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AW: Verkostung 2003 Cornelissen Contadino

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Betreff: AW: Verkostung 2003 Cornelissen Contadino

Datum: 2006-03-02 10:42:25
Absender:  "Karl Bajano"





> -----Ursprüngliche Nachricht-----
> Von: unmodweinforum_owner@apris.de
> [mailto:unmodweinforum_owner@apris.de]Im Auftrag von Wilfried Knapp
> Gesendet: Mittwoch, 1. März 2006 19:42
> Betreff: [unmodweinforum] Verkostung 2003 Cornelissen Contadino
>
>
>
> Es ist offensichtlich riskant, Weine ohne Additive (vor allem SO2) und
> sonstige heute übliche Behandlungen zu erzeugen

Nein, nein und nochmals nein. Ausser SO2 hat es kein Additiv zu geben, im
Wortsinn. Oder soll das heissen, dass Aromate, Stabilisatoren,
Konservierungsmittel u.a. als "übliche Behandlung" angesehen werden? Das ist
bei uns absolut verboten, zu Recht, wie das wo anders läuft, ist mir
persönlich echt egal.
Es ist auch nicht riskant im herkömmlichen Sinn, aber man muss es könne n.
Und da liegt der Hase im Pfeffer! Ich fordere "alternative" Weine von
Meistern des Faches, nicht von Experimental-Typen mit Gurumentalität und
scheuklappiger Anhängerschaft (Anwesende explizit ausgenommen ;-) ).

> die mikrobiologische
> Fehlentwicklung ist schnell da. Mit eigenartiger Farbe und Trübung
> (durch Abfüllung mit der feinen Hefe - durchaus interessanter Ansatz)

Es ist aber so, dass der "durchaus interessante Ansatz" schon vor 250 Jahren
als bedingt spannend gesehen wurde. Wenn das garantiert viele Jahre lang gut
schmecken würde, gäbe es keine degorgierten Champagner. Jetzt sind die zwar
immer unfiltriert, aber *staun* allemal ganz blank!
Und was wird nun sein, wenn dennoch "probehalber" die Hefe in der Flasche
unkontrolliert vor sich hin murchelt?
Ja stimmt, als Mikroterroir-Würzestinker wäre das Ergebnis für manche sicher
ein Sensation: "Wissen sie, das Würzige macht das 12,4 X 7,75 X 2,906 cm
große Sprenkel-Schieferbruchplättchen (WAHNSINN, ein Phänomen, im goldenen
Schnitt!!!!) , das 23,1 cm (WAHNSINN, ein Phänomen, ein überirdischer Code,
die Quersumme ergibt 6!!!!) von der zentral gesehenen Stammbasis für diesen
Wurzelecht-Einzelstock-Terroirwein liegt, der feine Handkäseton kommt von
der achteldomestizierten Urwildhefe Saccharomyces plumpsclocera, die wir bei
Vollmond (WAHNSINN, ein Phänomen!!!!) mit einem geweihten sterilisierten
Schambeinlöffel aus einer rätselhaften lochförmigen Anlage aus der
Keltenzeit gruben".

Bevor jemand doch glaubt, es könnte was dran sein, empfehle ich die
Verkostung eines 5 Jahre alten Muscadet Sèvre et Maine sur lie, damit wäre
alles gezeigt (es gibt also die "Feinhefefüllung" schon lange *ggg*), viel
Vergnügen dabei, an dem Abend hab ich grad leider keine Zeit. Ja ich weiß,
es gibt einige wenige "Spätlesen" von dort, die sind sehr gut. Stimmt, aber
ohne Hefedepot und nicht AOC *g*.

> kann ich gut leben, auch wenn professionelle Weinverkoster den Wein
> allein deshalb als fehlerhaft ausscheiden würden.

Man wird lachen: nicht die professionellen Weinverkoster stoßen sich
wirklich daran, sondern ausgerechnet die Kameraden Konsumenten. Weit über
90% der Weinkäufer (auch solche mit gutem Wissen) akzeptieren nämlich einen
trüben Wein explizit nicht, mindestens genauso viele Profis aber privat
schon.
Das hat auch einen Grund: die meisten Amateure trauen sich nicht zu, eine
rein optische Trübung von einer den Weincharakter verändernden unterscheiden
zu können. Natürlich im Gegensatz zu allen hier, die können das mit links,
wie ich so sehe, einige sogar ganz besonders gut.

Mit Essigsäure und
> Essigsäurester in der Nase und entsprechendem Geschmack fange ich
> allerdings nichts mehr an. Da ich nicht annehme, dass der Wein
> bereits beim Abfüllen so war (zu heftiges Mitmischen von wilden Hefen
> in der Startphase der spontanen Gärung könnte sich so auswirken), hat
> da wohl in der Flasche ein entsprechender bakterieller Verderb
> stattgefunden - entweder trotz luftdichtem Verschluss mit
> Essigbakterien oder Abbau eines Restzuckers durch
> Milchsäurebakterien. Wie auch immer - das ist ein klarer Fehler des
> Produzenten (es sei denn, der Wein wurde einige Zeit bei zu hohen
> Temperaturen gelagert, denn das würde die Vermehrung von Bakterien
> ordentlich begünstigen) und das Endprodukt ist so nicht
> verkehrsfähig, denn wie ich anderen Meldungen entnommen habe, dürfte
> das kein Problem einer einzelnen Flasche sein. Kann das aber ja an
> den 2 restlichen Flaschen, die ich noch habe, überprüfen. Schade,
> denn das Konzept "Naturwein" interessiert mich sehr. Kann nur hoffen,
> dass die 3 Flaschem Magma, die ich auch habe, nicht verdorben sind.

Danke für den soliden Beitrag (auch wenn ich bisschen was dazwischenschrieb
:-) )
LG
Koal



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