DAC in Austria
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Betreff: DAC in Austria
Datum: 2010-03-16 16:11:15Absender: "weingeist"
Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde!
Ich schreibe, animiert durch den Beitrag von Michael P. über die neue DAC
Eisenberg, wo er sich zu Recht wegen der Vorgabe des Korkverschlusses etwas
aufgeregt hat, einmal einige Zeilen (in sehr gekürzter Fassung) aus meiner
Sicht, zu diesem leidigen Thema "DAC in Austria".
Schon bei den ersten Überlegungen zu dem Thema DAC hat sich für mich die
Sinnhaftigkeit einer solchen Regelung für Österreich gestellt. Wenn dann
noch die Argumente aus dem Weinmarketing gekommen sind, dass man so etwas in
Österreich braucht, um dem Konsumenten (hauptsächlich im Ausland, ich denke
nicht, dass im österreichischen Lebensmittelhandel jemand stark auf DAC
achtet) einen bestimmten Geschmack bei einer gekauften Flasche Wein zu
vermitteln bzw. eine bestimmte Erwartungshaltung bei einem solchen Wein zu
befriedigen, dann müsste unsere Jahresproduktion schon einen wesentlich
größeren Ausstoß haben, als wir es in den kleinen DAC-Gebieten jemals
erreichen können.
Unsere Weinbaugebiete sind doch bitte für die angestrebten Ziele viel zu
klein. Einzig das Weinviertel wäre vielleicht noch groß genug gewesen, aber
hier haben wir dafür wieder das Problem, das in unterschiedlichsten Regionen
und auf unterschiedlichsten Böden die unterschiedlichsten Grünen Veltliner
(sind wir doch dankbar dafür) wachsen. Wieso teilen wir denn innerhalb von
Österreich, innerhalb von Niederösterreich und sogar innerhalb des
Weinviertels auch noch dieses selbst in bestimmte Gebiete wie südliches
Weinviertel oder nördliches Weinviertel,....?
Übrigens, die DAC Weinviertel hätte mich fast bekehrt. Die Anfangserfolge
waren da, nur gemacht hat man daraus nichts. Heute hört man schon an allen
Ecken und Enden (in Österreich sagt man dazu auch "die Spatzen pfeifen es
schon von den Dächern"), dass die Weine zum Teil enttäuschen, dass die
Qualität nicht überall einem DAC würdig ist, dass sogar zum Teil die
Marketingmaßnahmen den gewünschten Erfolg schmälern, da sie nicht
konsequent, konzentriert und zielorientiert eingesetzt werden. Wir sind also
wieder dort, wo wir schon einmal waren - jeder Winzer kocht sein eigenes
Süppchen (was ich vollkommen verstehe).
Kann mir heute jemand (der österreichischen Forumsteilnehmer) noch auf
Anhieb und ohne große Überlegungen alle DAC-Gebiete und ihre
gebietsspezifischen Bestimmungen , die wir zwischenzeitlich haben, nennen?
Ich denke, wenn wir ehrlich sind, brauchen wir dazu alle das österreichische
Weingesetz mit seinen einzelnen DAC-Verordnungen. Man kann allen
Verantwortlichen zu diesem "Erfolg" nur beglückwünschen. Wenn dann in
regionalen Komitees noch Leute sitzen, für die der Korkverschluss
anscheinend noch immer das absolute NonPlusUltra in der Verschlussdiskussion
darstellt, sodass sie diesen für bestimmte Weine auch noch vorschreiben, und
es andererseits aber auch seitens der Winzerschaft die Bereitschaft dazu
gibt, bei einer solchen Sache mitzuspielen, und nicht vehement dagegen
aufzutreten, erübrigt sich für mich eigentlich jede weitere Diskussion
darüber. Gute Nacht Österreich! Gute Nacht DAC!
Liebe Grüße
Herbert
vulgo weingeist (der sich selten im Forum zu Wort meldet, aber gerne
mitliest)
Für alle die es vielleicht doch interessiert, meine, im Jahr 2000 zu diesem
Thema gegenüber österreichischen Meinungsbildnern geäußerten Gedanken
(Achtung sehr lange):
"Nüchterne" Betrachtung eines Weinfreundes zu diesem Thema
Längere Zeit schon, genauer gesagt meines Wissens nach bereits seit Anfang
1998, tauchen in der österreichischen Weinlandschaft diese magischen drei
Buchstaben in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen immer wieder auf.
Befürworter und Gegner setzen sich an "runde" Tische, um jeweils den Anderen
von der Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit, je nachdem aus welchem
Blickwinkel man die ganze Sache betrachtet, zu überzeugen. Als kritischer
Weinfreund, der sich mit der österreichischen, wie mit der ausländische n
Weinlandschaft doch recht intensiv auseinandersetzt, muss ich ehrlich
gestehen, dass sowohl positive wie auch negative Aspekte, gerade bei dem
Thema DAC, eng nebeneinander liegen. Trotzdem überwiegt bei mir persönlich
eine eher ablehnende Haltung zur Einführung des Begriffes "DAC". Warum dies
so ist, möchte ich im Folgenden näher erläutern. Zu diesem Zweck sollten wir
uns einmal näher überlegen bzw. in Erinnerung rufen,
wozu und von wem überhaupt diese Diskussion vom Zaun gebrochen wurde.
Dr. Berthold Salomon, Chef der Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft,
sieht große Probleme bei der Vermarktung österreichischen Weines im
internationalen Wettbewerb aufgrund der komplizierten und überladenen
Etiketten. Daher wurde von ihm laut über eine