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AW: Re: war: chemische Zusaetze

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Betreff: AW: Re: war: chemische Zusaetze

Datum: 2006-02-20 12:33:53
Absender: 



Tach Herr Decker, Tach Forum,
ich erlaube mir mal dazwischenzuschreiben:

Hallo Herr Schroeder,

ein paar Ergänzungen zur Ihrem Beitrag müssen schon sein:

Meines Wissens ist die Kennzeichnung von nicht ausdrücklich zur Kennzeichnung erlaubten Angaben in Deutschland verboten, somit könnte ein besonders "verbraucherfreundlicher" Winzer, auch wenn er wollte, nicht alles kennzeichnen was denkbar ist.

Richtig. Ich kenne viele Winzer, die da gerne auskunftsfreudiger wären. Aber warum ist das verboten?

Bei den allergenen Stoffen ist Schwefel nun seit kurzem und für den Jahrgang 2005 ganz sicher vorgeschrieben (zeitpunkt der Etikettierung.

Richtig, wurde bereits vor meiner mail geschrieben, ich wollte mich da nicht wiederholen.

Ob mehr Angaben mehr Verbraucherfreiheit schaffen, oder nur einen Informations-Overkill, kann man sicher diskutieren. So gesehen dürfte Atemluft als homöopathisch wirksamer Cocktail auch nur noch gereinigt und mit Beipackzettel in Gasflaschen abgefüllt werden.

Also offensichtlich kommen die Australier mit Ihrem "Informationsoverkill" ganz gut zurecht. Und das sollte dann doch wohl dem mündigen Verbraucher überlassen bleiben, ob er die Infos nun nutzt oder nicht. Wovor haben Sie Angst? Das mit der Atemluft kommentiere ich nicht.


Der Stein des Anstosses in der Diskussion um Weine aus der "neuen Weinwelt" sind m.E. nicht die herkömmlichen, teils seit Jahrtausenden, vielleicht in der Neuzeit technisch verfeinerten (früher Hühnerei - heute reines Casein) Verfahren, welche nach guter handwerklicher Praxis längst erprobt sind, und ein natürliches Grundprodukt stabilisieren, konservieren oder sensorische Fehler entfernen, sondern neue Verfahren, bei welchen der Wein, auseinandergenommen wird und im Labor re-designed neu zusammengesetzt wird. Diese Verfahren sind immer grosse Eingriffe, welche den natürlichen Charakter des Ursprungsproduktes zerstören. Der Rebstock ist nur noch Rohstofflieferant, nicht auszumalen, wenn konsequenterweise die Entdeckung gemacht wird, dass viele Inhaltstoffe aus anderen Quellen viel billiger einzukaufen sind, und so die Traube eigentlich unnötig wird. Den Begriff Wein sollen dann beide Produkte tragen.

Das war nicht der Diskussionspunkt. Zur Erinnerung: Es ging um Angaben auf Etiketten. Aber es ist doch interessant zu sehen, wie sofort mit der großen Keule zugeschlagen wird ("im Labor re-designed"), wenn jemand mehr Verbraucherinfos einfordert und die Interessenverbände kritisiert. Also machen Sie da nicht einfach einen neuen Kriegsschauplatz auf. Die von Ihnen angeprangerte Entwicklung kritisiere ich übrigens auch auf das schärfste.
Ja und dann noch was, wir reden hier über Australien. Das gehör t zwar auch zu "Übersee", aber Übersee ist groß. Die Australier haben mit den Amis nicht viel am Hut.


Es geht unseren Verbänden darum, frühzeitig eine Haltelinie zu ziehen, damit ein, im übrigen auch in Übersee zumeist, natürlich produziertes Getränk und die damit verbundene Kultur und landschaftsprägende Dimension des Weinbaus nicht verloren geht.

Schon gut. Gegen diese Haltelinie habe ich ja gar nichts, im Gegenteil. Ich muss nochmal feststellen, dass ich nur darauf hinweisen will, dass Australier besser informiert werden als wir. Und dass unsere Verbände verhindern, dass wir wenigstens auf den gleichen Stand kommen.
Aber, in Gottes Namen, wenn wir schon dabei sind: ich fürchte, dass die Verbände auch da schnell einknicken werden. Sie sind halt vor allem Interessenvertreter, was ja OK ist. Da solche Abkommen immer Abkommen auf Gegenseitigkeit sind, werden die deshalb nachgeben (selbstverständlich sind dann aber die anderen Schuld), weil dann deutsche Winzer auch nicht mehr so einfach in die USA exportieren können und dieser Markt wird ja immer interessanter. Es geht doch in Wirklichkeit gar nicht darum landschaftsprägende Dimensionen zu schützen, sondern einen Zaun um sein Gärtlein zu ziehen, der zwar zulässt, dass man eigene Produkte verkauft, gleichzeitig aber verhindert, dass fremde reinkommen.
Ja, und dann sollten wir auch nicht vergessen, welchen unterirdischen Schrott wir selber exportieren. Ich denke da nur an himmlische Möseltröpchen, Blue Nunn, Black Tower usw. Bekanntermaßen alles in handwerklicher Tradition gefertige Edelkreszenzen mit landschaftsprägender Dimension des Weinbaus. Gehen Sie mal ins Ausland und schauen Sie sich an, was da als deutsche Winzerkunst verkauft wird. Da kommt einem der Mageninhalt hoch.

Die Angabe von Drinkeinheiten ist doch nur eine Spielerei, anhand der vorgeschriebenen Alkoholangabe kann auch bei uns jeder Normalverbraucher abschätzen, ob man viel oder wenig von einem Wein trinken kann, um was eigentlich zu beweisen ? Dass man nicht mehr verkehrstauglich, Kopulationsfähig oder krankenhausreif ? Was soll das.

Kann er eben nicht. Ich habe massenhaft festgestellt, dass, wenn man mal jemand vorrechnet, er habe mit einer 0,75-er Flasche mit 12,5 Volumenprozenten soeben mal salopp gesagt einen viertel Liter Korn gekippt, sagen wir mal, erstaunt ist. Die Aussis und so viel ich wei ß auch die Amis wissen aber genau, wie viele Standarddrinks sie vertragen und wie viel Alk nun in der Flasche ist. Und da die Standarddrinkt auf jedem alkoholischen Getränk vermerkt sein müssen, haben die genau die Info, die die brauchen. Das sit keine Spielerei, das wird dort durchaus enrst genommen.

Der Umgang mit Alkohol, als unserer Kulturdroge, sollte im Elternhaus erlernt werden. Jeder sollte als Jugendlicher lernen, den Umgang mit Alkohol als Kulturgut scharf vom Mißbrauch abzugrenzen. Eltern müssen dabei Vorbild sein.

Jau, kann ich nur zustimmen, fällt aber mit so ner standardisierten Angabe leichter.

auch freundliche Grüße
Bernhard Schröder


Freundliche Grüsse

Hans-Peter Decker








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