und so authentisch nicht zu finden.
Herzlich - wohl genau so entspannt
Peter

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: weinforum_owner@wein-plus.de [mailto:weinforum_owner@wein-plus.de] Im
Auftrag von Michaela Maier
Gesendet: Freitag, 26. Februar 2010 18:15
An: zuelligpe@bluewin.ch
Betreff: [weinforum] AW: Re: Italien und Sangiovese

Bei sone Keilereien geht's darum, sich DER EINEN Wahrheit zu nähern?
Dann hab ich die letzten zehn Jahre vielleicht nicht so viel versäumt.
Entspannte Grüße,
M.

--- Peter Züllig <zuelligpe@bluewin.ch> schrieb am Fr, 26.2.2010:

Von: Peter Züllig <zuelligpe@bluewin.ch>
Betreff: [weinforum] Re: Italien und Sangiovese
An: michaelamaier77@yahoo.de
Datum: Freitag, 26. Februar, 2010 09:30 Uhr


Lieber Thomas

auch wenn Dich - weil "ausgetreten" aus unserer Forumsgemeinschaft -
diese Antwort nicht mehr erreichen sollte, so ist sie mir in -
Freundschaft - doch eine Antwort wert.

Wie so oft gehst Du der Sache auf den Grund, ruhst nicht, eh Du
verstehen und begreifen kannst, warum etwas so und nicht anders ist;
lässt nicht locker, bis Du mit Deinen eigenen geschärften Sinnen der
"Wahrheit" einen Schritt näher gekommen bist. Das ehrt Dich und darum
habe ich Dich und Deine Art und Dich so gern.

Wenn Du Deine Lebensphilosophie und Deine Erfahrung auf mich
überträgst, dann hast Du zweifellos mit Deinem Mail recht; dann ist
Deine Erklärung meiner Weinpräferenz zweifellos richtig.

Nur - ich funktioniere und das weisst Du - etwas anders. Es stimmt
zwar, dass ich mehr Zeit, Energie und wohl auch mehr Geld in
französische Weine stecke; dass franzöische Weine (eben, weil ich
mich intensiv damit befasse!) irgendwie zur zweiten Heimat geworden
sind.

Dort, wo man sich daheim fühlt, wo man emotionale Wurzeln geschlagen
hat, zieht es einem immer wieder hin. Da ist man nicht nur
nachsichtiger, vielleicht sogar verbissener, rechthaberischer (man hat
es ja selbst erlebt!) und wohlwollender, als gegenüber der
"unheimlichen" - aber sehr spannenden - Fremde.

Wie so soll dies beim Wein und den Weinpräferenzen anders sein, als
sonst im Leben? Trotzdem: in der Jugend und im Alter lockt die Fremde
ganz besonders (zwischendurch ist man damit beschäftigt die eigenen
Heimaten - meist sind es mehrere - aufzubauen und zu pflegen). In der
Jugend aber ist "Zuhause" eher ein Schimpfwort, denn man möchte
Erfahrungen sammeln, man möchte neue Welten kennenlernen.
Im Alter kehrt der Aufbruchswunsch - wenigstens bei mir - zurück.
Man hat nicht mehr so viel Zeit um Neues kennenzulernen, um
verschüttete Erfahrungen zurückzuholen, um das ohnehin immer
stärker begrenzte Spektrum der Lebensqualität weiteer auszuloten.

In diesem Sinn, mit dieser Offenheit des Alters, bin ich auch zu -
für mich - neuen Weinwelten immer wieder aufgebrochen. Nicht nur nach
Italien, auch nach China, Georgien, Oesterreich, Spanien, Portugal....


Und da macht es doch auch Sinn, wenn mir jene Gemeinschaft dabei
hilft, in der ich nicht nur interessanten Menschen, wissenden
Menschen, sondern auch Freunden - auch Dir Thomas - immer wieder gerne
begegnet bin. Da macht es durchaus Sinn, wenn ich gelenkt und
begleitet werde. ("Bekehren" ist ein unschönes, schreckliches Wort,
denn es setzt voraus, dass ich vorher auf einem Irrweg war).

