Antw: Biowein aus Kroatien
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Betreff: Antw: Biowein aus Kroatien
Datum: 2007-03-05 09:34:06Absender: "Dominik Ziller"
Lieber Peter,
um beurteilen zu koennen, ob es vom Plavac Mali kommt, muesste man wahrscheinlich erst einmal ein, zwei andere Winzer finden, die die Rebsorte ebenfalls mit Ambition auszubauen versuchen. Ich habe bei meinen kroatischen Streifzuegen bisher nur die eher duenne, meist oxidative und zugleich stark alkohollastige Variante in die Finger bzw. ans Zaepfchen bekommen. Da holundert es vielleicht auch ein wenig, aber das geht zwischen den Oxidationstoenen sofort unter.
Auf den von Dir beschriebenen Wein hast Du mich jedenfalls sehr neugierig gemacht. Ich will mal sehen, ob ich davon hier in der Gegend irgendwo eine Probeflasche bekomme.
Liebe Gruesse
Dominik
>>> zuelligpe@bluewin.ch 04.03.2007 16:20 >>>
Grüezi mitenand
Was man doch an einem vergnügten Abend lernen
kann!
Gestern war ich bei einem Freund zu "osso bucco"
eingeladen. Natürlich holte er aus seinem Keller
ein "passende" Flasche Wein.
"Zlatan Stijena" stand darauf, sie soll aus
Kroatien kommen, und zwar von der "Sonneninsel"
Hvar, vor der kroatischen Küste.
Und noch etwas: es soll ein Bio-Wein sein, die
Etikette verrät es, und die Rebsorte ist "Plavic Mali",
die nur an der dalmatinischen Küste vorkommt.
So viel neue Begriffe, so viel Unwissenheit in
Sachen Wein, ich schämte mich....
Nun, das wichtigste war: die Flasche zu öffnen
und zu probieren. Woww, 14% Alkohol, es dürften
- nach meinem Gefühl - deutlich mehr sein, sicher
15 Prozent.
In der Nase eine ganz neue Erfahrung: schwarzer
Holunder. Habe ich wohl noch nie auf einer
Degu-Notiz registriert. Ich meine nicht diesen
weichen, süsslichen Blütenholundersaft, nein:
Holunderbeeren, die früher vor allem zu Heilungs-
zwecken eingesetzt wurden. Ich erinnere mich noch
gut an den Holunderschnaps, den wir vor vielen
Jahren - noch lange bevor Bio "in" war - nach einem
Rezept einer Appenzeller-Bauernfrau angesetzt haben und
einen Sommer lang an der Sonne reifen liessen. Ich
habe wohl in ganz zuhinterst in meinem "Giftschrank"
noch ein paar Tropfen davon.. Nach dieser ersten
"Nasenzuordnung" dann das übliche... Rumtopf, Kirschen,
Casssis, Feigen, Datteln, Gewürze...
Himmel, hört das nie auf. Im Gaumen recht streng,
voluminös, noch hart in den Tanninen, aber auch warm,
aromatisch, füllig...
Passte ausgezeichnet zum "Osso Bucco" a la Milanese.
Zusause dann - anderntags, da wollte ich es etwas
genauer wissen:
Tatsächlich gehört der Wein zum Besten, was man
aus Kroatien bekommen kann. Der "Zlatan Plavac",
der andere etwas einfacher Wein des Winzer Zlatan
Plenkovic wurde vom Wein- Magazin "Vinum" zum Wein des
Monats Januar 2001 erkoren. Vinum dazu: "Die Entdeckung -
Winzer Zlatan Plenkovic ist daran aus Plavac mali grosse
Weine von internationalem Format zu produzieren."
Dann ging's Schlag auf Schlag. Die Informationen reihten
sich nahtlos aneinander. Im Forum des WeinWissers
schrieb schon 2003 ein Weinfreund genau zu diesem
Jahrgang 2001, den wir im Glas hatten:
"Ich hätte es ehrlich gesagt nie für möglich gehalten,
dass mich ein kroatischer Wein so faszinieren könnte.
Kennen Sie Zlatan Stijena von Z. Plenkovic ? Hergestellt
wird dieser Wein nach EU-Bio-Richtlinien auf der Insel Hvar.
Dieser Wein ist absolut eine Entdeckung wert: Sehr dichtes
Rubinrot mit feinstem Wasserrand. Sehr betörendes Bouquet.
Cassis, Pflaumendüfte, Süsse anzeigend. Herrlich vielschichtig.
Ausgewogene süsse Frucht anzeigend. Auch Datteln im Gaumenfluss.
Unglaublich dicht und tänzerisch elegant. In druckvollem Abgang
austrocknende Tannine am Schluss. Macht enormen Spass. Der Wein
muss man unbedingt dekantieren! Jetzt: 18/20. In der Genussphase
in vier Jahren wird er enorm zulegen."
Diese Genussphase ist jetzt gekommen! Ich, jedenfalls habe
ihn genossen, auch wenn der Wein durchaus noch ein paar
Jahre lagern kann.
Die Recherchen führten weiter: vertrieben wird der Wein bei
"Delinat", jener Weinfachhandlung, die sich mit Bioweinen
beschäftigt und bei der ich - vor zwei, drei Wochen - für meine
Kolumne im Wein-plus-Magazin recherchiert habe. (Die Flasche
kostet etwas mehr als 30 Franken = 20 Euro)
Selbst im "Giftschrank" habe ich jenen kleinen Rest
Holunderschnaps gefunden, den ich neben den Wein stellte:
und siehe da, die