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AW: VKN 1998 Montrose

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Betreff: AW: VKN 1998 Montrose

Datum: 2007-02-26 11:13:11
Absender:  Peter Züllig



Grüezi Bernd
Du sprichst das labile Verhältnis zwischen
Geld und Genuss an, zwischen genießerischem
Mehrwert und den Kosten, die entstehen, um an
diese Genussvermehrung zu kommen. Recht hast Du!
Sehr recht, auch beim Beispiel Montrose (und die
Beispiele ließen sich vermehren).

Ich war letzte Woche wieder einmal an einer großen
Auktion. Die teuerste Flasche - wenn ich dies
richtig überblicke - ging für netto 9'200 SFr. weg,
das macht brutto (inkl. Lotgebühr, Aufpreis und
Umsatzsteuer) 10'828 SFr. oder 6'853 Euro, für eine
Flasche Romanée Conti (AC/MO, grand cru, Domaine
Romanée-Conti) 1985 - 100 Parker Punkte.

Nicht nur bei den Burgundern ging es strub zu
und her, auch bei den "hohen" Bordeaux. Diese
gingen zum Teil 100 Prozent teurer weg, als noch
im vergangen Sommer. Als Beispiel: Der Lafite Rothschild,
1982 - ebenfalls 100 Punkte - allerdings nicht als
Einzelflasche, sondern zu 12en in OHK (Original Holz Kiste),
die Flasche brutto zu 2'300 SFr. (1'460 Euro).
Vor der Auktion durfte ich diesen sensationellen
Lafite verkosten: er war gut, sogar sehr gut, ein
schöner, ein toller Wein: vielleicht der beste Lafite,
den ich je getrunken habe. Genusswert, im Vergleich
zu andern Pauillac, die viel billiger aber auch gut
sind, vielleicht 200, 300 SFr. Und die restlichen
2000 SFr., wo sind sie geblieben?

Du schreibst in Bezug auf den Montrose: "1990er zu
kaufen ist ihnen wie Hochsee-Regattasegeln: unter
eiskalter Dusche Hundert-Euro-Scheine zerreißen.
Ich kenne das, dies lausige Gefühl von rausgeschmissen Geld..."
So schön und treffend ist dieses Erfahrungsdilemma
kaum je beschrieben worden.

Dabei geht es beim Montrose 1990 noch verhältnismäßig
um überschaubare Dimensionen. Er wurde jetzt - an
dieser "sehr großen und bedeutenden Weinauktion"
(so der Auktionator) zu brutto 374 SFr. (175 Euro)
gehandelt (allerdings mit einer schlechten Etikette)
und der Montrose 98 wurde nicht angeboten, doch ich
habe ihn damals für 64 SFr. (41 Euro) en Primeur
gekauft.

Über die Genussdifferenz kann ich leider nichts
sagen: einen 1990er habe ich noch nie getrunken
(jene legendäre Berlinerprobe, wo er zur Probe stand)
musste ich leider kurzfristig absagen. Und der 98er
liegt noch fest verschlossen in meinem Keller.
Letzte Verkostung bei der Arrivage im Jahr 2001!
Da war er noch ein Säugling, unausgegoren,
etwas überreif, tanninschwer - so wie eben mancher
Säugling nicht gerade schön ist, aber mit viel Potential
und von Hoffnung begleiteter großer Erwartung.

Deine Zwischenbilanz stimmt mich versöhnlich. Du schreibst
zum Montrose 90: "Etliche Weinfreunde bezweifeln die Befähigung
des 1990ers, echte 100 Punkte wert zu sein. Hälftige Bilanz
bei mir. Hälftig Weine im 90- bis 95 Punkte-Level. Die andere
Hälfte: im Weinhimmel." Und zu Montrose 1998: "....ein sehr
guter Wein mit noch erheblichem Potential. Zur Zeit 92+ Punkte.
Potential um 95 Punkte. Wenn auch nicht die Chance, einst ein