Antw: Welcher Wein zur Bachelorette - war
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Betreff: Antw: Welcher Wein zur Bachelorette - war
Datum: 2004-11-26 09:09:54Absender: "Dominik Ziller"
Da sagste was, Thomas!
Und damit Du nicht denkst, es ginge mir viel zu gut und ich haette nur Freude im Leben, frage ich jetzt mal, welcher Wein passt eigentlich zur "Bachelorette"?
Leider kann ich es Euch nicht ersparen, in diesem Zusammenhang etwas Etymologie zu betreiben. Bachelorette ist ja ein Compositum aus einerseits "Bache", was Jaegerlatein ist und soviel heisst wie "weibliche Sau", und andererseits "Lorette",was nun wiederum ein etwas altmodischer franzoesischer Begriff ist, der nicht viel anderes bdeutet als "Prostituierte" oder doch zumindest "wenig ehrenhaft Frau".
Da scheint sich RTL fast eine gewisse Tautologie geleistet zu haben. Die aber im Verhaeltnis zu den anderen Verbrechen am Zuschauer kaum ins Gewicht faellt, die diese Sendung pausenlos liefert.
Das Ganze wirkt irgendwie viiiiiel zu parfuemiert, vordergruendig, aufgesetzt. Und hinterlaesst einen bitteren Nachgeschmack - wie tief sind wir gesunken.??!!
Und damit ist auch klar, was man dazu am besten trinkt: einen 2003er Riesling trocken aus dem Badischen. Das passt wie die Faust aufs Auge des Promiboxers: Oberflaechlich, parfuemiert und hinten heraus die Bitternote...
Das muss man nicht trinken? Stimmt! Aber man muss ja auch nicht die Bachelorette anschauen! Ich verzichte gerne auf beides.
Gruss
Dominik
>>> th_riedl@gmx.de 24.11.04 18.22 Uhr >>>
So so,
ein 94er Scheurebe-Beerenauslese zu 45 Minuten öffentlich-rechtlichen
Impressionen! Soll ich als geneigter Leser daraus schließen, dass bei
90 Minuten 0,75 l weg sind? Und wenn ja, wovon?
Und wenn der Dominik die Desiree im Dschungel schaute (tut er nicht!
Tut er nicht?), was muss dann als Anästhetikum her?
Und wenn das so weiter geht mit Deinen kulturphilosophischen
Betrachtungen, was trinke ich dann zu Dominik Ziller?
Ach, lieber Dominik, schick mir in diesem Fall doch bitte eine
Flasche von dem 94er Muscat Beaume de Venise ;-)
Mon(i)e(r)t T. Riedl
>Eine besondere Gemme aus den Tiefen des televisionaeren
>Schaetzkaestleins strahlte 3sat Ende letzter Woche aus. Da gibt es
>wohl
>eine Reihe "vor 30 Jahren", in der immer mal wieder alte
>Dokumentationen
>wiederholt werden. In diesem Falle ein Bericht ueber die
>Impressionisten
>in der Ile de France. Die malende Eroberung der Natur, der Umwelt
>als
>Vorstufe zur kuenstlerischen Eroberung der Welt, koennte man das
>Leitmotiv wohl kurz zusammenfassen.
>
>Das ist ja schon drollig, zu dem Thema wird von den
>Oeffentlich-Rechtlichen fast jedes Jahr eine neue Dokumentation
>aufgelegt - die sich inhaltlich von den Vorlaeufern kaum abhebt und
>von
>diesen nur durch die neue, bessere Film-, Schnitt- und Tricktechnik
>zu
>unterscheiden ist.
>
>Und den aelteren Dokumentationen geht es dann wie gutem Wein. Sie
>reifen, ohne deswegen allzu schnell an Gehalt zu verlieren. Nur die
>Farbe wandelt sich, wird etwas blasser, Rot und Gelb gehen
>schrittweise
>in ein mattes Orange ueber. Holt man sie dann nach Jahren aus dem
>Keller
>hervor, wundert man sich, wie gut sie noch sind.
>
>Als Begleiter zum einem solchen gut abgehangenen Bericht kommt
>demnach
>nur ein aelterer Wein in Betracht. Hatte ich natuerlich da. Nicht
>ganz
>so alt, es muessen ja nicht gleich 30 Jahre sein, zehn tuns doch
>auch.
>So greife ich also die 1994er Forster Elster Beerenauslese von
>Heinrich
>Spindler aus der Pfalz. Ist nur eine halbe Flasche - auch das ist
>voll
>auf die Laenge der Doku abgestimmt, die ja mit 45 Minuten nur
>halbes
>Spielfilmformat hat.
>
>Kaum ist der Korken aus seiner Pflicht entlassen, geht auch schon
>die
>(Flaschen-)Post ab - aus dem Glas wird der ganze Raum aufs
>angenehmste
>beduftet. Ein echtes Kunstwerk auch am Gaumen. Saftige Botrytis,
>voll
>und wuchtig, dazu aber auch Apfelhonig, eine traubige Frucht,
>buttrig-nussige Karamelltoene, suesse Quitte - ein
>impressionistisches
>Nebeneinander von Komplementaeraromen. Und das in ewiger Laenge,
>jede
>der Noten meldet sich im Abgang pointilistisch immer wieder kurz zu
>Wort, taucht kurz weg, ein Kommen und Gehen - und erst mit etwas
>Abstand
>fuegt sich das Gesamtbild am Ende wieder zusammen. Der kann auch
>noch 30
>Jahre halten, schaetze ich mal. Und dann zur naechsten Ausstrahlung
>des
>Beitrags - etwa in der Reihe "vor 60 Jahren" - noch immer Freude
>machen.
>
>
>Der Wein passt auch deshalb so gut, weil er das Schicksal der
>Impressionisten vor 130 in gewisser Weise teilt. Das waren damals
>kaum
>bekannte Kuenstler. Heute kennt man diese Kuenstler und DEN
>Kuenstler
>fast ueberall, nicht aber die Spindler-Scheurebe. Weswegen sich der
>gute
>Herr Spindler zwar kein Ohr abgeschnitten hat, wohl aber die
>Scheurebenstoecke aus der Elster gekappt. Schade drum. Die richtig
>Guten
>muessen oft erst sterben, ehe man merkt, wie gut sie waren. Da geht
>es
>es der Spindler-Scheurebe kaum besser als Pissarro, Renoir und
>Cezanne.
>
>
>Nur Monet, der hat mit grosser Seelenverwandtschaft irgendwie eine
>Vorahnung gehabt. Und schon 1869 ein Bild von der Elster gemalt
>("La
>Pie"). Siehe auch
>www.poster.at/Monet-Claude/Monet-Claude-La-Pie-3100035.html
>
>Gruss an den Quai dOrsay
>Dominik
>
>--
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