Ich fühl mich gar nicht irrwegig zugange, nein, ich suche solange
ich noch kann, immer wieder neue Wege, die mir neue Welten
erschliessen. Eben auch Weinwelte.

Ganz herzlich
Peter

NB. Den leidigen Forumstreit, den hochgespielten "Fall T.D" mag ich
nicht kommentieren. Es ist für mich kein "Fall", sondern ein Stück
dessen, was mich auf den zehn Jahren Wein-Forums-Wegen begleitet hat.
Thomas, Deine mitunter als rechthaberisch empfundene Beharrlichkeit,
genau so wie die massiven Worte Deines Intimfeindes Sam. Den Unrat,
den oft beide Streithähne, die halt so anders sind, den Argumenten
und Meinungen aufgeladen haben, sind längst weggeräumt, der "Abfuhr"
übergegeben ("Abfuhr" ist hier der Begriff für die Müllentsorgung),
viellicht sind sie aber auch als "Unkosten des Lebens" abgebucht. Was
für mich geblieben ist, und dies ist wohl das Entscheidende, das sind
das Wissen, die Leidenschaft, die Beharrlichkeit und die Liebe zum
Wein und zu Weinbegegnungen. Dabei ist mir der Mensch Thomas genau so
vertraut und lieb geworden, wie seine oft quälende
Grundsätzlichkeit. Wenn Du nicht mehr mit von der Partie bist, wird
mir - und ich vermute auch anderen im Forum etwas - viel fehlen!

Dies zum "Streit", der wohl "berühmtesten" Streithähne des Forums,
bei dem der eine soeben nochmals einen Kübel "Schei..." dem andern
nachgeschmissen hat. So etwas ist doch nur möglich, wenn sich
dahinter so viel Verletztheit und Verletzlichkeit verstecken, dass
diese Gefühle offensichtlich nicht mehr in Worten und vernünftigen
Sätzen auszudrücken sind. Schade!













>On Sun, 21 Feb 2010 14:19:05 +0100, "Bernd Schepperle"
><bernd.schepperle@arcor.de> wrote:
>
>>Ich bin überrascht, dass Peters m.M. nach interessanter
>Annäherungsversuch
>>an den italienischen Wein hier im Forum so wenig Resonanz findet.
>>
>>Ist das die Forumskrise?
>
>Ausnahmsweise mal nicht. Es liegt daran, dass hier nur Deutsche,
>Österreicher und Schweizer schreiben. Warum sollten die Peter zum
>italienischen Wein bekehren wollen???
>
>Die Sache ist ganz einfach: Wenn Peter so viel Zeit für
>italienischen
>Wein investieren würde, wie er für französischen Wein investiert
>(Datenbank zu Barolo und Brunello, Ferienhaus auf Sizilien,
>jährliche
>Weinreisen mit Weinprofis, Kenntnis der italienischen Sprache),
>wäre
>er absoluter Italien-Fan. Aus Zeitmangel ist ihm das nicht
>möglich,
>daher liegt ihm Italien ferner. Tausende Wein-Italien-Fans sehen
>das
>anders, wie am Absatz und am Preisniveau unschwer zu erkennen ist.
>
>Ich bin gern in Italien, und die natürliche, bodenständige Art
>der
>Winzer gefällt mir sehr gut. Italien ist das Land der Regionen,
>und
>das regionale Flair bekommt man mit, sobald man ein paar Tage vor
>Ort
>ist, egal ob es sich um Ligurien, die Toskana, Lazio, Kampanien,
>oder
>Sizilien etc. handelt. Nette Winzer, Händler und Gastronomen
>findet
>flächendeckend. Italien ist toll.
>
>
>Thomas
>
>--
>

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