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Antw: AW: Interview mit Reinhard Loewenstein

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Betreff: Antw: AW: Interview mit Reinhard Loewenstein

Datum: 2006-12-18 09:45:34
Absender:  "Dominik Ziller"



Sur terre, personne n est indispensable. sauf l ennemi
(Amelie Nothomb, Le Sabotage Amoureux)

>>> Thomas.Deck@gmx.de 16.12.2006 14:26 >>>
On Fri, 15 Dec 2006 17:56:18 +0100, Jürgen Steinmeyer
<JSteinmeyer@arcor.de> wrote:

>Der Begriff Terroir ist primär von der Herkunft geprägt.

Genau. Und "Terroir" ist keine Eigenschaft, sondern eine geografische
Einheit mit einer bestimmten Eigenschaft. Nämlich der Fähigkeit,
"typische" Weine hervorzubringen.

Entscheidende Frage: Worin liegt die Typizität, wie produziert man
solche Weine, wie erkennt man sie?

Und dann komme ich in Rage, wenn jemand wie Löwenstein, der das sicher
erklären kann, auf so einen unsinnigen Satz "wie schmecke ich Terroir"
nicht entsprechend antwortet.
"Wie schmecke ich Stuhl?"
Wie bitte? Erstens heißt das "Wie schmecke ich einen Stuhl?", zweitens
sollen Sie keine Stühle essen.
Auch ein Terroir ist nicht zum Essen gedacht, sondern zum Anpflanzen
von Reben.


>Er kann nicht ertragsbeschränkt und spontanvergoren
>als Synonym für qualitätsfördernde Maßnahmen gebraucht werden.

Allerdings lautet ein Punkt der ausführlichen Terroir-Definition:

(3) im Lauf der Geschichte ein kollektives intellektuelles
Produktionswissen angesammelt hat,

D.h. die Typizität kommt nicht von alleine. Wenn jeder munter vor sich
hinwurstelt, erzeugt jeder was anderes. Früher stellte sich diese
Frage nicht, weil es nicht so viele Möglichkeiten gab. Heute ist das
anders, daher müssen sich die Erzeuger schon irgendwie einigen, was
denn nun als typisch angesehen wird, und mit welchen Methoden man das
erreicht.

Jemand wie Löwenstein sollte nicht herumphilosophieren, sondern den
Leuten genau das erklären.

Übrigens ist der VDP da durchaus auf gutem Weg. Es kommen nun Unmengen
von Lagenweinen auf den Markt, und die Leute stellen die berechtigte
Frage, warum die denn so teuer sind, was diese Lagen aussagen sollen,
etc. Selbst wenn sich der eine oder andere Winzer nichts dabei gedacht
hat, jetzt ist er gezwungen, zu antworten.


Thomas Deck



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